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Sturm im Tintenfass,
29. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Tintentod. Tintenwelt 03 (Gebundene Ausgabe)
Es hat mich eigentlich gewundert, dass ich mit der Trilogie so wenig anfangen konnte, denn rein vom Thema und der Umsetzung her ist es genau die Art Bücher, die mich fesselt. Rein auf diesem guten Willen basierte dann auch das Durchhaltevermögen, mit dem ich mich durch die drei Bücher gebissen habe. War das erste noch sehr vielversprechend, wenn auch mit einigen Schwächen, flaut das ganze im zweiten Band ab und war im dritten dann endgültig nicht mehr zu retten.
Hier meine größten Probleme mit der Trilogie und "Tintentod" im Speziellen. Eventuelle Spoilergefahr.
- Funkes Schreibstil. Nichts geht ohne Metaphern, als hätte die Autorin sie irgendwo billig in der Großpackung erstanden. Niemand macht etwas einfach so, es ist immer "als ob es das letzte Mal wäre", "als ob sie bereits wüsste was er sagen würde" usw.
- Die Charaktere, vor allem Staubfinger, verhalten sich teilweise widersprüchlich zum ersten Band. Sehr oft hat man das Gefühl, dass viele Hintergründe und Details der Tintenwelt erst im Nachhinein konzipiert wurden, als das erste Buch erfolgreich war.
- Bei anderen Charakteren, vor allem den Bösewichtern, fehlt dahingegen jegliche Motivation, sie sind einfach nur böse, weil es jemand sein muss. Außerdem verhalten sie sich zu Gunsten der Guten wiederholtermaßen so dumm, dass es extrem unrealistisch wirkt, wenn zum X-ten Mal Gefangene nur deswegen entkommen können, weil jemand zu viel oder zu lange redet oder generell zu lange wartet ("er ist noch nicht kräftig genug für seine Exekution" fällt mir hier als Schlagwort ein, ohne Anspruch auf die hundertprozentige Korrektheit des Zitats).
- Selbiges gilt leider auch für die Helden, die sehr oft einfach des Plots halber vergessen, dass z. B. Botschaften zuvor bereits auch schon abgefangen und Boten gefoltert wurden
- Manche Sprachkreationen wie "Drachenfliegen" und auch das ein oder andere Vorwort lassen stark vermuten, dass hier vor allem schon beim Schreiben an eine lukrative Vermarktung als Film auf dem amerikanischen Markt gedacht wurde, anstatt eine Geschichte zu erzählen
- Fast jeder Protagonist muss mindestens fast einmal sterben und wieder gerettet werden, was irgendwann einfach nur noch langweilig wirkt, anstatt die Spannung zu heben.
- Charaktere, die in den ersten Bänden noch sehr wichtig waren, verkommen im dritten zu Randfiguren. Dafür sind Charaktere, die man eigentlich kaum kennt und die daher sehr blass und profillos erscheinen, in den Vordergrund gezerrt
- Wenn etwas vom Plot her nicht erklärt werden kann, wird meiner Meinung die Erklärung "so wurde es nun einmal geschrieben" viel zu oft bemüht
Generell hatte ich mir von so einer hochgelobten Autorin sehr viel mehr versprochen und würde zum Thema Bücher und Phantasie eher die zeitlose "Unendliche Geschichte" empfehlen. Dieses Buch ist auch, anders als die vor allem zum Schluss teilweise wirklich sehr brutale Tintentrilogie, eine wunderbare Lektüre für Kinder, Jugendlichen und Erwachsene gleichermaßen.
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