Kundenrezension

182 von 245 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Locker, flockig und ziemlich rasant, 15. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Gott: Eine kleine Geschichte des Größten (Gebundene Ausgabe)
Bestsellerautor, Psychotherapeut, Arzt, Theologe und Kenner der Philosophie. Das ist laut Klappentext der Autor dieses Buches. Falls er trotz der vielen Betätigungsfelder in finanzielle Nöte komme sollte, kann er auch bei einer Werbeagentur anheuern. Denn ganz ohne Zweifel ist Manfred Lütz auch in der Kunst der Verführung bewandert. Und sein Verlag gab mit dem genialen Cover noch eins obendrauf. Aber wie steht es mit der Substanz des schön verpackten Inhalts? Wie die bereits erschienenen Rezensionen zeigen, kann man bei dieser Frage verschiedenster Meinung sein. Ich gehöre zur Fraktion, die Manfred Lütz nicht zu begeistern vermochte.

Da ich kein Mitglied der Lützerschen Fangemeinde bin, kannte ich auch seine persönliche Einstellung zum Thema nicht. Vorwort, Einleitung und die ersten Seiten weckten große Erwartungen. Zu große, wie sich im Verlauf der Lektüre herausstellen sollte. Oder einfach falsche. Zu Beginn dachte ich noch, Manfred Lütz sei ein offener und abwägender Autor auf der Suche nach seinem persönlichen Glauben und Gottesbild. Doch am Schluss wurde ich das Gefühl nicht mehr los, er hätte mir eine Mogelpackung verkauft. Denn letztlich vertritt er einen Katholizismus, der auch in Rom auf Wohlwollen stoßen würde. Das ist natürlich sein gutes Recht. Aber wenn mir den Klappentexter verspricht, Manfred Lütz spreche Klartext, dann erwarte ich Klartext. Und zwar von Anfang an.

Die zweite Enttäuschung bescherte mir die wissenschaftliche Ebene, auf die sich der Autor beruft. Denn passt ihm eine Erkenntnis nicht in den Kram, putzt er sie mit wenigen, dafür umso flapsigeren Wort hinweg. Und damit stellt er sich selber in eine rhetorische Tradition, die er bei anderen Autoren ins Kreuzfeuer nimmt. Wortgewandt macht er widerspenstige Zweifler zu Befürwortern seines persönlichen Denk- und Glaubensgebäudes. Und wenn ihm sein eigenes Gewissen zu signalisieren scheint, er treibe es mit seiner Taktik allzu bunt, beschließt er den Abschnitt mit einer verbalen Beschwichtigung. Was Manfred Lütz etwa zum kindlichen Wahrnehmungs- und Urteilsvermögen sagt, treibt jedem Entwicklungspsychologen die Schamröte ins Gesicht. Oder wenn er sich zu hirnphysiologischen Vorgängen äußert, muss es Neurowissenschaftlern schaudern. Wieso bleibt er nicht einfach bei seinen persönlichen Bekenntnissen und Erlebnissen? Wieso muss er historische Persönlichkeiten, Wissenschaftler und Stars der Unterhaltungsbranche auf die Bühne locken, wenn diese mit dem gespielten Stück nichts zu tun haben? Wieso hat er sich dazu hinreißen lassen, mit altbekannten Techniken den x-ten Gottesbeweis vorzulegen?

Mein Fazit: Weshalb Manfred Lütz zu den Bestseller-Autoren gehört, wundert mich nach der Lektüre nicht mehr. Mich wundert nur, wieso er mit den Argumenten der Vernunft das Unvernünftige erklären will. Manfred Lütz ist ohne Zweifel ein begnadeter Rhetoriker. Aber das reicht nicht aus, um die Schwächen seiner Beweisführungen zu überdecken.
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Kommentare


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1-10 von 14 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 21.04.2008 23:48:09 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 21.04.2008 23:48:46 GMT+02:00
Sehr geehrter Herr Dr. Fuchs,

eine ausgezeichnete Besprechung! Unklar ist mir lediglich, weshalb Sie dem Buch dennoch 3 Sterne geben?

Herzlichst

Edgar Dahl

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.04.2008 00:53:43 GMT+02:00
Sehr geehrter Herr Dr. Dahl
Na ja, heute würde ich wohl bei zwei Sternen stehenbleiben. Aber als ich die Besprechung schrieb, leitete mich bei der Vergabe von Sternen der Respekt vor anderen Glaubensmeinungen wohl allzu sehr. Mit den Sternen habe ich ohnehin oft Mühe. Wichtiger ist mir der Text. Jedenfalls danke ich Ihnen für die Blumen und hoffe, meine "Erklärung" reiche Ihnen.
Herzliche Grüsse aus der Schweiz
Werner Fuchs

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.05.2008 14:34:40 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 25.05.2008 14:35:05 GMT+02:00]

Veröffentlicht am 02.08.2008 14:38:39 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 02.08.2008 15:09:23 GMT+02:00
Für mich gibt es noch eine dritte Enttäuschung. Laut H. Lütz endet die Argumentation der Atheisten mit der Entwicklung der Quantenphysik. Sein historischer Horizont reicht also bis etwa 1910. Dass danach die Biologie und Physik weiterentwickelt wurden, dass mit Chaostheorie, Emergenz, Spieltheorie, egoistische Genen, Primatenfoschung und Soziobiologie neue Aspekte hinzukamen ist ihm entweder nicht bekannt, oder er übergeht es, weil er darauf keine Antwort hat. Damit hat H. Lütz ein Buch geschrieben, welches den Stand der Ausseinandersetzung von ca. 1920 wiedergibt.

Veröffentlicht am 13.08.2008 11:14:43 GMT+02:00
M. Paulus meint:
Dadurch das sie sich so intensiv bemühen Dr. Manfred Lütz zu wiederlegen, kann sich einem die Frage stellen, ob der Inhalt des Buches nicht doch an Wahrheit gehaltvoller ist als Sie es darzustellen geneigt sind. Definitiv wenn es nun Gott gäbe- dann wird ER einem diese Frage auf jeden Fall, dem der ernsthaft fragt, beantworten. Wichtig dabei wäre wohl: Die Antwort hören zu wollen auch wenn sie nicht gefällt. Bleibt nun übrig: Es ist jedem Menschen selbst überlassen dieses zu Tun. Der Preis: Es geht um alles!
Viel Erfolg dabei!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.09.2008 22:09:16 GMT+02:00
D. Arntz meint:
Dieser Kommentar ist natürlich schwach. Wo haben wir denn Gott? Lütz zeigt durch seine kruxen Darstellungen doch eher,
dass die Naturwissenschaft ohne einen Gedanken an Gott auskommt.
Gott ist für uns ein Gedankenkonstrukt,
welches in manchen Bereichen vorkommen kann,
in anderen wohl aber nicht.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.01.2009 14:23:16 GMT+01:00
molesman meint:
Auch wenn der Autor in keinester Weise beweisen kann was er behauptet - eines ist wohl klar. Glauben bedeutet häufig auf etwas zu bauen was die Wissenschaft verneint. Und Wissenschaft ist das was sich alle paar Jahre neu erfinden muss, weil die einst so felsenfesten Fakten ein paar kleiner weisskittliger Erdlinge komplett aus dem Ruder gelaufen und veraltet sind. Egal ob Leben auf anderen Planeten, Tarnkappen oder das beamen von Gegenständen - wer daran glaubte wurde früher ausgelacht - heute sind es Fakten. Es wahr schon immer da - nur der Mensch sah es nicht. Kommt einem bekannt vor. Letztlich wissen wir sozusgen gar nichts von alledem was sich da draußen und hier abspielt und kratzen nur am Rand. Da lobe ich mir die Menschen, die Visionen haben die sich irgendwann als wahr herausstellen statt mir von bocksteifen HIER IM JETZT Menschen sagen zu lassen was definitiv ist und was nicht. Das - so sollten wir es inzwischen alle gelernt haben - hat eh nur die Halbwertszeit eines Joghurts. Das Buch kann man sich freilich schenken - den Glauben allerdings nicht.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.02.2009 21:22:33 GMT+01:00
Martin Zobel meint:
Ich weise auf das hin, was auch Lütz in seinem Buch schreibt: Wissenschaft gibt es heute nur noch als Theorie. Diese gilt nur so lange bis sie widerlegt wurde. Das heißt aber nicht, dass man auf Wissenschaft verzichten sollte; eine Voraussetzung für eine Theorie ist also ihre Falsifizierbarkeit, da nützt alles wettern gegen Wissenschaft nichts ;-)

Veröffentlicht am 21.02.2009 18:22:50 GMT+01:00
Schön, dass es solche Rezensionen gibt! Das erspart einem doch den Kauf vieler Bücher und (was nach Kant noch erfteulicher ist) die Zeit, sie zu lesen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.02.2009 22:18:51 GMT+01:00
Danke für die Blumen. Und mich veranlasste Ihr Kommentar dazu, Ihre Besprechung der neuen Zürcher Bibel zu lesen. Ihre kritischen Worte zu Pseudomodernisierungen gefielen mir.
Herzliche Grüsse aus der Schweiz
Werner T. Fuchs
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