Kundenrezension

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Mutter aller Invasionsstories, 21. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Kampf der Welten (DVD)
Ich muss 10 oder 11, vielleicht auch noch 9 Jahre gewesen sein, als ich diesen Film zum ersten mal im Fernsehen sah. Damals kam es den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten auch noch auf ein gutes Programm an, und nicht, wie heute, nur ständig immer dünneres Larifari-Programm zu immer höheren GEZ-Gebühren zu bringen. So lief damals immer Samstag Nacht die Reihe "Der phantastische Film" mit Klassikern des SF, und mein Vater musste mich dann Nachts immer wecken, wenn es losging...

Ich habe mich bei diesem Film mehr als einmal hinter dem Sessel versteckt, und mein Schlaf danach war dann auch mit entsprechenden Albträumen angereichert...

Beim Wiedersehen, nun endlich auf der grossen Leinwand mit dem Heimbeamer, hatte der Film kaum etwas von seiner Kraft verloren. Nun älter (und hoffentlich auch weiser) wurde mir klar, warum der Film bis heute solch gewaltige Intensität hat.
Es liegt nicht nur an den unheimlichen "Manta Ray"-Maschinen, mit denen die Marsianer angreifen. Es sind vor allem auch -und hier zeigt sich, wie wichtig im Film auch der Soundkulisse ist- die Geräusche, die von diesen Höllenmaschinen ausgehen.
Das fängt mit dem Knirschen und Schaben des Verschlussdeckels des ersten Invasionsraumschiffes an, als er langsam herausgeschraubt wird. Schön langsam, immer Stück für Stück - Genau solchen Sound übernahm später auch Jeff Wayne für seine ebenso grandiose musikalische Concept-Album-Umsetzung der Geschichte von H.G. Wells!
Doch dann geht's erst richtig los: Ein Begrüssungskommitee aus einfachen Menschen, die auf den glühenden "Meteoriten" aufpassen, lernen die Marsianer als erstes kennen. Die drei diskutieren, ob eine weisse Flagge nicht angebracht wäre und ob die Ausserirdischen sie überhaubt verstehen... freundlich gesinnt nähern sich sich dem Schiff... als dieses "Ding" aus der Raumschiffluke ausgefahren wird...

Es ist erstmal das Aussehen von diesem "Ding"; das segmentierte, ventralschildartige bewegliche Führungsstück, auf dem der breite, matt-metallisch glänzende Kopf mit seiner dunkelrot pulsierenden Vorderseite sitzt... Ähnlichkeiten mit einer aufgerichteten Kobra waren garantiert beabsichtigt! Und dann die Geräusche, die nicht von dieser Welt sind und trotzdem sofort alle Alarmglocken, die die Menscheit im Laufe ihrer Evolution entwickelt hat, aufschrillen lassen... Dieses schwache, pulsierend-elektronische Zischeln, während sich die "Kobra" weiter aufrichtet, dann sich langsam...schön langsam dreht... auf die Besuchergruppe richtet... gefolgt von einem immer stärker anschwellenden "Dounn-DOUNN-DOUNN!...", das man wirklich gehört haben muss... die sirrenden Todesstrahlen, die die drei Menschen zu Asche pulverisieren, sind da fast schon eine Erlösung für den Zuschauer!

Die Geräusche von "Kampf der Welten"... sie werden bis heute in vielen anderen Filmen (und auch Videospielen) wiederverwendet, wenn es darum geht, etwas total Fremdartiges soundmässig darzustellen, das aber auch gleichzeitig unsere tiefsten Urängste alarmieren soll.

Pal zog alle Register. Anfangs war geplant, die Maschinen der Buchvorlage entsprechend auf drei Beinen durch die Gegend staksen zu lassen, doch die damalige Tricktechnik reichte dafür nicht aus... Pal übertraf durch seine Wahl aber sogar noch die Buchvorlage, als er die Maschinen stattdessen auf drei schimmernde Antigravitationsstrahlen setzte. Wenn dann die erste dieser Höllenkonstruktionen sich langsam auf drei glitzernden Strahlen, sirrend und pulsierend zischelnd, aus der Landungsgrube erhebt.... das ist wie Rudyard Kiplings "Nag" und "Nagaina" hoch 1000... und von diesen Feinden gibt es nicht nur zwei...!

Unerreichbar intensiv auch die Szene, in der sich der Pater mit erhobener Bibel den Kampfmaschinen nähert... schliesslich sind auch diese Wesen von Gott erschaffen... Licht, Bildaufbau, Musicscore, und die Geräusche... Perfekt!!
Dann diese Szenen, in der auch Tiere in heller Panik fliehen, und die uns klarmacht, dass es den Marsianern nicht um Unterjochung, sondern um die totale Ausrottung der Menschen geht... und nicht nur der Menschen, sondern eben aller irdischen Lebewesen.

Der Film lebt von dieser Darstellung der totalen Vernichtung. 1953 sicher auch noch wegen den Nachwirkungen des 2. Weltkrieges so intensiv erfasst. Die verzweifelte Menscheit, deren ultimative Waffe, die A-Bombe, schliesslich auch versagt: Als die Kampfmaschinen unbeschädigt aus dem Ground-Zero des Bombenabwurfs gleiten und die Militärs, von der Asche der Explosion bedeckt, die Fruchtlosigkeit ihrer Bemühungen erkennen "Guns, tanks, bombs - they're like toys against them! " Genau dieses Zitat nutzte auch Spielberg in seinem Remake von "Kampf der Welten". Und besser ist es auch nicht auszudrücken.

Der Panik und Verzweiflung der flüchtenden Menschen in den Strassen der Städte konnte Spielberg in seinem Remake auch nichts mehr hinzufügen. George Pal erfasst auch diesen Aspekt des Unterganges unserer Zivilisation perfekt in vielen, kleine Nebenszenen... etwa der Mann dessen Koffer aufgeht, und der verzweifelt sein Geld und seine Juwelen zusammenkratzt... als ob sowas nun noch wichtig wäre!

Doch zeigt uns die Szene im zerstörten Farmhaus auch, dass auch diese Wesen noch neugierig sind. Es ist die einzige Stelle, wo kurz "das Monster gezeigt wird".
Einige Kritiger sehen dieses "Monster zeigen" auch als Nachteil; aber die panikartige Reaktion des Marsianers, als er entdeckt wird... sie zeigt auch, wie zerbrechlich doch diese Wesen in ihrer fortgeschrittenen Evolution geworden sind, und dass sie uns nur dank ihrer Maschinen überlegen sind. Auch hier: Spielberg referenziert diese intensive Szene in seinem Remake nahezu bildergleich.

Auch das Filmende ist einfach nicht mehr verbesserbar. Auch hier bediente sich Spielberg wieder mal nahezu 1:1, doch ist Pal einfach besser, als die Geräusche der Maschinen stocken, sie langsam abdriften, zu Boden krachen, das glühende Pulsieren der Todesstrahler vergeht... und sich dann die Luke einer der Maschinen öffnet und langsam der sterbende Arm eines Marsianers herauskommt.

Fazit: Das H.G. Wells-Estate war so begeistert von der Verfilmung, dass es George Pal gleich ein Angebot für eine weitere Verfilmung eines Buches von H.G. Wells anbot... Pal wählte "Die Zeitmaschine", übertraf sich nochmals selbst und brachte die Goldene Ära der 50er-Jahre SF damit zu einem krönenden Abschluss (das "American Film Institute" wählte übrigens die Marsianer der Pal-Verfilmung auf Platz 27 ihrer Liste der 50 grössten Filmschurken).
H.G. Wells schrieb mit "Der Krieg der Welten" und "Die Zeitmaschine" vor über 100 Jahren zwei bahnbrechende Meilensteine der SF, Pal setzte beide ebenso bahnbrechend filmisch um... unbedingt kaufen!!!

P.S. Wie viele ältere Filme leidet auch dieser mit "Kampf der Welten" (statt korrekt "Der Krieg der Welten") unter einem etwas verunglückten deutschen Titel.
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