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Schon jetzt ein Jahreshighlight..., 29. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Stadt der Diebe (Gebundene Ausgabe)
Ein Opa der vom Krieg erzählt, genauer gesagt vom Winter 42, das scheint auf den ersten Blick nicht wirklich neu und verheißt die Wiederholung von schon oft gehörten bzw. gelesenen Kriegserlebnissen. Doch der Schein trügt: David Benioff hat mit diesem Roman eine erstaunliche und ungewöhnliche Geschichte zu erzählen, die mich absolut begeistert hat. Es ist unklar, ob der Opa all das, wovon Benioff schreibt, tatsächlich erlebt hat, gibt er doch auf Fragen seines schreibblockierten Enkels die Antwort: "Du bist der Schriftsteller: denk dir was aus!" - Doch egal, ob Realität oder Fiktion, dass, was der Autor dann zu Papier bringt, ist ein skurriles und spannendes Abenteuer, das von der Unterschiedlichkeit seiner beiden Protagonisten lebt. Der siebzehnjährige jüdische Junge Lew wird wegen Plünderns verhaftet und trifft im Gefängnis auf den redegewandten Soldaten Kolja, der als Deserteur eigentlich ebenso wie Lew mit der Todesstrafe zu rechnen hat. Doch beide sind für einen Spezialauftrag vorgesehen: Sie sollen in der belagerten Stadt, in der die Menschen verhungern und in der selbst Erde in die geschmolzener Zucker getropft ist, teuer verkauft wird, ein Dutzend Eier für die Hochzeit der Tochter eines Oberst besorgen. Der Lohn für diesen fast unmöglich scheinenden Auftrag ist ihr Leben und so begeben sich die beiden auf eine lange und abenteuerliche Suche. Leningrad, die Stadt, in der der Kampf ums Überleben teilweise erschreckende Formen angenommen hat, in der es keine Tiere mehr gibt, weil alles Essbare mittlerweile gegessen wurde, und in der sich langsam Kannibalismus ausbreitet, bildet die Kulisse für das Abenteuer der beiden jungen Männer. Gesellschaftliche Strukturen existieren nicht mehr, es herrschen Chaos und Anarchie und jeder ist sich selbst der Nächste. Immer deutlicher wird die Unmöglichkeit ihres Auftrages und immer näher rückt der Termin für die Übergabe der Eier... Der Autor hat mit einer Mischung aus Spannung, Humor und Zwangsgemeinschaft zweier komplett unterschiedlicher Charaktere, einen unterhaltsamen und fesselnden Roman geschaffen. Auch bei grausamen Szenen, bei denen die Auswirkungen des Krieges bewusst gemacht werden, findet sich kein moralischer Zeigefinger, versucht Benioff nicht zu belehren, sondern streut geschickt Humor ein und nimmt so der Handlung immer wieder die Agonie, in die sie abgleiten könnte - da verzeiht man die stellenweise Vorhersehbarkeit des Ganzen und genießt einfach Opas "andere Kriegsgeschichte". Fazit: Gleich zu Jahresbeginn ein Buch, dass sich von anderen Neuerscheinungen abhebt und das mir wegen seiner gelungenen Mixtur aus Abenteuer, Humor und Wärme sehr gut gefallen hat. 5 von 5 Sternchen dafür.
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Stadt der Diebe 3896673947
David Benioff
Karl Blessing Verlag
Stadt der Diebe
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Schon jetzt ein Jahreshighlight...
Ein Opa der vom Krieg erzählt, genauer gesagt vom Winter 42, das scheint auf den ersten Blick nicht wirklich neu und verheißt die Wiederholung von schon oft gehörten bzw. gelesenen Kriegserlebnissen. Doch der Schein trügt: David Benioff hat mit diesem Roman eine erstaunliche und ungewöhnliche Geschichte zu erzählen, die mich absolut begeistert hat. Es ist unklar, ob der Opa all das, wovon Benioff schreibt, tatsächlich erlebt hat, gibt er doch auf Fragen seines schreibblockierten Enkels die Antwort: "Du bist der Schriftsteller: denk dir was aus!" - Doch egal, ob Realität oder Fiktion, dass, was der Autor dann zu Papier bringt, ist ein skurriles und spannendes Abenteuer, das von der Unterschiedlichkeit seiner beiden Protagonisten lebt. Der siebzehnjährige jüdische Junge Lew wird wegen Plünderns verhaftet und trifft im Gefängnis auf den redegewandten Soldaten Kolja, der als Deserteur eigentlich ebenso wie Lew mit der Todesstrafe zu rechnen hat. Doch beide sind für einen Spezialauftrag vorgesehen: Sie sollen in der belagerten Stadt, in der die Menschen verhungern und in der selbst Erde in die geschmolzener Zucker getropft ist, teuer verkauft wird, ein Dutzend Eier für die Hochzeit der Tochter eines Oberst besorgen. Der Lohn für diesen fast unmöglich scheinenden Auftrag ist ihr Leben und so begeben sich die beiden auf eine lange und abenteuerliche Suche. Leningrad, die Stadt, in der der Kampf ums Überleben teilweise erschreckende Formen angenommen hat, in der es keine Tiere mehr gibt, weil alles Essbare mittlerweile gegessen wurde, und in der sich langsam Kannibalismus ausbreitet, bildet die Kulisse für das Abenteuer der beiden jungen Männer. Gesellschaftliche Strukturen existieren nicht mehr, es herrschen Chaos und Anarchie und jeder ist sich selbst der Nächste. Immer deutlicher wird die Unmöglichkeit ihres Auftrages und immer näher rückt der Termin für die Übergabe der Eier...
Der Autor hat mit einer Mischung aus Spannung, Humor und Zwangsgemeinschaft zweier komplett unterschiedlicher Charaktere, einen unterhaltsamen und fesselnden Roman geschaffen. Auch bei grausamen Szenen, bei denen die Auswirkungen des Krieges bewusst gemacht werden, findet sich kein moralischer Zeigefinger, versucht Benioff nicht zu belehren, sondern streut geschickt Humor ein und nimmt so der Handlung immer wieder die Agonie, in die sie abgleiten könnte - da verzeiht man die stellenweise Vorhersehbarkeit des Ganzen und genießt einfach Opas "andere Kriegsgeschichte". Fazit: Gleich zu Jahresbeginn ein Buch, dass sich von anderen Neuerscheinungen abhebt und das mir wegen seiner gelungenen Mixtur aus Abenteuer, Humor und Wärme sehr gut gefallen hat. 5 von 5 Sternchen dafür.
Eskalina
29. Januar 2009
- Insgesamt:
5

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Ort: Hannover
Top-Rezensenten Rang: 135
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