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76 von 96 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Rezension bezieht sich auf: Freunde mit gewissen Vorzügen (DVD)
Hollywood verstand sich schon immer als die Hochburg der Liebeskomödie - und in den Dreißigern, als das Genre noch Screwball hieß und einige wirkliche Meisterwerke hervorbrachte, stimmte das auch.Heutzutage sind das im Akkord hergestellte und auf Unterhaltsamkeit getrimmte anthropologische Studien über das Sexualverhalten jugendlicher Großstädter, wie auch in diesem Film. Die Zutaten fürs Standardrezept stimmen: Eine coole Stadt (New York), zwei attraktive und jung-dynamische Sympathieträger (Justin Timberlake und Mila Kunis), die scheinbar mühelos und quasi nebenher einem hippen Beruf nachgehen (Art-Director bzw. Headhunterin) und viel Zeit haben, in ihren schnieken Lofts über den Sinn des Lebens nachzudenken. Laut Hollywood wimmelt es von diesen reizenden Säugetieren in amerikanischen Großstädten, Wirtschaftskrise hin oder her. Soviel zum Thema Realismus. Wie das Drehbuch so will, werden diese beiden frisch Getrennten aufeinander losgelassen, und das Schicksal à la Hollywood nimmt seinen Lauf... Der Plot schreibt nämlich vor, dass die beiden Hübschen von vorangegangenem Trennungen traumatisiert und beziehungsscheu geworden sind. Dass die beiden weder sonderlich geschockt wirken noch glaubhaft vorgaukeln können, dass Typen wie sie sich mit solch romantischen Kinkerlitzchen die Zeit verplempern, ist da nur noch Nebensache. Denn jetzt zaubern die Drehbuchautoren ein wirklich schwerst angestaubtes Kaninchen aus dem Hut - die beiden entschließen sich, miteinander unverbindlichen, dafür triebabbauenden Sex zu haben - in aller Freundschaft natürlich, doch ohne Liebesgesäusel. Diese nachvollziehbare Logik gab es schon in vielen anderen Filmen und wird durch die zigste Wiederholung auch nicht origineller. Dabei werfen sich die beiden Protagonisten die Bälle in teilweise durchaus erfrischenden Dialogen hin und her, hier ist schon eine gewisse Spielfreude spürbar, die Chemie stimmt offensichtlich zwischen den Akteuren. Wenn es dann allerdings wirklich zur Sache geht, wirkt dieses Machwerk genauso bieder wie jede andere Mainstream-Komödie amerikanischer Machart. Die Sexszenen sind ungemein verklemmt, Geschlechtsverkehr findet in amerikanischen Schlafzimmern anscheinend ausschließlich unter Seidenbettwäsche statt, was den Anblick schmutziger Details erspart. Auch die Dialogzeilen während der Bettszenen sind erstaunlich, hier hat man den Eindruck, zwei Golfspielern zuzuhören ("Weiter links, nein - rechts, jetzt noch etwas höher" etc. pp). Irgendwie hat man das Gefühl, zwei reizenden Tierchen beim Freizeitsport zuzuschauen, und das wirkt einfach nicht sexy. Eine Hippie-Mutter und der schwule Kollege dürfen als Nebenfiguren ebenso wenig fehlen, dank zweier hervorragender Schauspieler (Patricia Clarkson, Woody Harrelson) wirken diese dennoch als Bereicherung. Insgesamt eine Erotik-Komödie ohne echte Erotik, deren teilweise frechen Dialoge und Anspielungen auf diverse Sexpraktiken dennoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier ein oberflächliches und letztendlich stockkonservatives Gesellschaftsbild verkauft wird. Jedem Töpfchen sein Deckelchen in der New York-Variante, die geeignete Unterhaltung für einen verregneten Sonntag mit wenig Alternativen oder für emotional schlicht gestrickte, die fest an den Weihnachtsmann und an das Naturgesetz glauben, dass jedes Menschenwesen, das niedlich aussieht, Anspruch auf technisch sauberen Sex und Liebesglück hat. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen Kommentare
Von 2 Kunden verfolgt
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1-10 von 10 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag:
22.12.2011 06:25:59 GMT+01:00
marani123 meint:
Vielen Dank für diese echt witzige Rezension. Die Negativpunkte am Film kommen glaubhaft herüber.
Antwort auf einen früheren Beitrag vom
23.12.2011 10:31:42 GMT+01:00
K. Brandner meint:
Bitte, gern geschehen - und Danke für die Blumen;-)
Einen Film wie diesen kann man auch wirklich nicht bierernst rezensieren.
Veröffentlicht am
19.01.2012 19:53:05 GMT+01:00
M. Rybka meint:
Klasse Rezension! Hier mußte ich schon beim Lesen schmunzeln und trotz einiger "Seitenhiebe" nach Hollywood, bin ich jetzt noch gespannter auf diesen Streifen.
Veröffentlicht am
20.01.2012 09:55:51 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 20.01.2012 09:58:39 GMT+01:00
Machete CinemA meint:
Möchte mich hiermit auch für diese tolle Rezension bedanken. Sehr gelungen!!!! Da ich momentan sehr auf dieses Genre auch aus persönlichen Gründen stehe ;) bin ich generell sehr gespannt auf den Film.
Meine Referenz zur Zeit ist eigentlich " Freundschaft plus " , den ich ich einfach nur klasse und sehr charmant, witzig finde ( Natalie Portman, Ashton Kutcher ). Dieser wurde hier von anderen Kunden aber dagegen schlechter beurteilt. Negativ Beispiele sind dagegen für mich " Verrückt nach dir " und " Umständlich verliebt ", die für mein empfinden recht liebllos und schnell abgedreht worden sind, trotz hochkarätiger Besetzung mit Jennifer Aniston bzw. Drew Berrymore. Kennen Sie diese Filme auch? Wenn ja , wie sehen Sie sie im Vergleich zu " Freunde mit gewissen Vorzügen " ? Etwas " Angst " habe ich auch vor Justin Timberlake nach dem letzten Film den ich mit ihm gesehen habe... " Bad Teacher " !!!! Eine absolute schauspielerische Katastrophe wenn auch eine sehr undankbare Rolle... aber da sollte er besser auswählen, denn ich traue ihm eigentlich mehr zu....
Veröffentlicht am
25.01.2012 23:12:38 GMT+01:00
Torlok The Red meint:
Mir hat's auch gefallen; ich habe herzlich bei Ihrer Rezension gelacht. Sie sollten mal ein Buch schreiben!
Veröffentlicht am
28.01.2012 14:30:30 GMT+01:00
jk meint:
Coole & glaubhafte Rezi! Davon sollten sich andere der Kategorie "Supi"/ "totale Sch...." mal eine Scheibe abschneiden!!
Veröffentlicht am
30.01.2012 11:52:04 GMT+01:00
Rallyfirst meint:
Hi, ich kann Ihre Rezension nachempfinden. Dennoch würde ich jedem raten, sich eine eigene Meinung zu bilden. Ich fand den Film sehr unterhaltsam obwohl durchaus seicht und oberflächlich. Diese detailierten Anweisungen beim Sex waren in dem Moment extra überspitzt dargestellt und sollten nur unterstreichen, dass der Sex für beide in diesem Moment nur "mechanisch" abgelaufen ist, eben wie vereinbart ohne Gefühl. Den Unterschied merkt man beim Sex der beiden bei den Eltern, wo dieser leidenschaftlich ganz ohne Gequatsche abläuft. Dort kommt recht gut rüber, dass die beiden auf einmal doch Gefühle für einander entwickelt haben.
Der Film war sehr kurzweilig für mich und die Dialoge recht witzig. Haupsächlich zu verdanken Mila Kunis, die sehr sympatisch und taff rüberkommt. Allerdings empfinde ich Justin Timberlake als absolute Fehlbesetzung. Da merkt man im Vergleich zu Mila Kunis einen riesen Klassenunterschied. Man hat das Gefühl, er kennt nur zwei Gesichtsausdrücke.
Veröffentlicht am
26.05.2012 13:45:20 GMT+02:00
Frank A. Helling meint:
Möchte mich dem Tenor der anderen Kommentare anschließen: großartig geschriebene Rezension!
Veröffentlicht am
20.09.2012 10:40:06 GMT+02:00
Tesla meint:
Ja, wirklich hilfreiche und witzige Rezension! Aber eigentlich kritisieren Sie ja damit hauptsächlich Hollywood. Jeder der sich solch einen Film kauft / ansieht, sollte sich doch wohl der typischen realitätsfernen Logiklücken bewusst sein. Ich weis ja nicht, was Sie eigentlich erwartet haben, aber diese Kritikpunkte waren doch wohl vorhersehbar. Ich kaufe mir ja auch keinen Polo und beanstande dann den kleinen Kofferraum.
Antwort auf einen früheren Beitrag vom
25.01.2013 10:56:07 GMT+01:00
K. Brandner meint:
Ich kritisiere nicht Hollywood, hinter diesem Begriff steckt ja eine Unterhaltungsindustrie, die höchst unterschiedliche Produkte hervorbringt, vom Arthouse-Film bis zum Blockbuster. Was ich kritisiere ist die Dümmlichkeit und Oberflächlichkeit von Mainstream-Komödien. Natürlich ist mir bewusst, dass man in diesem Genre mit Klischees und Archetypen spielt - aber muss das unintelligent und realitätsfern sein? Das Schöne an einer Komödie sind die klitzekleinen Überschneidungsflächen mit der eigenen Ach so ernst zu nehmenden Existenz, die man in einzelnen Szenen entdecken kann, zumindest wenn diese Sequenzen gut und straff inszeniert sind. Die Komödie ist ein Spiel mit der Realität, mit dem gerade noch Möglichen - und da sind die in diesem Film gezeigten, stereotypen Abziehbilder eher die zweite Wahl.
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