Kundenrezension

32 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Festbankett, 28. November 2008
Rezension bezieht sich auf: Beggars Banquet (Audio CD)
Dies war das Album, mit dem die Stones "erwachsen" wurden, die "grossen, bösen" Rolling Stones, mit dem sie ihren endgültigen Stil fanden, ihre "klassische" Periode ('68 - '72) einleiteten, mit der sie zeitgleich ihren Zenit erreichten und dann überschritten.

Hier finden sich mit dem hypnotischen Sympathy for the Devil und dem treibenden Street Fighting Man (musikalisch schon, aber textlich eben KEIN Aufruf zum Straßenkampf) zwei absolut verdiente Stones-Klassiker, die bis heute fest im Konzertprogramm verankert sind. (Meiner Meinung nach bleibt die Studiofassung von Sympathy bei den Stones bisher unerreicht.)

No Expectations ist ein weiterer Klassiker, eine wunderschöne Blues-Ballade, deren geniale Slide-Gitarre einen von Brian Jones' letzten erwähnenswerten Beiträgen zu einem Stones-Album darstellt. Dear Doctor ist eine gelungene Country-Blues-Parodie mit hämischem Text (wie Mick Jagger einräumte, sollten sie Country erst später richtig verinnerlichen). Prodigal Son ist ein weiterer gelungener Country-Blues über die Geschichte vom verlorenen Sohn (auch ein Jahr später auf der Amerika-Tour sozusagen unplugged im Programm), die einzige Cover-Version hier; nicht ganz fein, dass die Stones anfangs versuchten, die Tantiemen über die Autorenangabe "Jagger/Richards" selber einzuheimsen. In starkem Kontrast dazu, fügt sich doch ohne Haken gleich darauf der Stray Cat Blues ein, ein böser Rocker über die Verführung Minderjähriger - und der Mutter gleich dazu. Auch aus Parachute Woman triefen geradezu die - nicht gerade subtilen - sexuellen Doppeldeutigkeiten. Wie dann zehn Jahre später bei Some Girls gilt bereits hier: etwas Humor gehört schon dazu!

Aus Jig-Saw Puzzle höre ich vor allem ein lustvolles Sezieren einiger schräger Charaktere der Umgebung heraus - Ähnlichkeiten mit lebenden Bandmitgliedern durchaus beabsichtigt!

Factory Girl (für mich der leichte Durchhänger auf dem Album) und Salt of the Earth sind eher zynische als ironische Abgesänge auf die Arbeiterklasse. Zwar hatte Keith Richards schon auf "Between the Buttons" im Jahr zuvor ein paar Zeilen gesungen (in Something happened to me yesterday), aber irgendwie stellen doch die ersten beiden Zeilen in Salt of the Earth sein eigentliches Gesangsdebüt auf einer Stones-Platte dar.

Zwar war Nicky Hopkins schon im Vorjahr auf den Stones-Alben zu hören, aber seine Orgelklänge und vor allem sein Klavierspiel fügen sich so richtig erst auf diesem Album in die Arrangements ein. (Für mich war ER für viele Jahre der "sechste Stone".)

Erwähnenswert finde ich, dass dies das Album war, auf der Keith (wohl durch Ry Cooder) erstmals offene Stimmungen und Bottleneck-Gitarre für sich entdeckte und meistern lernte, was dann noch bis zum nächsten Album "Let it bleed" anhielt. Die offenen Stimmungen sollten bis heute eins seiner Markenzeichen bleiben (Jumpin' Jack Flash, Honky Tonk Women, Brown Sugar etc.); die Slide-Gitarre überließ er aber, soweit ich es überblicke, ab der "Sticky Fingers" fast ausschließlich Mick Taylor (und später dann Ron Wood, hierin eindeutig die zweite Wahl), was ich sehr schade finde. Spannend auch, wie Keith seine Faszination für den leicht verzerrten Klang auf Mono-Cassettenrekorder aufgenommener Akustikgitarren in die Studioaufnahmen integrierte (s. Parachute Woman und Street Fighting Man).

Über die SACD-Schicht kann ich nichts sagen, mir erschließt sich mir bisher nur der "normale" Stereo-Hörgenuss. Klasse finde ich, dass man sich für die 2002er Remasters die Mühe gemacht hat, die Original-Masters aufzutreiben und sie (wie 2007 auch beim Debüt-Album der Doors) erstmals wieder in Originalgeschwindigkeit für die CD zu überspielen. Einige Titel klingen dadurch deutlich frischer, und somit erklärt sich auch, warum z.B. Sympathy und Jig-Saw Puzzle fast 10 Sekunden kürzere Laufzeiten haben als auf den Vinyl-Ausgaben, kein unerheblicher Unterschied. Allein schon diese Sorgfalt beim Aufstöbern und Überspielen der Bänder ist neben der Klasse-Musik Anlass für ein Bankett!

Ich finde höchstens, die Single Jumpin' Jack Flash / Child of the Moon und die Mono-Single-Version von Street Fighting Man (mit anderer Gesangsspur, alle zu finden auf "Singles Collection - The London Years") hätten die CD-Wiederveröffentlichung nahtlos ergänzen und bereichern dürfen.
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Kommentare


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1-8 von 8 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 09.04.2009 01:28:53 GMT+02:00
X meint:
Habe auch keine 5.1-Anlage; Ist die SACD aber nicht auch nur Stereo!?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.04.2009 23:20:21 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 03.02.2011 22:56:51 GMT+01:00
Wie gesagt, ich habe die SACD-Schicht noch nicht gehört; soweit ich weiß, wurde dort aber kein neuer Mix erstellt, und der dort zu hörende Stereo-Mix soll etwas, aber nicht um Welten besser sein. Da können Dir vielleicht andere Rezensionen weiterhelfen. Vielleicht muss ich den Satz etwas genauer formulieren. T

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.04.2009 10:24:41 GMT+02:00
AMM meint:
Beggars Banquet gehört zu den Stones-Alben, bei denen der Unterschied zwischen der SACD- und der CD-Version für mich am hörbar größten ist, was vor allem auffällt, wenn man mit einem guten Kopfhörer hört. V.a. die "akkustischen" Songs gewinnen dabei. Auch die Percussions und z.B. die Backgrounds bei Sympathy For The Devil sind prägnanter. Insgesamt ist das Klangbild einfach wärmer (mir fällt gerade leider kein treffenderes Wort dafür ein). SF

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.02.2011 15:08:48 GMT+01:00
[Von Amazon gelöscht am 14.02.2011 09:48:15 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.02.2011 11:53:56 GMT+01:00
Das kann man so pauschal nicht sagen. Ich habe LPs, die klingen besser als ihre Pendants auf CD, und umgekehrt. "Beggars Banquet" habe ich dreimal auf Vinyl, als deutsche Pressung mit dem roten DECCA-Label, dann die parallel zur Erst-CD-Auflage erschienene LP-Pressung von '86 sowie die '85er DMM-Pressung. Letztere klingt in meinen Ohren am besten, bei allen dreien liegt das Problem aber allein schon darin, dass dafür immer noch die Masters, die zu langsam überspielt sind, verwendet worden sind. Erst seit 2002 hört man das Album endlich wieder in der Originalgeschwindigkeit, und ich finde keinesfalls, dass der Kontrast zum LP-Sound dabei zu groß ausfällt. TT

Veröffentlicht am 04.11.2011 12:23:59 GMT+01:00
Thomas Gross meint:
Hey Mr. Tambourine Man,

bin Journalist und recherchiere gerade in Sachen Stones. Da das, was Sie sagen, kompetent klingt, würde mich interessieren, woher Sie die Sache mit den offenen Stimmungen haben. Bin nämlich auch der Meinung, dass damit ein "Signature Sound" entstanden ist, der vielleicht tatsächlich in "Brown Sugar" am deutlichsten ausgeprägt ist.

Über einen Tipp (Literatur, Zeitschrift, Kontakt zu Rolling-Stones-Coverband etc.) würde ich mich freuen.

Beste Grüße, Thomas Groß

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.11.2011 19:40:14 GMT+01:00
Hallo Thomas Gross,

ich habe in mehreren Büchern etwas über Keiths offene Stimmungen gelesen, aber es hat einen Moment gedauert, bis ich das Buch wiedergefunden habe, in dem das recht ausführlich geschildert wird: das müsste "Let it bleed" von Sean Egan sein (Unanimous Ltd, England, 2005), hab's selber eine Weile nicht mehr gelesen.

Ich selber habe bisher selten in Keiths offener G-Stimmung gespielt, aber es gibt etliche Songs, die ohne sie - zumindest so, wie er sie seit langem live spielt - nicht vorstellbar sind, Brown Sugar, Honky Tonk Women, Jumpin' Jack Flash, Tumbling Dice, Love is strong etc., und auch auf "Talk is cheap" spielt er fast jeden Song in dieser Stimmung, ich muss beim nächsten Hören nochmal genauer darauf achten.
Ich hoffe, dieser Tip hilft Ihnen weiter!
Viele Grüße, TT

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.11.2011 19:09:36 GMT+01:00
Thomas Gross meint:
Hallo Mr. Tambourine,

inzwischen bin ich selber etwas weiter, Keith R. schreibt ja auch in seiner Biografie recht ausführlich über die G-Stimmung. Trotzdem danke für den Tipp, auf Egan war ich noch nicht gestoßen.

Viele Grüßed und schönes WoE, Thomas Gross
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Artikel

Rezensentin / Rezensent

Toby Tambourine
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   

Ort: Gießen

Top-Rezensenten Rang: 357