Kundenrezension

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Keine Balladen diesmal, 18. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: Undercover (Audio CD)
Mit den '94er Remasters war ich nie unzufrieden; aber auch wenn die neuen 2009er Remasters von der Vorgängerauflage die spartanische Aufmachung 1:1 kopieren, so klingen sie doch voller und kräftiger und etwas differenzierter als diese; besonders das eher ruhige Feel on Baby setzt sich jetzt den anderen Titeln gegenüber besser durch.

Da sein Vorgänger "Tattoo you" größtenteils aus Sessions stammte, die bis weit zurück in die Siebziger reichten, war "Undercover" das Album, mit dem die Stones produktionstechnisch voll in den Achtzigern landeten: und ab jetzt immer schön alles auf die 2 und die 4!

"Undercover" ist deutlich aggressiver als "Tattoo you", was zum einen an den Texten liegt: es geht um politische Verfolgung, Folter, Mord, körperliche und psychische Gewalt... die Texte (und teilweise auch die begleitenden Videos) triefen ziemlich vor Blut. Zum anderen meint Mick Jagger hier zunehmend, beim Singen eher bellen oder den röhrenden Hirsch markieren zu müssen (was dann auf "Dirty Work" seinen Höhepunkt fand).

Ich finde das Album immer noch etwas überproduziert (eine typische Krankheit vieler Alben der Achtziger), was vor allem beim Titelsong deutlich wird: hier experimentierten die Stones erstmals mit etlichem herum, was das Studio so hergab. Ich muss aber einräumen, dass es bei diesem Lied voll funktioniert: die Produktion passt perfekt zur Stimmung des Textes. (So geht es mir nur noch mit 2 weiteren "überproduzierten" Liedern überhaupt: First we take Manhattan von Leonard Cohen und When the Night comes falling from the Sky von Bob Dylan, beide etwas später erschienen.) Das Gute an den Stones ist eben, dass sie allem, was sie anfassen, ihren Stempel aufdrücken. Die Platte ist in meiner Wahrnehmung über die Jahre gewachsen.

She was hot war eine weitere tolle, aber unverdient schlecht notierte Single. Wanna hold you ist eins von Keiths unsäglich infantilen Liedern (s. a. You don't have to mean it auf "Bridges to Babylon"), unfassbar für den Ko-Autor von so düsteren Sachen wie Gimme Shelter, Midnight Rambler etc. (Auf der LP läuft der Song gnädigerweise eine halbe Minute kürzer.) All the Way down erinnert auch eher an ein Kinderlied und hätte ruhig eine B-Seite bleiben können. Feel on Baby ist ein Reggae, der über die Jahre an Atmosphäre gewinnt. Too much Blood ist musikalisch sehr stark; über den widerwärtigen Text (hier geht's um Kannibalismus) muss man einfach weghören. Too tough hätte das Zeug zu mehr, kann sein Versprechen aber nicht einlösen. It must be Hell ist musikalisch eine geile Kreuzung aus Honky Tonk Women und Soul Survivour; Multimillionär Mick kann allerdings in seiner Rolle als soziales Gewissen nicht recht überzeugen.

Mit diesem Album begann die bis heute andauernde fruchtbare Zusammenarbeit mit Keyboarder Chuck Leavell (ex-Allman Brothers Band) im Studio und als musikalischer Leiter auf Tournee. Es ist insgesamt sehr aggressiv und rockig, und ich finde, die Produktion hat die Zeit gut überstanden; leider enthält es ein paar Albumfüller. Ich hätte es begrüßt, wenn man im Booklet die Texte mit abgedruckt hätte, die auch der LP beilagen.

P.S. Es gab doch eine Ballade: Think I'm going mad, die B-Seite von She was hot; aber die stammte bereits aus Sessions Ende der Siebziger.
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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 23.11.2009 18:05:33 GMT+01:00
liveforever meint:
P.S. Es gab doch eine Ballade: Think I'm going mad, die B-Seite von She was hot; aber die stammte bereits aus Sessions Ende der Siebziger.

...ja, und die hätte man einfach nur als Bonustrack mit draufpacken sollen, und schon hätte das gesamte Scheibe an Qualität gewonnen.

Veröffentlicht am 09.08.2014 13:59:06 GMT+02:00
stephan t. meint:
Sehr kompetenter Beitrag !!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.08.2014 03:33:26 GMT+02:00
Herzlichen Dank!
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3.8 von 5 Sternen (12 Kundenrezensionen)
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Toby Tambourine
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