Kundenrezension

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5.0 von 5 Sternen Weitaus mehr als ein Katalog zur Ausstellung, 31. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Das Königreich der Vandalen: Erben des Imperiums in Nordafrika (Gebundene Ausgabe)
"Von arianischer Glaubenswut entflammt, verfolgte Hunerich die Katholiken in ganz Afrika, schloss ihre Kirchen und schickte alle Priester und sämtliche Kleriker in Verbannung....."
(Isidor von Sevilla, Historia Vandalorum 78)

Der zu Beginn der bis zum 21. Februar 2010 andauernden "Großen Landesausstellung Baden-Würtemberg 2009" im Badischen Landesmuseum Schloß Karlsruhe erschienene, großformatige (26,4 x 21,4 x 3,4 cm) Band ist mehr als nur ein begleitender Katalog.....

.....denn, sowohl als Softcover (Museumsausgabe), als auch Hardcover bietet "Das Königreich der Vandalen. Erben des Imperiums in Nordafrika" die komplette Geschichte eines germanischen Volkes in einem gesamtgeschichtlichen Kontext. Wie die Karlsruher Ausstellung, die timediver® am 27. Dezember 2009 besuchen konnte, ist auch das 448seitige Buch chronologisch aufgebaut. Nach einer Einleitung des in die Teile "Das Imperium - Die Erben - Die Erinnerung" gegliederten Buches ist jedes Kapitel einem bestimmten historischen, kulturellen, religiösen pp. Aspekt gewidmet, der von einem Autor präsentiert wird. In die einzelnen Kapitel sind farblich in beige abgesetzte Themata (Essays) weiterer Autoren eingebunden. Den Abschluss eines jeden Kapitels bildet ein Katalogteil, der durchnummerierten Exponate.....

.....der Austellung, die mit dem "Kranken Mann am Tiber", der Tetrachie, der Teilung und dem Zerfall des römischen Imperiums und der Christianisierung unter Kaiser Konstantin beginnt. Neben dem römischen Karthago wird die Bedeutung von Ravenna, Konstaninopel erläutert. Nach einer Einstimmung "Völker in Bewegung", bei der die Erben des (west)römischen Reiches vorgestellt werden, beginnt der lange Weg der Vandalen in ihrem damaligen Siedlungsgebiet, dem heutigen Süd- und Zentralpolen. Das der Przeworsk-Kultur zuzurechnende Volk bestand aus den Stämmen der Silingen und Hasdingen (Langhaarträger), die über den Rhein nach Gallien vordrangen. Von dort zogen sie nach weiter nach Hispanien. Von den Westgoten bedrängt, setzten die verbliebenen 80.000 Vandalen und Alanen unter ihrem König Geiserich nach Nordafrika über, wo sie im Raum Karthagos schließlich das erste germanische Königreich auf imperialem Boden gründeten. Die "Stammtafel der Hasdingen" (Seite 199) zeigt u. a. die Vermälung und Nackommen von Geiserichs Sohn Hunerich mit Eudocia, der Tochter des weströmischen Kaiser Valentinians. Für die köningliche Erbfolge verfügte Geiserich das Senioratsprinzip (S. 211). Im Jahre 484unter König Gunthamund, gehörten die Provinzen Mauretania Maior und Minor, Numidia, Africa proconsularis, Byzancena und Tripolitania zum Vandalenreich (S. 310). Die aus germanischer Oberschicht, provinzialrömischer Einwohner und Berbern bestehende Bevölkerung prosperierte.

Ein wesentliches Merkmal der Vandalen war, dass sie dem Arianismus anhingen. Die nach dem Presbyter Arius (260 - 336) benannte Lehre besagte, dass Gott und Jesus nicht wesensgleich (homoousios), sondern wesensähnlich (homoiousios) seien. Der Arianismus war vom Ersten Nicäischen Konzil (325) als Häresie verurteilt worden. Die vandalischen Könige ließen ihre "katholischen" (von griechisch katholikos = das Ganze betreffend,allgemein gültig) Widersacher ihrerseits verfolgen und deren Kirchen in Beschlag nehmen. Entsprechend negativ gestaltete sich die offizielle, katholische Geschichtsschreibung. Höhepunkt der Ausstellung ist eine originalgetreue Nachbildung des "Taufbeckens von Demna" (S. 337). Zur "recuperatio imperii" und Wiederherstellung des rechtmäßigen Glaubens schickte der oströmische Kaiser im Jahre 533 unter seinem General Belisar 16.000 Soldaten nach Nordafrika, die dem Vandalenstaat schließlich ein Ende bereiteten. Gut anderthalb Jahrhunderte später, sollte jedoch der gesamte Maghreb von den Truppen des Damaszener Kalifats erobert werden (S. 387). Als neues, islamisches Zentrum wurde die große Moschee in Kairouan errichtet, die zu den sieben heiligen Stätten zählt.

Im letzten Kapitel des Buches gibt es einen Blick auf das "Bild der Vandalen in Mittelalter und Neuzeit" Neben der "Geschichte eine Rufmords" kommt Alexander Demandt beim Thema "Was ist Vandalismus ? zum Ergebnis, dass religiöser Eifer und Krieg die größten Kulurzerstörer sind. Ein Foto der durch einen Bombenangriff am 14. November 1940 zerstörte Kathedrale von Coventry macht dies besonders deutlich (S. 423). "Karthago lebt von Neuem auf" ist ein versöhnlicher Ausblick auf die frühchristliche Archäologie in einem moslemischen Land, dessen "Institut National du Patrimoine Tunesie" die Ausstellung und das Buch gefördert hat.

Der Band "Das Königreich der Vandalen" bietet nicht nur Erinnerungen an die gleichnamige Ausstellung im Karlsruher Schloss und zahlreiche tunesische Ausflugsorte, wie das "Musée national du Bardo" in Tunis, Kairouan oder den Ribat von Sousse (die timediver® im Laufe von fünf Reisen besuchen konnte), sondern wird mit seiner Vielzahl von Fotos, Abbildungen, Landkarten pp. und Textbeiträgen sicherlich zu dem Standardwerk in Sachen "Vandalen" werden.

Denjenigen, der die verschiedenen Stätten auch mal von oben sehen, oder in die Bauwerke hineinschauen möchte, sei zusätzlich die gleichnamige DVD-ROM empfohlen.

5 Amazonsterne.
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