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Kundenrezension

5.0 von 5 Sternen Ein Auftakt der Extraklasse, 26. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Auslese - Nur die Besten überleben: Roman (Die Auslese-Trilogie, Band 1) (Gebundene Ausgabe)
Inhalt
Die Menschheit hat sich selbst zerstört. Die Kinder und Jugendlichen des Vereinigten Commonwealth lernen schon zeitig die Sieben Stadien des Krieges kennen. Um zukünftig die Fehler der Vergangenheit zu vermeiden, werden jedes Jahr Jugendlichen aus allen Kolonien ausgewählt um an der Auslese teilzunehmen. Bei dieser, geht es darum in einem langwierigen Prüfungsprozess, diejenigen herauszufiltern, die Führungsqualitäten besitzen. Nur 20 von Ihnen werden ausgewählt, um zu neuen Anführern an der Universität in Tosu-Stadt ausgebildet zu werden.

Cia, Malencia Vale, ist eine von den Glücklichen, die zur diesjährigen Auslese ausgewählt wurden. Mit Stolz und Zuversicht blickt sie nun in ihre Zukunft, bis sie erkennt, worum es in diesen Prüfungen tatsächlich geht. Führen oder Sterben! Bald schon wird ihr klar, dass nur die Besten diesen skrupellosen Testmarathon lebend verlassen…

Vertraue niemanden…
Es wird immer Kandidaten geben, deren Missgunst dich zerstören kann…

Sei auf der Hut…

Meinung
Der Schreibstil ist wunderbar. Er ist flüssig, sehr ansprechend und so weitreichend, dass man sich beinahe schon zu Beginn in der Geschichte verliert und es nicht mehr wagt sich zu lösen. Die Autorin vermag es somit bereits in den ersten Seiten zu fesseln und die Spannung immer weiter und weiter aufzubauen, bis man vor Erschöpfung ein Ende herbeisehnt, bei dem sich diese angestaute Spannung endlich entlädt. Ihre Erzählweise aus Cia’s Sicht hält an den richtigen Stellen Informationen hinter den Berg, die einen vor Neugierde beinahe platzen lassen. Sie beschreibt die Umgebung und Personen sehr genau und erzeugt so ein klares Bild der von ihr erdachten Welt. Die Details sind an den richtigen Stellen eingewebt und man fühlt sich nicht überinformiert. Besonders beeindruckt haben mich die eingehenden Beschreibungen der Natur. So war es mir beinahe selbst möglich den Wind in den Haaren, den Staub auf der Haut oder das frische, grüne Gras unter meinen Füßen zu spüren. Die Liebe und Verbundenheit zur Natur war ein sehr angenehmer Nebeneffekt zu all den aufreibenden Geschehnissen.

Die Geschichte ist nicht komplett neu. Die Anzahl an Dystopien wächst nahezu täglich und sich in dieser Fülle noch abzuheben, fällt denkbar schwer. Dennoch ist es Frau Charbonneau gelungen einen solchen Sog zu erzeugen, dass die Eigendynamik der Geschichte weit über ein Level der Durchschnittlichkeit herausragt. Sie regt zu tiefen Gedanken an und lässt dem Leser so den Raum und die Möglichkeit, sich aus seiner Unbekümmertheit zu befreien und die Dinge zu sehen, die oft erst aus einem anderen Blickwinkel sichtbar werden. Sie führt uns in eine fiktive Zukunft, die elementar auf den Mauern unserer heutigen Gesellschaft ruht. Krieg, Zerstörung, Katastrophen, Ausrottung, Hunger, Seuchen – all diese Dinge könnten uns in nicht allzu ferner Zukunft in den Ruin treiben. Unsere Erde, wie wir sie kennen, in ein Ödland verwandeln. Und schließlich kann es nur mit Hilfe von uns Menschen, die selbst maßgeblich Schuld an dem Desaster sind, wieder zu neuem Glanz erblühen. In Cia’s Welt ist dies der Fall, es wird mit Nachdruck an der Neuerschaffung des natürlichen Umfeldes der Erde gearbeitet und dazu bedarf es schlauer Köpfe und Führungspersonen, die die Fehler der Vergangenheit erkennen und vermeiden.
Von Zeile zu Zeile hetzt die Autorin den Leser in einer unaufhörlichen Flut an unvorhersehbaren Geschehnissen durch die Seiten. Ich kenne wenige Geschichten, die mich so oft überrascht haben, wie diese. Nicht selten, musste ich kurze Verschnaufpausen einlegen, um mir klar zu werden, was da gerade über mich und den Handlungsverlauf hereingebrochen ist und ebenso oft war ich starr vor Entsetzen. Gerade zum Ende hin häufen sich Geheimnisse, Zweifel und Ängste der Protagonisten, die einen als Leser beinahe vor Spannung und Neugier bersten lassen. Hatte man sich gerade von einem Schock erholt, kam schon die nächste knifflige Situation auf einen zu. Dies erzeugte eine Atmosphäre der Extraklasse. Dieses Knistern in der Luft, die angespannte und unheilvolle Stimmung sind mir durch und durch gegangen. Wem kann man trauen? Was ist echt und was ein Test? Ist alles nur Berechnung? Was steckt hinter all diesen Handlungen? Was machen die anderen Kandidaten? Was lauert hinter der nächsten Ecke? Man erwartet irgendwann stets das Schlimmste und viele Hindernisse, dennoch passiert es genau dann, wenn man absolut unvorbereitet ist und das Abschätzen des Ausmaßes wird nahezu unmöglich.
Man lernt eine Welt kennen, die an Vorstellungskraft, Eigensinn und Originalität schwer zu übertreffen ist. Jede Szene, ob in den Kolonien, in Tosu-Stadt oder den unerschlossenen Gebieten, war so passgenau durchdacht und dargestellt, dass der Unterschied zur Realität kaum mehr sichtbar war. An diesem Punkt ist zu erwähnen, dass genau das – die Verschmelzung von Fakt und Fiktion, der maßgebliche Faktor für eine herausragende Dystopie darstellt. Man verbindet wie automatisch seine Gedanken mit denen der Protagonisten, hinterfragt sich selbst und unsere Zeit, stellt Unterschiede und Gemeinsamkeiten fest. Man nimmt sich etwas Individuelles für sein Leben mit und wird zum Nachdenken angeregt. Eine tiefgründige Botschaft eingewebt in ein Abenteuer, was es absolut in sich hat. Zum Ende lässt sich sagen, dass es wahnsinnig viele ungeklärte Fragen gibt, die mich wahrscheinlich noch eine Weile beschäftigen werden. Ich freue mich jetzt schon wahnsinnig auf die Fortsetzung und hoffe dort die nötigen Antworten zu erhalten.

Die Personen, allen voran Cia, hätten authentischer und detaillierter nicht sein können.
Malencia Vale ist eine Person bei der ich als erstes nur eines verspürt habe – Bewunderung. Sie sieht zuerst, wie es sehr typisch in diesem Genre ist, nur das Gute im bestehenden System, ist stolz dazu zu gehören und wünscht sich nichts sehnlicher als eine der Auserwählten für die bevorstehende Auslese zu werden. Bald darauf erkennt sie erste Unstimmigkeiten und ihre Sicht auf die Dinge wird kritischer. Sie macht eine starke Entwicklung durch. Ihre Intelligenz und Bedachtheit sind so ausgeprägt, dass ihre Schlussfolgerungen und Gedankengänge oft absolutes Erstaunen bei mir ausgelöst haben. Sie denkt ganzheitlich und sieht die Dinge in ihren fundamentalen Bestandteilen. So rückt ihr Fokus oft auf Geschehnisse und Handlungen, die anderen niemals auffallen würden. Sie löst Probleme im Gleichklang mit der Findung der Ursache. Oberflächigkeit und Unbedachtheit scheinen ein Fremdwort für sie zu sein. Hinzu kommt ihre sehr stark ausgeprägte Empathie, die ihr nicht selten das Wesen eines Menschen offenbart und somit vor schrecklichen Fehlern bewahrt. Dennoch besitzt sie die gesamte Zeit über eine kleine Schwäche, die ihr beinahe zum Verhängnis wird. Sie sieht stets das Gute im Menschen und verdrängt damit oft ihre logischen und absolut richtigen Schlussfolgerungen. Sie ist als Gutmensch erzogen und will sich diese Eigenschaft nicht nehmen lassen. In solchen Situationen sollte man oft wohl eher auf den Verstand als auf das Herz hören. Dennoch ist diese „Schwäche“ eine Sache, die sie noch sehr viel sympathischer macht. Ihre Gedanken und Gefühle verschmolzen bald schon mit meinen und ich war in sämtliche Problemlösungen involviert. Ich war so gebannt von den ganzen Herausforderungen, dass ich mir gleichzeitig selbst Gedanken über die Ergebnisse und Auswege gemacht habe. Cia baut zu nahezu jedem der anderen Charaktere eine gewisse Bindung auf, sie kümmert es, wie es anderen ergeht, sie analysiert Handlungsweisen, erweist jedem ein gewisses Maß an Respekt und lernt aus den Aktionen der Konkurrenten. Im Laufe des Buches entwickelt sie einen scheinbar unbezwingbaren Überlebenswillen, eine Stärke und ein Durchhaltevermögen, dass mich nur noch Staunen lies. Ob die Geschehnissen, die hinter ihr liegen Schuld sind oder dieser Kampfgeist einfach nur tief in ihr verborgen war, wird nicht ganz klar. Eines ist sicher, Malencia Vale besticht mit so viel Charakter, dass man sie einfach mögen muss. Weiterhin ist zu erwähnen, dass die Autorin eine wahnsinnige Vielfalt an Personen eingebaut hat. Jeder Einzelne trägt etwas Besonderes und Essentielles zur Geschichte bei. Vom offensichtlichen Fiesling, über die arrogante Schmeichlerin, die Träumer und Denker, bis hin zu berechnenden, kaltblütigen Verrätern, ist einfach alles dabei.

FAZIT
Diese Dystopie ist eine atemberaubende, sich bis zum Ende steigernde Geschichte, die mit so viel Tiefe und Authentizität aufwartet, dass es einem die Sprache verschlägt. Frau Charbonneau hat mit diesem Buch eine Zukunft erschaffen, die sehr komplex und originell ist. Inmitten dieser erdachten Welt zeigt sich eine wahnsinnige Vielfalt an tollen Charakteren, die „Die Auslese“ nicht nur lesenswert machen, sondern einen solchen Sog erzeugen, dass man es einfach lesen muss. Für mich verdient es eindeutig die Höchstbewertung.
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