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4.0 von 5 Sternen "Größte Steinbaukultur der Geschichte", 2. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Tempel Ägyptens. Götterwohnungen, Baudenkmäler, Kultstätten (Gebundene Ausgabe)
Eine Nilkreuzfahrt im vergangenen Jahr weckte mein Interesse an der großartigen Kultur der alten Pharaonen. Wer die Tempelanlagen in Karnak und Luxor gesehen hat, kann noch den Glanz jener Zeit erahnen, als die Pharaonen das mächtigste Reich der damaligen Zeit regierten.

Glücklicherweise gibt es auf dem Büchermarkt eine große Auswahl an Bildbänden, die einerseits durch ihre Fotos die Erinnerungen an den Urlaub auffrischen und andererseits ein Fülle an zusätzlichen Fakten bzw. Detailinformationen liefern. Meine Wahl fiel auf Dieter Arnolds Buch ,Die Tempel Ägyptens'.

Arnold, der selbst an Ausgrabungen im Land der Pharaonen teilgenommen hatte, stellt im ersten Teil seines 239 Seiten umfassenden Buches die Bau- und Stilgeschichte dar und erläutert die Funktionen und Kulte der Priester. Es folgt im zweiten Teil eine Beschreibung aller bekannten Tempel, dem Verlaufe des Nils folgend, und soweit vorhanden Fotos, Zeichnungen, Pläne und Grundrisse. Eine Zeittafel der Dynastien und Herrscher, eine Übersicht der Größenvergleiche der wichtigsten ägyptischen Tempel, ein Register der Orts- und Personennamen und ein geographischer Lageplan bilden den Abschluss des Werkes. Vermisst habe ich ein Kurzlexikon mit den wichtigsten Begriffen.

Mehr als 2500 Jahre - die letzte Datierung einer hieroglyphischen Inschrift stammt aus dem Jahre 394 n.C. und wurde auf der Insel Philae gefunden - kennzeichnen die "größte Steinbaukultur der Geschichte". Jüngere Dynastien errichteten neue Tempel oder rissen ältere, baufällig gewordene Gebäude ab und ersetzten sie durch größere Bauten. Das beim Abriss gewonnene Baumaterial wurde für den Neubau verwendet (ein trauriges Schicksal, das auch im vergangenen Jahrhundert noch so manchen Stein ereilte!)

Der ägyptische Tempel galt als "Wohnstätte der Götter ein in das Diesseits herübergeholter Teil jener anderen Welt ..., in der die Götter wohnen und in dem andere Gesetze gelten". Der Tempelboden dieses "verkleinerten und abstrahierten oder konsolidierten Kosmos" bildete den Unter- oder Urgrund der Erde, die mit Sternen und Geiern dekoriere Tempeldecke stellte den Himmel dar. Auch die geographische Ausrichtung war von Bedeutung. Die Zeichnungen der nördlichen, nach Unterägypten zeigenden Tempelhälfte wiesen die rote Krone und die Papyruspflanze auf, das Zeichen Unterägyptens. Die Darstellungen der südlichen Tempelhälfte dagegen zeigen die oberägyptischen Symbole: die weiße Krone und die Lilie.

Die Tempel wurden von Ziegelmauern abgeschirmt. Den Zugang bildete ein trapezförmiger Pylon mit seinen mächtigen, meterhohen Zedernholztüren. Es folgte ein säulenumkränzter Hofbereich, der in einer Säulenhalle mündete. Diese Säulenhalle mit ihren stilisierten Papyrus- und Lotusstängeln erinnerte an einen botanischen Garten. Die Säulen endeten in geschlossenen bzw. geöffneten Blütenkapitellen oder trugen in einem der Göttin Hator geweihten Tempel ein Frauenbild mit Kuhohren.

Das Allerheiligste des Tempels, das dunkle, fensterlose Sanktuar, befand sich im Zentrum des Kernbaus. Hier wurden die Götterbilder aufbewahrt und an den Götterfesten auf Barken hinausgetragen. Aus der Entschlüsselung der Hieroglyphen wissen wir z.B., dass am Sed Fest dem König die göttliche Macht (wieder)verliehen und auf "magische Weise dem König ein ewiges Leben ,von Millionen Jahren' erwirkt" wurde. Prozession und Weihrauchkult wurden von den Römern übernommen und werden bis zum heutigen Tage von der katholischen Kirche zelebriert.

Die Bilder und Texte an den Wänden und Säulen des Tempels waren ursprünglich keine Texte zum Lesen. "Denn durch das Mundöffnungsritual zu eigenem Leben erweckt, führten die Texte ein in sich geschlossenes Eigenleben". Auch die Ausrichtung der Reliefs ist nicht zufällig gewählt, sondern folgt in Richtung vom Götterheiligtum nach außen.

Die Bilder der zahlreichen Ruinen im zweiten Teil des Bildbandes stimmen traurig, erinnern sie doch an die Vergänglichkeit des Lebens und der steinernen Zeugnisse einer großartigen Kultur. Gleichzeitig ermahnen sie zu einer gemeinsamen Kraftanstrengung, um zu verhindern, dass ein weiterer Verfall und eine sinnlose Zerstörung folgen. Sowohl Einheimische als auch Touristen müssen sich der Verantwortung bewusst werden, dass sie der Bewahrer einer einmaligen Kulturschöpfung sind.
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