Kundenrezension

7 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Dialog-Zensur, fehlender Text, akustisch entschärft..., 2. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: Navajo Joe (DVD)
Rezension bezieht sich auf Koch Media DVD von 2009 (EAN 4020628977634).

Was man bekommt:

Nett aufgemachte DVD (optisch gelungener Pappschuber) mit ordentlicher Bildqualität und interessanten Extras (Trailer, Doku, Interview, Bildergalerie, Drehortvergleiche, 32-seitiges Booklet). Der Film liegt ungeschnitten, aber nicht unzensiert vor.

Infos zum Film (ohne gravierende Spoiler):

"Navajo Joe", auch bekannt als "Kopfgeld: Ein Dollar", ist Sergio Corbuccis ("Django", "Leichen pflastern seinen Weg") vierter Italowestern. Dabei setzt er, ähnlich Sergio Leone bei dessen Dollar-Trilogie, auf einen amerikanischen Hauptdarsteller. Für einen Italo-Western untypisch, ist der Titelheld ein Indianer. Jener Navajo Joe verfolgt im Film einen persönlichen Rachefeldzug, während er einem Beschaffungsauftrag für die Bewohner einer kleinen Stadt nachgeht. "Navajo Joe" ist einer der umstritteneren Western Sergio Corbuccis, da er von vielen als teils etwas langatmig und insgesamt relativ eintönig wahrgenommen wird. Oft steht auch die Leistung des Hauptdarstellers Burt Reynolds in der Kritik. Unterm Strich ist der Film aber dennoch sehenswert (es gibt sicherlich deutlich schwächere Italowestern) und er gehört für Genre-Fans eigentlich in die Corbucci-Sammlung. Eigentlich, denn bestimmt nicht in der hier vorliegenden Fassung.

Negatives:

Leider hat Koch Media für diese DVD nicht die dt. original Synchronisation und Tonspur der Kinofassung verwendet, sondern eine später neu von MGM angefertigte, manipulierte Spur. Hierbei wurden Dialoge und Ausdrucksweise des Films permanent einer unnötigen, "politischen Korrektur" unterzogen. Stellenweise fehlen auch ganze Sätze und in einigen Szenen wurde sogar noch die dramatisierende Akustik herunter geregelt, um die gezeigte Handlung zu entschärfen. "Navajo Joe" wird dadurch recht langweilig, teils unlogisch und an einer Stelle sogar unfreiwillig komisch. Die von Corbucci ursprünglich inszenierte Dramatik und die schonungslose Darstellung der moralisch fragwürdigen Verhältnisse zu jener Zeit, nehmen durch die unqualifizierten Manipulationen ernsten Schaden. Das Werk wird verfälscht und teils sinnentfremdet dargestellt. Wer hier nun Schuld hat, ob MGM oder Koch Media, ist strittig, dem geneigten Filmfan aber auch relativ egal. Derart verunglimpft hätte "Navajo Joe" nie kommen dürfen - wenigsten nicht ohne jeglichen Hinweis auf die manipulierte Tonspur. Kenner der Originalfassung und generell Kenner und Fans von Corbuccis rauen, düsteren Western werden den Kopf schütteln, angesichts dieser weichgespülten, neuen DVD-Version.

Einige Beispiele für Änderungen (teils unvermeidbar mit Spoilern):

Aus "verdammten Indianern" werden nur noch "Indianer". [Selbstverständlich hatten die weißen Eroberer und Siedler damals nur äußerst respektvoll über Indianer gesprochen...]

In der Szene wo Banditenboss Mervyn Joe auspeitscht, wurden Klagelaute und Peitschengeräusche stark reduziert. Man hat kaum noch das Gefühl Joe würde wirklich leiden oder Mervyn würde wirklich zuschlagen - der tut nur noch so!

Im Original hält Mervyn dann übrigens schlagartig inne, weil sein Bruder Jeffrey ihm zwischendrein zuruft "er solle doch aufhören, man bräuchte den Indianer schließlich noch". Auf der Koch-DVD stoppt Mervyn neuerdings ohne erkennbaren Grund. Er und die anderen Banditen blicken urplötzlich und vollkommen unvermittelt zu Jeffrey, welcher daraufhin überhaupt erst zu sprechen beginnt. Kann Mervyn also in die Zukunft schauen oder Gedanken lesen? [Die Szene wird hier unfreiwillig komisch. Selbst Leute, welche die Originalfassung nicht kennen, bemerken hier, dass etwas nicht stimmt. Es fehlt ein kompletter, für die Szene entscheidender Dialogsatz.]

Beim Showdown, als Joe Mervyn mit der Flinte bereits fest in Schach hält und die Situation eigentlich schon gewonnen hat, will er plötzlich und ohne erkennbaren Grund zum etwas abseits gelegenen Tomahawk wechseln. Dadurch gibt er Mervyn die Möglichkeit, der eigentlich ausweglosen Situation doch noch zu entkommen und Joe sogar noch tödlich zu verletzten. [Man denkt beinahe "dummer Indianer" und "warum wechselt er jetzt auch noch zum Tomahawk - selbst schuld".] Im Original fällt an dieser Stelle der Satz "ich werde dich auf indianische Art töten", wodurch die Szene in einem anderen Licht erscheint und die Handlung logisch wirkt. [Natürlich musste auch dies für die DVD politisch korrigiert" werden. Indianer waren nämlich in keinem Fall kompromisslose Krieger und haben selbstverständlich niemals willentlich mit Tomahawks getötet...].

Die DVD ist voll von solch unsinniger Zensur. Man glaubt gar nicht mehr so Recht einen waschechten Corbucci zu sehen. Eher beinahe schon einen alten 0815 "Friede-Freude-Eierkuchen"-US-Western. Es ist eine Schmach!

Fazit:

Was nützt die beste Aufmachung, wenn das Wesentliche, nämlich der Film selbst, verhunzt ist? Wer das originale Werk unverfälscht erleben möchte, tut sich mit dieser DVD keinen Gefallen! Cineasten und ernsthaften Corbucci-Fans kann daher leider keine Kaufempfehlung ausgesprochen werden.
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Kommentare


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1-8 von 8 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 09.12.2011 08:11:23 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 09.12.2011 08:47:02 GMT+01:00
kogenta meint:
Hier werden einige wenige winzige Mankos - die es gibt, zugegeben! - einer ansonsten sehr guten DVD-Ausgabe dramatisch aufgebauscht, so daß ein völlig falscher Eindruck entsteht.
Ob mutwillig oder fahrlässig weiß ich nicht, jedenfalls wird 'aus einer Mücke ein Elefant gemacht'.
Ein Stern Abzug wäre ja o.k. gewesen; in der vorliegenden einseitigen und ohne jedes Augenmaß abgefassten vernichtenden Form ist die im Kern berechtigte Kritik dagegen nicht mehr ernst zu nehmen ...
Gruß, kogenta

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.12.2011 14:05:13 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 10.12.2011 17:50:49 GMT+01:00
Wovon sollte denn bitte nur 1 Stern abgezogen werden? Doch nicht ernsthaft von einer 5-Sterne-Höchstwertung? Das wären 4 Sterne für einen Western, der selbst in unverfälschter Form überhaupt nur 3 Sterne wert ist...

4 Sterne (also mit Extra-Stern) wären es allenfalls bei absolut tadelloser Umsetzung, brillianter Restauration und herausragendem Bonusmaterial. So gut ist die DVD aber nicht.

Brilliant in Umsetzung und Bonus sind z. B. die DVDs von "Mein Name ist Nobody", "Für eine Handvoll Dollar" und "Für ein paar Dollar mehr". Die sind nochmal eine ganze Ecke besser, was die Restauration der Filme und die Qualität und Wertigkeit des extra anfertigten Bonusmaterials angeht.

Natürlich ist es letztlich Geschmacksache, aber wenn schon allein die unverfälschte Originalfassung von "Navajo Joe" bereits 5 Sterne verdient hätte, dann hieße dass ja, dass Corbuccis "Leichen pflastern seinen Weg" oder Leones Dollar-Trilogie und andere Meilensteine keinen Deut besser wären. Darüber sollte man mal nachdenken...

M. E. stellt "Navajo Joe" einen der besseren 3-Sterne-Western dar. Die Koch Media DVD wäre insgesamt gut (allerdings nicht brilliant), wenn die Tonzensur nicht wäre - hierfür sind zwei Sterne abzuwerten, weil sich Filmliebhaber und Cineasten durchaus auch dementsprechend daran stören.

Mit Höchstnoten bzw. nur marginalen Abzügen sollte man sparsam umgehen und sie nur solchen VÖs vergeben, die sie auch wahrhaft verdienen! Ab und an erstaunt es schon ein wenig, wie unkritisch und anspruchslos manche Zuschauer zum Teil sind.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.12.2011 06:36:48 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 11.12.2011 07:26:05 GMT+01:00
kogenta meint:
Ihre Erläuterungen zum 'oberen Bereich' der Bewertungsscala in Ehren, und man mag darüber streiten, wieviel Sterne die DVD dieses Films ohne das von Ihnen kritisierte Manko verdient hätte. Niemand hat behauptet, daß es 5 Sterne sein müssen.

Aber gilt Gleiches nicht auch für den 'unteren Bereich' der Bewertungsscala? Genauso wie eine Bewertung mit 5 Sternen sagt: "Besser geht's nicht", bringt Ihre Bewertung mit nur EINEM Stern zum Ausdruck: "Schlechter geht's nicht". Und das ist doch wohl stark übertrieben, oder?

Zudem ist eine deutsche Synchro IMMER eine Verfälschung des Films; wenn daran erneut herumgedoktort wird wie in diesem Fall, wird's nicht sooo gravierend schlimmer. Allein darauf einen Total-Verriß aufzubauen, scheint mir doch sehr einseitig: englische und italienische Tonspuren sind ja schließlich auch vorhanden!

Und die zum Vergleich herangezogenen Dollar/Nobody-DVDs sind auch keineswegs perfekt: Durchweg zu dunkles Bild, und - im Gegensatz zu NAVAJO JOE! - mit NICHT extra produzierten Extras, sondern angekauften bereits auf Import-DVDs vorhandenen Extras zwar üppig, aber eher lustlos ausgestattet. Und daß bei 'Für ein paar Dollar mehr' große Teile mit anderen Stimmen neusynchronisiert wurden, obwohl sie auch in der alten Synchro vorliegen, ist ebenfalls eine schwer zu schluckende Schlamperei.
Ist aber alles kein Grund zum Total-Verriß, doch das 'Haar in der Suppe' kann man halt immer finden ...

Auf Ihren letzten Absatz bezogen sei gesagt: Unkritisch sein und wohlwollend kritisieren mit Respekt vor der Leistung anderer, auch wenn sie nicht perfekt ist, scheint mir doch ein wesentlicher Unterschied zu sein.

Gruß, kogenta

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.12.2011 17:57:31 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 11.12.2011 18:42:49 GMT+01:00
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.12.2011 22:37:06 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 12.12.2011 00:03:35 GMT+01:00
kogenta meint:
Nur der Richtigkeit wegen:
Bei 'Für ein paar Dollar mehr' wurde der komplette Schlußdialog nach dem Duell ('Das Mädchen auf dem Foto sieht Ihnen sehr ähnlich' / 'Soll ja häufiger vorkommen bei Bruder und Schwester' / etc.) neu synchronisiert. Statt Heinz Engelmann für Lee van Cleef hören wir bis zum Ende des Films einen anderen Sprecher. Das war völlig unnötig, da nahezu die komplette Sequenz (abgesehen von 1 oder 2 Sätzen) auch in der alten Synchro vorlag. Da wurde eindeutig geschlampt, das geht über mehrere Minuten und fällt wesentlich schwerer ins Gewicht als die paar fehlenden Sekunden bei NAVAJO JOE.
Daß die dt. Tonspur bei 'Zwei glorreiche Halunken' ein unerträgliches Gemisch aus 3 (!) Synchron-Anläufen darstellt - da sind wir uns einig. Aber auch da gibt's zusätzlich eine engl. Fassung und somit keinen Grund, auf die schlechtestmögliche Wertung von nur 1 Stern zurückzufallen. Die Synchro ist schließlich nicht das Wichtigste am Film und kann ein solches Gewicht niemals haben!
Gruß, kogenta

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.12.2011 19:17:33 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 13.12.2011 19:38:38 GMT+01:00
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.02.2012 10:32:50 GMT+01:00
Thomas Lenk meint:
Orginalton mit UT liegen doch vor. also was soll das Geheule?
Wer sich den Film auf deutsch ansieht bekommt NICHTS vom Orginal mit.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.10.2012 20:34:56 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 18.10.2012 20:56:25 GMT+02:00
"""Thomas Lenk meint:

Orginalton mit UT liegen doch vor. also was soll das Geheule?
Wer sich den Film auf deutsch ansieht bekommt NICHTS vom Orginal mit."""

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Der Original-Ton wäre in diesem Fall Italienisch. Navajo Joe wurde in Italien und Spanien produziert - in italienischer Sprache. Wer schaut bitte Filme auf Italienisch? Was soll man in einer vollkommen fremden Sprache "besser" mitbekommen, wenn man kein Wort versteht und permanent mit dem Lesen von Untertiteln abgelenkt ist? Deren Übersetzung sich übrigens an der englischen Tonspur orientiert! Die ist bei diesem Italo-Western aber genauso "nur" eine mehr oder weniger abweichende Synchronisation, also kein Original, wie die dt. Tonspur auch.

Manche Kommentare sind echt nur Müll. Wenn man keine Ahnung hat sollte man sich zurück halten....
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