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...schade um das Talent ...,
8. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Encore (Audio CD)
Ich nahm David Garrett zum ersten Mal vor vielleicht 4-5 Jahren bei einer Talkshow wahr und ca. 3 Minuten reichten bereits, um mir ein Unbehagen zu bereiten. Da sass dieser flott drapierte junge Mann mit sehr viel Selbstbewusstsein in der Talkrunde und wurde zum Schluss auf ein Malheur angesprochen, welches ihm bei einem Abgang von der Bühne passierte. Er war wohl gestolpert und seine sündteure Geige ging zu Bruch. Ob ihn das sehr getroffen habe, fragte ihn der Moderator und David Garrett behandelte dieses Geschehnis, als ob uns Normalbürger gerade mal eine Flasche Mineralwasser aus der Hand gerutscht sei.
Was mich irritierte war der fehlende Respekt. Dieser fehlende Respekt vor diesen außergewöhnlichen Geräten - vor der Leistung der Erbauer.
Er selbst kam da schon rüber als der "Achtung hier bin ICH - und sonst zählt hier gar nichts".
Natürlich kann der Mann Geige spielen und ich mag auch sogenannte Cross-Over-Ansätze.
Jetzt bekam ich also zum ersten Mal eine seiner Platten in die Hand, schob sie in meinen PC und hörte mir ein Stück nach dem andern an.
16 Titel! Also gut.
Was in meiner Playlist letztlich übrig bleibt ist: New Day (ganz nettes Arrangement) und "Clair du Lune" -- den Rest habe ich sofort wieder gelöscht.
Ich muss zugeben, dass mich diese Songs einigermaßen erschüttern... und ich komme wieder zurück zum obigen Thema "Respekt".
Ich kann nicht hören, dass David Garrett die Stücke wirklich respektiert - er benutzt sie um sie so schön zu verpacken, dass er damit ein Maximum an Popularität und Geld generiert.
Und das gelingt offenbar hervorragend und ich möchte das auch nicht kritisieren. Jeder der hierfür sein Geld investiert ist ja eigenverantwortlich.
Am deutlichsten wird das z.B. bei "Air" - mal abgesehen davon, dass die Welt nun wirklich keine 250.000ste Version mehr benötigt. Das Stück mit Groove und Drums zu spielen nimmt ihm jeden Charakter und macht es eben nur "zuckersüß" - aber nicht wirklich ergreifend.
Über seine Interpretationen von "Summertime" und gerade "ain't no sunshine" hülle ich den Mantel des Schweigens -- bis heute habe ich noch keinen "Klassiker" gesehen, der im Jazz wirklich zu Hause ist und David Garrett schon gar nicht.
Jedes Stück ist auf Wirkung ausgelegt und nicht auf Authentizität. Hier zählt der Geiger und nie das Stück
David Garrett reiht sich ein in die Riege von Musikern wie z.B. Kenny G, der ebenfalls einen massenhaften Erfolg hat. Diese Leute haben ein Problem: sie benutzen teilweise hervorragende Werke und arrangieren sie auf modern. Damit sind sie populär, sie haben eine Fangemeinde, sie verdienen massenhaft Geld. Aber es geht ihnen nie darum, dem Stück wirklich eine neue Identität einzuhauchen. Sie benutzen sie, um selbst als Interpret zur Wirkung zu kommen und Eindruck zu schinden.
Ihr langfristiges Problem liegt darin, dass Ihnen durch ihren eigenen respektlosen Umgang mit tollen Werken der Musik (ob Stücke oder Instrumente) der Respekt der wirklichen guten Musiker auf Dauer verwehrt bleiben wird.
David Garrett ist jung und er ist ein guter Geiger. Als was möchte der Mann mal in Erinnerung bleiben wenn er älter ist und es leid ist die Nullen auf seinem Bankkonto zu zählen?
Wenn er als ernsthafter wirklich innovativer Cross- Musiker in Erinnerung bleiben möchte, dann hat er noch viel vor -- mit dieser Platte jedenfalls entfernt er sich - da reicht auch das passable "Clair Du Lune" nicht aus.
Ich weiß was die vielen vielen überschwänglichen Rezensionen aussagen möchten - aber ich befürchte, sie lassen sich einfach gern blenden und in Watte packen. Sie erliegen nicht der guten Musik. Sie erliegen einem cleveren Produkt das durchgestylt ist um maximalen Profit einzufahren.
Bei mir wirken solche Ansätze manchmal schon -- aber das hier ist mir einfach zu offensichtlich.
Fazit: Ich mag Cross Over - Der Mann hat Talent - aber er stiehlt den Werken die Show und daran könnte er arbeiten..
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