Kundenrezension

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3.0 von 5 Sternen Von Lancaster, Deloin und anderen Leoparden, 22. März 2009
Rezension bezieht sich auf: SZ-Cinemathek, 1: Der Leopard (Langfassung) (DVD)
Luchino Visconti ist beileibe nicht für seichtes Unterhaltungskino bekannt. Vergleicht man jedoch "Der Leopard" mit anderen Werken Viscontis (z.B. "Der Tod in Venedig), so erscheinen jene geradezu rasant im Gegensatz zu diesem (aus-)gedehnten Historien- und Gesellschaftsdrama.
Es ist also viel Sitzfleisch und eigene Bereitschaft nötig, um dieser 3-stündigen, dialoglastigen und bisweilen recht sprunghaften Auseinandersetzung sozialer und politischer Umwälzungen Italiens in der Mitte des 19. Jahrhunderts zu folgen.
Während Freunde des Mainstreams hier das Grausen kriegen oder sanft entschlummern dürften, werden eingefleischte Cineasten umso mehr Gefallen finden, an der Geschichte um den von Burt Lancaster verkörperten Fürst Salina, dem alsbald immer mehr bewusst wird, dass er sich in der verändernden Gesellschaft Italiens nicht mehr zurecht findet. Dies wird ihm, u.a. durch die junge Generation um seinen ambitionierten Neffen Tancredi (Alain Delon) und die schöne Angelica (Claudia Cardinale) vor Augen geführt...
Es ist schon bewundernswert, wie Visconti seine Version hier kompromisslos durchzieht, ohne sich dabei auch nur für eine Sekunde dem Massengeschmack des Publikums anbiedern zu müssen. Damit einher geht jedoch auch eine gewisse Sperrigkeit, die es einem unvorbereiteten Zuschauer nicht gerade leicht macht, sich in den Film hineinzufinden. So wie hier vom Kameramann oft Totalen eingesetzt werden, so wird auch der Zuschauer auf Distanz gehalten. Zumal die kantigen und in mancherlei Hinsicht nicht tiefer gehend charakterisierten Figuren da ebenfalls ihr Zutun haben. Gespielt ist dies jedoch auf hohem Niveau, wobei Burt Lancaster alle überragt (das Finale, welches fast ein Drittel des Films für sich beansprucht, ist in Bezug auf seine Figur recht ergreifend ausgefallen, ohne dass hier Sentimentalitäten das Gesamtbild verwässern müssten). Deloin ist als selbstgerechter Emporkömmling überraschend unsympathisch, wenn auch voller Charisma. Und neben den beeindruckenden Bildern gibt es mit Cardinales Charakter sogar noch einen weiteren Augenschmaus, der jedoch letztendlich auf sein atemberaubendes Äußeres beschränkt bleibt. Immerhin ist der Tanz zwischen Lancaster und ihr die vermutlich denkwürdigste Szene des ganzen Films. Übrigens: in einer Nebenrolle gibt es den jungen Terence Hill ("Mein Name ist Nobody") als Freund Tancredis zu sehen.
"Der Leopard" entlässt den Zuschauer schließlich ebenso erschöpft wie seinen Protagonisten. Ein anstrengender Film, den man sich entweder erarbeiten muss oder vor dem man kapitulieren wird. Ein überlanges Kunstwerk, dessen Qualitäten durchaus im Verborgenen liegen. Für den einen sichtbar, für den anderen nicht.

Der Film macht den Anfang in der "SZ-Cinemathek"-Reihe und weist eine wahrlich hervorragende Bildqualität (in 2,35:1) auf, die vor allem in punkto Schärfe und Farbgebung zu gefallen weiss.
Die Tonqualität ist recht annehmbar ausgefallen, wobei es in der deutschen Fassung immer wieder zu Momenten kommt, in denen in den italienischen Ton gewechselt wird (mit deutschen Untertiteln). Offenbar wurden diese Sequenzen nie synchronisiert. Wem dies missfällt, sollte dann wohl die italienische Sprachspur anwählen.
Wie auch bei späteren "SZ"-Titeln üblich, gibt es hier keinerlei Extras. Dafür finden sich aber in der Innenseite des bedruckten Digis noch einige Hintergrundinfos zur Entstehung des Films.

Bild: 9/10
Ton: 6/10
Extras: 0/10
Film: 6,5/10

Fazit: "Der Leopard" ist meiner Meinung nach nicht gerade Viscontis bester Film, da auf großartige Momente immer wieder Längen folgen, aber es ist ein beeindruckender Kraftakt von immensem Aufwand und mit tollen Darstellern versehen. Einsteigern in das Werk des Regisseurs würde ich eher zum "Tod in Venedig" raten, der etwas zugänglicher ausgefallen ist und den Zuschauer emotional gesehen stärker in das Geschehen involviert.
Freunden von "Der Leopard" sei diese Veröffentlichung allein schon wegen dem großartig aufbereiteten Bild empfohlen. Wem es nach Extras steht, sollte zur SPECIAL EDITION von KOCH MEDIA greifen, die neben einer Bonus-DVD mit einer Doku über den Komponisten Nino Rota auch noch den Original Soundtrack auf CD beinhaltet.
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