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Kundenrezension

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Diktierter Humor, 4. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Diktator (+ DVD + Digital Copy) [Blu-ray] (Blu-ray)
Sacha Baron Cohen ist ja nicht gerade für seinen subtilen Humor bekannt geworden. Mit seinen brachialhumoristischen, aber auch entlarvenden Filmen „Borat“ und „Brüno“ spaltete er die Kinogänger gekonnt in Hasser und Bewunderer seines filmischen Schaffens. So wenig der Eine mit Cohens schmerzfreiem, zum Fremdschämen einladenden und oft auch zu direktem Humor etwas anfangen kann und dessen Filme meidet wie der Teufel das Weihwasser, so brüllkomisch und enthüllend findet sie der Andere. Ich gehöre zur zweiten Fraktion, auch wenn Cohen selbst mir manchmal zu geschmacklos und krawallhumorig wird. Im Großen und Ganzen konnte ich mich bei den Vorgängerfilmen „Borat“ und „Brüno“ aber prächtig amüsieren, da der Dokumentarfilm-Charakter dieser Filme und die Offenlegung menschlicher, nein, amerikanischer Vorurteile, Dummheit und Doppelmoral mich bestens unterhalten hat. Nun aber hat Cohen mit „Der Diktator“ einen „richtigen“ Film gemacht, in dem nur Schauspieler und keine amerikanischen Durchschnittsbürger mehr auftreten. Dies bietet dem Komiker zwar immer noch eine große Bühne für seine anarchistischen Statements und politischen Inkorrektheiten, wirkt aber im Vergleich zu den Vorgängerfilmen wesentlich zahmer, gekünstelter und massenkompatibler. Letztendlich rückt sich Cohen hier selbst in den Mittelpunkt, vorher ging es ihm vorrangig darum, andere bloßzustellen und Vorurteile anzuprangern. Mir persönlich gefällt Cohen als Anarcho-Journalist in Mockumentarys (fiktiven Dokumentationen) besser als in einem „richtigen“ Spielfilm, dennoch ist „Der Diktator“ ganz amüsant geraten, haut aber auch wieder ganz schön tief unter die Gürtellinie.

General Aladeen (Cohen) ist Herrscher über den Wüstenstaat Wadiya und frönt dem maßlosen Lebensstil, dem Diktatoren im Allgemeinen frönen. Er demütigt und foltert seine Untergebenen, lebt in maßlosem Überfluss, betreibt Vielweiberei, verprasst das Geld seines Volkes und lässt an der Entwicklung einer Atomrakete arbeiten. Als sein Onkel und gleichzeitig seine rechte Hand Tamir (Ben Kingsley, „Gandhi“) ihn informiert, dass er vor die Vereinten Nationen in New York treten müsse, um die Gerüchte um sein Nuklearwaffenprogramm zu entkräften, da Wadiya ansonsten militärische Angriffe drohen, macht Aladeen sich samt Doppelgänger Efawadh (ebenfalls Cohen) auf nach Amerika, um den Delegierten ordentlich in die Tasche zu lügen. Doch dann wird Aladeen gekidnappt und entkommt nur knapp dem Tod. Fortan auf sich allein gestellt, lernt er bei einer Demo zufällig die Aktivistin Zoey (Anna Faris, „Scary Movie 1-4“) kennen, die ihn bei sich aufnimmt. Dem Diktator fällt es sichtlich schwer, sich ohne sein demütiges Gefolge durchzuschlagen und sich mit amerikanischen Sitten und Gebräuchen zu arrangieren. Während Tamir mit Aladeens Doppelgänger die Öffentlichkeit täuscht und für Wadiya die Demokratie als neue Staatsform etablieren will, versucht Aladeen mit allen Mitteln, wieder an die Macht zu gelangen und sein Diktatorenleben wieder aufzunehmen…

Ausstattung der Blu Ray: Ton in deutsch, englisch, französisch, italienisch und spanisch in DD 5.1, Untertitel in denselben Sprachen plus norwegisch, finnisch, schwedisch, dänisch und niederländisch. Extras: Deleted und extended Scenes, Musikvideo „Your Money Is On The Dresser“ sowie ein fiktives Interview mit General Aladeen und Talklegende Larry King. Die Blu Ray-Edition kommt ebenfalls mit einer DVD-Kopie daher, von beiden Formaten gibt e seine Digital Copy. Die entfallenen und erweiterten Szenen sind überwiegend amüsant, nehmen aber kaum mehr als 10 Minuten in Anspruch. Das Interview des Generals durch Larry King ist sogar nur knapp drei Minuten lang. Ergo kann man ruhig einen Blick in die überschaubaren Extras riskieren. Ansonsten solider Ton und klares, farbenfrohes Bild, allerdings ohne allzu kontrastreiche Ausschläge nach oben.

Die Story spielt hier eindeutig nur die zweite Geige und dient Cohen und seinem Stammregisseur Larry Charles („Borat“, „Brüno“, „Religulous“) lediglich dazu, möglichst viele politisch nicht korrekte Gags und moralische Unmöglichkeiten in 83 Minuten unterzubringen. Dramaturgisch macht der Film also nicht allzu viel her, da die Handlung ziemlich vorhersehbar, manchmal sogar fast beliebig, ist. Letztendlich macht Cohen hier nicht viel anderes als in seinen Filmen davor, allerdings geht es ihm hier nur noch um humoristische Provokation, der aufklärerische Geist, der sowohl „Borat“ als auch „Brüno“ noch umwehte, fehlt hier gänzlich. Dafür hat Cohen, der auch am Drehbuch mitgeschrieben hat, eine hollywoodeske Spielfilmhandlung zurechtgezimmert, die deutliche Schwächen aufweist. Der große Provokateur des amerikanischen Volkes wirkt hier eher wie ein chargierender Hofnarr denn wie ein humoristisch überzeichneter Enthüllungsjournalist. Zwar waren auch Cohens Figuren Borat und Brüno karikierte Versionen beschränkter Ausländer bzw. homophiler Modejournalisten, dennoch wirkten Cohens vorherige Filme weitaus authentischer in der Umsetzung. Sie zogen ihr humoristisches Potenzial aus der Konfrontation des Unmöglichen mit dem Normalen bzw. Vorurteilsbelasteten. Auf eine reine Spielfilmhandlung reduziert, verliert Cohens Humor deutlich an Biss, wirkt oftmals plump und zweckgebunden und bekommt manchmal wenig Luft in seinem Mainstream-Spielfilmkorsett. Das reicht zwar definitiv noch für haufenweise provozierende One-Liner (z. B. als Aladeen bei einer Geburt hilft und sieht, dass es „nur“ ein Mädchen geworden ist und nach dem Mülleimer zur Entsorgung des Babys fragt), wirkt aber alles in allem oft sehr bemüht.

Am Ende des Films aber wirft Cohen dem Zuschauer noch eine wunderbar provokante These zu, als er fragt, was um Himmels willen denn alle gegen eine Diktatur haben bzw. inwieweit sich diese von so genannten Demokratien unterscheidet. Daraufhin zählt er allerlei Verwerfliches auf, was Diktatoren vorgeworfen wird, aber genauso in Amerika passiert (die Reichen werden immer reicher, die Armen ärmer, sie bekommen keine vernünftige Krankenversicherung, das Volk kann unter angstmachenden Vorwänden abgehört werden, Lügen werden verbreitet, um einen Krieg beginnen zu können etc. pp.). Natürlich ist eine Diktatur keine in Frage kommende Regierungsform, interessant ist aber, dass viele der ach so demokratischen Völker diktatorische Nuancen aufweisen, oder? Ansonsten geht es leider eher fäkalhumoristisch, frauenfeindlich und rassistisch zu, das muss man mögen, sonst wird man sich über „Der Diktator“ nur über Gebühr aufregen.

Die darstellerischen Leistungen sind solide, können aber keine großen Akzente setzen. Ben Kingsley macht souverän-versteinerte Mine zum komödiantischen Spiel, welches ihm nicht sonderlich gut liegt. Sacha Baron Cohen gibt wie üblich mit viel Spaß an der Freud politisch inkorrekte Charaktere ab und Anna Faris ist weit weniger nervtötend als ihn den Komödien, in denen sie sonst mitspielt. Darüber hinaus gibt es kurze bis Mini-Auftritte von Megan Fox und Edward Norton.

„Der Diktator“ ist letztendlich eine massentaugliche Spielfilmvariante Cohens vorheriger Mockumentarys. Der amoralische Biss und das Fehlen jeglichen Takt- und Feingefühls, gepaart mit der herrlich schrägen und pointierten Demaskierung nur vermeintlich normaler amerikanischer Bürger, all das fehlt der Spielfilmvariante allerdings. So ist denn „Der Diktator“ sicherlich immer noch eine ziemlich anarchische Komödie geworden, provokant oder entlarvend ist sie allerdings nur an einigen wenigen Stellen. So hofft man denn doch eher wieder auf eine zünftige Mockumentary von Cohen und nicht so einen mainstreamigen Komödienquatsch. Knappe drei von fünf Diktatoren, die die Welt nicht braucht.
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