Kundenrezension

15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Professor Unrat, 17. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Hausaufgaben (Taschenbuch)
Herr Literaturprofessor Linde freut sich am Freitag schon auf das von ihm lange geplante Wanderwochenende in Brandenburg. Während seine Gattin Ingrid zufolge ihrer schweren Depressionen wieder einen ihrer regelmäßigen Aufenthalte in der Psychiatrie verbringt, beabsichtigt der fröhliche Linde, sich auf der Wandertour zu entspannen. Doch dann gerät sein freitägliches Seminar über die Auswirkungen des Naziterrors auf die deutsche Nachkriegsliteratur unvermutet aus dem Ruder und zwischen zweien seiner Schüler kommt es zum Eklat. Linde versucht eine rhetorische Bereinigung der Situation und rhetorisch ist Linde - das weiß er auch - begabt. Doch das ist nur der schulische oder berufliche Auftakt eines Wochenendes, das Linde zum Albtraum gerät. Schritt für Schritt beginnt die Demontage des ziemlich heilen Weltbildes eines Lehrers, der sich selbst für aufgeschlossen, politisch korrekt und einen liberalen Bürger hält und obendrein für einen besorgten Ehemann und modernen Familienvater. Ganz langsam zerbröselt die Fassade eines Biedermannes, der letztlich ziemlich nackt und schäbig um sein gesellschaftliches und berufliches Überleben kämpfen muss.

Eine dichte Erzählung über Vorurteil und Wahrheit, Lüge und Ressentiment, Schein und Wirklichkeit. Gnadenlos und realistisch seziert der Autor die bürgerliche Welt und Umwelt des nicht wirklich unsympathischen Protagonisten, aus dessen subjektiver Sicht wir die Dinge mitverfolgen können. Was sich wirklich ereignete, wissen wir nicht. Es könnte so gewesen sein, wie Linde es uns Leser und - vor allem - sich selbst Glauben machen will. Wir wissen ja um Lindes rhetorische Begabung und seinen Wortwitz. Vielleicht liegt die Wahrheit aber doch im Inhalt des E-Mails seiner depressiven Frau, das diese aus der Psychiatrie an die Lehrerkollegen ihres Gatten versendet. Oder bei Lindes Tochter, die nach einem Selbstmordversuch das Elternhaus verlassen hat. Was bleibt Linde übrig, als an seiner Lebenslüge festzuhalten, wenn um ihn (oder durch ihn?)alles in Scherben zerbricht? Ein interessantes Buch, das Fragen nicht beantwortet und zum Nachdenken anregt.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 03.04.2012 17:43:04 GMT+02:00
Meg meint:
Der Herr Linde ist Lehrer, nicht Professor.
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