Kundenrezension

25 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Das Leben ist zu kurz für schlechte Bücher, 11. September 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Das Spiel des Engels: Roman (Taschenbuch)
Auch ich habe zuerst "Schatten des Windes" gelesen und mich zunächst auf die Fortsetzung bzw. Vorgeschichte gefreut, jedoch war ich teilweise richtig erschrocken über den plötzlich so schlechten Schreibstil des Autors und die einfallslosen Wendungen. Hatte er bei "Schatten des Windes" einen Ghostwriter?

Positiv fand ich den Anfang der Story, er öffnet phantasievoll Türen für Gedankenspiele und Spannung, man will wissen, wie es letztendlich ausgeht. Nur darum habe ich durchgehalten bis zum Schluß. Auch schön war die Verknüpfung zu den Figuren im Vorgängerroman.

Kritisieren kann man dagegen folgendes:

Schreibstil:
Der Autor ergeht sich in schwülstigen Fabulierungen, man könnte meinen, er wird nach Menge der Adjektive bezahlt. Die Sonne geht entweder gerade auf pathetischste Weise auf oder unter, der Himmel ist immer blutrot, oder es ist gerade Schlag Mitternacht und es regnet "gläserne Doche". Ehrlich gesagt hatte ich den Eindruck, dass er mindestens die zweite Hälfte des Buches betrunken geschrieben haben muss.

Die Figuren:
Die Figren sind eigentlich im Grunde nur eine Figur in verschiedenen Gestalten. Alle reden auf die gleiche Weise, alle haben den sarkastischen Humor der Hauptfigur David. Gedankenlesen kann auch jeder. Und David Martin ist ja sooo ein toller Kerl, dass ihm die Damen des Buches zu Füßen liegen, auch wenn er dann eine davon großzügig an einen Freund spendet. Kommt mir fast vor wie aus nem Aufsatz von meinen 16-jährigen Schülern, die sich gerne mal mit ihrer Phantasiefigur identifizieren und ihre Heldenträume niederschreiben.
Dabei ist der Protagonist eher ein larmoyanter Kotzbrocken, zu dem ich einfach keine Symphatie aufbauen konnte.
Außerdem agieren die Personen teilweise völlig unlogisch. Gerade noch krank und dem Tode nah, verschwendet der "Held" nach seiner wundersamen Genesung nicht einen Gedanken mehr an seinen Tumor. Auch nicht an gewisse paranormale Phänomene, die werden bis zum Ende nicht geklärt. Auch die Liebesgeschichte ist von einem einzigen Fragezeichen gekennzeichnet.

Die Story:
Schon fast unfreiwillig komisch fand ich David Martins Recherche - er will jahrzehntelang gehütete Geheimnisse lüften und bricht dabei in Häuser ein oder "überfällt" einen Ladenbesitzer... alle wollen erstmal nichts sagen und doch - o Wunder - brechen sie nach zwei Zeilen Hin und Her ihr langes Schweigen und quasseln detailliert los wie bei der Telefonseelsorge. Auch was das seltsame Spiel des Polizisten zum Ende hin soll - keinen blassen Schimmer. Dem Autor ist wohl keine Geschichte für den Showdown eingefallen und hat sich dann an 80er-Jahre-Action-Serien orientiert.

Der Epilog: (bitte nicht lesen falls Sie sich noch vom Ende überraschen lassen wollen, es lohnt sich ;-)
Der Epilog ist eine Frechheit. Die sowieso sehr eindimensional gezeichnete Figur des "Bösewichts" (immer mit "wölfischem" Grinsen) packt auf einmal die Reue und er schenkt David Martin die getötete Geliebte in Gestalt eines Kindes!!! Das kleine Mädchen soll jetzt bei ihm bleiben. Wie darf ich mir denn das bitte vorstellen? Erst darf er sie erziehen, und wenn sie alt genug ist, darf er sie... nennen wir es heiraten? Wie praktisch, dass er nun, verflucht wie er ist, genau wie der böse Patron nicht mehr altert.

Das Fragezeichen:
Vielleicht liegt's an mir, aber kapiert hab ich nicht, was der Patron ist bzw. am Schluss auch David Martin. Vegetarische Vampire? So ne Art Teufel? Und was war das mit den unschuldigen Seelen, die die sündigen Seelen retten können, dieser Opferkram? Und warum braucht der Patron einen Ghostwriter für sein Religionsbuch? In dem alten Horrorfilm "Mouth of Madness" kam sowas auch vor, ein unglaublich erfolgreicher Autor, der ein Buch schreibt, das die Welt ins Chaos stürzen soll, aber der schreibt's eben selbst. Wozu braucht der Patron den Schauergeschichterschreiberling? Will er alle Schriftsteller der Welt für die Verbreitung des Bösen akquirieren? Wenn er mit jedem so langatmig textet wie mit David Martin müssten wir aber noch lang auf den Weltuntergang warten... Ganz im Ernst: für ne Erklärung wäre ich dankbar, wenn's jemand kapiert hat, vielleicht bekomme ich ja auch noch nen Aha-Effekt.

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich mich über das Buch geärgert habe. Und über mich selbst, weil ich es ja hätte weglegen können. Ich wollte halt die Auflösung wissen. Ich werde mir das dritte Buch dieser Barcelona-Reihe trotzdem besorgen wenn es rauskommt, schließlich war "Der Schatten des Windes" ein wirkliches Lesevergnügen; aber sollte mich Teil 3 nach 100 Seiten wieder nerven, lese ich einfach den Epilog und entscheide dann ob es zum Papiermüll wandert. Das Leben ist zu kurz für schlechte Bücher.
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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 07.01.2013 11:47:02 GMT+01:00
Nachdem ich das neueste Werk "Der Gefangene des Himmels" gelesen habe, bin ich jetzt erst in der glücklichen Lage, "Das Spiel des Engels" zu kapieren. Die ganze Zeit dazwischen habe ich mich gefragt, ob ich denn tatsächlich viel blöder bin als ich bis dahin glaubte zu sein. Dieselben Fragen, die Sie gestellt haben (Was zur Hölle ist Corelli und was soll das Ganze?) drängten sich mir auf. Nun endlich weiß ich: Der arme Schrifsteller leidet unter Schizophrenie. Ich habe mir "Das Spiel des Engels" nochmals aus dem Bücherregal gegriffen und werde in den nächsten Tagen für mich klären, ob ich mit diesem Wissen (ganz ehrlich, Signore Zafon, das hätten Sie mir ruhig schon eher verraten dürfen!) die losen Enden zusammenführen kann.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.01.2013 19:44:11 GMT+01:00
Roxane meint:
Vielen Dank für die Info! "Der Gefangene des Himmels" habe ich eben zu Weihnachten geschenkt bekommen und ich schleiche noch darum herum, weiß noch nicht, wann ich es lesen werde... Wie war es denn für Sie? Ist es vom Schreibstil her besser oder auch wieder so schwülstig? Und hat es ein befriedigendes Ende? Oder hat Zafon das Verwirrspiel weitergeführt und ist erst zum Schluss mit der "Diagnose Schizophrenie" herausgerückt? (Vielleicht weil er die Spur der "losen Fäden" selbst verloren hat? Ist ja fast ein Klassiker, alles mit "Verrücktheit" oder wahlweise mit "war alles nur ein Traum" zu erklären wenn Autoren ihre eigene Erzählung zu komplex wird...) Würde mich interessieren :-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.05.2013 11:25:01 GMT+02:00
Bubblesbabs meint:
Als sich Martin David mit dem Inspektor Grandes unterhält, erwähnt dieser, daß er jedes Mal, wenn er ihn gesehen hat, diesen Engelanstecker an seinem Revers trägt. Schon da hätte man darauf schließen können, daß er Schizophren ist. Auch die Darstellungen zwischendurch, als er an die Orte zurückkehrt und alles anders vorfindet, lassen es erahnen. Da ich weder den vorhergehenden Roman noch den nachfolgenden gelesen habe, fand ich ihn doch sehr spannend und fesselnd. Die 700 Seiten habe ich innerhalb von einem Tag "verschlungen". Auch wenn es zwischendurch hin und wieder verwirrend war. Aber nach den Kommentaren werde ich die anderen beiden Bände wahrscheinlich lieben und werde sie mir daher bald besorgen. Vielen Dank hierfür!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.03.2014 17:22:16 GMT+01:00
Michel S meint:
dass mit dem Autor (Martin) etwa nicht stimmt, weiß der Leser spätestens ab der "Episode am Wasserspeicher". Er hat einen Unfall und ist "quicklebendig" am Wasserspeicher. Schizophren ist er wohl auch nicht, denn sonst hätte er Corelli nicht schon vor 30 Jahren auf einem Foto erkannt (das kann Martin schlechterdings gewesen sein). Er ist aber eben auch nicht gesund; nur was ist, erfährt man nicht; jedenfalls ist er nicht todkrank, sonst würde er 1946 nicht mehr leben. Roures sagt doch ganz deutlich, was Lux Aeterna ist und mit wem Malasca sich eingelassen hatte: Dem Lichtbringer. Wer das recherchiert, findet die Lösung .
Ich finde, auch wenn es mittendrin recht anstrengend war, hast Zafon hier den Surreaklismus ziemlich gut umgesetzt/eingebracht; alles ist Fiktion; alles kann in einem Roman untergebracht werden. Nur leider scheint Surrealismus anno 2011/2014 nicht mehr so bekannt, als dass der Leser über den Buchrabd hinaus denkt.
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