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Sehenswert, aber deutlich überbewertet!,
31. Dezember 2011
Rezension bezieht sich auf: The King's Speech [Blu-ray] (Blu-ray)
Bevor ich hier als boshafter Querulant in Erscheinung trete und mich mit sämtlichen Fans des Films verfeinde, möchte ich zunächst auf die meiner Meinung nach positiven Seiten von THE KING'S SPEECH eingehen.
Zum einen sind die schauspielerischen Leistungen allesamt in Ordnung. Die Rollenvergabe scheint wirklich geglückt zu sein - bis hin zu den Nebendarstellern! Am besten in Erinnerung - vielleicht auch deshalb, weil er die "dankbarste" Figur verkörpern durfte, ist mir Geoffrey Rush als pfiffiger Sprachtherapeut. Auch die "Kulissen", Kostüme und Requisiten sind sehr authentisch und verleihen dem Streifen den notwendigen "Flair". Die Atmosphäre passt im Großen und Ganzen also auch...
Als Theaterstück könnte THE KING'S SPEECH nun denn auch wirklich ganz große Klasse sein, vorausgesetzt natürlich, man findet ebenso überzeugende Charakterfiguren. Aber ob diese hiesige filmische Umsetzung sich denn wirklich 4 Oscars verdient hat, wage ich zu bezweifeln!
Der Plot an sich nämlich ist alles andere als fesselnd, wie ich finde. Es mag für "Insider", Patrioten (also echte Briten) und Interessierte zwar durchaus interessant sein, Einblicke in die englische Königsfamilie zu erhalten, alles in allem aber kommt mir der Plot doch recht vorausschaubar (erklärt mir jetzt bitte nicht, dass das historische Stoffe so an sich haben - no na - ich meine innerhalb des "Rahmens") und "flach" vor. Zudem gibt es meines Erachtens auch kaum Pointen, die vollends zünden und somit nachhaltig wirken können.
Es mag sein, dass, wenn der therapierte König am Ende des Films seinen patriotischen Aufruf an die Bevölkerung beendet hat, die englischen Zuschauer mit Tränen zu kämpfen haben, aber ist die Aussicht auf den bevorstehenden 2. Weltkrieg - der Schrecken und Leid ohnegleichen mit sich bringen wird - aus heutiger Sicht so einfach hinnehmbar?
Mag sein, dass die heutigen Nachkommen (und auch Zeitzeugen) der sogenannten "Siegermächte" (zu denen ja auch GB zählt) dem Ausbruch des 2. WK etwas "patriotisch-positives", etwas Zusammenschweißendes also (bitte verstehen Sie mich nicht falsch!), abgewinnen können. Mir als Nachkomme des großen Kriegsverlierers (ich bin Österreicher, also quasi Deutscher und "Nazinachkömmling") stellt es dabei allerdings ein wenig die Haare auf!
Ja: Darum geht es in THE KING'S SPEECH nun auch eigentlich gar nicht. Es geht darum, dass George VI. seine persönlichen Traumata und in weiterer Folge seine "Sprachbehinderung" in den Griff bekommt. Dass dabei womöglich so manch "Pikantes" aus den königlichen Familienverhältnissen zur Sprache kommt (und auch gezeigt wird) ist für mich - und ich würde mich durchaus als geschichtsinteressiert einstufen - dabei eher unwesentlich, wie ich finde. (Freilich werden mir an dieser Stelle viele widersprechen.)
Das, was diesen Film letztlich sehenswert macht, ist wohl die eigenwillig-väterlich-brüderliche Beziehung der beiden Hauptfiguren (George VI. und dessen Sprachtherapeut). Glücklicherweise wurden - wie eingangs erwähnt - hierfür sehr überzeugende Schauspieler gewählt!
Fazit: THE KING'S SPEECH ist ein wunderbares Beispiel für "Modekino" und "gemachte" Klassiker. So sehr ich Colin Firth für dessen sprachliches Talent auch bewundere, so wenig kam mir der Rest des Films oscarverdächtig vor.
Eine einfache Geschichte, schlicht (aber natürlich mit allem nötigen "Pomp") erzählt, getragen von überzeugenden Charakterdarstellern. Als Nicht-Brite habe auch ich es keineswegs bereut, mir den Film (da ich ihn im Kino verpasst habe) per Bluray zu Gemüte zu führen. Ob ich ihn nun aber jemals wieder aus dem DVD-Schrank nehmen werde, um ihn mir nochmal anzuschauen, wage ich - vom heutigen Standpunkt aus - stark anzuzweifeln.
Kurz: Es hätte genügt, sich den Streifen für einen Abend von der Videothek auszuleihen!
Meine Bewertung: 3 STERNE. Nicht schlecht, aber zugleich alles andere als überwältigend. Kann und will mich der allgemeinen Lobhudelei ganz einfach nicht anschließend. Tut mir leid, nichts für ungut...
(Und nun lasst Kritik über mich hereinbrechen...)
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