Kundenrezension

38 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sehr heterogen, 31. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft: Crisis Economics (Gebundene Ausgabe)
Am 31. Oktober habe ich nach dem Lesen der ersten beiden Kapitel das Folgend geschrieben:

"Mich erinnert das Buch an das Korrigieren von Seminarklausuren an der Universität. Man rauft sich die Haare bei all den Allgemeinplätzen und Widersprüchen. Nichts wird tatsächlich hinterfragt. Nirgendwo wird dem allgemein Bekannten etwas Neues hinzu gefügt. Es ist ein Buch, das bereits auf der ersten Seite der Einleitung mit einem fetten Selbstlob des Autors beginnt. Und was dann so alles kommt ... Das geht exemplarisch so (S. 75): "Die monetaristische Interpretation der Weltwirtschaftskrise ist nicht ganz von der Hand zu weisen ... Doch andere Wirtschaftshistoriker haben seitdem festgestellt ..." Dann kommen der "Giftmüll" und die "Epidemien", ohne auch nur einmal zu erklären, was denn nun konkret damit gemeint ist. Mit dem Konkreten hat es dieser Mann ohnehin schwer. Die Händler seien "arrogant und dumm", heißt es weiter, der Autor bleibt jedoch jegliche Erklärung und vor allem inhaltliche Schilderung schuldig.

Auch die andauernden Widersprüche: Einerseits waren die Notenbanken zu expansiv, dann wieder war das genau richtig. Einerseits tendiert der Kapitalismus naturgemäß zu Krisen, andererseits jedoch formuliert Roubini eine Zielvorstellung, in der Zukunft die Krisen zu vermeiden. Also was nun?

Viele Punkte lassen erkennen, dass dieser Mann von der ökonomischen Theorie keinerlei Ahnung hat. Robert Shiller sei einer der vehementesten Kritiker der Effizienzmarktthese, schreibt er. Er hat wohl keinen anderen gelesen. Oder: "Die Theorie der Wirtschaftskrisen beschäftigt sich mit der Frage, wie und warum Märkte versagen." Was für ein himmelschreiender Blödsinn. Die Märkte versagen doch nicht, sondern sie reagieren, aber funktionieren. Wenn ich zyklische Marktkrisen abhandeln will, kann ich doch nicht sagen, dass die Märkte dann nicht funktionieren. Dann bin ich doch im luftleeren Raum. Doch genau dort schwebt Roubini.

Kaufen Sie daher nicht sein Buch, kaufen Sie lieber "The Big Short" von Michael Lewis. Dort ist jede Seite besser als das gesamte Buch von Roubini."

Nachdem ich nun den Rest des Buches gelesen habe, muss ich heute (10. November 2010) eine Teilabbitte leisten: Das Buch gibt einen guten Einblick in die Finanzkrise. Vieles wird sehr interessant und faktenreich geschildert. Im Vergleich zu "The Big Short" bleibt es jedoch seelenlos. Es bildet auch eine immense Hypothek (sogar eine Subprime-Hypothek!), so schlecht anzufangen, selbst wenn man dann gut endet. Durch das gesamte Buch zieht sich der Eindruck, dass hier Autoren völlig unterschiedlicher Qualität gewirkt haben.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 18.01.2011 09:46:18 GMT+01:00
R8D8 meint:
Hinzukommend - Roubini spricht mit keinem Wort einen wirklich zentralen Punkt an, welche so oder so, mit Keynes oder Hayek, egal wie, nie funktionieren kann: Die Geldschöpfung der Welt gehört NICHT in private Kartelle, private Notenbank, so wie die FED es ist und ebenso die Bank of England. WIE kann es sein das Ökonomen, WELT-ökonomen, diesen Umstand fortwährend ignorieren!? Wie soll eine Unabhängigkeit von Zentralbankern erreicht werden wenn diese IHREN PRIVATEN Herren dienen müssen. Mich schaudert es nach vielen, vielen Büchern und Aufsätzen diverser Starökonomen, KEINER wagt hier das Wort zu erheben... wie groß ist der Sumpf der privaten Zentralbanken schon gewachsen...

weiter, VON BEGINN AN ist Geld = Schuldgeld + Zins. Ein in sich eingebauter Systemfehler den auch KEINER der Ökonomen je anspricht. NOCH weiter, was ist die Grundlage überhaupt für das wirtschaften, mit Hayek, mit Keynes mit jedem "System"... was aber ALLE VWL und BWL Literatur vollkommen ausser Acht belässt, weil Gott gegeben, es blind vorausgesetzt wird... es ist die frei verfügbare BILLIGE Umwandlungsenergie, allen voran das ÖL. KEIN Energiespeicher ist so schnell und unkompliziert zu handeln mit einer dermassenen Energiedichte UND so billig... mit einem bisher unerreichten EROEI... nur ein Vergleich, um ein KFZ 1,8 to von D nach Spanien, zu bewegen, 1500 km weit, benötigt man ca. 1 Fass Rohöl, sprich Diesel, Benzin zum Spotpreis aktuell knapp 100 Dollar das Fass, raffiniert nochmals 30 Dollar drauf. Das war es dann auch. Man stelle sich vor, wie viel Energie von Hand, SELBER ziehen, nötig wäre...

Ohne diese Energie oder einen Ersatz ist jegliche VWL und BWL erst mal für die Katz... auch dieses wird von Roubini und Co. vollkommen ausgeblendet... eines der vielen Bücher die nur an der Oberfläche kratzen, mehr nicht. Ein Marktbuch, ein "Namenbuch" zur eigenen Markenverbesserung. Ohne tiefen Inhalt. Das Fazit aus diesem Buch:

1.) ICH Roubini habe gesehen - Treffer, das hat er, ja wirklich, er hatte Voraussicht, damit ist er 90 % der Hobbyökonomen und der Professionellen voraus!
2.) ICH zeige euch die OBERFLÄCHLICHEN URSACHEN. - Neutral bis nich aussreichend!
3.) ICH zeige EUCH Lösungen - die aber keine sind, nur Zeitverzögerungen, selbst Keynes hatte das Thema Energie NIE in einer Gleichung, warum auch, damals war DIES KEIN THEMA, heute schon, nur die wenigsten wollen, können es verstehen.
4.) Diese Buch ist ein Einstieg, schade, mehr nicht.

Ökonomen sollten sich einmal zusammen setzten mit Menschen Wie R. Heinberg, mit anderen Spezialisten und nicht nur immer IHR Süppchen der alten Rezepte kochen. Dies tut Roubini NOCH, ich hoffe auf einen Nachschlag.
Wird er kommen ?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.05.2011 21:12:14 GMT+02:00
N. Wick meint:
Ich bin der Meinung, dass dieses Buch - abgesehen von genannten Schwächen - einen soliden Überblick über die Geschehnisse der Finanzkrise gibt. Insbesondere die Tatsache, dass mit Sicherheit nicht jeder mit den Geschehnissen, Ereignissen und Handlungen der Weltwirtschafts- und Finanzkrise vertraut ist, sollte nicht außer Acht gelassen werden. Dieses Buch ist vor allem ein großer Wurf für die Autoren, die Geld verdienen, viel Geld. Daher mindert - übertriebene - vielleicht auch unangemessene - subjektive Schärfe unter Umständen den Bekanntheitsgrad und Gewinn des Buches.

"The Big Short" bietet über die Lektüre Nouriels hinaus, weitere, vertiefende Aspekte. "Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft" ist deshalb vor allem eines, eine Einstiegslektüre.
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