Kundenrezension

95 von 109 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mitreißende Umsetzung eines Meisterwerks, 22. Februar 2013
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Les Misérables (DVD)
Wie ich schon bei der Highlight-CD verkündet habe: "Les Miz" ist und bleibt mein Lieblingsstück unter den Musicals. Gerade dass es mehr Oper als Musical ist und nahezu gänzlich auf Dialoge verzichtet, macht es so mitreißend - eine wunderschöne Melodie löst die nächste ab, jedes Lied bringt die Stimmung perfekt rüber.

Generell muss man schon zwischen Bühne und Film unterscheiden - die Medien sind zu unterschiedlich, aber wenn man das Bühnenstück im Hinterkopf hat, sind natürlich gewisse Erwartungen da. So fällt es bei der Bühnenfassung gar nicht auf, wie sehr durch manche Szenen gehetzt wird, weil im Theater so viele visuelle und akustische Reize mitspielen, im Film hingegen fällt es doch mitunter auf (z. B. die Szene im Gericht). Das war für mich zwar nicht so irritierend, ich könnte mir aber vorstellen, dass dem einen oder anderen, der das Musical nicht kennt, das negativ auffällt. Und während ich Kostümierung und Maske phantastisch fand, sind mir die Bluescreen-Effekte teilweise sauer aufgestoßen; das alte Paris wirkte zum Teil dermaßen CGI, dass es die ganze Authentizität kaputt gemacht hat (z. B. bei "Stars").

Der Film lebt aber vor allem von den Darstellern - das merkt man schon allein an den vielen Close-ups (man bedenke, dass "I dreamed a dream" nur aus einer Nahaufnahme von Anne Hathaways Gesicht besteht). Hugh Jackman und Anne Hathaway spielen sich wirklich die Seele aus dem Leib und wirken auf mich auch keineswegs überzogen und hyperdramatisch, wenngleich mir nach wie vor nicht gefällt, dass Hugh Jackmans Stimme des Öfteren etwas gepresst klingt und gerade "Bring him home" viel zu sehr rausbrüllt. Aber seine Verwandlung vom Gefangenen zum Bürgermeister zum alten, gebrechlichen Mann ist schon sehr beeindruckend.

Neben den hervorragenden Darstellern mit Musicalerfahrung (Aaron Tveit und Samantha Barks) sticht für mich aber Eddie Redmayne am meisten heraus. Nicht nur eine klasse Stimme (vor allem in den Höhen), sondern auch grandios gespielt. "Empty chairs at empty tables" ist mir jedenfalls nähergegangen als "I dreamed a dream" (das ich schon phantastisch fand).

Russell Crowe hat (zurecht) die meiste Kritik abbekommen. Beim Durchhören der CD fand ich seine Stimme schon schwach, hab aber darauf gesetzt, dass mich sein Schauspiel überzeugt - dem ist leider nicht so. Wenn man Mimik mit Jackman und Hathaway vergleicht, so hat Crowe eigentlich die ganze Zeit den gleichen Gesichtsausdruck und ist zu sehr darauf fokussiert, die Töne einigermaßen richtig zu singen, worunter das Schauspiel insgesamt leidet. Javert, eine starke Persönlichkeit, die nur Schwarz und Weiß kennt, kommt insgesamt zu schwach rüber. Immerhin sind die Töne an sich richtig - und wenn man sich auf YouTube mal ein paar Videos mit Crowe ansieht, merkt man auch, dass er eigentlich gar keine schlechte Stimme hat - aber für diese Art von Musik einfach total unpassend. Da hat beispielsweise Amanda Seyfried den Vorteil, dass sie schauspielerisch sehr in die Rolle der Cosette passt, wenngleich auch ihr Gesang eher dünn ist. Immerhin war ich vom letzten Ton bei "A heart full of love", der ja ziemlich hoch ist, sehr angenehm überrascht.

Auch kleinere Rollen wie der Vorarbeiter in der Fabrik, Gavroche und einige der Studenten, sind wirklich toll besetzt. Mit meinen Kritikpunkten würde ich am liebsten 4.5 Sterne vergeben, aber weil mich der Film nicht nur trotz Länge gut unterhalten, sondern auch tief berührt hat, bekommt er die volle Anzahl an Sternen. Jedem, der das Musical kennt und/oder Englisch gut versteht, empfehle ich die Originalversion. Die "deutsche" Fassung ist größtenteils untertitelt, nur die wenigen Dialoge haben sie dann doch synchronisiert anstatt einfach den Film komplett zu untertiteln, was vermutlich etwas irritierend ist (sagte man mir). Die Texte sind sprachlich nicht unanspruchsvoll, aber meiner Meinung nach gut zu verstehen, sogar die Passagen, in denen recht dreckiges Britisch gesprochen wird (z. B. Gavroche).

Dass die Reihenfolge der Lieder verändert wurde, die Lieder zum Teil gekürzt und die Texte abgeändert oder sogar erweitert wurden, hat mich überhaupt nicht gestört oder irritiert. Es hat gut gepasst und war nicht weniger schlüssig als bei der Bühnenfassung.

Insgesamt eine gelungene Adaption, die die Hoffnung weckt, dass vielleicht ein paar mehr Musicals der Sprung auf die Leinwand gelingt - vor allem denen, die es hierzulange nicht (mehr) gibt (einmal abgesehen von den horrenden Ticketpreisen).
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1-10 von 14 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 23.02.2013 12:34:38 GMT+01:00
Im Juni und Juli 2013 ist das Musical in Magdeburg auf der Bühne zu sehen. http://www.theater-magdeburg.de/front_content.php?idart=8053

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.02.2013 13:33:34 GMT+01:00
Ben M meint:
Danke für den coolen Tipp! Aber ich hab auch die Hoffnung, dass der Film hierzulande so gut ankommt, dass das Stück wieder einen festen Platz findet.

Veröffentlicht am 03.03.2013 11:53:59 GMT+01:00
Subde meint:
Ich kann deine Bedenken bezüglich der deutschen Dialoge bestätigen, ich empfehle den Film in englisch zu gucken und ggf. den Untertitel einzuschalten, da die eingeschobenen deutschen Passagen echt nervig werden.

Veröffentlicht am 18.03.2013 22:08:37 GMT+01:00
Ruth Hille meint:
Na das überrascht mich doch jetzt, grade Seyfrieds und Crowes Leistungen sehe ich genau umgekehrt, ich finde, dass Crowe brillant agiert und auch singt, und Seyfried dafür vor allem im mimischen Bereich ein Totalausfall ist!

Veröffentlicht am 01.04.2013 12:48:20 GMT+02:00
K. Steier meint:
Nur mal so: es heißt Les Mis, nicht Les Miz...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.04.2013 13:09:31 GMT+02:00
Ben M meint:
http://www.vulture.com/2012/12/is-it-spelled-les-mis-or-les-miz.html

I pick the Z.

Veröffentlicht am 18.04.2013 21:02:39 GMT+02:00
Jörg Möller meint:
Auf den ersten Blick wirkt Crowe tatsächlich ein bißchen hözern, singt auch sehr emotionslos. Man muß aber auch bedenken wen er spielt: Javert. Und der ist eben nicht gerade für seine Emotionen bekannt. Insofern passt das meiner Meinung nach.

Veröffentlicht am 21.04.2013 15:28:37 GMT+02:00
movie victim meint:
Les Miserables polarisiert,keine Frage.Fans des Musicals sind oft Fans der ersten Stunde und bevorzugen Colm Wilkinson als Valjean.
Bond-Fans der ersten Stunde geben Connery den Vorzug, verschmähen aber auch Moore, Brosnan und Craig nicht.
Jede Generation entdeckt was Neues. Dazu kommt, dass das Medium Film anderen Gesetzen gehorcht. Seit dem Konzert zu "Les Mis"
( London, 2010 ) mit Alfie Boe ziehe ich diese Version vor.Sie enthält alles, was ich wünsche und brauche. Ich habe Victor Hugo nicht einmal gelesen!
Auf Russell lasse ich nix kommen. Habe eben auf YouTube die Todesszene gesehen. Wenn ihm klar wird, dass er gescheitert ist und nun gar nix mehr hat, wofür es sich lohnt weiterzumachen, dann sieht man einen gebrochenen Mann, wie fast nur Crowe ihn spielen kann. Das Sterben fängt in seinen Augen an, dann stürzt er in die Fluten. Hatten dieses Jahr alle Filmgremien Tomaten auf den Augen, ihn nicht zu nominieren???
Da bei der Werbung zum Film leider der Focus zu sehr auf Jackman und Hathaway lag ( beide haben mir die Lust auf den Film in den Trailern verdorben ), ging seine Leistung unter. Sehr bedauerlich. Ich sehe ihn mir in ein paar Monaten an.
Und wer sagt, Crowe kann nicht singen? Eine brüchige Stimme heißt nicht automatisch, dass jemand nicht singen kann. Wenn ich von Emotionen überwältigt werde, kann ich oft meine Stimme nicht gebrauchen. Einen Tenor,der da sauber singt, brauche ich in der Szene absolut nicht.

Veröffentlicht am 23.01.2014 11:32:48 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 23.01.2014 11:35:40 GMT+01:00
Gerard B. meint:
Kann in einer Beziehung überhaupt nicht zustimmen: Russell Crowe ist für mich überragend. Gerade seine Stimme bringt die Emotionen die zu seinem Rollencharakter nun einmal gehören hervorragend rüber. Und seine Mimik ist wie immer absolut überzeugend. Die innere Zerrissenheit wird fantastisch gezeigt und zugleich verliert er sich nicht in zu großer Nachgiebigkeit.
Und wie @movie victim schon schreibt, bei Crowe fängt Schauspiel schon bei den Augen an. Er muss oft gar nicht groß Gestik mit Mimik verbinden um die innersten Gefühle zu transportieren. Ich liebe Crowe und seine Art zu Spielen ebenso wie seinen Gesang, auch in seiner eigenen Band ist er umwerfend. Ist allerdings ein völlig anderer Stil.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.01.2014 13:44:14 GMT+01:00
movie victim meint:
Ja, vielen Dank, Gerard.
Die Zustimmung tut gut, gerade weil Crowe so gescholten wurde. Ich glaube, ihm ist erst einmal die Lust auf Musicals vergangen. An ihm gab es jedenfalls nix zu kritisieren.
Und das Filmpreise mir nicht mehr so wichtig sind, liegt daran, dass man ihn dieses Jahr trotz zwei guter Leistungen wieder nicht nominiert hat. Mann, behaltet doch Eure doofen Goldstatuetten, liebe Leute. Crowe ist auch ohne all das groß und glücklich.
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