Kundenrezension

51 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Wenn's aus dem Subtext immer lauter ruft..., 19. November 2009
Rezension bezieht sich auf: Die nervöse Großmacht 1871 - 1918: Aufstieg und Untergang des deutschen Kaiserreichs (Taschenbuch)
Leider kann ich die ausnahmslos sehr guten Kritiken der anderen Rezensenten nicht nachvollziehen. Ullrich liefert mit diesem Werk einen intellektuell bemantelten Abgesang auf das Kaiserreich, das zunächst vor allem im Subtext eine vorgefertigte negative Grundeinstellung gegenüber dem Kaiserreich erkennen lässt.

Bei aller berechtigten Kritik an bestimmten politischen Entscheidungen, sowohl unter Wilhelm I. als auch Wilhelm II., und der gesellschaftlichen Zustände, hat doch gerade die neuere Geschichtsforschung einen differenzierten Blickwinkel auf das Kaiserreich geschaffen. Leider berücksichtigt Ullrich solche Erkenntnisse nicht und singt wie viele andere die ewige Leier des angeblich rundherum rückständigen Kaiserreichs, das aus seiner Sicht quasi als historisches Brückenelement zwischen Preußen und dem Dritten Reich fungiert. Dies wiederum muss man gar nicht erst zwischen den Zeilen herauslesen, das wird dem Rezipienten explizit serviert.

Erfrischende und vor allem weitgehend wertneutrale Geschichtsschreibung wie bei Clark oder Osterhammel, Herren vom Fach, vermag Ullrich nicht zu liefern.
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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 13.12.2009 12:52:16 GMT+01:00
Hubert Kraill meint:
Um den deutschen Sonderweg zu bezweifeln, ist ein globalgeschichtlicher Ansatz (u.a. Osterhammel, auf dessen globalgeschichtlich-analytischen Ansatz Ullrich auf Seite 706 hinweist) dienlich. Um den deutschen Sonderweg zu untermauern, ist ein mentalitätsgeschichtlicher Ansatz dienlich. Ullrich unternimmt bei der Auswertung der historiographischen Literatur zum wilhelminischen Kaiserreich (folgend kurz "w.K.") und dessen Folgen einen Versuch der mentalitätsgeschichtlichen Analyse, durchaus auch an die longue durée anlautend. Das ist allerdings nicht im Subtext zu erorakeln, dazu muß der Metatext verstanden werden, das steht nicht zwischen, sondern quasi über den Zeilen.

Der Hinweis auf Clarke ist rätselhaft, da meiner Ansicht nach die Geschichte des wilhelminisch-kaiserlichen Deutschlands nicht die Geschichte Brandenburg-Preußens seit Joachim Friedrich darstellt, zwar die Geschichte des w. K. eine "Prussierung" Deutschlands nach der Staatsgründung zeichnet, dennoch eine Geschichte des w. K. nicht nur die einer, wenn auch der dominierenden, Provinz sein kann. Ebensogut könnte man die Geschichte Bayerns (ich erlaube mir an dieser Stelle ebenfalls auf einen "vom Fach": F. Prinz, hinzuweisen), welche ja ebenfalls keine so unwichtige ist, auch zur Kaiserszeit nicht, zur Gegendarstellung die keine sein kann, anführen.
Der Hinweis auf "neuere" Geschichtsforschung impliziert noch keine "richtigere" Geschichtsschreibung (Ullrich erläutert pointiert solche kontroversen Umstände im Bezug der "neueren" Literatur zur Kriegsschuldfrage auf den Seiten 721/722). Der so formulierte Hinweis auf neuere Geschichtsforschung, welche sich durch Differenziertheit kennzeichnen soll, ist durch die Suggestion polemisch, daß Sonderwegskritik eine Neuigkeit darstellt (Zitat: "... neuere Geschichtsforschung... geschaffen."), indessen bereits in der älteren Literatur von Leuten "vom Fach" (T. Nipperdey) Kritik an der Sonderweg-Theorie geäußert wurde, verschärft bis zur "Gegnerschaft" (E. Nolte).
Der Hinweis, daß eine Reihe von Leuten "vom Fach" durchaus die Ansicht des deutschen Sonderwegs vertreten, vulgo die ewige Leier singen (H.-U. Wehler, H. A. Winkler, W. J. Mommsen, u.a.) fehlt selbstredend.
Natürlich bleibt es jedem überlassen, Historiker, welche die eigene, private Meinung vertreten für visionäre Genies zu halten, und die anderen für das fossile Gegenteil.

So schreibt sich zweifellos jeder Leser, mit jedem gelesenen Geschichtswerk, seine eigene Geschichte im Kopf, ob in, über oder zwischen den Zeilen, unbeleckt von Quellen und Fakten. Ullrich jedoch, subtil-indirekt mit Hinweis auf Clark und Osterhammel, zu bezichtigen, daß er nicht "vom Fach" sei, ist zumindest gewagt, und untermauert eher eine typische, von Ullrich dargestellte tradierte Denkart, als diese Unterstellung seine Kompetenz zu diskreditieren vermag.
Und tatsächlich sagt der eine Stern mehr über den Rezipienten, als über Ullrichs Buch.

Veröffentlicht am 08.02.2010 21:36:12 GMT+01:00
K., Jan meint:
Ich habe das ebenso empfunden und wollte just in diesem Moment auch eine Rezension hier schreiben. Ihr Beitrag schildert die Schwäche des Werkes jedoch hinlänglich. Danke.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.10.2010 18:39:23 GMT+02:00
n meint:
Ich habe mir soeben überlegt ob ich das thematisieren soll, was sie in Ihrer Rezension - wie ich jetzt lese - treffend beschrieben haben. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Eine klare Stärke des Buches ist es aber, dass es wirklich sehr gut geschrieben und daher gut lesbar ist.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.08.2013 18:00:45 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.08.2013 18:01:05 GMT+02:00
Ich kann die Kritikpunkte des Rezensenten teilweise nachvollziehen, halte sein negatives Gesamturteil jedoch für maßlos überzogen; er verreißt schlichtweg das ganze Buch, man hat den Eindruck, er hat es nicht gründlich gelesen.
Ullrichs Ansatz zum Beispiel, die "Frauengeschichte" gesondert und vertiefend zu thematisieren, fehlte durchaus in den meisten Darstellungen zum Kaiserreich.
Auch den "deutschen Sonderweg" geht er durchaus differenziert an; ich kann außerdem nicht erkennen, dass ihn dieses sicherlich problematische Paradigma das Buch hindurch geleitet hat. Aber dass es gewisse Kontinuitäten gab, darf eigentlich niemand bezweifeln, der sich ernsthaft mit der deutschen Geschichte auseinandergesetzt hat.
Falls man jedoch dem Ansatz des Rezensenten konsequent folgt, ist man mit dem neuen Buch von Frank-Lothar Kroll (Der Weg in die Moderne) sehr gut bedient.
Hinweis an Hubert Kraill: Evtl. bezieht sich der Rezensent mit seinem Hinweis auf Clark auf dessen Wilhelm-Biographie (2009 immerhin schon auf englisch verfügbar)?
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