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5.0 von 5 Sternen Noch nie war der Marsch durch die Hölle realistischer ..., 17. Januar 2014
= Spaßfaktor:5.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Tomb Raider - [PlayStation 3] (Videospiel)
„Danke“, möchte ich den Herren und Damen bei Crystal Dynamics zurufen. „Danke dafür, dass ihr einer Videospiel-Ikone meiner Kindheit endlich zu der Würde verholfen habt, die sie verdient.“

Waren die letzten Inkarnationen der kämpferischen Britin, von Angelina Jolie bis Tomb Raider: Underworld dank pseudocooler Sprüche und aufgesetzter Depressionen weniger eine Action-Heldin, als vielmehr die Parodie einer Action-Heldin, reißt dieses TombRaider das Steuer überraschend hart herum. Denn hier zeigen die Entwickler einer ganzen Gamer-Welt voll großbrüstiger Kampfamazonen, wie eine echte Action-Heldin im Jahre 2013 auszusehen hat.
Ja, die neue Lara ist anders. Sie ist immer noch hart, selbstbewusst und mit unbeugsamer Willenskraft gesegnet. Aber sie ist auch emotional, unerfahren, naiv, ein wenig schüchtern. Aber vor allem ist sie realistisch, reif und erwachsen. Sie ist nicht perfekt, darf versagen, Angst haben, sich vor Schmerzen krümmen und sogar weinen. Sie watet durch hüfttiefe Tümpel aus Blut und Fäkalien, bei Sprüngen aus großen Höhen stürzt sie. Wenn sie sich von Adrenalin gepeitsch ihren Feinden entgegen wirft, brüllt sie wie ein Tier und sie schreit allen Schmerz der Welt aus sich heraus, wenn sie ihre Verletzungen selber notdürftig behandelt.
Hier ist kein Platz für Ironie, erzwungene Witze oder coole Sprüche. TombRaider ist endlich mal wieder ein Spiel, das sich selber vollkommen ernst nimmt. Aber das muss es auch, sonst würde das Szenario nicht funktionieren. Vom virtuellen „Sexappeal“ der früheren Lara Crofts bleibt unter dicken Schichten aus Blut und Dreck wenig erhalten. Dafür kommt „die neue“ viel selbstkritischer daher, ohne aber in depressives Selbstmitleid abzurutschen. Diese Lara hat sichtlich Angst vor dem Teil ihrer Psyche, dem das Töten so leicht fällt. Aber sie weiß auch, dass es eben dieser Teil ist, den sie braucht wenn sie ihr Abenteuer überleben will.

Und das führt sie dieses Mal nach Yamatai, einer japanische Insel, auf der seltsames vor sich geht. Gestrandet und auf sich alleine gestellt, erscheint Lara Croft hier fast wie das Beobachtungsobjekt einer psychologischen Studie: Wie viel Druck ist nötig, um aus einer verträumten, 21 jährigen Studentin eine gewissenlose Killermaschine zu machen?
Bei der Antwort auf diese Frage waren die Leute bei Crystal Dynamics alles andere als feinfühlig und lassen ihre Protagonistin schonungslos durch die Hölle auf Erden gehen. die Alterseinstufung „Ab 18“ erscheint unter diesem Gesichtspunkt auf jeden Fall angemessen. Was Lara auf Yamatai erdulden muss, ist nichts für labile Persönlichkeiten. Gäbe es einen Award für den Videospiel-Helden, der am Meisten „Auf's Maul“ bekommt, diese Lara wäre in der Endauswertung konkurrenzlos.
Dabei beziehe ich mich nicht auf die obligatorischen Kugeln und Pfeile, die ihr um die Ohren fliegen, um den Spieler auf den Game-Over-Screen zu schicken. Ich beziehe mich hier auf die zahlreichen körperlichen und seelischen Wunden, die Lara unvermeidbar aus Zwischensequenzen zurückbehält und die im Spiel immer wieder aufgegriffen werden. So zieht sich Lara beispielsweise gleich zu Beginn des Spiels eine schwere Verletzung zu, die sie das ganze Spiel über begleitet. Etwa wenn sie sich nach jedem Sturz aus großen Höhen die Hand auf die immer noch schmerzende Wunde presst.
Die Gore und Splatter-Effekte spielen zwar bei weitem nicht in der selben Liga, wie bei manch anderem FSK18 Titel, aber dafür ist die Darstellung des Leids, durch das die junge, unschuldige Lara überhaupt erst zu der später bekannten Kampfmaschine wird, kompromisslos realistisch.

Spielerisch kann der neueste TombRaider Ableger irgendwo zwischen TombRaider: Underworld und Uncharted angesiedelt werden, ohne dabei jedoch gänzlich das eine, oder andere zu sein.
Die Haupthandlung des Spiels verläuft relativ gradlinig und orientiert sich am aktuell vorherrschenden Trend zur kinoreifen Inszenierung, wie er etwa auch in MassEffekt oder Uncharted anzutreffen ist. Das bedeutet: viele dramatisch gescriptete Action-Events und zahlreiche Zwischensequenzen. Dabei toppt TombRaider die zuvor genannten Spiele jedoch bei weitem und verweist Nathan Drake und Co. gekonnt auf die Ersatzbank. Was hier zwischen einstürzenden Höhlen und Kletterpartien an brennenden Hauswänden in Punkto Action-Feuerwerk abgebrannt und an Adrenalin ausgeschüttet wird, übertrifft noch so manchen Kino-Blockbuster.
Sobald man jedoch die engen Pfade der Haupthandlung verlässt und die Story ein paar Augenblicke ruhen lässt, stellt sich sofort das klassische Suchen-und-Entdecken Feeling der alten Tomb-Raider spiele wieder ein. Die weitläufigen Gegenden der (fast) komplett offenen Spielwelt laden durchweg zum Erkunden, Klettern und Bestaunen ein - und sind bis zum Rand vollgestopft mit Secrets die sich aber nur Demjenigen offenbaren, der wirklich jeden Stein umdreht.
Dabei helfen Lara zahlreiche Werkzeuge, wie ein Seilpfeil mit dem sich Brücken bauen lassen, oder Feuer, mit dem Fackeln entzündet und Objekte verbrannt werden können. Laras wichtigstes Hilfsmittel im Spiel sind aber ihre Überlebensinstinkte. Auf Knopfdruck wird das Spiel in einen Zeitlupen-Modus geschaltet und wichtige Objekte farblich markiert. Da diese Instinkte auch im Kampf funktionieren, kann man sich das Spiel somit erheblich vereinfachen indem man einfach jederzeit in den Zeitlupenmodus schaltet und die mitunter etwas chaotischen Ballereien damit entschärft.
Auch toll: Werden Laras Instinkte aktiviert, werden automatisch alle Hintergrundsoundeffekte gedämpft, NPC-Sounds jedoch verstärkt. So kann man den Instinkt-Modus prima zum „Lauschen“ verwenden, ein ganz dickes Plus für die Spielatmosphäre!

Die großen Feuergefechte im Spiel sind ähnlich zahlreich, wie in TombRaider Legend, allerdings um einiges knackiger. Diese Lara teilt zwar ordentlich aus, ist aber zugleich auch sehr zerbrechlich. Anders als in vielen anderen Deckungs-Shootern funktioniert das bekannte Muster „hinter eine Deckung kauern und Feinde umnieten“ hier nicht. Spätestens wenn die ersten Granaten fliegen, heißt es: weiter zur nächsten Deckung und bloß dem Feind keine Zielscheibe bieten. Wird man im Kampf von seinen Feinden flankiert oder umrundet, hat man eigentlich schon verloren. Zur Not kann Frau Croft zwar immer noch ihre Kletteraxt als behelfsmäßige Nahkampfwaffe einsetzen, aber auch das ist riskant.
Glücklicherweise bietet TombRaider ein neuartiges und sehr intuitives Deckungs-System. Es ist nicht mehr nötig, per Knopfdruck Deckung zu suchen. In der Nähe von Feinden nimmt Lara automatisch eine geduckte Haltung ein. Befindet sie sich dabei hinter einem Deckungsobjekt, erkennt sie beim Anlegen der Waffe selbstständig, ob sie über das Hindernis hinweg, oder daran vorbei schießen muss. Dadurch kann der Spieler viel besser in Bewegung bleiben, ohne sich selbst an seine Deckung nageln zu müssen.
Die Kämpfe sind dadurch sehr schnell und dynamisch, eine automatische Zielhilfe gibt es aber nur auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad. Shooter-Einsteiger könnten auf „Normal“ also schnell überfordert sein. Dazu kommen viele Stealth-Einlagen, in denen Lara möglichst lautlos vorgehen sollte, um keine unnötige Aufmerksamkeit zu erregen. Pfeil und Bogen sowie Axt erlauben es ihr, Feinde auch geräuschlos auszuschalten und unnötige Kämpfe zu vermeiden. Oftmals sind grade diese Stealth-Einlagen ganz schön knifflig...ob es jedoch purer Zufall ist, dass die junge Lara mit Pfeil und Bogen bisweilen mehr als nur „ein Wenig“ an Katniss aus Panem erinnert, werden wir wohl nie erfahren ;)

Richtige Rätsel gibt es im Spiel ähnlich viel, wie in Tomb-Raider Underworld … also definitiv mehr als in Uncharted. Viele davon sind allerdings optional und müssen nur gelöst werden, wenn der Spieler das Spiel wirklich mit 100% beenden will. Die Rätsel sind zwar nicht wirklich schwer, aber kurzweilig und erfordern oftmals das ausnutzen der Physik-Engine des Spiels. Die für die älteren Tomb-Raider spiele so typischen „Such den Schalter/Schlüssel“ Aufgaben wurden komplett fallen gelassen. Auch die berüchtigten „Salto rückwärts – Salto seitwärts – Rolle – Sprung – Drehung in der Luft – Salto Seitwärts“ Sprungeinlagen der alten Teile gibt es zum Glück nicht mehr.
Tatsächlich wurden viele der bekannten Moves aus den älteren Titeln ersatzlos gestrichen … zum Beispiel die verschiedenen Salti. Auch schwimmen und tauchen kann Lara nicht mehr, nur noch bis zur schultertiefe durch Gewässer hindurch waten. Sich ducken, kriechen und Fackeln entzünden oder löschen tut Lara seit neuestem auch automatisch, wenn die Spielsituation es erforderlich macht. Dem Spiel hat diese Entschlackung überraschenderweise aber wirklich gut getan. Mit weniger Ballast auf dem Gamepad spielt sich TombRaider flüssiger und präziser als jemals zuvor.

Nebenher gibt es noch ein paar RPG-Elemente zu entdecken. So sammelt Lara Erfahrungspunkte mit denen sie ihre Fähigkeiten verbessern kann, und kann Bergungsgut und Spezialteile dazu nutzen, um ihre Waffen aufzumotzen und beispielsweise die Reichweite der Schrotflinte oder die Genauigkeit des Sturmgewehrs zu verbessern.

Die Technik des Spiels ist über jeden Zweifel erhaben. Trotz bisweilen enormer Weitsicht ist die Grafikqualität beträchtlich. Grade natürliche Szenarien wie Wälder und Berge sind wunderschön anzuschauen. Die Charaktere im Spiel sind demgegenüber zwar weit weg von Fotorealismus, dafür aber ungeheuer lebendig dargestellt und mit einer tollen Mimik ausgestattet.
Der Sound untermauert die Atmosphäre des Spiels sehr gut und besteht überwiegend aus Naturgeräuschen, die mal ruhig und entspannend vor sich hin plätschern, mal ein diffuses Bild von Gefahr zeichnen oder den Spieler mit Gewitter- und Sturmeffekten einschüchtern. In den Action-Sequenzen schaltet sich ein gelungener, orchestraler Bombast-Soundtrack dazu, der das Adrenalin noch höher treibt.

Auch wenn TombRaider den Thron für „das Spiel“ dieser Generation hinter GTA5 ganz knapp verpasst, ist es für mich aber auf jeden Fall das Action-Erlebnis dieser Generation geworden. Hätte ich, bis zum – leider verspäteten - Erwerb dieses Spiels noch ohne zu Zögern Uncharted 2 und 3 dort platziert, steht dort nun unangefochten TombRaider.
Und meine Entscheidung, mir auch die PS4 zu besorgen, ist endgültig gefällt … spätestens, wenn der TombRaider Nachfolger dort erscheint.
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