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Kundenrezension

34 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kein zukünftiger Klassiker, 22. März 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: The Next Day (Audio CD)
Natürlich ist das NICHT die beste Bowie Platte seit Scary Monsters, auch nicht die beste Bowie Platte seit ,Reality` oder seit ,Low`, weil es nämlich in der wirklichen, wirklichen Wirklichkeit die ich ganz genau kenne, weil ich die Weisheit mit Löffeln gefressen habe, gar keine beste Bowie Platte gibt. So wie es auch keine beste Dylan Platte, oder keine beste Rolling Stones Platte gibt. Soweit klar? Nein? - mir auch nicht, aber genau darauf kommt es an - auf den Kontext in dem man ein Album zum ersten Mal hört, auf die Stimmung in der man das Album wieder auflegt - und genau damit macht Bowie es einem mit ,The Next Day` wirklich nicht leicht und genau das zeichnet dieses Album am meisten aus.

Bowie war nie ein Mann von großen eigenständigen Ideen - er war nur einer der Trends frühzeitig erkannte und die Ideen anderer mit seinen Fähigkeiten und dem richtigen Riecher für die richtigen Partner adaptierte. Glam Rock? Bolan war der erste, Bowie fügte Dank Ronson etwas Garage dazu - voilà! Elektronik? Kraftwerk, Neu! und Enos Klanguniversum kombiniert - fertig waren die ersten Prä Synthie Pop Hits. Und da gäbe es noch mehr Beispiele... Lustigerweise war er ausgrechnet dann sehr weit seiner Zeit voraus und auch noch am Eigenständigsten, wenn es sonst kaum jemand mitbekam. Mit Tin Machine bspw. machte er erstklassigen Grunge, 3 Jahre vor Nirvana, mit ,Outside` gab er dem Industrial wichtige Impulse und den Drum & Bassern zeigte er mit einem Nebenbei-Album, dass deren Musik auch mit richtigen Songs funktionieren konnte (Earthling).

Und heute? Heute ist er Bowie - ein Kurator im Museum seiner eigenen Kunst- oder besser PopRichtung, der seine verschiedenen Stile nochmal in neue - und ziemliche gute - Songs packt. Das ist weder eine Legendenselbstverwaltung, noch Retro, es ist schlicht Bowie - die Kunstfigur in all ihren Inkarnationen führt er uns musikalisch noch mal vor - eine Werkschau eigentlich. Mehr muss es auch nicht sein, denn niemand hat von Bowie einen weiteren Klassiker erhofft oder erwartet - und diesen Status wird TND auch nie bekommen, aber: vergleicht man diese Songs und ihre Umsetzung mit ganz aktuellen Produktionen wie ,comedown machine` von den Strokes, der aktuellen Depeche Mode (die Bowie ja auch viel schulden) oder auf der rockigen Seite dem Sound City Soundtrack, dann hat das was Bowie jetzt macht, trotzdem immer noch mehr Substanz, Griffigkeit und genug Kanten um eine größere Nachhaltigkeit zu bekommen (Kompliment übirgens an Earl Slick - wie der Mann es schafft Ronson, Gabrels, Alomar, Fripp bzw. Belew in einer Person zu sein ist perfektes musikalisches method acting). Deswegen - und nur deswegen - diese 5 Sterne, gemessen an der Konkurrenz. An Bowie's eigenem Werk gemessen wären es - natürlich rein subjektiv aus meiner Sicht (aber wie gesagt hab` ich immerhin die Weisheit mit Löffeln...) knappe 4.

Rockig, poppig, soulig, songwriterhaft, all das hat dieses Album, nicht mal auf die guten Momente von Bowie's 80er Jahre Muckentum muss man verzichten und geschmackvoll und zeitlos in Szene gesetzt hat es Visconti - was will man mehr? Aber - wenn er jetzt kein neues Album mehr aufnimmt ist es auch gut, wenn ja, dann würde man sich freuen, nur mehr als eine neuerliche Werkschau soll und darf man sich nicht mehr erwarten - was nicht an Bowie liegt, sondern an der Struktur der Musikszene wie Sie sich seit den mittleren 00er Jahren manifestiert hat (oder fällt irgendjemanden ein instant classic Album ein, das in den letzten 8 Jahren veröffentlicht wurde?).

Coda: hätten alle songs die kompositorische Güte von ,Where Are We Now`, dann würde TND ein Klassiker werden...
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-10 von 23 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 22.03.2013 15:30:22 GMT+01:00
"...weil es nämlich in der wirklichen, wirklichen Wirklichkeit die ich ganz genau kenne, weil ich die Weisheit mit Löffeln gefressen habe, gar keine beste Bowie Platte gibt..."

Ich stimme ja so was von zu.
Also was die Nichtexistenz der einen ultimativen besten Bowie-Platte betrifft, mir fallen mindestens zehn ein.
Was die Weisheit und die Löffel betrifft ebenfalls, nur schlürfte ich sie gleich vom Teller, ohne Umweg über irgendein Besteck ;-)

Grüße

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.03.2013 16:12:02 GMT+01:00
V-Lee meint:
das mit der Weisheit war natürlich ein seitenhieb auf all die oberg'scheiten rs u. me kritiker die zu der platte gesenft haben...
natürlich entspringt jede rezension, rein dem subjektiven musik u. kunstempfinden, des jeweiligen schreiberlings und kann gar nie - auch nur ansatzweise eine allgemeingültigkeit bekommen...

(bei unerwünschten wirkungen und nebenwirkungen schlagen sie ihren plattenverkäufer oder den freund, der sie ihnen empfohlen hat).

Veröffentlicht am 22.03.2013 16:52:53 GMT+01:00
Rocker meint:
klasse rezi....ein highlight !
die vielen kleinen, weiteren seitenhiebe (neben den löffeln...) gefallen mir diesmal besonders...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.03.2013 16:58:03 GMT+01:00
V-Lee meint:
oh danke - man ist dem mann ja schliesslich einiges schuldig...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.03.2013 17:23:19 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.03.2013 17:24:06 GMT+01:00
Rocker meint:
ob schuldig oder nicht...allein schon die erwähnung der strokes hat mich besonders amüsiert und ließ mich schmunzeln...

Veröffentlicht am 22.03.2013 21:46:35 GMT+01:00
Nino di Bari meint:
Aber ist LOW nicht im Rückblick doch das BESTE Album?
Nach all der Zeit Klingt es noch immer neu und anders.
Aber es ist meine ganz subjektive Wirklichkeit.

Veröffentlicht am 24.03.2013 18:46:57 GMT+01:00
tubes99com meint:
es gibt also keine beste Bowie Platte? Doch, und zwar Low, Heroes, Station To Station, und natürlich das unvergleichliche Scary Monsters. Ups, das waren wohl drei zuviel, aber mir fallen auch noch mehr ein. Also gebe ich dir Recht, es gibt keine beste Bowie Platte, oder vielleicht doch Scary Monsters?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.03.2013 20:33:09 GMT+01:00
V-Lee meint:
also meine meinung ist - es gibt überhaupt keine 'beste platte' - gibt es ein 'bestes gemälde'? kunst ist nicht messbar, so wie bspw. sport - und auch der intrakünstler vergleich ist m.m. nach bei den ganz großen nicht zulässig, weil mir eben z.bsp. bei neil young, oder dylan oder den stones oder den beatles ebenfalls gleich mindestens 3 beste platten einfallen würden, die aber wohl auch nur rein individuell für mich die besten wären - wie gesagt - kunst ist nicht messbar...

Veröffentlicht am 24.03.2013 20:53:01 GMT+01:00
moribund meint:
Endlich mal eine Bowie-Kritik die ich voll unterschrieben kann - inklusive der Seitenhiebe gegen Rolling Stone & Co und einmal der korrekten Einschätzung seiner Tin Machine- und 90er-Jahre-Phasen. Diesbezüglich haben sich ja mittlerweile Stereotypen gebildet, die von jedem Nachwuchs-Kritiker unreflektiert nachgeplabbert werden.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.03.2013 10:11:37 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 25.03.2013 10:12:22 GMT+01:00
V-Lee meint:
erst mal danke moribund. ich glaub' die prof. kritiker haben sich einfach mit bowie's alben nach 'black tie white noise' nicht mehr wirklich beschäftigt. die 90er waren irgendwie ein jahrzehnt des neuen und die alten helden bekamen damals relativ wenig aufmerksamkeit. wäre es anders, dann würde man wohl heute zumindest über 'outside' viel positives lesen müssen, denn das war damals ja tatsächlich ein neuer bowie, der noch dazu eine menge guter songs zu bieten hatte.
und tin machine hat man ihm wohl - idiotischerweise - deswegen nicht verziehen, weil die damals punk und grunge in anzügen spielten...
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