Kundenrezension

93 von 108 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein entwurzelnder Bruch, aber mit Potenzial, 2. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Ein plötzlicher Todesfall (Gebundene Ausgabe)
Ein Mann stirbt, eine kleine Gemeinde wird erschüttert, und nach und nach werden die alten und neuen Intrigen, Tragödien und Fehden enthüllt, die von deren Bewohnern tagtäglich gesponnen werden. Und was sich hinter verschlossenen Türen abspielt, steht im krassen Gegensatz zum unbefleckten Auftreten dieses beschaulichen Ortes.

Als Anhängerin der Autorin Joanne K. Rowlings neues Buch zu lesen, ist wie aus einem schönen Traum aufzuwachen und in eine unbarmherzige Realität geschleudert zu werden, die die Schattenseiten des Lebens verdichtet und zu einem Kloß werden lässt, den man erstmal schlucken muss. Das erschreckende Bild, das sich dort bietet, fasziniert auf dieselbe Weise wie es abstößt, und obwohl man den Drang verspürt, den Blick abzuwenden und sich wieder mit etwas Schönerem zu beschäftigen, wird man doch nach und nach in die Geschehnisse dieser gnadenlosen Szenerie verstrickt, die nach außen hin weiter ihre scheinheilige Idylle aufrechtzuerhalten versucht.
Nur wenig war ihm Vorhinein über das Buch bekannt, und selbst wer keine Neuaufsetzung der Harry Potter-Romane erwartet hat, sieht sich schon auf den ersten Seiten verwirrt, schockiert und seltsam entwurzelt nach dem Zaubererreich, in das Rowling uns einmal zu entführen pflegte.
Hat sie doch schon damals bewiesen, dass sie in der Lage ist, äußerst komplexe Handlungsstränge, in welche eine Vielzahl verschiedener Charaktere verworben sind, zu entwerfen und den Leser geschickt auf gewundenen Pfaden durch ihre Geschichten zu führen, so hat sie doch auf brutale Weise mit ihrem bisherigen Stil gebrochen, und das nicht nur im Bereich der Semantik.

Besonders zu Beginn stellte sich bei mir der Eindruck ein, dass sie den Ausbruch aus der "Kinder- und Jugendliteratur", die sie bekannt gemacht und dafür gesorgt hat, dass ihr neues Werk auch ohne eine besonders aussagekräftige Inhaltsangabe zu einem Kassenschlager werden wird, zu verbissen umzusetzen versucht, sodass ihre sprachliche Umsetzung, obwohl inhaltlich passend, zumindest auf bisherige überzeugte Leser gezwungen und befremdlich wirken wird. Ihr kalter Fingerzeig auf die Schauplätze und Figuren lässt kaum Spielraum für Identifikation oder warme Momente beim Lesen, und das macht "Ein plötzlicher Todesfall" zu einem schweren Stück Lesestoff.
Hat man es aber einmal über sich gebracht, den Namen der Autorin in den Hintergrund rücken zu lassen und sich diesem neuen Stil zu öffnen, so wird man feststellen, dass die Geschichte um das beschauliche Pagford durchaus Potenzial entwickelt und deutlich tiefsinniger ist als ein hartherziger Blick auf die tiefsten Abgründe der Menschen. Das Buch fesselte mich, sogar in Verbindung mit Widerwillen in Gedenken an Rowlings literarischen Wandel, und so ließ es sich auch flüssig und ohne Längen lesen. Nachdem man einmal Eingang in das komplizierte Netz der Pagforder Gemeinde gefunden hat, entwickelt man Interesse an dem "Krieg", wie er im Klappentext beschrieben wird. Die sich entwickelnden Skandale bleiben konstant scharf und sich gegenseitig fremd und verdichten sich zum Ende hin doch zu einem gemeinsamen Ausgang, der nicht enttäuscht.

Dennoch bin ich mir auch nach Beenden der Lektüre immer noch nicht sicher, ob ich das Buch nun eigentlich mochte oder nicht.
Sympathische Figuren sind schmerzlich zu vermissen, die Entwicklung der Handlung, obwohl berührend und zum Nachdenken anregend, verbleibt bei den ausweglos dramatisierten Problemen dieser kleinen und festgefahrenen Figuren. Schließlich hat man das Gefühl, noch immer am Anfang zu stehen und keinem rechten Wandel beigewohnt zu haben.
Es ist fraglich, ob das Skript ohne den erfolgversprechenden Namen der Autorin viele Diskussionen ausgelöst hätte, und trotz aller guten Vorsätze ist ein Vergleich zu Harry Potter unumgänglich. Sich davon zumindest literarisch zu lösen, ist Rowling auf jeden Fall gelungen - aber ob dies erstrebenswert ist, bleibt wohl der Meinung des einzelnen Lesers überlassen.
Ich persönlich stelle fest, dass ich wirklich hoffe, dass ihr nächstes Buch wieder in eine ganz andere, angenehmere Richtung geht - denn dafür haben ihre Leser Rowling kennen und lieben gelernt und dies ist ein Erfolgsrezept, das meiner Meinung nach nicht umgeworfen werden muss -, dennoch bleibt das Buch für sich stehend ein lesenswerter Roman, der ihr hoffentlich weiterhin das Interesse sichern wird, das sie als wirklich talentierte Autorin verdient.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
 

Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-10 von 13 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 03.10.2012 17:06:32 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 03.10.2012 17:07:25 GMT+02:00
justclaudia meint:
Ihre Rezension hat mir sehr gut gefallen, bis auf den Schluss. Schade, dass Sie dort den Vergleich zu Potter ziehen, der dieses Buch herabsetzt, und dass Sie tatsächlich schreiben, der Leser möge entscheiden, ob der Wandel Rowlings erstrebenswert ist.

Darf ein/e Autor/in nur in eine Richtung schreiben? Muss der/diejenige sich an das halten, was das Publikum erwartet? Ein "angenehmeres" Buch als Erfolgsrezept? Ich denke, dass Frau Rowling ausreichend Erfolg hatte und es sich daher auch leisten kann, das zu schreiben, was sie will. Ganz abgesehen davon waren die letzten Potter-Bücher sicher nicht angenehm, sondern sehr düster.

Außerdem finde ich nicht, dass der Vergleich zu Harry Potter unumgänglich ist. Es wurde von Anfang an propagiert, dass dies ein anderes Buch sein wird. Und falls der Leser das nicht glauben will, hat er die Möglichkeit, ins Buch hineinzuschmökern. Einfach in einen Buchladen gehen, das Buch an beliebiger Stelle aufschlagen und feststellen, ob man sich dafür interessiert oder nicht.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.10.2012 00:23:20 GMT+02:00
Vielen Dank für Ihren Kommentar!
Ich verstehe, weshalb der Vergleich zu Harry Potter nicht gern gesehen wird. Wie ich ja auch schrieb, hat dieses Buch eben nichts mit Harry Potter zu tun - außer eben, dass es von derselben Autorin geschrieben wurde. Allerdings ist dies meiner Meinung nach eben doch ein wichtiger Punkt, da man als Autor mit jedem veröffentlichten Buch gewisse Maßstäbe setzt und verschiedene Leser anspricht, und ich halte den Vergleich zwischen Einzelwerken eines Autors, auch wenn diese rein inhaltlich keine Bezüge zueinander haben, auf literarischer Ebene dennoch für einen Punkt, der angesprochen werden sollte, denn auch Autoren entwickeln sich und ihre Bücher sich mit ihnen. Für mich ist nichts Negatives daran, solche Entwicklungen zu beobachten.

Dieser Vergleich hatte für mich aber nichts mit der eigentlichen Bewertung dieses Buches zu tun. Diese steht für sich selbst und wurde auch nicht dadurch herabgesetzt, dass ich mich Harry Potter allgemein näher fühlte.
Meine Aussage, es liege im Ermessen des Lesers, wie dieser Wandel zu bewerten sei, ist in keiner Weise Kritik an Joanne K. Rowlings Entscheidung, sich literarisch anderem zuzuwenden als bisher. Ich bin Ihrer Ansicht, dass sie es sich sowohl erlauben kann als auch, dass es ihr gutes Recht ist, denn sie ist schließlich keinem Leser verpflichtet.
Aber da sich die Rezension ja an potenziellen Leser richtet und da vermutlich einige darunter sein werden, die das Buch - so wie ich - nur aufgrund ihrer bisherigen Werke kaufen, halte ich es schon für wichtig, deutlich zu machen, wie sich der Übergang von ihrem bisherigen Stil zu diesem Buch für mich gestaltete. Ich wollte nicht ausdrücken, dass der Leser entscheiden sollte, was Frau Rowling zu Papier bringt, sondern dass es wohl jene Leser geben wird, die von dem Stilbruch nicht begeistert sind und vielleicht schon wegen dieses Buches weitere Werke der Autorin meiden werden, weil es eben nicht Harry Potter ist (was ich aber, wie meinem letzten Satz zu entnehmen, sehr schade fände!). Ebenso wird es aber viele geben, die diese Entwicklung begrüßen beziehungsweise sich nicht daran stören, dass sich der Stil grundlegend verändert hat. Verurteilen sollte man wohl aber keine Seite, denn der Stil ist es nach meinem Empfinden, der zum großen Teil bestimmt, ob man einen Autor gerne liest oder eben nicht.

(PS: Ja, sicher waren die letzten Potter-Bände düster, aber für mich sind sie auch nach wiederholtem Lesen immer eine Art "Zufluchtsort", der trotz all der negativen/traurigen/berührenden Aspekte mit einem guten Gefühl zu lesen ist, da die Grundstimmung der Bücher eine völlig andere ist.)

Veröffentlicht am 31.10.2012 09:44:46 GMT+01:00
Dagmar Kley meint:
Ich fand das Buch, um das vorweg sooo ein Bohei gemacht wurde-langweilig! Ich hatte Mühe ,es nicht einfach zur Seite zu legen.Mir erschien es irgendwie blutleer und streckenweise langatmig.Da ich die Harry Potter Bücher nicht gelesen habe, beurteile ich nur dieses Buch und würde es nicht unbedingt weiter empfehlen-Sorry,aber es wird in einigen Rezensionen nach meiner Meinung gar zuviel hinein interpretiert!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.12.2012 15:27:36 GMT+01:00
D. Edo meint:
Ehrlich gesagt fand ich auch die Harry-Potter-Bände bereits sehr düster und deprimierend. Beispielsweise fand ich es beinahe unerträglich, wie einzelne Schüler den Gemeinheiten der anderen praktisch hilflos ausgeliefert waren. Für mich stellten die Bände immer schon eine Parabel für das wirkliche Leben dar. Und insofern dürfte der Schritt der Autorin nur konsequent sein, dass sie jetzt einfach einmal direkt angesprochen hat, was sie am sozialen Miteinander stört. Vielleicht ging es ihr auf die Nerven, dass so viel Aufmerksamkeit für die von ihr geschaffenen Figuren aufgebracht wurde, obwohl sie eigentlich auf die Miss-Stände hinweisen wollte? Nehmen wir das Beispiel von den Dementoren. Diese fürchterlichen Gestalten stehen meiner Meinung nach für Depressionen. Sie saugen den Menschen die Emotionen aus und lassen eine leere Hülle zurück. Was aber ist das Gegenmittel? Ein Patronus-Zauber. Und Harry hatte Mühe, diesen zu schaffen, weil man sich dafür auf glückliche Momente seines Lebens konzentrieren musste. Die waren aber in seinem gesamten Leben zu spärlich verteilt, als dass sie anfänglich ausgereicht hätten. Erst durch die zauberische Verdopplung seiner Kräfte mit Hilfe einer Zeitreise konnte er seinen Patronus aktivieren. Das war es eigentlich, was mich an den Büchern der Autorin faszinierte, nämlich wie sie alltägliche Dinge in kräftige und einprägsame Bilder umsetzen konnte. Ich war sehr in Versuchung, das neue Buch zu lesen. Aber aus den Kommentaren geht leider nicht hervor, ob das Buch auch zu Handlungs-Ansätzen führt. Irgendwie erscheint es mir eher so, als wenn der Roman bei der Feststellung der Miss-Stände stehenbleiben würde. Und das wäre dann doch eine Portion zu deprimierend, um sich auf den Text einzulassen. Denn in meinem Alltag bemühe ich mich darum, mich vor allem auf das zu konzentrieren, was ich tun kann, nicht auf das, was ich ohnehin nicht ändern kann...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.12.2012 16:05:04 GMT+01:00
Was die Symboldichte der Harry Potter-Reihe angeht, so teile ich Ihre Meinung auf jeden Fall, auch wenn diese wohl von jedem anders interpretiert werden kann. Mrs Rowling war in meinen Augen schon immer eine Autorin, die sich wie kaum jemand anderes darauf verstand, ganz viele unterschiedliche Aspekte aus Geschichte, Fantasie und dem "wahren Leben" so zu weben, dass einem kaum auffiel, wie viel Aussage hinter manchen Dingen steckt, weil die fesselnde Handlung so ablenkt.

Doch mit "Ein plötzlicher Todesfall" ist es genau so, wie Sie vermuten: Rowling verbleibt bei den Missständen. Es gibt keine Läuterung, keine Einsicht, keine wirkliche Entwicklung. Und da ich ebenfalls ein Mensch bin, der gern in allem das Potenzial zum Fortschritt sieht und optimistisch auch auf die Schattenseiten blickt, deprimiert mich ein Buch wie dieses ebenfalls. Selbstverständlich sage ich nicht, dass derartige Missstände ignoriert oder beschönigt werden sollen, aber wenn sie schon Mittelpunkt eines Buches sind, so erwarte ich wenigstens eine Art Wandlung, ein Ergebnis, so wie man es schon damals bei klassischen Dramen voraussetzte. Ohne dieses erfüllt ein Buch meiner Meinung nach keinen Zweck, und auch wenn ich die Lehren des Lebens normalerweise nicht primär aus Büchern zu lernen glaube, so möchte ich doch nicht das Buch zuschlagen und das Gefühl haben, mich mit den Figuren keinen Schritt weiterbewegt zu haben.

Ich möchte nicht sagen, dass man das Buch nicht lesen sollte. Ich bereue nicht, es getan zu haben. Aber ich betrachte es absolut abgetrennt von Rowlings bisherigem Werk und hoffe, dass sie sich auch danach wieder in eine ganz andere Richtung bewegt als sie das in diesem Fall getan hat.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.02.2013 13:20:48 GMT+01:00
angel72 meint:
Spinnen wir den Faden weiter, den Sie so gekonnt mit Ihrer Vermutung, dass Rowling die sozialen Missstände, die ihr ins Auge springen und die sie der Lesergemeinde mitzuteilen gedenkt, genrenwechselnd aufzeigt - mal als Fantasy-Literatur, jetzt als sozialkritischen Roman - ist doch die Frage, ob sie sich damit eben gerade selber treu bleibt, dass sie keine Entwicklung, kein Entkommen zeigt, eben weil es das ja auch im wahren Leben nur allzu häufig nicht gibt. Das ist nur konsequent. Mir fällt dazu der Vergleich mit einem Bild und einem Film ein. Üblicherweise sind Bücher wie geschriebene Filme: Handlungen und Charaktere entwickeln sich, zeigen Probleme und lassen die Protagonisten Lösungen dafür finden. Dieses Buch aber nicht. Sie zeichnet den Stand der Dinge mit Worten, hält fest, was unsere Welt aktuell ausmacht. Nur nicht als Bericht, sondern als Roman. Zudem: Lösungen für derartig schlimme Missstände müssen von der Gesellschaft gefunden werden, die KANN sie gar nicht allein finden. Ich selbst lebe mit meiner Familie kein solch furchtbares Leben, es ist mir unbegreiflich, wie Menschen das aushalten und sich gegenseitig antun können und noch am Leben sind! Wir sind nicht reich an Geld, aber an Liebe, Respekt und Vertrauen, freundlich zueinander, begegnen uns wohlwollend und nach dem Motto: "Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu!". Dass es dennoch solcherlei Familien gibt und das auch noch in horrender Anzahl, wissen wir theoretisch und aus den Erzählungen anderer um uns herum. Das so vor Augen geführt zu bekommen, ist aber noch viel verstörender. Eine solche Gesellschaft ist den Erhalt ja kaum wert, das bedarf harter Arbeit und nicht einer einzelnen Lösung und alles wird wieder gut - es funktioniert nicht! Hier kann kein Einzelner ran, wie die Hilflosigkeit der Personen, die dafür eigentlich da sind, sehr deutlich zeigt. Diese Sachverhalte sind der Realität entnommen, wie soll Rowling hier eine Lösung finden, frage ich? Was erwarten ihre Leser von ihr? Das ist doch überhaupt nicht erfüllbar. Was ihren Sprachstil angeht: Er ist wie die Menschen in ihrem Buch und deshalb angemessen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.02.2013 10:24:04 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 03.02.2013 10:43:18 GMT+01:00
justclaudia meint:
Frau Barkmann,
"Ich betrachte es als absolut getrennt von ... HP". Ja, natürlich, was denn sonst? Darum geht es doch. Aber tatsächlich betrachten Sie es nicht als getrennt. Dabei ist der Todesfall Welten von HP entfernt - hier Fantasy, da das reale, schmutzige Leben in der untersten Gesellschaftsschicht. Das einzige, was die Bücher verbindet, ist die Autorin, von der Sie sich weitere HP-Bücher wünschen bzw. Ähnliches.

Dahingehend zitiere ich aus Ihrer Rezension: "... und dies ist ein Erfolgsrezept, das meiner Meinung nach nicht umgeworfen werden muss ...". Wer sagt denn, dass Frau Rowling nach Erfolgsrezept schreibt? Ich habe Sie - neben allem Lob - schon in meinem ersten Kommentar dafür kritisiert, aber Sie bleiben dran. (Jetzt frei interpretiert:) "Für die Leser, die das Buch gekauft haben, weil sie - wie Sie selbst - das vorherige Werk schätzen." Ich wiederhole mich: Es wurde überall propagiert, dass der Todesfall komplett anders ist, und es ist immer möglich, sich das Buch vor dem Kauf anzusehen.

Jetzt kommentieren Sie, dass der Todesfall als Buch keinem Zweck dient, da er keine Lösungen anbietet. Ich gehe absolut konform mit Angel72, dass es für diese Art von Leben so schnell keine Lösungen geben wird. Es ist auch nicht das erste Buch, welches nur die Misstände zeigt bzw. zeigen kann. Allerdings handelt es sich da im Allgemeinen um Bücher, die sperrig und nicht mainstream sind.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.02.2013 13:54:56 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 05.02.2013 14:26:40 GMT+01:00
angel72:
Ich nehme an, dass Sie sich mit ihrem Kommentar auf D. Edo beziehen, der diese Vermutung aufgestellt hat?
Falls nicht - ich teile die Vermutung nicht, dass Joanne K. Rowling bereits in der Harry Potter-Reihe primär darauf aus war, die Missstände unserer Gesellschaft aufzuzeigen, "getarnt in Fantastisches". Sicherlich sind sie aus keinem Roman vollständig zu verbannen, da ein Roman ohne Konflikte wohl eher selten zu finden ist (und vermutlich auch recht langweilig wäre) und die Konflikte der Papierwelten an der realen Welt orientiert sind. Doch für mich erscheinen die Harry Potter-Bücher und der Todesfall in ihren Grundfarben sehr unterschiedlich und ich halte es für schwierig, die Thematiken miteinander auf anderer Ebene als der stilistischen zu vergleichen.

Mir geht es ganz ähnlich, wenn es um den Umgang der Menschen miteinander geht, und das ist wohl auch einer der Gründe, weshalb Ein plötzlicher Todesfall mich an vielen Stellen deprimiert hat. Auch deshalb hätte ich mir wenigstens Lösungsansätze gewünscht. Ich verlange selbstredend nicht, dass Joanne K. Rowling Lösungen für alle Probleme dieser Welt sucht (geschweigedenn findet), und ein allzu optimistisches Ende des Buches wäre mit großer Wahrscheinlichkeit auch unglaubwürdig geworden. Dennoch denke ich, dass sich an jeder Stelle Fortschritt und Lösungen finden lassen und der Autor durchaus in der Lage ist zu entscheiden, ob er diese anbringt.
Ich persönlich bevorzuge es gerade aufgrund häufig "aussichtsloser" Missstände, wenn dies erfolgt, aber das ist wohl den Vorlieben jedes einzelnen Lesers überlassen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.02.2013 14:11:47 GMT+01:00
angel72 meint:
Frau Barkmann, bei solch gravierenden Missständen ist bereits der Versuch, Lösungen zu finden - und seien diese auch nur theoretisch, im Ansatz und einzeln - zum Scheitern verurteilt. Das wäre Lochflickerei, die ebenfalls zu den Missständen beiträgt und diese nur noch vergrößert, die Notwendigkeit zur Tat aber mindert. Ich meine, wenn das Buch verstörend daherkommt, denkt man sicher eher darüber nach als wenn einem Lösungen angeboten werden. Eben, weil das Gefühl danach so miserabel ist. Eben, weil man sich damit identifiziert. Eben, weil man - so wie wir jetzt - darüber diskutiert. Gäbe es Lösungen, würde all das nur sehr marginal stattfinden, wenn überhaupt. In unseren Köpfen, im Forum. Sollte das das Ziel von Rowling gewesen sein, hat sie es erreicht. Allerdings muss ich einräumen, dass dieses Ziel eine Spekulation ist, die möglicherweise nicht stimmt. Vielleicht hat sie auch einfach nur ein anderes Buch geschrieben :-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.02.2013 14:52:06 GMT+01:00
justclaudia:
Richtig, das einzige, was die Bücher verbindet, ist die Autorin, wie ich ja bereits in meinem ersten Kommentar schrieb: "... hat dieses Buch eben nichts mit Harry Potter zu tun - außer eben, dass es von derselben Autorin geschrieben wurde."
Andere Bücher wie Harry Potter würde gern lesen - ich erwarte aber weder, dass diese dann von Joanne K. Rowling verfasst werden, noch habe ich je vom Todesfall erwartet, dass er Harry Potter ähnelt. Außerdem lese ich gern alle möglichen Genres und nicht nur Fantasy.
Meine Bewertung des Buches an sich und die hier gegeben 3/5 Sternen beziehen sich ausschließlich auf das Buch als solches und inwiefern es mir gefiel, nicht darauf, wie viel "schlechter als Harry Potter" ich es fand. Und trotz des spärlichen Information, die es vorher über den Todesfall gab, habe ich gewusst, dass es in eine völlig andere Richtung gehen wird. Ein kurzer Blick ins Buch vor dem Kauf kann sicherlich Hinweise geben - aber trotzdem kann es doch passieren, dass ein Buch sich zuvor interessant anhört oder die Thematik zum Lesen bewegt und man es nach dem Beenden dennoch nur befriedigend oder gar schlecht fand. Ich lehne ja nicht die Grundthematik des Buches ab oder dass Mrs Rowling sich nun so anders orientiert hat - dass ich nicht 5/5 Sternen geben konnte, lag einfach an der Umsetzung, die mich nicht hundertprozentig überzeugt hat. Da haben andere Autoren, die eben auch nur die Missstände zeigen und dabei verbleiben, eine für mich gefühlsmäßig bessere Richtung gefunden.

Dass ich Harry Potter überhaupt anspreche und "darauf herumreite", liegt daran, dass es mich als Leserin der früheren Bücher sehr interessiert, wie Mrs Rowling sich literarisch entwickelt, und ich denke, dass es auch vielen anderen so geht.
Dass mag Sie stören, weil Sie lieber eine Rezension gelesen hätten, die für sich steht, und ich kann Ihre Kritik daran durchaus verstehen. Aber ich habe mich bemüht, eine Rezension zu verfassen, die mir selbst bei der Entscheidung helfen würde, ob ich "den neuen Rowling" lesen möchte oder nicht, nachdem ich bereits sehr vertraut mit ihrem bisherigen Werk war. Da ich sie als Autorin sehr schätze, war es für mich selbstverständlich, dass ich es tat, aber nicht jeder liest ja ein Buch nur wegen seines Verfassers.
Ich bin gewiss auch keine geschulte Buchkritikerin, und Meinungen sind ja ohnehin subjektiv. Ich hoffe allerdings, dass die Rezension zumindest für die Leser hilfreich ist, die die Autorin bereits kennen (und ihre Arbeit schätzen) und Interesse an ihrem neuen Roman haben, auch wenn dieser eben kein Harry Potter ist. :)
‹ Zurück 1 2 Weiter ›

Details

Artikel

3.2 von 5 Sternen (468 Kundenrezensionen)
5 Sterne:
 (159)
4 Sterne:
 (71)
3 Sterne:
 (64)
2 Sterne:
 (67)
1 Sterne:
 (107)
 
 
 
EUR 24,90
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Rezensentin / Rezensent


Ort: Niedersachsen, Germany

Top-Rezensenten Rang: 202.450