Kundenrezension

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Mein Leben geht so schnell vorbei und das für nichts..", 28. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Menschenfeind (DVD)
Drei Filme , die Gaspar Noe bisher inszenierte.
Dreimal, daß er uns mit zitternden Beinen im Kinosessel zurückläßt, uns jegliches Gefühl von Hoffnung, von Bestimmung, von Glück ,auf das wir im Leben zu hoffen wagten in den Boden tritt.
Gott ist tot, der Mensch alleine in einem kranken Kosmos aus Einsamkeit, sinnlosesten Gewaltexzessen, und fürchterlicher belangloser Tristesse.
Nur die Qual, das letztendliche Dahinvegetieren in einem endlos leeren, verzerrten Existieren, das ist es ,was das einzelne Individuum erwartet.
Gaspar Noes Filme sind so schmerzhaft, so schreiend destruktiv, daß man sie manchmal nur ein einziges Mal ertragen kann.
Zu unfassbar konsequent, zu radikal nihilistisch und grausam sind seine Bilderstürme.
Und einfach in ihrer kompromisslosen Drastik unvergleichliche, wichtige Meisterwerke.
Gott sei Dank gibt es solche Filme.
Ehrlichkeit spürt man in jedem Bild.
Es sind Gaspar Noes eigene Ängste vor der entsetzlichen Banalität von Gewalt, vor der Sinnlosigkeit des Daseins, der traurigen eintönigen Einsamkeit, der Angst vor Verlust, dem Tod der Liebe , der Furcht vor Enttäuschung, die er uns hier in so erschütternder Weise für immer in die Sinneszellen brennt.
So sind auch seine ultrabrutalen Szenen niemals konsumierbar wie in heutigen zahllosen Computerspielen und Filmen.
Gaspar Noe gibt der körperlichen und psychischen Zerstörung von Menschen die Entsetzlichkeit zurück, die sie wirklich hat.
Hässlich, tierisch, ekelhaft, langwierig ,schockierend überflüssig und sinnlos.
Der Tod und das töten ein Prozeß, so unfassbar quälend, schmerzvoll.
Noe geiselt damit alle Medienformen, in denen Gewalt "goutierbar" gezeigt wird.
Es ist Zeit für so ein Statement
Ein Geraderücken der Gewichtung von wirklicher Grausamkeit, die so wichtig ist, gerade heutzutage in denen gleichgültig tausende Figuren achselzuckend in Spielen oder Filmen eliminiert werden.
Gewalt ist abstossend, stumpf und übelkeiterregend, die Ursünde des Menschen und jeden kann es treffen.
Dies vermittelt uns Gaspar Noe in schonunglos intimer Selbstentblößung.
Sein Meisterwerk "Irreversible" gilt demnach als der Film, in dem so viele Kinozuschauer wie nie zuvor in der Historie die Filmsäle verließen.
"Menschenfeind" ist ebenfalls das Fanal einer kaputten Seele.
Ein authentisch bis zur Selbstaufgabe verkrüppelter Charakter, der unvergesslich von Philippe Nahon dargestellt wird.
Eine leere, wandelnde Hülle ist dieser grobschlächtige schwitzende Mann. Keine Zärtlichkeit, keine Empathie, keinen Sinn mehr im Leben.
Fressen, kopulieren, verdauen, verrecken. Auf diese unglaublich schreckliche, existenzielle Lebensphilosophie hat er sein Dahinvegetieren zusammengefasst.
Und doch ist es die grosse Meisterschaft von Regisseur Noe und dem phantastischen Hauptdarsteller, daß wir doch Sympathie mit ihm empfinden, empfinden müssen.
Denn zwischen schockartigen Szenenüberblendungen ist er über 90 Minuten unsere einzige Bezugsperson.
Keine Chance läßt uns der Regisseur zu abstrahieren, eine andere Position als die seine, unglaublich Destruktive einzunehmen.
Sein lautes Denken, seine Sicht der Wirklichkeit wird uns hypnotisch begleiten.
Für 90 Minuten sind seine Augen unsere Augen, mit denen wir dieser kalten, lebensfeindlichen Welt begegnen, die Demütigung und Einsamkeit spüren und an ihr verzweifeln.
Verzweifeln und mehr und mehr auch zum gefährlichen Tier mutieren.
Zum Amokläufer, der wie ein waidwundes Wild um sich beisst, um sich schießt um letztendlich die Welt zu bestrafen und mit in den Untergang zu ziehen.
Letztendlich folgt hier Noe in seiner Inszenierungskraft einem frühen Scorsese in "Taxi Driver".
Beide Filme sind in ihrer furchtbaren Prägnanz sich in die Sichtweise und das Wirklichkeitserleben von Gewalttätern einzufinden beispiellos erschreckend und von unvergesslicher Wucht.
Weiter entfernt jedoch als vom amerikanischen Erzählkino, das in "Taxi Driver "noch vorherrscht kann Noes "Menschenfeind" gar nicht mehr sein.
Eine fortlaufende Handlung wird nicht erzählt, vielmehr ist es ein einziger Höllentrip in das Denken, in die Selbstzerfleischung, in die Destruktion, die wir erleben.
Das Gesicht, die Augen, die brodelnd wahnsinnigen Gedankenfetzen, sie sind die manifestierte Hölle.
Reflektionen, tiefe schreckliche Wirklichkeiten, Assoziationen entwickelt Gaspar Noe die nicht zu beschreiben sind, sondern die tief nachempfunden werden müssen. Im Unterbewusstsein manipuliert uns Noe auf genialste Weise.
Wir sind der Mörder, der Vergewaltiger, wir selbst sind der Gescheiterte, der Verlierer, der immer wieder gedemütigt wird, der niemals Anerkennung erlebte, derjenige dem tatsächlich keine andere Wahl in diesem entsetzlichen Hamster-Rad, genannt Wirklichkeit bleibt, als den Finger am Abzug zu betätigen.
Was sind die Ursachen von menschenverachtender Gewalt, was geht in dem Kopf eines Amokläufers vor?
Gasper Noes inszeniert hier nicht auf abgehoben pseudointellektuelle Weise eines Dozenten.
Schonunglos entlarvend seine ehrliche unverstellte Herangehensweise.
Sie lässt uns die Banalität des zwanghaften Strudels in die Grausamkeit erleben.
Aus Hilflosigkeit erwächst Hass, formen sich Klischees, Feindbilder.
Schuld sind die Homosexuellen, die Ausländer, die Weiber. Die aggressiven Tiraden ,die uns unablässig in der Off-Stimme begleiten, werden zu unserer eigenen Stimme im Kopf.
"Jetzt gibt er mir keinen Job, aber wenn ich wiederkomme und ihm meine Knarre an den Kopf drücke, dann wird er sehen wer die Macht hat"- hier offenbart sich die Konsequenz von Gewaltmechanismen.
Ohnmachtsgefühle, keine Bestätigung, Anerkennung,-als Gegenpol die Allmachtsphantasie durch Waffen. Die Möglichkeit nur einmal wenigstens bedeutsam zu werden.
"Menschenfeind" ist ein so wichtiger Film, gerade auch in der heutigen hektischen Ellenbogengesellschaft, die nachhaltig Depressionen, Psychosen unter gleichzeitig ständigem Konkurrenzkampf produziert in der die alltäglich uns umgebenden menschlichen Zeitbomben oft nie bemerkt werden.
"Das Leben ist ein Stück Dreck, und jedem dem ich es erspare, kann sich freuen"-
Wie manipulativ letztendlich Noe arbeitet, läßt sich an dem genialen Ende erkennen, das noch einmal allen Erwartungen zuwider läuft.
Es soll hier nicht verraten werden, aber hier hat er unsere Sicht der Welt schon so auf den Kopf gestellt, daß wir Erleichterung verspüren, obwohl eigentlich Entsetzen über den angedeuteten Sadismus herrschen sollte.
"Menschenfeind" hebt unser Weltbild aus den Angeln, Gott sei Dank nur für heilsame, schockierende 90 Minuten, die wie ein reinigender Faustschlag ins Gesicht wirken.
Noe ist ein Regiseeur ,der mit eigenen Ängsten, seinen Zweifeln über die furchtbare Unberechenbarkeit und Willkür des Lebens selbst hadert.
Er hat Wege gefunden seine ehrliche Trauer, sein Geschocktsein über menschliches Leben auch in schockierende, authentische Bilder zu verwandeln, die vor Schmerz und Traurigkeit noch lange in der Seele weiterschreien.
Ein Klagelied über den Homo Sapiens, eine resignative Suche nach einem Gott, den es lange nicht mehr gibt.
Ein Monument an Film über menschliche Monster, in ihrer scheinbaren Gefühllosigkeit so verwundet, traurig und um Zärtlichkeit und Sinnhaftigkeit bettelnd.
Ganz grosses bestürzend, aufwühlendes Kino.
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