Kundenrezension

42 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen würdiger Nachfolger, 25. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Wächter des Morgen: Roman (Broschiert)
4,6 von 5 Sternen
*Inhalt:*
Anton führt mittlerweile das Leben eines Familienvaters und versucht jetzt nicht mehr nur sein Gewissen sondern auch sein Familienleben in Einklang mit der Arbeit in der Nachtwache zu bringen. Eines Tages läuft ihm ein Junge über den Weg, den er als Propheten erkennt. Der Junge ist noch unerfahren, doch er ist bereits ins Visier eines Wesens geraten, das noch fast komplett unbekannt ist. Was will es vom Propheten und was genau besagt die erste Prophezeiung des kleinen Propheten, die sich um Anton dreht?

*Aufmachung/Qualität*
Die Aufmachung ist genial. Das Cover stimmt einen in die düstere Stimmung des Buches ein und ich liebe Raben. Die gesamte Reihe macht sich sehr gut im Regal, da die Bände in Größe und Design aufeinander abgestimmt sind. Hinten auf der Klappe gibt es Infos zum Schriftsteller und den Überblick über die Bände der Reihe.
Dieser Band ist typisch für die Wächterreihe in 3 'Geschichten' (ich würde eher Teile sagen) aufgeteilt, die jeweils mit einem Höhepunkt enden. Alle drei zusammen bilden aber erst die Lösung des großen Rätsels.
Die Qualität des Buches ist sehr gut. Der Einband ist schön flexibel, aber leider lassen sich Leserillen im Buchrücken selbst bei sorgfältigem Umgang nicht vermeiden.

*Meinung:*
Ich bin mit großen Erwartungen an das Buch herangegangen, da ich die Wächterreihe mit Begeisterung gelesen habe und nicht damit gerechnet hätte, dass noch ein Teil herauskommt. Wie erwartet fühlte ich mich sofort wieder mitten in die fantastische Welt von Lukiankos Wachen hineinversetzt.

Die Grundidee ist genial. Es gibt die Tagwache und die Nachtwache, die sich gegenseitig kontrollieren. Die Tagwache besteht aus Dunklen, die Nachtwache aus Lichten. Sinn und Zweck dieser Wachen ist es das Gleichgewicht zwischen diesen beiden mächtigen Gruppen aufrecht zu erhalten. Jede gute Tat, die die Lichten vollbringen, wird in einen Grad eingeteilt und somit bekommt die Dunkle Seite die Möglichkeit eine böse Tat des gleichen Grades durchzuführen. Und natürlich umgekehrt. Rettet die Lichte Seite also zum Beispiel ein Leben so darf die Dunkle Seite eines nehmen ohne bestraft zu werden. Auf der Lichten Seite gibt es hauptsächlich Magier, Propheten, Tierwesen... Auf der Dunklen Seite gibt es ebenfalls Magier, aber auch Vampire, Tiermenschen... Sie alle nennen sich Andere und jeder entscheidet für sich, ob er den Dunklen oder den Lichten zugehören will oder weiter ein Mensch bleibt, obwohl er die Anlagen zu einem Anderen hat. Natürlich gibt es auch noch die Menschen, die von alledem nichts mitbekommen. Bis hierhin könnte man noch sagen, naja so originell ist es nun auch wieder nicht, aber jetzt kommt noch etwas ins Spiel, das Zwielicht. Was das ist, möchte ich nicht verraten, da es gerade in diesem Band darum geht. Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass man unbedingt vorher die anderen Teile gelesen haben sollte. Ich glaube nicht, dass man sonst die ganzen Zusammenhänge versteht. Lukinanenkos Wächterwelt ist sehr komplex und politisch und man braucht das Vorwissen aus den anderen Teilen, um die Geschichte voll zu verstehen. In „Wächter des Morgen“ geht es hauptsächlich um einen 10 jährigen Propheten, der eine unvollständige Prophezeiung über Anton (die Hauptfigur) macht und damit ein Wesen heraufbeschwört, dass ihn jagt. Außerdem geht es wie schon in der gesamten Reihe wieder um Antons Selbstzweifel und seine Reflektion der Welt und der Politik.

Der Schreibstil von Lukianenko ist einzigartig und unverwechselbar. Es ist kein Buch das man einfach mal so locker flockig ließt. Der Autor regt einen ständig an mitzudenken, mit zu philosophieren und sich auch vielen Dinge zu merken. Das hält nicht nur die Spannung aufrecht, sondern man hat das Gefühl man tut auch richtig was. Im Vergleich zu den Vorgängerbänden wirkte dieser Teil noch gesellschaftskritischer, noch nachdenklicher und noch philosophischer. Streckenweise war das dann etwas anstrengend, obwohl ich dies sonst sehr mochte. Doch wenn Anton seitenlang über die Einrichtung eines Hotelbades sinniert kann es dann doch etwas zu viel des Guten werden. Das war der Grund für die 0,4 Punkte Abzug. Ein wenig kam es mir vor als wäre Lukianenko depressiver, verbitterter oder eben einfach nur noch nachdenklicher geworden seit er den letzten Teil der Reihe geschrieben hat. Der Schreibstil hat wirklich einen russischen Touch und wie eben schon erwähnt ist Lukianenko sehr gesellschaftskritisch. Darauf sollte man gefasst sein. Mir gefällt dies aber ganz besonders an dem Autor.

Die Spannung wurde nur durch die eben erwähnten etwas zu langen Passagen von Antons Zweifeln und Gedanken durchbrochen. Ansonsten fand ich das Buch spannend. Man will unbedingt wissen, was die Prophezeiung bedeutet, was dieses unbekannte Wesen ist, welches die Propheten jagt und wie sich Anton entscheidet. Die Figuren sind bei Lukianenko immer sehr nachdenklich, zwiegespalten und kaum einschätzbar. Es gibt bei ihm kein Gut und Böse und er versucht dies auch recht deutlich zu vermitteln. Das gefällt mir ungemein. Ich mag seine Denkweise. Es kommt immer wieder zu Wendungen mit denen man nicht rechnet und man wird wieder zum Grübeln über Personen angeregt, von denen man sich eigentlich schon ein Urteil gebildet hat. Das hält einen immer auf Trab beim lesen und führt zu dem Effekt, den ich unter dem Punkt „Schreibstil“ bereits erwähnt habe.

Die Emotionen sind hier nicht sehr tief. Was nicht negativ ist, denn das macht gerade diesen russischen Schreibstil aus. Trotzdem bindet man sich an die Charaktere und ihre Gefühle wirken echt. Es wird aber nie übertrieben. Man selbst fühlt aber mit und gerät in ein Auf und Ab der Gefühle, vor allem durch die unverhofften Wendungen.

Die Charaktere sind großartig, trotz ihrer Kühle. Da Lukianenko so viel wert auf Eigenreflektion und Gesellschaftskritik legt, vermittelt er dies durch Gespräche und Gedanken seiner Charaktere. So hat man das Gefühl die Leute wirklich zu kennen. Vor allem Anton ist ein ganz toller Hauptcharakter. Ein grundanständig Mensch, der vieles hinterfragt und sich auch selbst zur Rechenschaft zieht. Man nimmt ihm die Liebe zu seiner Tochter ab, ohne das der Autor sehr gefühlsbetonte Szenen verwenden musste. Einzig den enorm gesteigerter Alkohol- und Nikotinkonsum fand ich bedenklich – auch wenn der Autor dies eher kritisch einbringt. Anton wirkt immer etwas unglücklich, aber er ist im Laufe der Bände eindeutig gereift. Geser und Sebulon, die Oberhäupter der Nacht- und der Tagwache sind weiterhin meine Lieblingscharaktere der Reihe. Leider kam Sebulon dieses Mal kaum vor. Geser dagegen war wieder genauso geheimnisvoll und übermächtig wie sonst. Er weiß einfach wie er die Strippen zu ziehen hat – ein etwas 'böserer' Albus Dumbledore („Harry Potter“), dem man aber trotzdem abnimmt, dass er selbst seine kühlen und berechnenden Entscheidungen zum Wohle der Mehrheit trifft. Ich liebe einfach seine Szenen in den Büchern und wenn dann auch noch Sebulon, als offen egoistisches Gegenstück von Geser auftaucht, ist mein Glück perfekt. Swetlana und Nadja, Antons Familie spielt ebenfalls eine Rolle, vor allem aber Nadja. Man hat bei Lukianenko einfach das Gefühl, dass alles und jeder eine Bedeutung hat.

Das Ende war spannend, alles wurde aufgeklärt, alle Verwirrungen entwirrt und die Geschichte ist abgeschlossen. Trotzdem könnte ich mir vorstellen, dass Lukianenko noch etliche weitere Geschichten in dieser Welt spielen lassen könnte, ohne das es mir langweilig werden würde.

Grundidee 5+/5
Schreibstil 4,5/5
Spannung 4,5/5
Emotionen 4/5
Charaktere 5+/5

*Lesergruppe:*
Ich würde diese Reihe jedem empfehlen. Man sollte sich nur auf gesellschaftskritische Inhalte einstellen können und natürlich Fantasy mögen. Außerdem glaube ich, dass nur Erwachsene den vollen Gehalt dieses Buches verstehen. Sehr vielen wird zwischen den Zeilen vermittelt und der eher nüchterne Schreibstil liegt Erwachsenen ebenfalls deutlich besser. Es gibt hier kaum Gewaltszenen und jegliche Anspielungen auf Themen für Erwachsene werden nur angedeutet und sehr geschickt in die Handlung eingebaut. Ich wage mal anzunehmen, dass eine junge Leserschaft diese glatt überlesen würde. Meine Hand lege ich dafür aber nicht ins Feuer.

Wer die Filme zu den ersten beiden Teilen kennt und sie nicht gut fand, dem möchte ich sagen, dass es mir auch so ging. Die Bücher sind aber sehr viel besser und können inhaltlich kaum mit den Filmen verblichen werden. Ganz entscheidende Handlungen wurden abgeändert, so das der Film laut meiner Einschätzung gerade mal 30% mit dem Buch übereinstimmt. Lasst euch also bitte nicht von den Filmen abschrecken.

*Fazit:*
4,6 von 5 Sternen
Dieser Band ist eine großartige Überraschung für mich gewesen. Es ist ein würdiger Nachfolger, obwohl Anton leider etwas zu nachdenklich geworden ist und stellenweise etwas zu deprimiert wirkt. Die wenigen Stellen, die etwas zu langatmig geraten sind, wurden durch Spannung und eine für Lukianenko typische verworrene und trotzdem verständliche Handlung ausgeglichen. Der Band war wieder herrlich gesellschaftskritisch und regte zum Nachdenken an. Jeder der auch nur einen wenig Fantasy mag, sollte die Wächterreihe von Lukianenko lesen!

Reihe:
Wächter der Nacht
Wächter des Tages
Wächter des Zwielichts
Wächter der Ewigkeit
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 19.02.2013 16:44:30 GMT+01:00
Danke für diese ausführliche Rezension! Äußerst umfangreich und lesenswert!
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