Kundenrezension

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5.0 von 5 Sternen Exquisite Peer Gynt-Suiten, 17. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Grieg: Peer Gynt Suites / Sibelius: Valse triste (MP3-Download)
Herbert von Karajan gab als Ziel seiner extrem eifrigen Aufnahmenarbeit oftmals an, er wolle, dass jeder die Chance habe zu vertretbaren Preisen die wichtigsten Werke der Klassischen Musik auf Platte, später auch auf VHS und CD zu besitzen. So gab es von bekanntesten Werken Vivaldis bis zu denen Schostakowitschs kaum Werke, die der Maestro im Lauf seines Schaffens nicht aufgenommen hat, viele davon auch mehrfach, nachdem sich Karajan vom technischen Fortschritt eine bessere Aufnahmequalität erhoffte (man denke nur an seine vier kompeletten Beethoven-Symphonien-Zyklen).

So dürfen natürlich auch die Peer-Gynt-Suiten nicht fehlen. Insbesondere die "Morgenstimmung" und "In der Halle des Bergkönigs" muss man fast als Evergreens der klassischen Musik bezeichnen. Mindestens eines der beiden Werke finden Sie auf jeder Sammlung der schönsten Melodien der klassischen Musik.

"Peer Gynt" ist ein Drama des Norwegers Henrik Ibsen, das dieser basierend auf norwegischen Märchen aus der Feder von Peter Christian Asbjörnsen verfasste. Ibsen wollte daraus ein Theaterstück machen und beauftragte den Norwegischen Komponisten Edvard Grieg (1843-1907) damit, die Musik dazu zu schreiben. 1876 war die Uraufführung. Grieg veröffentlichte 1888 und 91 die Suiten aus der Bühnenmusik.

Peer Gynt ist das was man früher einen Taugenichts und Prahler nannte. Er flüchtet vor seinem tristen Dasein in einer armseligen Behausung in die Welt der Trolle, Dämonen und ähnlichen Sagengestalten und erfindet Heldengeschichten über sich und seinen Vater, der, einstmals wohlhabend, Haus und Hof dem Alkohol geopfert hat. Er entführt Ingrid, die eigentlich einen anderen Mann heiraten sollte und verliebt sich wenig später in die tugendhafte Solvejg, die sich ihm zunächst verweigert.
30 Jahre später ist Peer durch Sklavenhandel zu Geld gekommen, verliert dies jedoch an seine Geschäftspartner, die ihn hintergehen und das Schiff mit seinen Reichtümern stehlen. Peer Gynt wendet sich Gott zu betet, woraufhin das Schiff versinkt. Er findet sich mit seiner Armut ab, muss vor wilden Tieren in die Wüste fliehen, erwählt unter den Eingeborenen die Jungfrau Anitra, die ihm allerdings nur noch das letzte was er besitzt stiehlt. Er landet im Irrenhaus. Alt und verarmt kehrt er heim, wo ihn Solvejg in der Schlussszene vor dem Tod rettet.

Ibsens Werk ist nicht nur mystisch und romantisch (das vielleicht sogar nur bei oberflächlicher Betrachtung), es ist im Grunde eine Abrechnung mit der bigotten Elite Norwegens. Griegs teilweise schwärmerische, teilweise hyperfröhliche Musik passte nicht wirklich zu Ibesens Aussageabsicht, so dass heute Bühnenmusik und Drama kaum mehr zusammen aufgeführt werden, was mindestens auch in Ibsens Sinn ist. So wird die Musik heute in der Regel als eigenständiges Werk aufgeführt.

Herbert von Karajan und die Berliner Philharmoniker beweisen viel Gespür für die Musik Griegs. Die Morgenstimmung wird farbenreich und ausdrucksstark gespielt. Das recht hohe Tempo verhindert, dass der Kitschfaktor übertrieben hoch wird. Bei Ases Tod (Peer Gynts Mutter) wählt Karajan ein sehr breites Tempo, was m.E. durchaus zum Stück passt. Anitras Tanz klingt feinfühlig und schön. "In der Halle des Bergkönigs" ist im ersten Teil adäquat rhythmisch und ebenfalls feinfühlig, das langsame Crescendo und Accelerando gelingt schön, der schnelle Teil ist ein herrlich wildes musikalisches Feuerwerk, von dem ich einige Aufnahmen kenne, aber keine, die sich mit dieser messen kann. Beim Brautraub hat Karajan wieder ein relativ breites Tempo was den Kontrast zum Allegro furioso-Teil auf eine für meinen Geschmack sehr adäquate Art erhöht. Der Arabische Tanz gelingt sehr schön, sowohl vom Instrumentenklang her als auch von der Akzentsetzung und Tempowahl. Bei "Peer Gynts Heimkehr" hätte ich gerne die Blechbläser etwas lauter und das Tempo vielleicht eine Spur höher. Die Holzbläser kommen allerdings sehr gut zur Geltung. Insgesamt könnte dieses Stück bei Karajan noch etwas mehr Feuer vertragen. Die Satzbezeichnung lautet "Allegro agitato", das setzt Neeme Järvi aus meiner Sicht z.B. besser um (wobei dessen Peer Gynt-Suiten insgesamt m.E. nicht mit Karajans mithalten können). Solvejgs Lied ist vielleicht etwas arg pathetisch geraten, vielleicht wäre eine Idee mehr Tempo angemessen, aber völlig unpassend ist Karajans Lesart sicherlich nicht.

Fazit: aus meiner Sicht exzellent gelungene Peer-Gynt Suiten.

Sibelius' Finnlandia klingt bei Karajan doch sehr wuchtig und pathetisch. Das mag vielleicht im Sinne des Komponisten gewesen sein. In der Karajan-Biographie von Richard Osborne ist zu lesen, dass Sibelius Aufnahmen seiner Musik durch Karajan kannte und lobte, mir persönlich gefällt die Lesart von Esa-Pekka Salonen beispielsweise besser, weil sie etwas beweglicher klingt und das Tempo nicht gar so getragen ist. Das gleiche gilt für den Valse Triste, wobei es hier nicht nur das Tempo ist, sondern auch die Feinfühligkeit im Umgang mit der Musik. Zum Schutz Karajans muss ich vielleicht sagen, dass mir die Aufnahmequalität beim Valse Triste ein wichtiger Faktor zu sein scheint. Ich weiß nicht, ob diese Aufnahme älter als die anderen hier eingespielten, aber bei keinem Stück höre ich das Rauschen so deutlich, was natürlich auch am Stück liegt, dass über weite weitestgehend im Pianissimo oder noch leiser zu spielen ist.

Insgesamt ragt ist diese CD in hohem Maße hörens- und empfehlenswert, insbesondere wegen der formidablen Leistung bei den Peer-Gynt-Suiten. Zwei der drei Sibelius-Stücke finde ich z.B. bei Salonen weitaus gelungener, beim dritten Stück habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten.
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