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Fünf Sterne für die Originalversion, 14. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Jungen von der Paulstraße (+ CD) (DVD)
Ich weiß nicht, was sich die Verantwortlichen dabei gedacht haben, einen Film, der im Original 180 Minuten lang ist, auf sage und schreibe 90 Minuten (!?) zu kürzen, und dabei die wichtigsten Szenen des Filmes und der Geschichte wegzuschneiden. Die ersten 25 Minuten fehlen gänzlich. (?) Hier kann ich mir persönlich eigentlich nur zwei Gründe vorstellen. Erstens; der unglaublich realistische Leidenskampf unseres kleinen sterbenskranken Hauptdarstellers und Helden - Nemecsek - war für unsere saubere und zart behütete Vorzeigeseele der Deutschen Fernsehindustrie - bei der es ohnehin so gut wie keine Tabuthemen geben darf, weil sie in unserer regelmäßig so makellos gelobhudelten und fehlerlosen Deutschen Gesellschaft nicht existieren, oder besser gesagt nicht existieren dürfen - doch etwas zu viel des Guten. Oder Zweitens; man wollte einen der größten Deutschen Schauspieler, der in diesem Drama eigentlich nur eine Nebenrolle spielt, aus wirtschaftlichem Kalkül zu einem Hauptdarsteller küren, um den Film besser verkaufen zu können, denn alle Mario-Adorf-Szenen sind uneingeschränkt vorhanden. Obwohl der Film, wie vielerorts kritisiert, sich nicht hundertprozentig an die Buchvorlage hält, und die Macher eine sehr moderne Version von Ferenc Molnárs legendärem Roman - Pál Utcai Fiúk - produzierten, bei dem sie auch einige Kontexte einbauten, die überhaupt nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun haben, ist dieser Film im Original ein sehr guter und lehrreicher, aber vor allem emotional unglaublich ergreifender und aufwühlender Film über moralische Werte und Tugenden einerseits, und die Sinnlosigkeit verfeindeter und kriegerischer Bandenrivalitäten andererseits. Genau diese authentische Dramatik geht mit dieser radikalen Kürzung vollständig verloren, zumal unser kleiner Hauptdarsteller zum Nebendarsteller mutiert, und der Zuschauer in dieser Version nur rudimentär erfährt, welchen Mut und welche Aufrichtigkeit dieser Junge über 180 Minuten an den Tag legte. Der Zuschauer erhält mit dieser Kurzfassung eine gut geschönte und auf typisch Deutsch getrimmte Fernsehunterhaltung nach dem Motto: "Zeig das bloß nicht!" Insofern hätte man auch die letzten zehn Minuten des Filmes wegschneiden können, denn diese retten den Film nur ein wenig in Richtung "Gut", genauso wie die beigefügte CD mit der Filmmusik. Wer also Ungarisch oder Italienisch kann, dem empfehle ich die Originalversion zu kaufen, und sich 180 Minuten einem emotionalen Strudel der Gefühle auszusetzen, die teilweise auch das Leiden eines mitteleuropäischen Volkes widerspiegelt.
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Die Jungen von der Paulstraße (+ CD) B000DZ7W8K
Mario Adorf
MCP Sound & Media AG
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Fünf Sterne für die Originalversion
Ich weiß nicht, was sich die Verantwortlichen dabei gedacht haben, einen Film, der im Original 180 Minuten lang ist, auf sage und schreibe 90 Minuten (!?) zu kürzen, und dabei die wichtigsten Szenen des Filmes und der Geschichte wegzuschneiden. Die ersten 25 Minuten fehlen gänzlich. (?) Hier kann ich mir persönlich eigentlich nur zwei Gründe vorstellen. Erstens; der unglaublich realistische Leidenskampf unseres kleinen sterbenskranken Hauptdarstellers und Helden - Nemecsek - war für unsere saubere und zart behütete Vorzeigeseele der Deutschen Fernsehindustrie - bei der es ohnehin so gut wie keine Tabuthemen geben darf, weil sie in unserer regelmäßig so makellos gelobhudelten und fehlerlosen Deutschen Gesellschaft nicht existieren, oder besser gesagt nicht existieren dürfen - doch etwas zu viel des Guten. Oder Zweitens; man wollte einen der größten Deutschen Schauspieler, der in diesem Drama eigentlich nur eine Nebenrolle spielt, aus wirtschaftlichem Kalkül zu einem Hauptdarsteller küren, um den Film besser verkaufen zu können, denn alle Mario-Adorf-Szenen sind uneingeschränkt vorhanden.
Obwohl der Film, wie vielerorts kritisiert, sich nicht hundertprozentig an die Buchvorlage hält, und die Macher eine sehr moderne Version von Ferenc Molnárs legendärem Roman - Pál Utcai Fiúk - produzierten, bei dem sie auch einige Kontexte einbauten, die überhaupt nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun haben, ist dieser Film im Original ein sehr guter und lehrreicher, aber vor allem emotional unglaublich ergreifender und aufwühlender Film über moralische Werte und Tugenden einerseits, und die Sinnlosigkeit verfeindeter und kriegerischer Bandenrivalitäten andererseits.
Genau diese authentische Dramatik geht mit dieser radikalen Kürzung vollständig verloren, zumal unser kleiner Hauptdarsteller zum Nebendarsteller mutiert, und der Zuschauer in dieser Version nur rudimentär erfährt, welchen Mut und welche Aufrichtigkeit dieser Junge über 180 Minuten an den Tag legte. Der Zuschauer erhält mit dieser Kurzfassung eine gut geschönte und auf typisch Deutsch getrimmte Fernsehunterhaltung nach dem Motto: "Zeig das bloß nicht!" Insofern hätte man auch die letzten zehn Minuten des Filmes wegschneiden können, denn diese retten den Film nur ein wenig in Richtung "Gut", genauso wie die beigefügte CD mit der Filmmusik.
Wer also Ungarisch oder Italienisch kann, dem empfehle ich die Originalversion zu kaufen, und sich 180 Minuten einem emotionalen Strudel der Gefühle auszusetzen, die teilweise auch das Leiden eines mitteleuropäischen Volkes widerspiegelt.
Alexander Hoefer "Animus"
14. November 2011
- Insgesamt:
5

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Ort: Pähkinäkolo
Top-Rezensenten Rang: 278
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