Kundenrezension

99 von 140 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Lehrreich und witzig, aber leider viel Quatsch dabei, 17. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Darm mit Charme: Alles über ein unterschätztes Organ (Broschiert)
Verdauung und was damit zusammenhängt, das ist normalerweise tabuisiert. Die Medizin-Doktorandin Giulia Enders hat ein locker zu lesendes Buch geschrieben, um diese Zusammenhänge zu erklären. Wer sich mit Biologie und Anatomie nicht so auskennt, kann hier viel lernen, aber Hypochonder finden auch reichlich Stoff.

Das Buch ist klar in drei Teile gegliedert: Anatomie, Nervensystem und die Darmbesiedlung mit Bakterien. Die ersten beiden Abschnitte vermitteln verblüffende Einsichten und überraschende Zusammenhänge, sind auch recht solide.

Doch schon auf Seite 112 (Wirkung von Akupunktur) und Seite 146 (Hypnose und Psychotherapie bei Reizdarm) beginnt die Autorin, fragwürdige und wissenschaftlich zweifelhafte Aussagen zu treffen. Schlimm wird es dann im dritten Teil, hier gibt es jede Menge Hokuspokus und Vermutungen.

Kostproben:
„Ein Mangel an Biotin kann neben Störungen von Haut, Haaren und Nägeln beispielsweise auch depressive Stimmung, Schläfrigkeit, Infektanfälligkeit, Nervenstörungen und erhöhte Cholesterinwerte hervorrufen“ (S. 185).
„In anderen Studien konnten mit anderen Bakterienstämmen Cholesterinwerte sogar um 11-30% gesenkt werden. Es fehlen noch Folgestudien, um die erfolgreichen Ergebnisse zu überprüfen.“ (S. 202)
„Dieser Effekt ist nicht so gut belegt wie die Wirkung von Probiotika bei Durchfall oder Immunschwäche. Für Eltern mit Kindern, die ein erhöhtes Risiko auf Allergien und Neurodermitis haben, sind Probiotika trotzdem eine gute Option. Viele Studien zeigen einen deutlichen Schutz. In einigen konnte dieser Effekt nicht nachgewiesen werden… Man muss selbst ein bisschen herumprobieren“ (S. 259)

Formulierungen wie „Einige Studien legen nahe…“ oder „konnte bei jungen Mädchen in einem Experiment…“ (S. 268/269) berichten anekdotisch von Zusammenhängen, die existieren können oder auch nicht. Es ist abenteuerlich, Empfehlungen auf Basis solcher Spekulationen zu folgen. Vielleicht sollte jemand mit Anfang Zwanzig noch kein Buch schreiben, oder wenn doch, zumindest einem kritischen Lektor zur Überprüfung geben.

Das ist schade, denn die ersten beiden Teile des Buchs sind lustig und lesenswert. Wer nicht alles glaubt, was schwarz auf weiß geschrieben steht, kann mit kritischem Abstand dem Buch durchaus etwas abgewinnen.

Über die Besiedlung des Körpers mit Mikroorganismen hat Jörg Blech ein fundierteres Buch geschrieben: Leben auf dem Menschen: Die Geschichte unserer Besiedler
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Von 5 Kunden verfolgt

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1-10 von 25 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 19.04.2014 10:15:08 GMT+02:00
drachenfrucht meint:
Danke, endlich einmal eine objektive Besprechung, sehr sinnvoll bei all dem Hype, der sich mehr um die Person und Ihren unbestreitbaren Charme aufgebaut hat als um den Darm und dessen Charme - oder gar die inhaltlichen Qualität des Buches. Ein anderes sehr gutes, im Vergleich zu J. Blech auch viel aktuelleres Buch zum Thema ist "Bund fürs Leben - warum Bakterien unsere Freunde sind" von H. Chasirius und R. Friebe.

Veröffentlicht am 22.04.2014 13:42:09 GMT+02:00
F. Stevens meint:
Man sollte hinzufügen, dass im Buch vielfach erwähnt ist, dass viele Dinge noch nicht hinreichend erforscht sind. Die obigen Zitate stammen, soweit ich mich gerade erinnere aus Abschnitten wo es genau darum geht, dass es noch viel zu erforschen gibt und wo einige Forscher ihre Hoffnung hineinsetzen, was noch möglich werden könnte.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.04.2014 16:39:19 GMT+02:00
ich finde, alleine schon weil es eine 24 jährige Frau ist, hat Sie schon Respekt verdient. Das hat Sie schon sehr gut gemacht, ein komplexes Thema der einfachen, breiten Masse interessant erklärt. Wissenschaftlich gesehen mag das nicht so perfekt sein. Aber mal gucken, wo Sie in 10 Jahren ist.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.05.2014 23:16:24 GMT+02:00
xxx meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Veröffentlicht am 06.05.2014 06:25:33 GMT+02:00
just me meint:
@ Oliver Völkers. Sie müssen dann aber auch ein erbitterter Gegner solch "unwissenschaftlicher" Volksweisheiten sein, wie "an apple a day keeps the doctor away". Für meinen Teil sind mir - überhaupt erst einmal ins Bewusstsein gebrachte - anekdotische Zusammenhänge wichtiger, als das Verschweigen der selbigen, weil diese noch nicht den Stempel der Schulmedizin verdient haben.

Veröffentlicht am 14.05.2014 10:56:00 GMT+02:00
Naike meint:
Ob jung oder alt, mit Charme oder ohne, wer alles, was Autoren publizieren, grundsätzlich für wahr hält, gibt seinen eigenen Verstand an der Garderobe ab. Zumindest Inhalte, die für einen Leser persönlich relevant sind, sollte dieser selbst noch einmal überprüfen, zumindest falls dies möglich ist. Oft leider nicht, denn zu vielen Fragestellungen gibt es schlichtweg noch keine Wahrheit, sondern lediglich unterschiedliche Vermutungen!

Also bitte einfach mal beim Inhalt bleiben, statt Geschlecht, Alter oder sonstige persönliche Merkmale des Autors zu einer Beurteilung heranzuziehen.

Veröffentlicht am 14.05.2014 17:19:36 GMT+02:00
Bitte sauber zu Ende zitieren! S. 185 "....und erhöhte Cholesterinwerte hervorrufen. Hier ein dickes ACHTUNG: Die Liste von Symptomen bei Vitaminmangel ist bei jedem Vitamin beeindruckend. Man kann sich ziemlich sicher angesprochen fühlen. Wichtig ist: Mann kann auch mal einen Schnupfen haben oder ein bisschen lethargisch sein, ohne gleich unter Biotinmangel zu leiden. Und man hat natürlich eher hohe Cholesterinwerte duch den Genuss von einer großen Portion Speck als nach einem leicht glibberigen Frühstücksei mit Avivdin."

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.05.2014 17:29:04 GMT+02:00
Die von mir aufgeführten Zitate sind natürlich nur kurze Ausschnitte, die den Stil charakterisieren sollen. Es ist richtig, dass viele der im Buch aufgeführten Zusammenhänge in späteren Abschnitten wieder relativiert werden. Dadurch werden die Aussagen aber auch nicht besser. Im konkreten Beispiel hat sicherlich niemand "hohe Cholesterinwerte duch den Genuss von einer großen Portion Speck". Das meine ich mit Quatsch. Solche nichtssagenden und missverständlichen Sätze hätte die Autorin besser weggelassen, dann hätten die gut geschriebenen und soliden Teile des Buchs (insbesondere Teile 1 und 2) besser dagestanden.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.05.2014 18:49:54 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 14.05.2014 18:50:15 GMT+02:00
Naike meint:
Um Ausreden sind Sie nicht verlegen, nicht wahr?! ;o)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.05.2014 09:04:12 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 17.05.2014 09:15:48 GMT+02:00
Montaigne meint:
Die meisten Kunden kaufen ein Buch NUR aus Neugierde, weil es bereits "im Gespräch" ist. Die Verkaufszahlen selbst sind irrelevant bei der Beurteilung der sog. Qualität eines Buches.

Das erklärt, warum es eine Werbeindustrie gibt - weil Werbung verkaufsfördernd wirkt, wie man sehen kann.
Es gibt nun mal Kunden, die schauen sich erst mal die Bestsellerliste an und kaufen das, was oben steht. Andere, womöglich bessere Bücher, haben bei solchen Kunden keine Chance - weil man nach Büchern, die nicht beworben werden, erst mal suchen müsste und das kostet Zeit (und man muss auch intelligent suchen können, um die wirklich BESTEN Bücher zu einem Thema zu finden - unabhängig von Bestsellerlisten - dazu bedarf es einer gewissen Bildung).

Was kommt als nächstes auf den Markt? "Die Butter, mein Futter" ;-)
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Details

Artikel

Rezensentin / Rezensent

Oliver Völckers
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   

Ort: Berlin, Deutschland

Top-Rezensenten Rang: 302