Kundenrezension

222 von 240 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Genau hinschauen!, 10. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Marina: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Marina" ist ein guter Roman: spannend, mitreißend und geheimnisvoll erzählt er mehr als nur eine Liebesgeschichte. Doch "Marina" ist nicht das, was ich erwartet habe.
Im Vorwort zu diesem Roman spricht Zafón davon, dass dieses Buch sein liebstes sei, dessen Veröffentlichung ihm aber den meisten Verdruss beschert habe, da aus ihm etwas gemacht werden sollte, was es nicht war. Gerade im Hinblick darauf sollte man doch meinen, dass es wichtig ist, einen aussagekräftigen Klappentext zu entwerfen, der keine falschen Erwartungen beim Leser schürt. Zwar kann man dem Klappentext der aktuellen Ausgabe nicht nachsagen, er sei falsch, doch lässt er eben eine wichtige Komponente weg, die den Roman für mich in ein ganz anderes Licht rückt. "Marina" ist eben mehr als die Geschichte einer besonderen Freundschaft und Liebe, denn die Komponente, von der ich schrieb, ist Grusel und Horror, was ich schlichtweg nicht erwartet hatte. Liest man den Klappentext erneut, nachdem man den Roman beendet hat, spürt man Andeutungen dieses Spuks zwischen den Zeilen, aber ohne dieses Wissen habe ich vor der Lektüre nichts davon wahrgenommen. Insgesamt hatte ich ein erwachseneres Buch erwartet und keins, was auf der Schwelle zwischen Jugendbuch und erwachsenem Roman liegt, ohne sich recht entscheiden zu können, wo es hingehört.

Jedoch, losgelöst von meinen persönlichen Erwartungen, hat dieser Roman mir gefallen. Er erzählt die Geschichte des 15-jährigen Óscars, Schüler eines Internats in Barcelona, der auf seinen Streifzügen durch alle Ecken der Stadt auf die gleichaltrige Marina trifft. Sie und ihr Vater Germán leben allein und zurückgezogen in einer großen Villa, an der der Zahn der Zeit schon lange nagt. Sie nehmen ihn auf in ihre kleine Familie und er wird Zeuge von Germáns Anfällen von Müdigkeit, die mit einer nicht näher benannten Krankheit einhergehen. Óscar wird Marinas bester und einziger Freund und gemeinsam werden sie in ein Abenteuer hineingerissen, das Ausmaße annimmt, die mit menschlichen Maßstäben nicht mehr zu ermessen sind. Sie stochern in der Vergangenheit eines der ehemals reichsten Männer der Stadt, der schon seit vielen Jahren tot ist. Viele Menschen erzählen ihnen die Geschichte dieses Michail Kolweniks, doch jeder erzählt sie anders. Als die beiden dann der Wahrheit auf die Spur kommen, ist sie ganz anders, als sie sich je hätten träumen lassen...

Man muss sich unbedingt bewusst machen, dass "Marina" kein realistischer Roman ist und auch mehr als nur eine kleine geheimnisumwobene Nuance besitzt. Dieser Roman konfrontiert einen mit zu neuem Leben erweckten Toten und ist daher ganz anders anzugehen als die beiden Romane "Der Schatten des Windes" oder "Das Spiel des Engels". Ich verorte ihn eher bei seinen Jugendbüchern, wenn auch etwas blutiger und mit mehr Tiefgang ausgerüstet. Ein Lesevergnügen, wenn man weiß, worauf man sich einlässt.
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 11.04.2011 05:58:59 GMT+02:00
Hallo Ailis,

beim "Spiel des Engels" kann man aber auch nicht von einem realistischen Roman sprechen, ist doch das Übersinnliche deutlich vertreten und von Anbeginn zu spüren (Die Nacht im Bordell, das Ende). Und auch in den Vorgänger-Romanen (Der Nebel-Trilogie um Der Fürst des Nebels: Roman) ist das Gruslige, der Horror allgegewärtig.
So gesehen wusste ich schon, worauf ich mich einlasse...

Gruß
IC

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.04.2011 10:15:11 GMT+02:00
Ailis meint:
Hallo IronCrane,

gegen diese kleine Nuance des Geheimnisvollen habe ich auch nichts einzuwenden, die erwarte ich bei Zafón immer, aber bei "Marina" ist es schon eine Spur derber, wie ich finde.
Sie haben natürlich recht, realistisch ist "Das Spiel des Engels" auch nicht, aber es ist in meinen Augen kein Gruselroman, was ich von "Marina" nicht behaupten kann.
Ich hatte ein erwachseneres Buch erwartet, keinen Jugendroman. Aber losgelöst davon konnte ich die Lektüre sehr genießen. :)

LG
Ailis

Veröffentlicht am 12.12.2012 23:20:08 GMT+01:00
Denara Mars meint:
Gefällt mir sehr gut, diese Rezension. Mir hat das Buch nämlich aus diesen Gründen nicht so gut gefallen - es ist eher ein Jugendbuch und diese Grusel- und Horrorszenarios habe ich irgendwann übersprungen. Aus diesem Romanstoff hätte Ruiz mehr machen können. Die blumige Sprache ist auch nicht mein Ding. Von mir eher 2 als 3 Punkte.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.05.2014 15:16:12 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 26.05.2014 15:17:17 GMT+02:00
Michel S meint:
man kann Zafons Romane meines Erachtens gar nicht als realistisch einordnen; denn der Friedhof der vergessenen Bücher kann kaum real sein, müsste er von der, durch die Beschreibungen, ableitbaren Ausmaße größer sein als Barcelona selbst.

Hier wie in der Schatten-Engel-Himmel-Triologie geht es meines Erachtens darum, fantasy-artige Vorkommnisse in den "normale" spanischen Alltag einzuarbeiten; ein ungewöhnlicher Ansatz, der für mich aber funktioniert.
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