Kundenrezension

140 von 155 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der neue Messgrad unter den TV-Serien!, 11. Dezember 2013
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Rezension bezieht sich auf: Breaking Bad - Die komplette Serie (Digipack) [Blu-ray] (Blu-ray)
Wo fängt man an, wenn man etwas derart Perfektes wie die Serie „Breaking Bad“ besprechen möchte? Vielleicht bei der Ausgangssituation, die dann zu all den aberwitzigen Handlungsverläufen führt, die sich später ergeben. Hier fühlte ich mich an Filme der Cohen-Brothers erinnert - insbesondere „Fargo“- denn die Hauptfigur Walter White (Bryan Cranston) erweckt zu Beginn beim Betrachter vorwiegend Mitleid, wie es William H. Macey in seiner Rolle des glücklosen Autoverkäufers zu erregen vermochte. Von seinen Mitmenschen kaum ernst genommen, teilweise ausgenützt und erniedrigt, führt der Chemielehrer White ein unscheinbares Schattendasein als Familienvater und erinnert sich in Verbitterung daran, dass er in jungen Jahren eine vielversprechende Karriere als hochbegabter Wissenschaftler in Aussicht hatte, die er schließlich in den Sand gesetzt hat. Eine Krebsdiagnose gibt ihm den auslösenden Impuls, sich aus dieser tristen und aussichtslosen Lebenssituation zu befreien und seinem Leben eine neue Richtung zu geben, als er hinter dem Rücken seiner Familie beginnt die synthetische Droge Crystal Meth herzustellen.

Diese radikale Entscheidung präsentiert sich dem Betrachter durchaus schlüssig, da Sorge um die finanzielle Lage seiner Familie nach seinem drohenden Ableben und mangelndes Geld zur Finanzierung der medizinischen Therapie sein Handeln zu rechtfertigen scheinen. Er nötigt einen seiner ehemaligen Schüler (Jesse Pinkman) dazu ihn bei diesen illegalen Aktivitäten zu unterstützen und die Beiden stolpern anfangs von einer desaströsen Situation in die nächste , während Walter sich immer mehr in einem heillosen Lügengeflecht verfängt. So betrachtet man die beiden kleinkriminellen Protagonisten vorerst bei ihren hemdsärmeligen Versuchen, sich mit den Regeln dieses illegalen Gewerbes vertraut zu machen und nur gelegentlich blitzt in der Anfangsphase bei dem Chemielehrer das Genie auf, das ich gerne als den „bösen MacGyver“ bezeichne.

Aus dieser Präposition vollziehen die beiden Figuren Walter und Jesse ungeahnte persönliche Wandlungen und erleben extreme Höhen und Tiefen. Während Walter das Lügen, Taktieren und letztlich auch Morden nach und nach immer leichter fällt, entwickelt Jesse zusehends ein Gewissen, hadert mit den eigenen Taten und wird erwachsener. Die beiden Figuren entwickeln sich also schrittweise diametral zueinander in unterschiedliche Richtungen. Walter erlebt ein zweites Erwachen durch seine kriminellen Handlungen und verfällt in Verhaltensmuster die man als extreme Form der Midlifecrises bezeichnen könnte. Mitgerissen von Walters kriminellem Ehrgeiz zeigt sich für Jesse, der zu Beginn der Handlung als ungebildeter, notorischer Versager, als zwischen Selbstüberschätzung und Selbsthass pendelndes Paradebeispiel des so genannten White-Trash präsentiert wird, dass er nicht so hart und abgebrüht ist, wie er vorgibt zu sein.

Besonders aus der Beziehungskonstellation dieser beiden Hauptcharaktere, aber auch aus deren Verflechtungen mit dem reichen Ensemble von Nebencharakteren (großartig etwa Giancarlo Esposito, Bob Odenkirk, Jonathan Banks) bezieht „Breaking Bad“ seine hohen Qualitäten. Diese Serie beweist, dass es auch heute noch großartige Autoren gibt, die es bis zur hohen Kunst verstehen eine mitreißende Geschichte als unverzichtbares Fundament einer Film- oder Fernsehproduktion zu konstruieren. Ihnen gelingt es mit einer bemerkenswerten Selbstverständlichkeit die Gratwanderung zwischen emotionalem Tiefgang, schwarzem Humor, Spannung, Sozialkritik und Drama zu bewerkstelligen und zudem im Storytelling noch über weite Strecken glaubwürdig zu bleiben. Der konsequenten Entscheidung die Geschichte nach der fünften Staffel enden zu lassen, ist es letztlich auch zu danken, dass „Breaking Bad“ nicht bis zur Bedeutungslosigkeit ausgelutscht wurde - wie das mit so vielen anderen erfolgreichen Serien geschehen ist. Am Ende – so viel sei verraten – findet diese Serie schlüssig und rund zu einem Abschluss ohne, dass dabei offene Handlungsstränge oder unbefriedigende Notlösungen in Kauf genommen werden mussten. Nichts wirkt künstlich gestreckt. Alles ergibt Sinn.

So ist es denn auch nicht verwunderlich, dass diese Serie – obwohl mit Preisen überschüttet - im deutschsprachigen Fernsehen ein Nischendasein führen musste. Lediglich auf Arte und im Pay-TV wurde „Breaking Bad“ ausgestrahlt, was wohl auch daran liegt, dass diese Serie sehr viel Mut zur Innovation aufbrachte und heikle Themen behandelte. Hierzulande geht man aber lieber auf Nummer sicher und zeigt den Menschen lieber die zehnte Wiederholung einer beliebigen CSI-Folge, anstatt sie mit Themen wie Drogenmissbrauch, moralischen Grauzonen oder sozialen Realitäten vor den Kopf zu stoßen. Trotzdem scheint sich „Breaking Bad“ nach und nach über Mundpropaganda, Internet und DVD-Vermarktung auch im deutschsprachigen Raum durchgesetzt zu haben.

Vom perfekten Drehbuch, der cineastischen Umsetzung, der Auswahl der Musik, über die Liebe zum Detail und die Balance zwischen Ruhe und Spannung, bis hin zur großartigen Besetzungsriege – hier bleibt kaum ein Wunsch offen. Möchte man dennoch das sprichwörtliche Haar in der Suppe finden, so könnte man eventuell bemerken, dass die Serie bis zur Mitte der zweiten Staffel realistischer und anspruchsvoller wirkte, während im späteren Verlauf erstgenannte Faktoren zu Gunsten einer deutlich zunehmenden Spannung eher zurückgenommen wurden. Zudem erschien mir Jesse’s plötzliche Eingebung am Ende der Folge „Geständnisse/Confessions“ in der zweiten Hälfte der fünften Staffel ein wenig konstruiert. Letztlich sei auch noch Walt’s gewissenlose Handlung am Ende der vierten Staffel – Ebenjene auf die in „Confessions“ zurückgegriffen wird – erwähnt, welche ich ebenso als unstimmig empfunden habe. Aber all das ist freilich meine subjektive Kritik von vernachlässigbaren Kleinigkeiten, an einer Produktion die letztlich nahezu makellos ist.

„Breaking Bad“ bezieht seine Spannung aus den emotionalen Verflechtungen, Entscheidungen und Positionen der einzelnen Figuren, welche fast ausnahmslos plastisch, glaubwürdig und emotional vielschichtig angelegt wurden. Obwohl bisweilen Eruptionen von Gewalt für Schockmomente sorgen, geschieht dies nicht aus plumpem Kalkül und um die voyeuristischen Bedürfnisse der Zuseher zu aktivieren. Vielmehr werden derlei Spitzen maßvoll und der Handlung dienlich eingestreut. Selbst mit den Werken namhafter Regisseure wie Tarantino, den oben erwähnten Cohen-Brothers oder sogar Martin Scorsese kann sich „Breaking Bad“ locker messen, wie ich meine. Schade nur, dass das Kino der Gegenwart heute kaum noch so hohe Qualität aufzuweisen vermag, wie diese Fernsehserie bieten konnte.

Schließlich noch die unvermeidliche Produktbewertung:
Die robuste Box genügt mit ihrem Magnetverschluss meinen Ansprüchen zur Genüge. Die sechs eingelegten Kartonhüllen könnten zwar besser verarbeitet sein, was die Schonung der BluRay-Disc’s betrifft, benötigen aber auch im Gesamtumfang weniger Platz im Regal. An Bildqualität und Ton kann ich nichts bemängeln. Die Beilage eines Booklets, zur Übersicht über die Folgen und deren Verteilung auf den Datenträgern hätte das Produkt noch ein wenig aufgewertet, ist aber letztlich verzichtbar. Unter den Extras finden sich massenhaft geschnittene Szenen und ein besonders erheiterndes alternatives Ende. Letztlich ist die Serie meiner Meinung nach so gelungen, dass an einer Höchstbewertung kein Weg vorbeiführt. Jede kommende amerikanische TV-Serie wird sich an „Breaking Bad“ messen müssen.
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Von 2 Kunden verfolgt

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1-10 von 13 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 12.12.2013 11:11:38 GMT+01:00
NP meint:
Wie gut ist die bildqualität der DVD. Lohnt es, wenn man die Blu-Ray kauft ?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.12.2013 12:37:04 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 13.12.2013 11:48:13 GMT+01:00
Das Bild der BluRay's weißt (Nachtrag: vorwiegend bei Staffel 1) eine gewisse Körnigkeit auf, so viel kann ich sagen. Die Ursache dafür würde ich eher im Ausgangsmaterial vermuten! Da aber derlei Kriterien für mich zweitrangig sind und ich vorwiegend die Qualität der Serie an sich als beachtlich ansehe, bin ich vielleicht nicht die ideale Informationsquelle. Das liegt auch daran, dass sich meine Beurteilung eher an der Kameraarbeit und Bildästhetik, als an Tiefenschärfe, Schwarzwert, etc. orientiert. Ich bin kein Technik-Nerd oder Detail-Bemängeler! Zwar habe ich mir die ersten 4 Staffeln ursprünglich auf DVD zugelegt und kann von daher sagen, dass das Bild durchaus schärfer und der Ton klarer ausfällt. Mein eigentliches Kaufargument für die Box war aber einerseits das schöne Komplettpaket (die DVD's sehen so unzusammengehörig aus/ anfangs Amaray-Hülle, später Pappschuber) und andererseits, dass ich die Benützermöglichkeiten von BluRays mittlerweile mehr schätze (z.B.: Pop-Up-Menü)!

Veröffentlicht am 16.01.2014 22:48:13 GMT+01:00
Eine ausgesprochen perfekte Rezension zu meiner Lieblingsserie, unter deren Entzug ich wohl noch einige Zeit leiden werde. Respekt und vielen Dank.
Ich bin erst nach dem erscheinen der zweiten Staffel (in die Erste) eingestiegen, weil ich das Cover der ersten (Walter in Unterhose) für eine eher humoristische Serie gehalten habe. Die fesselnde Dramaturgie und Tiefe hat mich jedoch schlagartig in ihren Bann gezogen. Nochmal: Respekt ! Sie sollten das beruflich machen ;-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.01.2014 01:05:37 GMT+01:00
Danke, für dieses bestätigende Feedback! So eine Rückmeldung versüßt den Alltag einwenig! Ich bin auch eingestiegen als Staffel 3 noch nicht auf DVD erschienen war. Ich habe Vorbehalte gegenüber Comedy-Serien und Sitcoms und kannte Bryan Cranston nur von "Malcolm mittendrin", weshalb ich anfangs auch kein Interesse hatte. Ein Zeitungsartikel hat dann mein Interesse geweckt und das was ich dann sehen durfte hat mich nachhaltig beeindruckt. Eine bessere Fernsehserie habe ich bis heute nicht gesehen! Das liegt vor allem am fantastischen Drehbuch und der Tatsache, dass bei "Breaking Bad" fast nichts gekünstelt, verkrampft, konstruiert oder erzwungen wirkt.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.02.2014 16:12:17 GMT+01:00
Kompliment für diesen Beitrag, Sie sprechen mir mit jedem Wort aus der Seele.
Volle Zustimmung übrigens auch zu Ihrer "leisen" Kritik, die ich jedoch ebenso wie Sie in meiner persönlichen Review vernachlässigen kann.
Was soll nur jetzt, nach dem Ende dieses Meisterwerkes, noch kommen?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.03.2014 21:06:14 GMT+01:00
Flunkiii meint:
Game of Thrones

Veröffentlicht am 16.03.2014 08:30:39 GMT+01:00
Electrohead meint:
genau so ist es ...;) aber ich fürchte, wenn ich mit Breaking Bad durch bin (noch 4 Folgen...) werde ich erstmal in ein Loch fallen denn diese Serie (allem voran gedankt diesen phantastischen Ausnahme-Schauspielern die ihre Rollen allesamt PERFEKT spielen!) ist definitv sehr schwer zu toppen...
Game of Thrones wird dann wohl die nä. Serie nach dem Sommerloch im nächsten Herbst ;)

Veröffentlicht am 08.08.2014 09:42:59 GMT+02:00
Paul meint:
Also erstmal: Super Renzension *daumenhoch*
Habe die Serie fast durch (Amazon Instant Video) und werde ebenfalls erstmal in ein Loch fallen. Habe jetzt schon Angst vor dem Entzug.

Veröffentlicht am 19.10.2014 22:50:40 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 19.10.2014 22:51:12 GMT+02:00
Eine sehr lesenswerte und passende Rezension zu dieser fantastischen Serie. Ich möchte noch auf einen (für mich) wichtigen Aspekt hinweisen: Man sieht auch selten im Fernsehen oder von Konserve so spektakuläre Landschaftsaufnahmen! Allein deshalb lohnt es sich, die Blu-Rays zu kaufen. Wie ausufernd und episch die karge Ödnis der gebirgigen Wüste rund um Albuquerque in Szene gesetzt wurde, ist ein weiteres von zahllosen Highlights der Serie. Habe die Box jedenfalls innerhalb von vier Wochen durchgeguckt, also im Schnitt 2,2 Episoden pro Abend. Man wird einfach süchtig nach Jesse, Walt und New Mexico :-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.11.2014 23:17:08 GMT+01:00
@ Electrohead
Bei Serien brauchst du dir eigentlich keine Sorgen machen, denn das Niveau von Breaking Bad erreichen mittlerweile sehr viel Serien. An erster Stelle natürlich Game of Thrones, gleich danach aber True Detective, Sons of Anarchy, House of Cards, Walking Dead, Spartacus, Homeland, Boardwalk Empire und, und, und. Ich komm ehrlich gesagt gar nicht mehr hinterher, in Sachen Serien, weils davon einfach mittlerweile zu viel hochklassiges gibt, und davon ist Breaking Bad nur ein kleiner Bruchteil. Also an gutem Nachschub fehlts wirklich nicht.
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