Kundenrezension

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Three Godfathers, 16. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Spuren im Sand (Neue Sprachversion) (DVD)
John Ford inszenierte diesen Film, der zu den persönlichsten des legendären Regisseurs gezählt werden kann, im Jahre 1948. Ford hatte diese Geschichte nach einer Vorlage von Peter B. Kyne schon einmal in der Stummfilm-Zeit verfilmt. Hauptdarsteller in dem 1919 entstandenen Film "Marked Men" war Harry Carey, der große Western-Held jener Jahre. Er und Ford drehten insgesamt 26 Filme miteinander. Als Harry Carey starb, drehte Ford "Three Godfathers" (deutscher Titel: Spuren im Sand) ihm zu Ehren. Der Film ist Harry Carey gewidmet.

"Three Godfathers" ist nicht nur ein Tonfilm-Remake eines früheren Ford-Films, er wurde auch in satten Technicolor-Farben gedreht. Kameramann war Winton Hoch, der mit Ford später noch weitere Klassiker wie "Der Teufelshauptmann" (She Wore A Yellow Ribbon, 1949), "Der Sieger" (The Quiet Man, 1952) und natürlich "Der Schwarze Falke" (The Searchers, 1956) drehte.

Auch diesmal greift Ford bei der Besetzung wieder auf viele bereits aus früheren Filmen bekannte Gesichter zurück. Nahezu alle Cast- Mitglieder gehören bei diesem wie gesagt sehr persönlichen Projekt seiner legendären "Stock-Company", der Riege aus regelmäßig in seinen Filmen auftretenden Darstellern an.

Dieser Film ist einer der wenigen von John Ford, deren Handlung nicht explizit auf ein Schlüsselereignis oder besonderes Datum in der Geschichte der USA Bezug nimmt. Trotzdem ist es ein typischer Ford-Film. Als Western taugt die Story hier nur bedingt. Das Setting dient, charakteristisch für Ford, lediglich als poetischer Hintergrund für eine Geschichte, in der die Charaktere im Fokus stehen. Elemente wie die Eisenbahn, die im Western-Genre stets mehr als nur ein bloßes Mittel der Fortbewegung und des Transports darstellt, verankern die Ereignisse in der Ära der großen Pionierzeit der Vereinigten Staaten nach dem Bürgerkrieg. Ford wird diese Nachkriegs-Epoche in späteren Western wie dem großartigen "Der Mann, der Liberty Valance erschoss" (The Man, Who Shot Liberty Valance, 1962) viel pessimistischer zeichnen als er es hier noch tut. Seine Sympathie für einfache Leute, besonders für Außenseiter der Gesellschaft, denn nichts anderes sind letztlich die drei Protagonisten in "Three Godfathers", zieht sich wie ein roter Faden durch Fords filmisches Schaffen. Natürlich zelebriert der Regisseur, hier in einem weihnachtlichen Kontext, auch wieder die Weihen der Zivilisation und der familiären Gemeinschaft, wie es so charakteristisch für seine Filme dieser Periode ist.

Robert Marmaduke Hightower (John Wayne), der Mexikaner Pedro Roca Fuertes (Pedro Armendariz) und der junge, etwas naiv wirkende William Kearney (Harry Carey jr.), auch bekannt als The Abilene Kid, kommen kurz vor Weihnachten in das idyllische Bilderbuch-Städtchen Welcome in Arizona. Die drei liebenswerten Galgenvögel wollen die dortige Bank ausrauben. Der Überfall geht schief. William bekommt eine Kugel in die Schulter. Nur mit knapper Not kann das Trio den wehrhaften Bürgern entkommen. Und Sheriff Pearly "Buck" Sweet (Ward Bond) hat mit seinen Deputys bereits die Verfolgung aufgenommen...

Da "Buck" Sweet an allen Stationen im Umland mittlerweile seine Männer postiert hat, bleibt den drei Bankräubern nur der Fluchtweg Richtung Wüste. Leider hat der schlitzohrige Sheriff auch noch den größten Wasserbeutel der Flüchtigen zerschossen. Er hofft, Hightower und seine Freunde schnell fassen zu können, sobald ihnen die Verpflegung ausgeht. Doch die drei riskieren es, das Wüstengebiet zu durchqueren, obwohl ihr Trinkwasser immer knapper wird. Als sie am nächsten Morgen nach einem Sandsturm wieder zu sich kommen, sind auch noch ihre Pferde verschwunden. Sie müssen zu Fuß weitergehen und stoßen in einer Talsenke auf einen Planwagen mit einer Schwangeren darin, die kurz vor der Niederkunft steht...

Die werdende Mutter (Mildred Natwick) wurde von ihrem nichtsnutzigen Ehemann zurückgelassen. Dieser hatte mit Dynamit herumgespielt und dadurch den einzigen verfügbaren Wasserspeicher unbrauchbar gemacht. Wahrscheinlich hat ihn auf der Suche nach Wasser längst ein unvermeidliches Schicksal in der Wüste ereilt. Nachdem, vor allem dank Pedros Hilfe, das Baby gesund zur Welt gebracht wurde, müssen die Männer der sterbenden Frau versprechen, für den Kleinen zu sorgen. Mit den verbliebenen Reserven an Dosenmilch und Wasser, das sie aus einigen Kakteen gepresst haben, machen sich die drei Paten, so die korrekte Übersetzung des Original-Titels, mit dem Säugling auf den Weg nach New Jerusalem...

Das Begräbnis der Mutter ist natürlich eine für Ford charakteristische Sequenz. Beerdigungen sind ein in seinen Filmen immer wiederkehrender christlicher Ritus, der sich bereits in seinen Stummfilmen findet, etwa in "Drei ehrliche Banditen" (Three Bad Men, 1926), in dem drei Outlaws, eine interessante Parallele zu den Three Godfathers, einem jungen Mädchen zu Hilfe kommen, nachdem deren Vater getötet wurde.

Dass es in einem John Ford-Film Querverweise und Anspielungen auf eines oder mehrere seiner früheren Werke gibt, ist für diesen Regisseur absolut typisch. Als Hightower und seine Freunde in die Stadt einreiten, kurz nach ihrem Gespräch mit dem Sheriff und seiner Gattin, bei dem über Eierschalen im Kaffee und andere Kleinigkeiten gefachsimpelt wurde, kommt gerade eine Postkutsche mit einigen Passagieren in Welcome an, darunter eine junge Dame (Dorothy Ford) aus dem Osten, mit der Hightower anscheinend anbandelt. Freilich entwickelt sich letztlich keine Romanze wie zwischen dem ebenfalls vom Duke verkörperten Ringo und Dallas (Claire Trevor) in "Stagecoach" (1939), jedoch ist die Szene eindeutig eine Variation auf diesen Klassiker. Und John Ford benutzt für die Ankunft der Kutsche ein musikalisches Motiv, das bereits damals zum Einsatz kam.

In "Der Teufels-Hauptmann" (She Wore A Yellow Ribbon, 1949) dem mittleren Teil der Kavallerie Trilogie, den er nach "Three Godfathers" drehte, findet sich dann zu Beginn in anderem Kontext erneut visuell wie musikalisch ein Verweis auf Fords wegweisendes Schlüsselwerk, ebenso wie im Vorgänger "Bis zum letzten Mann" (Fort Apache, 1948).

John Ford erzählt die Geschichte der drei vom rechten Wege abgekommenen Männer, die ihre Bestimmung finden, mit gewohnt liebevoller Zeichnung der verschiedenen Charaktere. Die drei Protagonisten wachsen einem wirklich ans Herz. Insgesamt ist die Inszenierung in den richtigen Momenten auch angemessen subtil. Die Bildsprache vermeidet jede Effekthascherei oder Voyeurismus, was einerseits an Fords typischem Stil liegt, der vieles der Vorstellungskraft des Zuschauers überlässt, andererseits in gewissen Momenten auch den seinerzeit üblichen Auflagen durch die Zensur geschuldet sein dürfte. So zeigt er uns etwa die Mutter des Babys erst nach der Entbindung im Bild, während man zuvor nur ihre Stimme hört. Ihren Baby-Bauch und die Geburt selbst, sehen wir nicht.

Die Parallelen zur Weihnachtsgeschichte sind nicht nur unübersehbar, sondern ganz klar beabsichtigt. John Ford, ein gläubiger Katholik, dessen Familie gegen Ende des 19. Jahrhunderts aus Irland nach Amerika emigriert war, versucht gar nicht erst, die religiöse Symbolik zu verstecken. Bezeichnend ist der Dialog vor dem Aufbruch: "Which way is Jerusalem?" "This way. Can`t you see the star?" Eine Bibel, die sich unter diversen Baby-Utensilien findet, dient wiederholt als Quelle der Inspiration, und gegen Ende steht ausgerechnet vor dem völlig erschöpften Hightower, der mit den entsprechenden Bibelstellen bis dahin so gar nichts anzufangen wusste, auch noch wie aus dem Nichts eine mit Proviant bepackte Eselin samt Jungtier.

Um ein Abdriften in melodramatischen Kitsch zu vermeiden, würzt Ford die Geschichte zwischendurch mit ausreichend typischem Humor. Er baut einerseits in gewohnter Manier kauzige, schrullige Nebenfiguren wie Miss Florie (Jane Darwell) oder Deputy Curly (Hank Worden) ein, um zu verhindern, dass alles insgesamt zu pathetisch gerät, andererseits stellt er auch die Hauptfiguren vor manche Aufgabe, die dem Zuschauer mehr als nur ein Schmunzeln entlocken. Einfach genial, wenn die drei Helden Themen wie Säuglingspflege, Kleidung, Fütterung und Toiletten erörtern und den kleinen Wonneproppen namens Robert William Pedro in Ermangelung einer geeigneten Lotion mit Wagenfett einreiben! Und einen Saloon kurzerhand zum Gerichtssaal umzufunktionieren, in dem der Richter (Guy Kibbee) nach der Urteilsverkündung gleich mal eine Runde schmeißt... Hut ab!

Ebenso hält Ford in diesem Film einmal mehr die Balance zwischen Humor und Tragik, Tod und Leben. Das Kind, ein Symbol der Hoffnung und der Zukunft, wird genau am Weihnachtsabend wie versprochen der Zivilisation zugeführt. Mit letzter Kraft schleppt Hightower sich in den Saloon. Der Klavierspieler stimmt "Stille Nacht, heilige Nacht" an. Das Baby wird in liebende Hände kommen, doch der Weg dorthin hat Opfer gefordert. Die Mutter des Neugeborenen war, wie sich im Verlauf der Geschichte zeigen wird, die Nichte von Sheriff Sweet. Er und seine Frau (Mae Marsh) hatten eigentlich zu Weihnachten ihren Besuch erwartet. Der eigentlich herzensgute Gesetzeshüter macht nun irrtümlich die Flüchtigen für ihren Tod verantwortlich. Er will die vermeintlichen Mörder tot sehen. Opfer bringen auch die drei Bankräuber selbst, die ihr Patenkind ins Herz geschlossen haben und nun alles daran setzen, ihre Mission zu erfüllen...

Der überlebende Hightower, der noch im Saloon von Sheriff Sweet verhaftet worden war, kann letztlich nachweisen, dass er und seine Freunde niemanden ermordet haben, doch muss er natürlich trotzdem eine kurze Strafe absitzen. Die Bewohner von Welcome feiern ihn dank des geretteten Babys als Helden. Er empfindet den Kleinen mittlerweile als sein leibliches Patenkind. Absolut rührend ist in diesem Zusammenhang auch die Szene, in der es zwischen Hightower und dem Ehepaar Sweet beim gemeinsamen Frühstück um die Adoption des kleinen Robert William Pedro geht.

Die DVD bietet zwar keine Extras, dafür liegt der Film erstmals in der ungekürzten Fassung vor. Bild-und Tonqualität sind, gemessen am Alter, ausgezeichnet. Bildformat: 4:3/1:33.1. Tonformat: Deutsch und Englisch, jeweils in Dolby Digital Mono. Untertitel: Deutsch.

Ich persönlich schaue mir Filme von John Ford grundsätzlich lieber im amerikanischen Original an, daher ist die deutsche Tonspur für mich nicht sonderlich interessant. Den vielen Fans aber, die kein Englisch können und sich den Film-Genuss nicht durch anstrengendes Mitlesen von Untertiteln kaputtmachen lassen wollen, hat man hier definitiv keinen Gefallen getan, genauso wenig wie all denen, die diesen Film aus Kino und Fernsehen schon immer mit der Original-Synchronisation verbinden, auch wenn bei dieser natürlich 10 bis 12 Minuten fehlen. Diese wenigen Minuten hätte man auf der DVD ja im amerikanischen Original mit festen Untertiteln belassen können. Nichts gegen eine vollständige deutsche Tonspur, aber eine komplett neue Synchronisation mit derart unpassenden Stimmen? Thomas Danneberg als deutscher Stimme von John Wayne ... Autsch!

Die beiden einzigen Argumente, die bei einem Film wie diesem eine neue deutsche Fassung rechtfertigen, wären rechtliche oder technische Probleme bei der Verwendung der Original-Synchronisation. Vielleicht war das Master nicht verfügbar, oder es war so stark beschädigt, dass es nicht mehr verwendbar war. Falls das deutsche Original doch in gutem Zustand verfügbar und verwendbar war, ist diese Neu-Synchronisation in meinen Augen Betrug! Daher: Den Film möglichst auf Englisch ansehen!

"Three Godfathers" ist ohne Zweifel einer der schönsten Filme, die John Ford je gedreht hat. Witzig, warmherzig und ergreifend, auch mit traurigen Momenten, großartig gefilmt mit wunderbaren Schauspielern. John Wayne, Pedro Armendariz und Harry Carey jr., der hier im Gedenken an seinen Vater seine erste große Filmrolle spielt, glänzen als die Heiligen Drei Könige des Wilden Westens. Immer ein Wiedersehen wert, nicht nur zu Weihnachten!
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 18.12.2013 19:56:56 GMT+01:00
Hallo Martin,

wie immer bei Dir eine sehr gelungene, informative und umfassende Rezension eines bedeutenden Filmes! Ich kann Deinen Enthusiasmus für diesen Film nur teilen, der mir mindestens genauso lieb und teuer ist wie "Wagon Master". Und jetzt zur Weihnachtszeit wird der Film bei uns natürlich wieder im Familienkreis vorgeführt, wobei mir, wenn ich ehrlich bin, an manchen Stellen immer ein paar Tränen kommen. Wie Du schon schreibst, allein die Szene, in der die drei hartgesottenen Männer vor die schier unlösbar scheinende Aufgabe der Kindespflege gestellt sind, ist komisch, aber auch rührend.

Ich glaube übrigens nicht einmal, daß Ford die Symbolik im entferntesten als Kitsch empfunden haben wird noch daß er überhaupt auf die Idee gekommen sein mag, jemand anderes könnte dies tun. Der Mann, der im richtigen Leben ja oftmals seine Sensibilität hinter einem rauhbeinigen Verhalten versteckte, lebte sie in seinen Filmen eben ungeschminkt aus - und darüber können wir froh sein.

LG
Tristram

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.12.2013 22:32:15 GMT+01:00
Martin Püsch meint:
Lieber Tristram,

vielen Dank für die lieben Worte. Die Warmherzigkeit, die hinter Fords rauher Schale doch in den Filmen so wunderbar durchkommt, ist einer der Gründe, warum seine Filme heute noch so sehenswert sind. Leute wie Scorsese, Bogdanovich etc. berufen sich bis heute immer wieder auf Ford. Bei Scorsese, ebenfalls ein gläubiger Katholik, kommt ja in den Filmen, freilich in einem anderen Milieu und dem entsprechenden italo-amerikanischen Kontext, auch immer dieser Sinn für den familiären Zusammenhalt usw. durch.

Fords eigenes Familienleben war, nach allem was berichtet wird, wohl alles andere als ein friedliches, harmonisches Miteinander. Umso bezeichnender ist es dass er solche Ideal-Zustände seiner Vorstellung von Gemeinschaft in seinen Filmen so oft heraufbeschwört. John Ford lässt das Publikum an einer Welt teilhaben, wie er sie sich vorstellt, wie sie vielleicht seine Vorfahren noch erlebt haben, oder auch nicht. Es ist allzu oft eine eigene, selbst geschaffene Vision der Welt, und eben der Vergangenheit.

Viele Filme von John Ford zeigen ja auch den Zerfall einer Idylle, auch das gehört zu seiner Art, Persönliches in seinen Filmen auszudrücken. Bei soviel Düsternis nimmt man dann umso lieber bei einem Film wie Three Godfathers etwas Symbolik in Kauf, die in anderem Zusammenhang wohl aufdringlich wirken würde, aber bei einem Weihnachts- Film wie diesem ja auch irgendwie dazugehört. Kitschig ist das auch in meinen Augen nicht. Dieser Film ist einfach nur wunderschön. Und: Der Duke und Co als Ersatz-Nannys, das ist einfach die Krönung!

LG Martin.

Veröffentlicht am 01.02.2014 14:18:43 GMT+01:00
Monty Burns meint:
Hi Martin!

An diesen Film musste ich gerade gestern Abend denken, denn da habe ich mir mal wieder "Savior" von Predrag Antonijević angesehen, mit Dennis Quaid in der Titelrolle. Den Film würde ich fast als ein Remake bezeichnen, obwohl es hier nur einen "Godfather" gibt und er auch nicht ganz so humorig ist. Tatsächlich sogar ein ziemlich harter, bitterer Film, in dem diese religiöse Komponente aber auch eine große Rolle spielt und die Hauptfigur ebenfalls ein Gefallener ist, der durch schwere Prüfungen den richtigen Weg und zu sich selbst zurück findet und damit gewissermaßen die Zukunft, in Gestalt eines Kindes, rettet. Aber vielleicht kennst Du ihn ja auch.

"Spuren im Sand" habe ich ewig nicht mehr gesehen. Ich denke, dass ich ihn mir auch bald mal bestellen werde, denn ich habe ihn ziemlich unauslöschlich in sehr guter Erinnerung. Umso mehr als Du ihn mir hier so umfänglich, informativ und kompetent wiederbelebt hast. Hervorragende Rezension! Über diesen familiären Aspekt in Fords Filmen habe ich auch schon mal mit Gavin diskutiert. Bemerkenswert dabei ist, dass es sich oft nicht um eine genetische Familie, sondern eher um eine Schicksalsgemeinschaft handelt. Gewissermaßen die menschliche Familie. Das war ihm offenbar ein großes Anliegen. Und das scheint mir auch sehr im amerikanischen Bewusstsein verwurzelt zu sein.

LG, M.B.

Veröffentlicht am 06.02.2014 20:29:05 GMT+01:00
Orca meint:
Hallo Martin,

ich habe die Rezension gelesen und mit hilfreich geklickt, weil diese es wert ist.
Den Film besitze ich noch nicht, habe ihn aber schon mehrfach gesehen. Er gehört in meiner persönlichen Western-Rangliste zu den 5 Besten.
Wenn der Preis etwas tiefer steht, werde ich ihn mir bestellen.
Allen Western-Fans hier einen schönen Abend und
SNG ( Super Nette Grüße) Orca

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.02.2014 09:18:33 GMT+01:00
Martin Püsch meint:
Hi, Orca,

vielen Dank für das Lob. Ich liebe unter den Western, wie man ein paar anderen meiner Rezensionen unschwer entnehmen kann, vor allem die von John Ford, mag aber auch andere, z.B. die von Howard Hawks oder Anthony Mann.
Generell schätze ich alles, was wirklich gut gemacht ist und Substanz hat, egal ob amerikanische, europäische, asiatische oder andere Filme. Unter den amerikanischen Regisseuren nimmt Ford m. E. eine Sonderstellung ein. Nicht nur seine Western sind phantastisch.
Beste Grüße Martin
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