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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Rezension bezieht sich auf: Das Kalkwerk (Gebundene Ausgabe)
...die Studie niederschreiben; mit dem ersten Satz beginnen und dann die erste Hälfte niederschreiben und dann die zweite; aber einfach die Ruhe finden, sich hinsetzen und in einem Zuge die Studie niederschreiben...das wünscht sich ein Herr Konrad, Hauptaktuer des Buches. Konrad ist ein Privatgelehrter, der wie er selbst behauptet über ein absolutes GEHÖR verfügt; Konrad hört alles: er hört selbst "etwas aus der Tiefe des Wassers herauf"; andere außer ihm hören dies und anderes nicht. Und Konrad möchte eine Studie über Das GEHÖR verfassen; darüber nachdenken muß er nicht mehr, er habe die Studie seit Jahren vollständig im Kopf: nur niederschreiben, einfach in einem Zuge die Studie niederschreiben: das ist ihm bisher nicht möglich gewesen. Und er hat -weiß Gott - wirklich alles dafür getan: zuletzt hat er das ehemalige Kalkwerk gekauft (ist dadurch bankrott), um die nötige Abgeschiedenheit für das Niederschreiben der Studie (einfach in einem Zuge) zu finden. Aber er findet diese Ruhe nicht: mal ist es der Baurat, der an die Tür klopft (Konrad kann das Klopfen nicht ignorireren), mal Konrads Frau, die nach ihm läutet, mal der Höller, der im Garten Holz hacke, mal der Rauchfangkehrer, mal der Wind und manchmal schlicht zuviel Ruhe, die verhindert, daß er die Studie (einfach in einem Zuge) niederschreiben kann. Bis auf die Tatsache, dass Konrad (fast) niemanden mag, seine Frau mit seinen Experimenten mit der urbanschitschen Methode terrorisiert und dass er seine Frau zuletzt erschossen hat, ist er eigentlich ganz in Ordnung. Wie immer bei Bernhard haben wirs bei Konrad mit einer Persönlichkeit zu tun, die ständig am Rande des Wahnsinns ("am Wendepunkt" wie ich es öfter aus eigener Erfahrung nenne) spazieren geht. Und der Roman ist "einfach in einem Zuge" niedergeschrieben: fast keine Absäze, ellenlange Sätze, in denen man auf 5 Doppelseiten z.B. erfährt wie Konrad seine Jagdstiefel einwichst, und dass er das grundprinzipiell mit seinen Handballen macht. Oder dass man im Kalkwerk nur bewaffnet hrumlaufen könne, dass er schwerste Eisengitter und Riegel habe einbauen lassen. Das alles erfährt man auf typische bernhardsche Weise: mit dem sprachlichen Hammer. Das Buch ist ein absolutes Novum wie alle Bücher von Bernhard, meiner bescheidenen Meinung nach aber auch ein absoltes Muss.
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Von 1 Kunden verfolgt
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag:
26.06.2011 17:53:15 GMT+02:00
Spaddl meint:
Wunderbare Rezension, die der bernhard'schen Redundanz mehr als gerecht wird :-)
Antwort auf einen früheren Beitrag vom
30.06.2011 12:09:29 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 30.06.2011 12:10:03 GMT+02:00
Michael Baumann meint:
Vielen Dank für die Blumen. Bernhard gerecht werden zu wollen, ist allerdings nicht mehr als ein frommer Wunsch.
Beste Grüße M.Baumann
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EUR 13,80
Rezensentin / Rezensent
Ort: Uedem, Niederrhein
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