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Ein Desaster für Anfänger,
19. Februar 2010
Rezension bezieht sich auf: Einstieg in Objective-C 2.0 und Cocoa: inkl. iPhone-Programmierung mit dem SDK 3.0, m. DVD-ROM (Gebundene Ausgabe)
Leider gab es bei meiner Entscheidung, welches Objective-C-Buch ich zum Erlernen der Sprache erwerben möchte noch keine negative Rezension, so dass ich mich von den positiven leider habe in die Irre führen lassen. Denn ich kann die ganzen Lobhudeleien auf das Buch nicht nachvollziehen, nicht mal ansatzweise. Ich bin laut Beschreibung des Buches die Zielgruppe, also ein absoluter Anfänger was Objective-C angeht. Kein Anfänger bin ich dagegen im Computerbereich allgemein und speziell der Programmierung in verschiedenen Sprachen auf verschiedenen Betriebssystemen.
Und dafür bin ich extrem dankbar, denn sonst hätte ich das Buch an einigen Stellen frustriert in die Ecke geschmissen.
Zuerst einmal habe ich den Eindruck, dass die Autoren zuviel auf einmal in dem Buch unterbringen wollten, als gerade für Anfänger gut ist. Auch das im Buch benutzte Beispielprojekt wird einfach mit der Zeit viel zu komplex, so dass man gerade als Anfänger irgendwann nicht mehr weiß, was man etwas weiter vorne gemacht hat. Selbst nach mehrmaligem Lesen eines Kapitels hatte ich noch das Problem. Insbesondere, da das Projekt in den einzelnen Kapiteln nicht nur erweitert, sondern zuvor erstellte Komponenten teilweise komplett ersetzt/gelöscht werden.
Somit auch zum späteren Nachschlagen denkbar ungeeignet. Besser wäre es gewesen, kleine isolierte Beispielprojekte vorzustellen, maximal ein Projekt pro Kapitel. Größere Projekte zu programmieren, lernt man dann später besser in der Praxis oder in anderen Büchern für Fortgeschrittene.
Nachdem ich das Buch jetzt zu 80% durchgearbeitet habe, bin ich ungefähr so schlau wie zu Anfang. Es ist nicht viel hängengeblieben bei dieser totalen Informationsüberladung und extremer Frust macht sich breit.
Dazu kommen noch einige andere Dinge, die mich ärgern. Für Variablennamen im Text die Schriftart CapitalLetters zu wählen ist sowas von daneben - wie oft konnte ich wegen der Schriftart nicht richtig nachvollziehen, ob Variablennamen Großbuchstaben enthalten und wenn ja wo. Das hat beim Abtippen der Programme einige Male Fehler verursacht, die mich sehr viel Zeit gekostet haben. Da hätte man besser Courier als Schriftart verwendet.
Auch die Tatsache, dass zwei Autoren das Buch erstellt haben, tut selbigem nicht gerade gut. Man hätte sich wenigstens auf einen gemeinsamen Programmierstil einigen können. Der eine Autor benutzt geradezu krampfhaft deutsche Bezeichnungen, der andere verwendet englische. Beispiel: "passwort" im einen Programmcode, "password" im anderen. Das lädt geradezu zur Verwirrung und zu Fehlern ein.
Der eine Autor fängt Fehler sofort ab und verlässt die jeweilige Methode, der andere arbeitet beim Error-Handling mit verschachtelten if-Abfragen.
Einer erklärt lobenswerter Weise alles en detail, auch Dinge, die zuvor schon einmal behandelt wurden, dem anderen ist mit fortschreitendem Buch die wachsende Unlust anzumerken, anfängergerechte Erklärungen zu schreiben. Nach einigen Kapiteln konnte ich die Autoren recht genau auseinanderhalten.
Das verhilft jedoch nicht gerade zu einem flüssigen Lesen.
Dann kommen noch besondere "Schmankerl" für Personen wie mich dazu, die nicht nur Anfänger bzgl. Objective-C sind, sondern allgemein noch nicht lange unter MacOS arbeiten. Da wird das Beispielprojekt dazu benutzt, um Artikel in das Weblog-Programm "WordPress" zu schreiben. Schade nur, dass nirgendwo erwähnt wird, dass WordPress nicht standardmäßig auf dem Mac installiert ist und auch ein Link auf eine Seite fehlt, wo man eine vernünftige Installationsanleitung findet. Dass der im Beispielcode verwendete Autorenname und das Passwort natürlich mit denjenigen für WordPress übereinstimmen müssen, wird auch unterschlagen. Fazit: Trotz meiner Erfahrung im Software-Bereich einen halben Tag mit Installation, Fehlersuche und Anpassung von WordPress verschwendet.
Dann kommt mit dem Buch noch ein Code für eine Bonussektion auf der Webseite des Verlags einher. Wer erwartet, dort die Source-Codes aus dem Buch zu finden, wird bitter enttäuscht werden.
Auch gibt es dort keine kostenlose PDF-Version des Buches zum Download wie ich es sonst gewohnt bin. Nein, man kann dort für einen "Vorzugspreis" noch einmal separat die Online-Version des Buches erwerben. Nutzt mir nur leider gar nichts, wenn ich im Zug das Buch gerne mal auf meinem MacBook lesen möchte. Da müsste man dann noch extra einen UMTS-Stick nebst Vertrag erwerben, um die digitale Version des Buches auch wirklich nutzen zu können. Nicht mal markieren kann man den Text, um Code-Beispiele einfach in XCode kopieren zu können. Willkommen bei den deutschen hyper-paranoiden Verlagseierköpfen, die von der digitalen Welt null Ahnung haben. Gerade dieses Buch würde ich nicht mal gegen Bezahlung als illegale Kopie unter die Leute zu bringen.
Und als letztes haben wir noch das typisch deutsche Problem, dass 99 Prozent aller Software-Bücher in einem extrem trockenen Stil gehalten sein müssen, anscheinend um kompetent zu wirken. Insbesondere, wenn Autoren aus dem wissenschaftlichen Bereich stammen. Das hat das Lesen des Buches für mich zur Qual gemacht. Allerdings als Einschlafhilfe abends im Bett zu empfehlen.
Da lobe ich mir stattdessen einige der englischen "Head First"-Bücher.
Fazit: Für mich persönlich als jemanden der schon viele Software-Bücher gelesen hat, ist das Buch ein Desaster für Anfänger im Objective-C-Bereich. Ich werde in Zukunft weder auf Bücher des Verlags, noch der beiden Autoren zurückgreifen. Zu groß der Abschreckungseffekt dieses Buches. Zwei Punkte statt einem gibt es, weil die Code-Beispiele aus dem Buch soweit ich das bisher beurteilen kann ohne Fehler und lauffähig sind und das Beispiel-Projekt vom Aufbau her sehr gut durchdacht wäre, wenn es sich um ein Buch für Fortgeschrittene statt für Anfänger handeln würde.
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