Kundenrezension

8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Liebesgeschichte mit Ecken und Kanten, 15. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Genug gesagt (DVD)
Nein, es ist noch nicht genug gesagt über diese kleine Filmperle, die anscheinend fast unbeachtet im Kino lief, immerhin einer der letzten Filme des zu früh verstorbenen "Soprano" James Gandolfini.
Die geschiedene attraktive Mittvierzigerin Eva (Julia Louise Dreyfus, die Elaine aus "Seinfeld"), alleinerziehende Mutter einer achtzehnjährigen Tochter, arbeitet als Masseurin. Etwas besorgt sieht sie ihrer Zukunft entgegen, da die Tochter nun ausziehen wird, um aufs College zu gehen. Ein neuer Mann an ihrer Seite scheint nicht in Sicht. Auf einer Party, zu der sie ihre Freundin Sarah (Toni Collette) mitgeschleppt hat, trifft sie die interessante Dichterin Marianne (Catherine Keener) und den geschiedenen Albert (James Gandolfini), dessen ebenfalls achtzehnjährige Tochter bald das Nest verlassen wird. Während Marianne bald nicht nur eine von Evas besten Kundinnen, sondern auch ihre beste Freundin wird, entwickelt sich zwischen ihr und Albert vorsichtig eine zarte Romanze. Freundin Sarah lebt in einer erkalteten Beziehung zu ihrem Mann (sicheres Anzeichen für ihre Unzufriedenheit: pemanentes Umdekorierung ihres Hauses, kleine, gemeine Wortgefechte) und chattet regelmäßig mit Eva, wenn sie gerade keine "Kunden" hat (sie ist Psychologin). Die wortgewandte Marianne nimmt Eva mit ihrer pessimistischen Sicht auf Mann-Frau-Beziehungen vollkommen für sich ein. Langsam zweifelt sie an ihren Gefühlen für Albert. Ist er wirklich der Richtige?
Der Film hält sehr gut die Balance zwischen witizgen Randbeobachtungen über das chaotische Leben einiger Fortysomethings (die Knaller-Pointe in der Mitte des Films soll natürlich nicht verraten werden) und einer zutieftst melancholischen Betrachtung über die (scheinbare?) Unmöglichkeit, den richtigen Partner zu finden. Es ist herzzerreißend, wie sich zunächst Eva und Albert trotz vermeintlicher Barrieren zusammenraufen und eine gemeinsame Zukunft planen und Eva dann angesichts der vergifteten Analysen von Marianne Albert plötzlich anders sieht, seine Schwächen stärker wahrnimmt als seine Liebenswürdigkeit. Sie wird ihn vor anderen bloßstellen, das kann nicht gut gehen. "Du hast mein Herz gebrochen." wird er ihr sagen, was besonders berührt, weil er so ein Bär von einem Mann ist und kein kleines Würstchen.
Ganz eindeutig ist der Film für ein erwachsenens Publikum gedacht, die Probleme der beiden Töchter werden erwähnt, aber sie nehmen eher einen geringeren Teil des Films an, es wird also nicht versucht, krampfhaft ein junges Publikum zu bedienen. Als quirlige Quasselstrippe ist Dreyfus kongenial besetzt, in den etwas stilleren Momenten hätte ich mir aber etwas mehr Zurückhaltung gewünscht. Für Komik ist gerade im ersten Teil reichlich gesorgt. Eva versteht sich besonders gut mit der Freundin ihrer Tochter, was sowohl bei ihrer Tochter als auch bei der Mutter der Freundin für Eifersucht sorgt. Bei einem Brunch trägt Albert zur Überraschung Evas eine Pyjamahose, die etwas verrutscht und sein bestes Teil zeigt. Nach großer Verlegenheit bricht er das Eis mit der Frage, ob dieser denn wenigstens ihr Wohlgefallen gefunden habe. Die Ehe von Sarah scheint zerrüttet zu sein, an eine Trennung denken beide aber nicht und obwohl Sarah Psychologin ist (aber bei eigenen Gefühlen spielt das wahrscheinlich keine Rolle) provoziert sie nicht selten ihren Mann. Zu ihrem Exmann hat Eva wenig Kontakt. Obwohl ein Treffen alte Wunden wieder aufreißt, verstehen die beiden es, sich für den Abschied von der gemeinsamen Tocher zusammenzureißen und sich -angesichts dieser Tochter- einzugestehen, dass sie wenigstens EINES richtig gemacht haben. Das Ende bleibt hoffnungsvoll.
James Gandolfini konnte die Dreharbeiten beendet, er starb während eines Italienurlaubs, als der Film in der Postproduktion steckte. Die Widmung "For Jim" am Ende des Films verweist darauf. Obwohl ich Gandolfini bisher nur in Gangsterrollen kannte, hat er mich als romantischer Liebhaber (natürlich mit Ecken und Kanten) vollkommen überzeugt, das wäre ein wunderbarer Imagewandel gewesen. Traurig, traurig.

Fazit: Witzig, melancholisch, herzzerreißend - knapp am ganz großen Wurf vorbei.
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 27.03.2014 12:16:18 GMT+01:00
Martin Püsch meint:
Hi,

Schöner Text zu einem Film, den ich mir irgendwann sicher auch mal ansehen werde, schon allein wegen James Gandolfini. Big Jim war ein Ausnahme-Mime. Sein Tony Soprano in der TV-Serie "Die Sopranos" ist eine Performance für die Ewigkeit, aber er konnte nicht nur Gangster spielen. Auch ganz normale Durchschnitts-Typen hatte er unverwechselbar drauf, wie in "Zivilprozess" an der Seite von John Travolta. Was immer Gandolfini gespielt hat, hat er so gespielt, dass du als Zuschauer stets das Gefühl hattest, dass er der absolut einzige Schauspieler auf diesem Planeten war, der diese Rolle so spielen konnte. Und nun ist er von uns gegangen. Wie du schon geschrieben hast: Traurig, traurig...

LG Martin

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.03.2014 21:26:31 GMT+01:00
christine meint:
Hallo Martin,
Danke für nette Rückmeldung. Den "Zivilprozess" kenne ich noch nicht, werde ihn mir mal auf die Agenda setzen.
LG, Christine
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