Kundenrezension

51 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gott waere ein Rolling Stone, wenn auch kein Richards ..., 29. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Life (Gebundene Ausgabe)
Was erwarte ich von der Autobiografie eines Mannes, ueber den bereits alles gesagt wurde und von dem alles bekannt ist? Neue Erkenntnisse? Bisher Unbekanntes? Dementis zu Geruechten oder gar deren Bestaetigung? Nicht wirklich, oder? Der Mann ist 67 Jahre alt und sein Gehirn vom Lebenswandel in Mitleidenschaft gezogen. Also wird sein spaetes literarisches Wirken keine Nachhaltigkeit hinterlassen, sondern einfach nur unterhalten. Warum auch, er ist ein begnadeter Musiker, Gitarrist, Songwriter, der als Bestandteil der Rolling Stones goettlichen (Musiker-)status erlangt hat. Schreiben (ueber Richards oder die Stones) sollen andere, die es koennen und auch bereits getan haben und die deren geschichtliche, musikalische und politische Dimension einzuordnen wissen.
Was "'Life"' bietet ist Atmosphaeres aus einer laengst vergangenen Zeit, Sentimentales, Erinnerungswuerdiges und Authentisches. Einen Ausflug in die Vergangenheit, vielleicht sogar in die des Lesers, der mit 'Satisfaction', 'Honky Tonk Women' oder 'Gimme Shelter' Unvergessliches verbindet. Richards ist besessen. Von der Musik, dem R&B, spaeter den Rolling Stones, der wirklich einzigen Sucht, der er jemals anheim gefallen ist. Er haette auch Musik gemacht, wenn er dafuer haette bezahlen muessen. Und bezahlt hat er, besonders in den Anfaengen, als die Stones '"Abschaum'" waren und sich das Establishment (das sich ihrer spaeter bediente) durch die '"Bimbomusik"' bedroht fuehlte. Richards laesst diese Atmosphaere wieder auferstehen, die kreischenden Maedchen, die ausser Rand und Band geratenen Typen, und ein Amerika, dass sich schon damals als wenig zivilisiert und geradezu rassistisch und faschistoid ausserhalb der Staedte New York, L.A. und S.F. zeigt. Pallenberg und Jagger nehmen einen wesentlich Teil in der Biografie ein. Jagger wird dabei nicht immer umschmeichelt, schliesslich ist er das Gegenstueck zu Richards, sorgt fuer Kommerzialitaet und nterliegt ab den 80-ger Jahren einem Persoenichkeitswandel. Richards spricht von einem Bruder, den man sich im Gegensatz zu den Freunden nicht aussuchen kann. Doch kein Zweifel kommt auf, dass Richards und Jagger geniale Komponisten sind, die auch fuer die Umsetzung sorgen und dafuer alle gegenseitigen Vorbehalte ueberwinden. Sich zuruecknehmen fuer etwas, das groesser ist als sie sebst, fuer die Rolling Stones. Wood und Jones werden erwaehnt, Watts ist, wie wir alle wissen der Gute und Bill Wyman wird nur minimal gewuerdigt.
Was eine Tournee bedeutet, lassen die Bezuege zu der Tour 72 und 75 erahnen. Die Shows in den 90-ziger Jahren erreichen einen Gigantismus, der nichts mehr dem Zufall ueberlaesst. Dennoch steht fuer Richards und die Band die Musik immer im Vordergrund. Das nimmt man ihm zu jedem Zeitpunkt ab. Er ist authentisch. Seine Biografie ist Beleg dafuer.
Die Entstehungsgeschichte bestimmter Musikstuecke kommt meiner Meinung nach nicht zu kurz, auch wenn logischerweise (und gottseidank) nicht alle Musikstuecke der Rolling Stones in dieser Form gewuerdigt werden.
Reisserisches wie Groupies, Orgien und Affaeren finden Erwaehnung, ohne das ihnen ein breiter Raum eingeraeunt wird. Richards ist es wichtig, dafuer die Beziehungen anzusprechen, die sich im Laufe seines Lebens als wirklich nachhaltig und wertvoll erwiesen haben. Und er outet sich als Kuschler, wer haette das gedacht.
Einziger Schwachpunkt die haeufige Erwaehnung seiner Drogen- und Alkohol (auch Droge) Eskapaden. Jeder hat seine diesgeartete Geschichte, und sicherlich auch ein Grossteil der Leser. Also interessiert mich die von Richards eigentlich recht wenig.
Dennoch: Ohne die Musik der Rolling Stones waere die Welt eine andere. Ihr Schaffen hat fraglos auch eine politische Dimension. Sie sind die groesste Band, die diese Welt je gesehen hat und gesehen haben wird. Das erneut ins Gedaechtnis zu rufen, ist der eigentliche Verdienst der Biografie eines Richards, der gar nicht erst versucht, intellektuell zu interpretieren, sondern seine grenzenlose Liebe zur Musik und zu den Rolling Stones auf ueber 700 Seiten artikuliert und dabei die Vergangenheit aufleben laesst. Danke Richards, Jagger, Wood, Watts, Wyman, dass es euch gibt!
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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 12.11.2010 22:31:22 GMT+01:00
racine1685 meint:
sehr hilfreiche, weil informative und differenzierte rezension

Veröffentlicht am 23.11.2010 15:15:21 GMT+01:00
arno meint:
Überzeugt hat mich vor allem der Anfang der Rezension: ".... und sein Gehirn vom Lebenswandel in Mitleidenschaft gezogen." Denn das ist der Hauptgrund, weshalb ich nicht daran glaube, dass Richards die Biografie überhaupt geschrieben hat - allenfalls war er wohl Stichwortgeber. Und sein Erinnerungsvermögen dürfte wohl auch nicht mehr sehr groß sein. Dessen sollte man sich bewußt sein, wenn man das Buch liest.

Veröffentlicht am 01.04.2011 20:19:01 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 01.04.2011 21:56:11 GMT+02:00
Gewiss, jeder hat seinen eigenen Geschmack, das ist zu respektieren und auch gut so. Die Rolling Stones waren groß in den 60-gern (1964/65 insbesondere) und hätten nach "Sticky Fingers" ohne große Verluste aufhören können (und sollen). Die "größte Band", wenn solche Vergleiche überhaupt sinnvoll sind, waren die Rolling Stones nie. Aus heutiger Sicht ist noch viel klarer als damals, dass musikalisch in Pop und Rock niemand an die Beatles (bis 1970) heranreicht. 40 Jahre jetzt immer das Gleiche zu spielen, scheint mir kein Ausweis zu sein, sorry faustino888. Da hilft es auch nicht, wenn sich ein älterer Mann im Rückblick an seinen ständigen musikalischen Wiederholungen ergötzt.
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