Kundenrezension

37 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wouldn't it be nice?, 11. August 2006
Rezension bezieht sich auf: Pet Sounds (Audio CD)
Dass "Pet Sounds" das Meisterstück des großen Beach-Boys-Vordenkers Brian Wilson ist und sich über die Jahre zu einem der einflussreichsten, beliebtesten und angesehensten Rock-Alben aller Zeiten entwickelt hat, ist weitgehend bekannt. Immer wieder wird die LP aus dem Jahre 1966, der Blütezeit des Rock, als eine der größten musikalischen Errungenschaften der Neuzeit gehandelt. Die Lorbeeren kann Komponist Brian Wilson dabei im Grunde allein einheimsen, da er es war, der Songs und Arrangements erdachte und, laut Booklet, von Studiopersonal und Sessionmusikern mehr Unterstützung erbat und einforderte als von der eigentlichen Belegschaft seiner weltbekannten kleinen kalifornischen Kapelle.
Doch was ist konkret dran an dieser Platte, was macht sie zu etwas so herausragendem? Für die Beantwortung dieser Frage lohnt sich ein kurzer Rückblick in die Geschehnisse in der Musikwelt zur Entstehungszeit der "Pet Sounds":
Es war eine Zeit der großen musikalischen Umbrüche, in der Vordenker wie Bob Dylan, die Beatles, die Rolling Stones sowie eben Brian Wilson und seine Beach Boys neue aufregende Sounds am laufenden Band kreierten und die kompositorische Kreativität keine Grenzen zu kennen schien.
Der große Dichterfürst Bob Dylan hatte gerade begonnen, seine epischen Folk-Werke mit E-Gitarre und ruppigem Bandsound zu präsentieren. Mit diesem für damalige Verhältnisse provokanten und revolutionären Gebaren machte er den Weg frei für die Verbindung der Dynamik und Spielfreude des RockZnZRoll mit der Ernsthaftigkeit und Melancholie des Folk, sodass der Rock-Musik eine völlig neue, ernsthaftere und nicht mehr auf reines Tanzvergnügen fixierte Bedeutung zugemessen werden konnte. Diese Entwicklung inspirierte vor allem die Beatles, die sich in der Mitte der 60er mehr und mehr von ihrem süßlich-melodiösen Rock'n'Roll mit klassischen Love-Song-Texten hin zu experimentelleren, komplexeren und hintergründigeren Kompositionen, Texten und Arrangements bewegten.
Dabei machte in allen Belangen die Kombination der teilweise gegensätzlich erscheinenden Elemente oftmals den Reiz der Musik aus.
Brian Wilson selbst gab und gibt die Musik der Beatles, vor allem die melodischen Komposition Paul McCartneys, als eine seiner Hauptinspirationsquellen an, die ihn zu seinem Meisterwerk "Pet Sounds" führten, während die Fab 4 selbst auf Wilsons Meisterwerk mit ihrem eigenen Husarenstück "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" reagierten. In dieser Zeit führte ein Wechselspiel aus Inspiration, Weiterentwicklung und Neuentdeckung zu einer nie dagewesenen Fülle von musikalischen Errungenschaften, die das was wir heute für selbstverständlich halten, nämlich die enorme Vielfalt von Stilistiken im zeitgenössischen Rock, erst möglich machten.
Der konkrete Einfluss der "Pet Sounds" wird dabei immer wieder deutlich, wenn Rock- oder Popstücke zu hören sind, die auf melancholisch-schönen Harmonien und Melodien beruhen und von breit angelegten Arrangements mit Hilfe klassisch-orchestraler Klänge gekennzeichnet sind.
Denn diese Elemente sind es, die auch den hier besprochenen Klassiker ausmachen:
Wunderschöne Lieder über die Liebe und das Leben, biographisch angehaucht, die die komplexe und liebenswerte Seele ihres Komponisten klar eingehaucht bekommen haben und die dem Hörer dennoch das Gefühl geben, dass der/die Sänger einem selbst genau aus der Seele zu sprechen scheinen. Jeder kennt die Gefühle von Liebe und Glück, aber auch Verlust und Orientierungsschwierigkeiten, die Wilson in seinen Songs beschreibt und die von den Melodien der Songs ebenso auf den Hörer übertragen werden wie von den Texten.
Man betrachte den Opener, "Wouldn't it be nice", was für ein fröhlicher Song, eine so wunderschöne Melodie über fröhlich daher schufflende Akkordeons und Gitarren, diese glaubwürdig rübergebrachte Verliebtheit in Text und Stimme, dazu ein kreativer Tempowechsel, der zum Höhepunkt des Spannungsbogen des Songs leitet - einfach klasse.
Nicht minder schön mutet das getragen und dramatisch, aber dennoch auch frohen Mutes daherkommende "You still believe in me" an, welches ein Paradebeispiel für den berühmt-berüchtigten Harmoniegesang der Beach Boys ist. Das schwungvolle und eingängige "That's not me" leitet dann zu einem Geheimfavoriten des Albums über:
Das verträumt dahinschwebende "Don't talk (Put your head on my shoulder)" verzaubert den Hörer mit seiner jugendlich-romantischen Liebeseuphorie, welche nicht nur von Brian Wilsons glockenheller Stimme, sondern vor allem auch von den voluminösen Streicherklängen des Songs in Szene gesetzt wird.
Bei "I'm waiting for the day" geht es dann wieder deutlich schwungvoller und ausgelassener zu, wenn auch die Ernsthaftigkeit des Textes und einiger Melodiepassagen nicht außer Acht zu lassen sind.
Auf diesen Song folgt mit "Let's go away for a while" ein Instrumental-Stück, welches in knapp 3 Minuten Länge die Qualitäten einer groß angelegten klassischen Symphonie mit der Knappheit und Präzision eines perfekten Pop-Songs kombiniert. Der Song, der sich in 2 rhythmisch unterschiedliche Abschnitte aufteilen lässt, ist auf einer ungewöhnlichen, aber jederzeit harmonisch und wohlklingend daherkommenden Folge von Akkorden und Melodielinien aufgebaut, die durch die enorme Vielfalt der ineinander übergreifenden Parts verschiedenster Instrumente eine schwerelos dahingleitende Wirkung entfalten. Von allen Seiten nimmt der Hörer im Verlauf des Songs mehr und mehr Klänge wahr; es breitet sich zwangsläufig eine Traumwelt von Sounds im Kopf des Hörers aus, bei der neben den rhythmischen Elementen von Schlagzeug, Pauke und Gitarren vor allem das Vibraphon, das Saxophon, die Bassmundharmonika und Streicher dominant sind. Verständlicherweise bezeichnete Brian Wilson selbst dieses Stück als "das wohl zufriedenstellendste Stück Musik" das er "je komponiert und aufgenommen" habe.
Auf diesen Ausflug ins Land der Träume folgt mit "Sloop John B." die Bearbeitung eines Traditionals, die aufgrund der spielerischen Eingängigkeit der Melodie sowie des grandiosen Harmoniegesanges weltweite Berühmtheit erlangen konnte.
"God only knows" setzt daraufhin dem Reigen großartiger Kompositionen die Krone auf. Die typischen feierlich-orchestralen Elemente dieses Albums in Verbindung mit einem der wohl schönsten je komponierten Liebeslieder überhaupt ergeben eine großartige Symbiose - ganz klar ein absolutes Highlight dieses Ausnahmealbums.
Auf die melodisch und gefällig verpackten Lebensweisheiten von "I know there's an answer" und "Here today" sowie die schmerzliche Melancholie von "I just wasn't made for these times", in dem Brian Wilson seinen persönlichen Weltschmerz musikalisch verarbeitete, folgt das zweite Instrumentalstück der Scheibe - der Titelsong "Pet Sounds", eine locker-flockige Nummer ohne besonders exponierte Stellung innerhalb des Albumzusammenhanges.
Viel auffälliger und hochwertiger kommt da der letzte Song des Albums daher: Das ruhige "Caroline no" mit seiner verträumt-melancholischen Melodieführung und seiner spektakulären, von Herzschmerz gekennzeichneten Bridge setzt ein weiteres Glanzlicht und bringt Brian Wilsons Meisterwerk zu einem würdigen Abschluss.
Nach all diesen Betrachtungen bleibt festzustellen, dass "Pet Sounds" nicht nur ein Statussymbol für jeden Plattensammler mit musikhistorischem Anspruch, sondern schlicht und ergreifend auch ein Album für Genießer und Liebhaber melodischer und intelligent inszenierter Rock- und Popmusik ist. In den vergangenen 40 Jahren hat sich zwar an den Produktionsmöglichkeiten für Musiker enorm viel getan, jedoch wirkt dieses Album durch seine stilistische Vielfalt und die stimmigen Melodien nicht nur nach wie vor zeitgemäß, sondern zeitlos. Ein Hörgenuss, der unabhängig von Trends und Entwicklungen bestehen bleiben wird!
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