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5.0 von 5 Sternen 25 Jahre Vergessen, 25 Jahre Erinnerung, 14. September 2010
Rezension bezieht sich auf: El secreto de sus ojos [Spanien Import] (DVD)
Vergessen ist eine Kunst, die dem Menschen nicht gegeben ist. Erinnern eine Macht, die ganze Leben bestimmt, indem sie das Vergangene stärker sein lässt als die Gegenwart. Vergessen ist das Prinzip, das von den Menschen auch in Südamerika, auch in Argentinien immer weider eingefordert wurde, um historisches Unrecht zu beseitigen ohne die Täter zu strafen. Nicht vergessen können ist ein Fluch, der deshalb heute noch über diesem Kontinent hängt. Dieser Film, El Secreto de sus ojos, ist ein Film über das nicht Vergessen können und die Macht der Erinnerung, und damit greift er ein latentes Thema des Kontinents auf. Er tut dies einfühlsam: In langsamen Rhythmus berichtet er von einem Mord, der mehrere Leben verändert: Das des Gerichtsangestellten Benjamin Esposito, den der Anblick eines Vergewaltigungsopfers in seinen Grundfesten erschüttert. Das des Mannes der Toten, Ricardo Morales, der sein Leben nur noch auf die Bestrafung des Täters ausrichtet. Das der Richterin und Vorgesetzten von Esposito, Irene, die unter anderen Umständen vielleicht die Kluft, die sie und Esposito trennen, überbrücken könnte.

Der Film beginnt mit Aufnahmen aus einem Zug heraus: Man sieht eine Abschiedsszene, eine Frau, die den Bahnsteig entlang hinter dem anfahrden Zug herrennt, Hände, die sich ein letztes Mal and der Scheibe berühren. Szenen aus einem Roman, den der pensionierte Esposito zu schrieben begonnen hat. Doch bleibt er in seinen Bemühungen immer bereits am Anfang stecken. Er enschliesst sich, zu dem Quellen zurückzukehren: Dem Gericht, in dem er lange gearbeitet hat. 25 Jahre, nachdem er Buenos Aires verlassen hat, kehrt er an diesen Ort zurück und trifft seine ehemalige Vorgesetzte, Irene. Und er erbittet von Ihr das Material eines Falls, den sie gemeinsam bearbeitet hatten: Den Fall Morales, den Fall eines Vergewaltigers und Mörders. Von diesem Moment an pendelt der Film zwischen Gegenwart und dem Jahr 1974. In der Gegenwart erlebt man einen nachdenklichen, der Vergangenheit verpflichteten Esposito: Einen Mann, der mit etwas nicht fertig ist. Im Jahr 1974 regieren die Peronisten, doch spielt dieser Hintergrund keine Rolle. Esposito ist ein junger Gerichtsangestellter, ein argentinischer Macho der gepflegter bürgerlichen Art. Ihn trennen Bildung und gesellschaftliche Verankerung von seiner Vorgesetzten Richterin, Irene. Trotzdem sie ihn dazu auffordert, sich um sie zu bemühen, bleibt er auf Distanz. Der Fall Morales schliesslich wird der Keil sein, der sich zwischen beide schiebt.

Die Ermittlungen im Fall sollen schnell abgeschlossen werden. Esposito jedoch entdeckt, dass die angeblich Schuldigen gefoltert und zum Geständnis gepresst wurden. Er legt Beschwerde ein, ihr wird stattgegeben. Damit kann er sich des Falls annehmen, doch handelt er unbesonnen. Irenen selbst wird den Fall schliessen. Doch Esposito findet keine Ruhe: Auf ihn macht der Mann der Ermordeten Eindruck, der jeden Abend auf einem anderen Bahnhof wartet, wo er den Mörder zu finden hofft. Unter diesem Eindruck sucht Esposito weiter - und er findet den Mörder. Doch kommt der dann Verurteilte fei: Der Richter, dem Esposito mit der Beschwere zu Leibe gerückt war, sorgt für die Entlassung, denn der Mörder erweist sich im Gefängnis als begabter Schnüffler für die Regierung. Nun ist Esposito in Gefahr. Schliesslich muss er fliehen. Der Abschied ist eben jene Szene, mit der der Film eröffnet wurde.

In der Gegenwart macht sich Esposito erneut auf die Suche. Er findet Morales, der sich mit seinem Leben abgefunden zu haben scheint. Doch nichts ist, wie es scheint: Morales hat ein finsteres Geheimnis, das den ganze Schrecken des Nicht-vergessen-könnens, in sich trägt. Gerechtigkeit wurde hergestellt - doch um welchen Preis! Der Film schliesst auf einem Wohlklang - eine Wohltat nach all den Enttäuschungen zuvor.

Möchte man den Film charakterisieren, so ist zuerst sein ruhiges Gleichmass zu nennen: Niemals wird der Film hektisch, auch nicht in den dramatischsten Momenten. Besonnen folgt die Kamera den Handelnden, sie vermeidet ungewohnte Perspektiven. Es ist der Blick eines Erzählenden. Für Humor sorgen der stets vorhandene verbale Machismo und ein Säufer, der gerade in seinen umnebelten Momenten den grössten Durchblick bewahrt. Gelungen auch das Set, das die Lebenswelten der Siebziger in Argentinien nahe bringt.

Ein gelungener Film, der zurecht den Oscar für den besten ausländischen Film erhielt. Ein Film voller Drama und Ruhe, Hass und Liebe in einem. Ein Film, an den man sich gerne erinnert.
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