Kundenrezension

8 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Voller Häme und Bosheit, aber kein seriöser Beitrag zur Aufklärung der Dopingpraxis im Radsport, 11. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Cycle of Lies: The Fall of Lance Armstrong (Gebundene Ausgabe)
Hinterher ist man immer schlauer! Heute wissen wir natürlich alle, daß Lance Armstrong der größte Doper in der Geschichte des Radsports war.

Dafür wurde er aber auch streng bestraft! Alle seine Tour-de-France-Titel sind weg und zahlreiche andere auch. Seine ehemaligen Sponsoren klagen sich das Geld, das sie ihm noch vor wenigen Jahren nachgeschmissen haben, zurück, er hat sein Haus, den größten Teil seines Vermögens und die meisten seiner Freunde verloren. Juristisch ist die ganze Geschichte noch längst nicht ausgestanden, es kann also gut sein, daß er das, was er noch hat, auch noch verliert.

Viele Leute empfinden das als gerecht, auch weil Armstrong, als er ganz oben war, arrogant, kämpferisch, ja richtig bedrohlich auftrat und in der Tour so eine Art Mafia-Regime aufgebaut haben soll.

Recht viel tiefer als Lance Armstrong kann man also nicht fallen, und da stellt sich dann doch die Frage: muß man jetzt noch in einem dicken Buch höhnisch, hämisch und voller Bosheit nachtreten? Denn das ist es, was Juliet Macur hier tut. Frau Macur ist Journalistin bei der New York Times, und sie ist da sicher durch eine gute Schule gegangen, aber weder schreibt sie besonders brillant noch hat sie vom Radsport viel Ahnung. An der Aufdeckung von Armstrongs Doping-Sünden war sie auch nicht beteiligt, und neue Erkenntnisse hat sie ebenfalls nicht zu bieten. Alles, was die Autorin schreibt ist, woanders kompetenter (z.B. in The Secret Race: Inside the Hidden World of the Tour de France: Doping, Cover-ups, and Winning at All Costs) und ausführlicher bereits gesagt worden. Hier geht es darum – das ist zumindest mein Eindruck - auf jemanden, der von anderen gefällt wurde und jetzt flach am Boden liegt, nochmals kräftig einzutreten.

Denn es ist ja so: Im Profi-Radsport haben sie alle gedopt, nicht nur Lance Armstrong und nicht nur bei der Tour de France, sondern bei allen Profirennen. Aber in diesem Buch ist die Einteilung der Rad-Welt immer ganz klar: Armstrong ist der Böse, und alle anderen waren nur seine Opfer, eventuell noch Erfüllungsgehilfen. Aber die wollten eigentlich nicht dopen, Armstrong hat sie dazu gezwungen. Das stimmt nun überhaupt nicht. Es war einfach so, daß ab ca. 1988, als EPO verfügbar wurde, alle gedopt haben und keiner mehr eines der großen Rennen ohne Doping gewinnen konnte.

Alle Leute, die für Armstrong gefahren sein, seine ganzen Domestiken, alle haben sie gedopt, aber nicht, weil Armstrong sie dazu gezwungen hat, sondern weil sie selber vorne mitfahren und Geld verdienen wollten. Wenn irgendwas aus diesem Buch klar wird, dann ist es das: allen war ihr Körper vollkommen egal, so lange sie nur auf ihren Rädern viel Geld verdient haben. Da mußte sie Armstrong gar nicht dazu zwingen, das haben ganz von alleine gemacht.

Und darum ist die Einteilung dieses Buches in böser Armstrong hier und alle seine Opfer da vollkommen falsch! So war das einfach nicht!

Armstrong – das wird aus diesem Buch sehr schön klar – kommt aus einem „broken home“, einer kaputten Familie. Sein biologischer Vater war Alkoholiker, seine Adoptivväter entweder überhart oder emotional nicht erreichbar. Aber komisch: jedem Verbrecher, jedemn Drogenkranken, insbesondere dann, wenn er erfolglos, arm, Migrant oder Afroamerikaner ist, hält man zugute, daß er aus einer kaputten Familie kommt und findet dann sofort tausend Gründe dafür, warum der Betreffende für seine Taten doch gar nicht verantwortlich sein kann und deshalb a) milde bestraft und b) schnell wieder resozialisiert werden soll.

Nur bei Armstrong, da gilt das nicht, weil er – Doping hin oder her – sehr wohl ein großer Sportler war, weil er ein Kämpfer war, ein rasiermesserscharfer Hund, der sich zu wehren wußte und gekämpft hat bis zum letzten.

Allein dieses Messen mit zweierlei Maß macht solche Bücher vollkommen unglaubwürdig.
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 01.06.2014 18:29:31 GMT+02:00
Bad Ben meint:
Danke für die klaren Worte. Ich habe das Buch nicht gelesen, aber die Rezension ist als Stellungnahme zu dem Fall Armstrong wirklich gut gelungen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.08.2014 18:28:34 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 07.08.2014 18:44:51 GMT+02:00
onmyown meint:
Ich glaube, wie der Rezensent, dass es so ein Buch nicht baucht. Ich habe es auch nicht gelesen und ich will und werde es auch nicht tun. Ein Einblick in die Machenschaften von Armstrong und den beteiligten Drahtziehern wurden bereits in Tyler Hamiltons Buch eindrücklich beschrieben. Und alles, was man sonst durch die Medien und die Presse mitbekommen hat, ist meines erachtens völlig ausreichend, um sich ein umfangreiches Bild machen zu können.
Hier möchte nur eine weitere Person sich am Fall Armstrong bereichern.

Veröffentlicht am 01.09.2014 23:52:38 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 03.09.2014 18:18:40 GMT+02:00
Erhard Thiel meint:
Im Moment scheint sich die gesamte Branche an der Armstrong-Hatz zu beiteiligen. Ob die "Ehemaligen" ihre Haut retten wollen, ich weiß es nicht, die ganze Geschichte, die zur Zeit abläuft, ist jedenfalls ein Festival der Heuchelei. Jeder der Radsport verfolgte, wußte vom flächendeckenden Doping, kannte die unausgesprochenen Geheimnisse der "rollenden Apotheken". Es waren mit Sicherheit bei der Tour stets mehr als 90 Prozent, die sich in der einen oder anderen Form pharmazeutisch aufrüsteten. Zur Zeit bietet sich ein total verzerrtes Bild, als sei in der Post-armstreong-Ära die greoße Sauberkeit ausgebrochen. und zu seinen Verfolgern zählen auch jene, die ihn einst hochjubelten, als er um die Jahrhundertwende der Tour die goldene Epoche bescherte. Ja, stimmt alles. Übereinstimmung kann manchmal langweilig sein.
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