Kundenrezension

12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Interessant - und definitiv ein Album, an dem sich die Geister scheiden werden, 5. Mai 2013
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Rezension bezieht sich auf: III: Tabula Rasa or Death and the Seven Pillars (MP3-Download)
Über keine Hard Rock Band dürfte hierzulande in den letzten fünf Jahren kontroverser disktutiert worden sein als über THE DEVIL'S BLOOD, und es ist offenkundig, dass diese Truppe die Hörerschaft polarisiert - wobei die Band vermutlich in erster Linie deswegen so kontrovers ist, weil sie von einigen Teilen der Fachpresse (jeder Leser der Rezension wird wissen wer gemeint ist) jenseits aller Begeisterung und völlig unkritisch abgefeiert wurde.
Ich muss persönlich sagen, dass ich die Hard Rock Szene nun schon seit guten 25 Jahren verfolge, aber etwas Derartiges wie bei THE DEVIL'S BLOOD habe ich seitens der Presse noch nie erlebt: hier waren Teile der erstaunlich devoten Journalisten bereit, bei wirklich jedem Statement, jedem Auftritt und jeder Veröffentlichung auf die Knie zu fallen und jegliche nur denkbare Jubelarie anzustimmen... das im Zuge dessen auch befremdliche Äußerungen und grenzwertige Aktionen (krampfhaft) schöngeschrieben wurden ist jedem Leser ja auch hinlänglich bekannt.

Manche Journalisten machten es sich bei THE DEVIL'S BLOOD schlichtweg zu einfach: egal was die Band oder SL machte, es wurde bejubelt. Ob die Begeisterung für THE DEVIL'S BLOOD nun angemessen war mag Jeder für sich entscheiden - kompetenter, glaubhafter Journalismus war die teilweise ins Absurde gesteigerte Hofberichterstattung jedenfalls nicht.

Wie dem auch sei - nachdem Bandkopf SL im Januar überraschend die Auflösung von THE DEVIL'S BLOOD verkündet hat liegt mit "III: TABULA RASA OR DEATH AND THE SEVEN PILLARS" das letzte geplante Album vor, welches, da sämtliche Arbeiten der Band eingestellt wurden, wohl in einer Rohfassung veröffentlicht wird. Mir persönlich gefielen die bisherigen Outputs von THE DEVIL'S BLOOD bislang durchaus gut (solange man nicht manche Jubelrezensionen in der Fachpresse las *g*), insofern war ich gespannt, wie das finale Werk ausfallen würde.

Ich muss nach achtmaligem Hören sagen, dass man TABULA RASA definitiv anmerkt, dass es wohl eine zumindest in Teilen unvollendete Fassung ist. Das, was die Band der EP "Come, Reap" sowie den Alben "The Time Of No Time Evermore" und "The Thousandfold Epicentre" an kompositorischem Können gezeigt hat, ist in dieser Form bei TABULA RASA manchmal eher zu erahnen. Die Songs klingen mehrheitlich interessant und sind ohne Frage gut gespielt, im Mix wirkt das Endresultat allerdings logischerweise noch unfertig und kompositorisch schlichtweg noch nicht ganz ausgefeilt... dem Material scheint mitunter der berühmte (und entscheidende) letzte Schliff zu fehlen. Das mag für extreme Fans natürlich ganz besonders spannend oder true klingen, ist dennoch von den beiden offiziellen Vorgängern ein hörbares Stück entfernt. In Manchem erinnerte mich TABULA RASA vom Hörerlebnis beinahe an "Fallen", dass 2002 ohne Einverständnis der Band veröffentlichte Album der Fields Of The Nephilim, welches ja auch Vorabversionen der eingespielten Songs enthielt.
Dennoch: Gute Ansätze und starke Passagen gibts bei TABULA RASA immer wieder zu hören, aber mit den Vorgängern kann (und sollte) dieses Album nicht direkt verglichen werden... dies liegt aber auch zwingend in der Natur der Sache.

Interessant ist, dass die Band bei dem hier vorliegenden Material definitiv vertrackter und experimenteller als bislang zu Werke geht - die sehr eingängigen Kompositionen, welche die beiden Vorgängeralben mitunter direkt autoradiotauglich machten, fehlen zumindest in dieser Vorabversion, auch wenn hörbar THE DEVIL'S BLOOD am Werk ist und die Herrschaften sich insofern treu bleiben. Die Band versuchte also definitiv nicht, mit TABULA RASA ein eingängiges "auf Nummer sicher" Album zu komponieren, sondern folgte hörbar ganz eigenen Ideen und eigenen Visionen.
Dies bedeutet im Umkehrschluss natürlich auch: wer THE DEVIL'S BLOOD primär wegen Ohrwürmern wie "She", "Christ Or Cocaine", "The Heavens Cry Out For The Devil's Blood", "Cruel Lover" oder "Fire Burning" mochte dürfte von TABULA RASA eher enttäuscht werden, die Band klingt mitunter harscher, experimenteller und deutlich psychodelischer. Die Richtung, in welche sich THE DEVIL'S BLOOD anscheinend weiterentwickelt hätten ging definitiv nicht in kommerzieller Gefielde, sondern weiter in Richtung komplexerer, verschachtelter Songs, zu denen man erst Zugang finden muss.

TABULA RASA wird wohl immer der etwas komische Beigeschmack des unvollendeten Albums, welches möglicherweise bei Fortbestand der Band anders geklungen hätte, anhaften. Für ganz besondere THE DEVIL'S BLOOD Fanatiker dürfte dies natürlich eine besonders spannende Hörerfahrung sein - und ich bin mir sicher, dass sich einige Fans in dieses Album regelrecht verlieben werden, was natürlich völlig OK ist. Gerade das Vertrackte und womöglich Unfertige hat ja auch seinen ganz besonderen Reiz, und mich sollte es nicht wundern, wenn TABULA RASA das Album von THE DEVIL'S BLOOD ist, welches am meisten polarisiert und daher auch ganz begeisterte Anhänger findet.

Alles im allem: wer THE DEVIL'S BLOOD mag bekommt hier für sein Geld die letzten Stücke, welche diese Band veröffentlichen wollte - ob die Stücke in der hier hörbaren Versionen bei Weiterbestehen der Band oder in anderen Versionen schlussendlich veröffentlicht worden wären mag man sicherlich diskutieren. Die endgültige Antwort kennt da sicherlich nur die Band. TABULA RASA enthält definitiv interessantes Material, und das hier einmal mehr talentierte Musiker am Werke sind dürfte ausser Frage stehen.

Insgesamt von mir 3 Sterne - an TABULA RASA werden sich, wie an THE DEVIL'S BLOOD insgesamt, die Geister scheiden.
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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 04.06.2013 17:40:27 GMT+02:00
muffy666 meint:
Gute Rezi, klingt interessant.

Veröffentlicht am 09.06.2013 14:55:38 GMT+02:00
Der Wolf meint:
Rezension trifft schon so ziemlich den Punkt. Gute Ansätze aber teilweise auch Längen und nicht ganz so "catchy" wie die Vorgängeralben. Gäbe es halbe Sterne, ich würde 3,5 vergeben.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.06.2013 19:13:45 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.06.2013 19:14:33 GMT+02:00
kwichybo meint:
Deine Rezension trifft es in der Tat recht gut!
Ich selber finde die Scheibe nach dem zweiten Hördurchlauf allerdings richtig klasse...der dumpfe, unbearbeitete Sound stört mich z.B. nicht die Bohne. Andere sehen das vielleicht ganz anders. Die bitterste Pille ist wohl, dass wir niemals erfahren werden wie die beiden Instrumentals mit Gesang geklungen hätten. Also mal vorausgesetzt, dass es sich hierbei nur um "musikalische Grundgerüste" handelt, die nicht letztlich nicht fertiggestellt wurden.
"Tabula Rasa" zeigt aber auch eines: Bei THE DEVIL'S BLOOD sind selbst unfertige Demo-Versionen teilweise besser, als die normalen, offiziellen Longplayer von manch anderen Bands.
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