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2.0 von 5 Sternen Nicht die musikalische Klasse von Nevermore. Obacht., 24. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Praises to the War Machine (Audio CD)
Wer wie ich die Stimme und Ausdruckskraft – sowohl textlich als auch musikalisch – Warrel Danes liebt und dabei den letzten Nevermore-Opus The Obsidian Conspiracy vorliegen hat, dem sei hier ein kritischer Hinweis gegeben. Diese erste Zusammenarbeit mit Soilwork-Gitarrist/Schreiber und Produzent Peter Wichers zeigt Kinderkrankheiten, verwundert durch musikalische Nachlässigkeiten an zu vielen Ecken und Enden. Dieses Album lässt mich nun den immensen Sprung zu The Obsidian Conspiracy, der zweiten Arbeit mit Wichers, einsehen. Ich ziehe einen Vergleich:
1. Beim Nevermore-Album hat Danes Stimme unheimlich viel Raum und kann auch in den tieferen Lagen glänzen und schimmern, was eine produktionstechnisch smarte Idee war, denn Dane klingt nirgendwo anders so perfekt wie auf The Obsidian Conspiracy. Das liegt auch 2. an der strengen Auskomposition der Gesangsstimmen, deren melodische Linien auf absolute Effektivität gefeilt wirken und 3. in einen meisterhaften (das muss man so sagen) und geschmackvollen Refrain nach dem anderen sich ergießen können.
Drei Punkte die bei Praises to the War Machine überraschend mau ausfallen. Ich verweise dabei auf den damals vorab gehörten Song Messenger, ein Cut welchem davon, was Danes Musik genussvoll macht noch viel innewohnt: ein ausdrucksstarker Gesang mit überzeugender Linie sowie Refrain und zudem dramatisch plausibler, runder Physiognomie. Doch schon bei Obey – eigentlich ein interessanter Song, der mit Räumlichkeit und orientalischem Vibe spielt – bis hinein in die schwache Mitte des Albums zeigen sich Nachlässigkeiten in Danes Gesang. Dieser wirkt zuweilen ziellos, in der Intervallik flach und improvisiert, sprich kompositorisch ungefeilt. Bei Lucretia My Reflection präsentiert sich dieser dermaßen geduckt, fast nicht hörbar und hilflos undefiniert im Refrain. Auch dieser Song wirkt vom instrumentalen Background eigentlich solide: besonders der robuste Drumgroove unter straighter Achtelgitarrenwand erzeugt eine Sympathie schwedischer Art à la Katatonia‘s Brave Murder Day. Auch der Opener When We Pray leiht sich einen Katatonia-Groove (hier winkt der Song Evidence vom gerühmten Viva Emptiness) und überzeugt nebenbei als songstrukturell rundester Happen vom Album: kompakter A/B/A Aufbau, gewieftes Solo, Refrain, Aus. Viele andere Songs sind ideenlos hinten abgehackt, darunter leider Obey. Ich weiß nicht ob man hier Pop-Song-Kompaktheit erzwingen wollte oder so etwas wie Authentizität?
Letztere Frage auch beim Gesang, der wie angedeutet streckenweise improvisiert und gemurmelt auftritt – als hätte Wichers ein Mikro hingehalten als Dane auf der Couch lag und an einem Lied rumprobierte. Doch was ist mit der Komposition der Stimme los (?!), jene die Songs veredeln soll, was man auch erwarten darf bei einem Ausnahmesänger wie Dane. Es scheint er hatte einen langen schlechten Tag bei den Aufnahmen. Oder ein falsches Mikrofon? Man ist verwundert. Wie Kinderliedmotive, die aus dem Bauch rezitiert werden – ein Eindruck, unterstützt von Aneinanderreihungen von Taschenradioeffekten im Mix, und dies noch akkumulierendes, unhörbares Gesäusel bei gleich zwei Folgetracks: Let You Down und August. Auch hier ist es nicht Wichers an den Instrumenten, der nicht überzeugt: August ist gut geschrieben und belohnt mit druckvollen Riffhieben. Es fehlt jedoch beinahe jedem Song der ‚Wow-Effekt‘, ein richtiger C-Teil, ein Tonartwechsel, ein neues kontrastierendes Riff oder zumindest eine abhebende Bridge!?
Natürlich kann man hier auch die Frage nach der Zielgruppe eines solchen Albums stellen. Ich persönlich bevorzuge einen Twist oder interessanten Kontrast im Song, auch wenn ich hin und wieder einen stark geschriebenen, rund-vollmundigen Popsong wertschätze. Doch wer hört dieses Album nun voller Wonne? Mal ganz polemisch: für Pophörer ist’s zu heavy, für Rockhörer noch zu frickelig? Für Metaller zu C-Teil-arm, und dann für Nevermore-Hörer zu Warrel Dane-arm!? Für Kuschelrockhörer? Vielleicht. Doch auch dafür haben wir nicht die Perfektion einer Weichspülproduktion: Man nehme nur mal das balladeske Your Chosen Misery: wie kann man bei einer spezifisch eingesetzten, wahrscheinlich sanft-klingen-sollenden Akustikgitarre einen solchen Eröffnungstake in den Master gehen lassen, wo man mehr Plektrumgeräusche hört als Töne; hätte man nicht etwas Liebe in diesen Akustiksound stecken können, und in das Spiel?! So hat selbst dieser wiederum eigentlich vielversprechende Song einen amateurhaften Beigeschmack, und mal ehrlich, man höre bitte The Blue Marble and the New Soul von The Obsidian Conspiracy, ich denke das ist ein fairer Vergleich und zeigt die Entwicklung und den feinen Soundunterschied zwischen diesen beiden, der zweiten, und dieser ersten Kollaboration mit Wichers.
Einmal aus der fragwürdigen Albummitte raus hat Praises to the War Machine neben dem emotional geladenen, elegischen Brother noch eine positive Überraschung aufzuweisen: This Old Man. Hier klappt der Clean-Sound, weiß eine verregnete Atmosphäre zu weben und baut sich zu einem starken Song à la Killswitch Engage at its best auf. Man suggeriert hier, wen jene Band nach dem Ausstieg von Howard Jones ins Bot holen hätte können: Warrel Dane. Doch Spaß beiseite, die Gesangslinie ist ausdrucksvoll wie bei Messenger und Brother und Dane steht die Metalcore-angeliehene Soundumgebung erfrischend gut. Diese drei Songs bleiben allerdings die einzigen, wo man sich nicht bessere Performances zu wünschen gezwungen sieht und diesem Ausnahmesänger einfach genussvoll zuhören kann.
Ich werde das nicht strapazieren, aber fehlt uns hier ein Jeff Loomis, hatte jener den Finger drauf, wenn Dane Gesangslinien brachte, und rückte diesen charismatischen Sänger ins Licht? Eine naheliegende Theorie, wenn man um Loomis‘ akademisches Handwerkszeug sowie herausragendes musikalisches Ohr weiß und sich nun mit Praises to the War Machine beschäftigt; wo man bei Nevermore einiges nicht so ungenau hätte stehen lassen. Alles in allem ein unnötig schwächelnder Dane, so wie er sich hier auf Polycarbonat verewigt hat.
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Kommentare


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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 16.02.2014 19:50:43 GMT+01:00
Ah ja. Danke für diese Rezension.
Und wo bleibt jetzt der Spaß an der Musik?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.02.2014 20:15:17 GMT+01:00
Ja wie gesagt, der bleibt aus. Wirklich genießen kann ich bei wenigen dieser Tracks, wegen der auffallenden Schwächen. Ich lege The Obsidian Conspiracy ans Herz. Dort hat für mich der Spaß freie Bahn und bleibt nicht hinter ärgerlichen musikalischen Nachlässigkeiten zurück.

Veröffentlicht am 09.11.2014 16:30:26 GMT+01:00
Motoerheart meint:
Jessas, was für ein Roman ... :-)
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