Kundenrezension

43 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Super Lisbeth und Kalle Blomquist im Taka-Tuka-Land, 15. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Verdammnis: Millennium Trilogie 2 (Taschenbuch)
Regen Sie sich schon über die Überschrift auf? ;-)
Keine Sorge, sie ist humorvoll gemeint.
Immerhin gehe ich gerade ein Risiko ein: ich kritisiere einen erfolgreichen, von der Kritik gelobten Krimi. Darf man das?
Ich denke ja. Man muss sogar.

Den ersten Teil "Verblendung" fand ich recht gut - sogar gut bis auf das meiner Meinung nach überflüssige allzu gute doppelte Ende. Ein bisschen Frust hätte ich dem doch recht eitlen Helden schon gegönnt.

Teil 2 "Verdammnis" beschäftigt sich nun intensiver mit Lisbeth Salander, sicher in Teil 1 als eine interessante Figur entworfen. Doch jetzt übertreibt der Autor meiner Meinung nach: Lisbeth wird von der schwierigen, unberechenbaren und verletztlichen Frau aus Teil 1 zu einer femistischen Kampfamazone und Intelligenzbestie, die zudem mit einem enormen Vermögen aus einer Gaunerei in Teil 1 ausgestattet ist. Dass Lisbeth eine "Weltklassehackerin" sei, muss wiederholt erwähnt werden. Auch Fermats letzten Satz löst sie angeblich "so aus Spaß", wobei Larsson ihre Lösung natürlich nicht verraten kann, da er sie selbst eben nicht weiß.

"Pippig Langstrumpf auf Acid" war mein spontaner Gedanke zu diesem Wandel. Ich war verblüfft, als ich später las, dass der Autor tatsächlich an Pippi Langstrumpf dachte, als er Lisbeth in Teil 2 beschrieb.
Das Problem ist allerdings: diese Pippi wirkt weitaus bizarrer und irrealer als das Original. Und trauriger.
Traurig, weil diese als so überlegen und geradezu perfekt beschriebene Frau etwas nicht hat, was Pippi in Übermaß hatte: Lebensfreude.

Larsson versucht eine Erklärung damit, dass Lisbeth ein sozial gestörter, vielleicht sogar seelisch kranker Mensch ist. Dem widerspricht das Buch jedoch eigentlich, da Lisbeth die meiste Zeit überhaupt keine Probleme im Umgang mit anderen Menschen hat. Sieht man genau hin, fällt sogar auf, dass Larsson nach einem einfachen Schema vorgeht: alle, die Lisbeth mögen oder von ihr gemocht werden, sind die Guten. Die schlechten Charaktere hassen Lisbeth oder werden von ihr gehasst. So schlicht scheint diese kleine Welt.

Die Story war schon in Teil 1 nicht unbedingt durchgehend stimmig. In Teil 2 kommen Elemente dazu, die ich fast trivial, weil kolportagehaft, finde: ein Bösewicht ist zugleich ein KGB-Handlanger, weitere finstere Gestalten kommen aus der zumindest rechtslastigen Szene und sind stark und dumm (einer davon ist sogar ein Deutscher, natürlich ein blonder Hüne) und alle Fieslinge sind auch Frauenfeinde. Naja.

Lisbeth wird einer Straftat verdächtigt und polizeilich gesucht, Michael will ihr helfen. Leider nutzt der Autor ein Mittel, die Spannung zu erhalten, dass mich nicht so überzeugte: Lisbeth, obwohl selbst in Gefahr, redet nur in kryptischen Botschaften mit ihrem Freund. Nach einer Weile fand ich das nur noch anstrengend und zunehmend unglaubwürdig.
Hier sollte die Handlung einfach in die Länge gezogen werden, die Auflösung war dann auch nicht sonderlich überraschend, denn wer hätte ehrlich gedacht, dass Lisbeth...?

Fazit: sicher hat der Hype um den Autor einen nicht geringen Anteil an der Popularität der Bücher. Die Romane sind rein inhaltlich sicher nicht schlecht, aber eben auch keine Meisterwerke. Meiner Meinung nach sogar eher ein wenig unter dem Durchschnitt guter Krimis.
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Von 1 Kunden verfolgt

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1-10 von 10 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 16.06.2009 07:27:15 GMT+02:00
"Fiodor" meint:
Liebe/r Sisafri,

hätten Sie den ersten Teil aufmerksam gelesen, wären Sie bei dem Zweiten nicht so verblüfft gewesen, Lisbeth als Pippi Langstrumpf tituliert zu sehen. Die Assoziation taucht bereits darin auf. Mikael stellt sie her, nachdem er mehrfach unter seinem eigenen Spitznamen leiden musste.
Wenn man den Hintergrund des Autoren kennt ( steht als Information auf einer der ersten Seiten ) kann man hier wohl kaum von kolportagehaft sprechen. Ausserdem ist der "blonde Riese" ja kein hundertprozentiger Deutscher... :-)
Ich denke Sie haben auch Lisbeths Figur nicht richtig verstanden, sonst wären Sie nicht so verblüfft ob der Wandlung im zweiten Teil. Wie dem auch sei, ich lasse Ihnen gern Ihre Meinung, nur stellen Sie in meinen Augen den Inhalt des Buches nicht richtig dar, bzw. verzerren die Tatsachen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.06.2009 09:14:47 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 23.06.2009 09:55:11 GMT+02:00
sisafri meint:
Kurz: Sie mögen das Buch und ich nicht so. Sie fanden Lisbeths Entwicklung gut, ich fand sie ziemlich unglaubwürdig und bizarr. Geschmäcker sind verschieden (Gott sei Dank).

Erstaunlicherweise gibt es fast immer nur Kommentare zu negativen Rezensionen bei amazon, wobei oft behauptet wird, der Rezensent hätte da etwas "nicht oder falsch verstanden" oder "nicht richtig gelesen". Dabei werden stets einzelne Stellen aus der Rezensionen "herausgepickt", die man meint "widerlegen" zu können. Das habe ich alles schon x-mal unter anderen eher negativen Rezensionen anderer Leute gelesen.
Was man damit erreichen will, ist mir - ehrlich - schleierhaft.

Meine Bewertung z.B. beruht ja nicht darauf, dass ich verblüfft war, dass Larsson an Pippi Langstrumpf dachte oder ob der blonde Typ nun "rein deutsch" ist oder nicht (Ich gebe zu, ich habe keine Ahnung mehr nach all der Zeit, ob da irgendwo etwas über seinen Stammbaum stand, der Nationalität nach ist er im Buch deutsch und erfüllt voll das Klischee...).

Ein kleiner Zusatz zu meiner Rezension: Gerade WEIL Larsson in Schweden als ein Experte für Rechtsextremismus galt, hatte ich mir von den Büchern mehr erhofft.

Veröffentlicht am 01.01.2010 22:32:55 GMT+01:00
Shannon meint:
Hallo, sisafri,
ich bin, was die Person Lisbeth Salander angeht, genau Ihrer Meinung. Ohne Schulabschluß, aber ein Computer- und Mathe-Genie, und obwohl eher schmächtig gebaut, boxt sie gestandene Männer allein durch Willenskraft nieder. Hinzu kommen klassische Männer-Fantasien, wie Sex zwischen zwei Frauen, Brustvergrößerung usw. Schade, in Teil 1 fand ich die Person noch sympathisch, aber das wird langsam zu viel.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.01.2010 14:52:16 GMT+01:00
sisafri meint:
Die Brustvergrößerung hatte ich schon ganz verdrängt... Was mich daran irritierte: ich kann mir nicht vorstellen, dass sich eine Frau wie Lisbeth um die Größe ihrer Brüste Gedanken machen und Geld für solch eine OP ausgeben würde.

Veröffentlicht am 13.06.2010 15:01:01 GMT+02:00
Chaostrine meint:
Wenn man das Asperger Syndrom kennen würde, könnte man die Handlungen und das Wesen der Lisbeth Sanlander wesentlich besser verstehen!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.06.2010 16:58:32 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 20.06.2010 17:08:19 GMT+02:00
sisafri meint:
Darüber könnte man sich jetzt sicher lange unterhalten.
Aber ich denke, ich habe mich dazu eigentlich schon in der Rezension geäußert, ich zitiere: "Larsson versucht eine Erklärung damit, dass Lisbeth ein sozial gestörter, vielleicht sogar seelisch kranker Mensch ist. Dem widerspricht das Buch jedoch eigentlich, da Lisbeth die meiste Zeit überhaupt keine Probleme im Umgang mit anderen Menschen hat."

Von "Asperger Syndrom" zu reden ist leider eine Modeerscheinung geworden, ähnlich wie zuvor jeder schnell erstmal für komplett "autistisch" erklärt wurde, der einfach bei anderen aneckte. Als ich noch studierte, war zudem gerade "Borderline-Syndrom" eine beliebte Spontandiagnose, die so manchen erwischen konnte, der einfach etwas cholerisch veranlagt war.

Ich denke, Menschen, die tatsächlich an Asperger leiden, werden mit Lisbeths Darstellung nicht unbedingt glücklich sein, denn Lisbeth hat eigentlich nicht wirklich die typischen Probleme dieser Menschen. Sie ist sozial normal integriert und Leute, mit denen sie gut klar kommt, verzeihen ihr auch ihre Schrullen oder mögen sie sogar dafür. Sie kann ganz normale Gespräche führen ohne abrupte Themenwechsel, ohne langes ausschweifendes Reden über Sachen, die sie selbst gerade innerlich beschäftigen. Deshalb ist Lisbeth eher eine verschrobene Person (was durch ihre Biographie verständlich ist) als wirklich krank.
Sie ist sogar eine exzellente Schauspielerin, die andere durch Maskerade perfekt täuschen und in eine andere Rolle schlüpfen kann - etwas, das Aspergern im realen Leben fast unmöglich sein dürfte.
Als eine "richtige" Asperger hätte ich Lisbeth interessanter gefunden, im ersten Band gefiel mir ihr Charakter daher auch noch besser. Was ab dem zweiten Band passiert, das ist für mich an der Grenze zu Fantasy.

Bitte nicht immer wieder diese "wenn du x verstanden hättest, dann..."- Kommentare. Es geht hier um ein Buch. Und dieses Buch fand ich aus bereits genannten Gründen nicht so gut wie es sicher andere finden. Mich stört es nicht, wenn ihr das Buch mochtet, also sollte es auch euch nicht stören, dass es mir nicht sonderlich gefallen hat.

Veröffentlicht am 11.02.2011 21:08:17 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 11.02.2011 21:08:47 GMT+01:00
Thomas Weber meint:
@Sisafri
Es ist genau so, wie du sagst. Wer es wagt, moderne "Ikonen" der Kriminal- oder anderer Literatur negativ zu bewerten, verfällt der jeweiligen "Hype-Mafia", die einen sofort mit negativen Bewertungen und/oder Kommentaren abbügelt. Dies ist bei Larsson ebenso der Fall wie beim völlig überschätzten Simon Beckett, dessen Erstlingswerke wahrlich keine überragenden Bücher darstellen, sowie bei Harry Potter undundund. Es ist seltsam, dass manche meinen, sie müssten "Ihren" Lieblingsautor sofort verteidigen, als ob die Welt unterginge, wenn ein Buch oder Passagen nicht gut gelingen. Deine Rezension entsprach genau meinem Empfinden und meinen Eindrücken beim Lesen von Larsson - und was für eine Überraschung - ich habe dieselben Bewertungen und kommentare wie du erhalten. Ist das www nicht süß :-) also, weiter so und sich von der "Hype-Mafia" nicht beeindrucken lassen! So long!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.02.2011 13:11:55 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 13.02.2011 13:16:10 GMT+01:00
sisafri meint:
Danke für dein aufbauendes Feedback.
Seitdem es diese Kommentare bei amazon gibt, habe ich so einiges über die menschliche Natur erfahren, dass mir einerseits so manche Frage beantwortet hat, andererseits aber doch auch erschüttert.

Um es mal anzudeuten: wenn so eine Menge Leute schon solch ein Trara um so etwas Belangloses wie Buch-/Film- oder Musikgeschmack macht, dann ist die Steigerung des ganzen, wenn es um religiöse oder politische Überzeugungen geht, schon erklärlich - und furchterregend.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 31.05.2012 17:09:48 GMT+02:00
K. Preissl meint:
@sisafri: Ich kann ihnen nur zustimmen, ich sehe auch nichts von einem typischen Asperger-Patienten in Lisbeth Salander, und ich finde es mehr als mühsam, wenn jemandem, der eine sachliche, gut begründete, aber eben negative Rezension schreibt, Unverständnis vorgeworfen wird, und das auch noch mit Hilfe selbsterstellter Diagnosen, die nicht mal auf Wikipedia-Wissen beruhen können, denn dort wird das Asperger Syndrom eigentlich ganz gut umrissen :-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.06.2012 19:15:21 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 03.06.2012 19:16:18 GMT+02:00
sisafri meint:
Danke, K. Preissl.
Einer meiner Freunde hat einen Bruder mit Asperger-Syndrom. Der Alltag ist wirklich alles andere als leicht für diese Menschen.
Von meinem Bekannten habe ich auch erfahren, dass ein schweres Asperger G-Status bedeutet (den Begriff kannte ich vorher auch nicht).
Asperger ist leider ein Modebegriff. Den wirklich Betroffenen tut man keinen Gefallen, wenn man zu schnell und oft von Asperger spricht. Weder den wirklichen Aspergerpatienten, noch den Menschen, die eher an einer Sozialstörung leiden, die entweder charakterlich bedingt ist oder durch traumatische Erlebnisse hervorgerufen wurde. Wie bei Lisbeth.
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