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Kundenrezension

19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es lebe das Mikrophon: Gelungenes Debüt zum Stasiapparat in der DDR., 9. November 2006
Rezension bezieht sich auf: Das Leben der Anderen (DVD)
Bis vor kurzem herrschte noch eine „Ostalgie“-Welle im Kino und im bundesdeutschen Privatfernsehen. Da durften Kati Witt und Henry Maske von den „guten alten Tagen“ in vorab gedrehten Studioshows schwärmen und sich beweihräuchern lassen. Wem das noch nicht peinlich genug war, der konnte sich in den heimischen Kinosälen die Militärposse NVA zu Gemüte führen. Wie niveauvoll waren da doch Sonnenallee und Good bye Lenin. Bei beiden Filmen konnte der Zuschauer herrlich über die DDR und ihre Bewohner lachen. Doch Das Leben der anderen begibt sich auf gänzlich andere Pfade und zeigt uns zum ersten Mal auch die düstren Seiten des Überwachungsstaates.

Ostberlin, 1985, Uraufführung eines neuen Stückes von Theaterautor Georg Dreymann (Sebastian Koch). Seine Lebensgefährtin Christa-Maria Sieland (Martina Gedeck) spielt die Hauptrolle. Im Publikum sitzen auch drei Herren, die nicht wegen des künstlerischen Anspruchs die Aufführung besuchen, sondern eher an ihrer politischen Korrektheit interessiert sind: Stasi-Hauptmann Wiesler (Ulrich Mühe), sein Freund und Vorgesetzter Grubitz (Ulrich Tukur) und Minister Hempf (Thomas Thieme). Alles - das Stück, der Autor, seine Hauptdarstellerin - alles scheint perfekt. Da wird man misstrauisch und kurzerhand übernimmt Wiesler den OV, den „operativen Vorgang“. Das heißt im Klartext: Dreymanns Wohnung wird in seiner Abwesenheit verwanzt und verkabelt. Auf dem Dachboden des Mietshauses richtet sich der Spitzel seine Zentrale mit allem nötigen technischen Equipment ein. Doch schon bald kristallisiert sich heraus, dass Dreymann auch hinter verschlossenen Türen das System verteidigt und der Hintergrund für diese Abhöraktion ein ganz anderer ist, als Wiesler vermutet hat. Ihm wird klar, dass es hier nicht um die Sicherheit des Staates geht, sondern viel mehr darum, das Bett des Ministers warm zu halten und seinem Kollegen Grubitz etwas zu liefern womit er den Minister in der Hand hätte.

Die Handlung nimmt plötzlich Fahrt auf, als ein guter Freund Dreymanns, seines Zeichens ebenfalls Autor, nach 7 Jahren Berufsverbot keinen anderen Ausweg mehr als den Suizid sieht. Aufgerüttelt durch dieses Ereignis und die Art und Weise wie das System damit umgeht, beginnt Dreymann damit, einiges in seinem Leben zu hinterfragen. Fasziniert beobachtet die graue Maus auf dem Dachboden, was die Laborratte unter ihm tut. Spätestens jetzt muss sich Wiesler entscheiden, auf welcher Seite er steht; melden oder vertuschen?

Das Leben der anderen ist das gut vorbereitete Debüt von Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck, der sich für das Recherchieren des Drehbuchs sehr viel Zeit genommen hat. Zwischen der ersten Idee und der Realisierung liegen 7 Jahre. Der ungewöhnlich hohe Aufwand für das Drehbuch hat sich gelohnt. Keine Szene fehlt, um die Kontrolle durch den Staat zu vergegenwärtigen, keine Szene ist unnötig, um die Handlung voranzutreiben. Bei diesem Skript stimmt einfach alles. Der Absolvent der Münchner Filmhochschule geht mit viel Feingefühl und Geduld an seine Figuren. Diese Geduld ist zwar nötig, könnte aber für so manchen Kinogast das erste Drittel des Films etwas langatmig erscheinen lassen. Ist der erste Scheitelpunkt allerdings erst einmal erreicht, lässt einen der Film nicht mehr los und man leidet förmlich mit. Bei einem solch schweren Thema hätte ein Film auch schnell aufs Glatteis geraten können aber die dramatische Entwicklung der verschiedenen Charaktere ist spannend und glaubwürdig gestaltet.

Mit jedem Tag, den der parteigetreue Wiesler seine Augen und Ohren an das Künstlerpaar heftet, taucht er immer tiefer „in das Leben der anderen“ ein. Er sitzt allein in einem kargen Raum auf dem Dachboden, nur umgeben von seinen Geräten. Seine beiden wichtigsten Instrumente sind seine Kopfhörer und die Schreibmaschine, auf der er die Berichte verfasst. Es sind Banalitäten, die er notiert als wären sie wichtige Ereignisse, die entscheidend für die Staatssicherheit sein könnten. Doch selbst das, was der normale Mensch als banal empfindet ist immer noch deutlich mehr, als der gewissenhafte Stasimitarbeiter in seinem eigenen tristen Dasein erlebt.

Die Besetzung, die für den Film eines Regie-Neulings erstaunlich prominent ausfällt, war ein Glücksgriff. Sogar die Nebendarsteller können dank des durchdachten Drehbuchs einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Besonders hervorzuheben ist jedoch die Leistung von Ulrich Mühe. Pikanterweise hatte er selbst schon eigene Erfahrung mit der Stasi. Allerdings war er damals derjenige der abgehört wurde; vermutlich sogar von der eigenen Ehefrau.

Die Ästhetik des Films besticht immer wieder durch die zwei verschiedenen Welten, in denen das Lauschopfer und sein Spitzel leben. Dreymann feiert in seiner schmucken Altbauwohnung eine Geburtstagsfeier mit (meist) gutgelaunten Gästen. Später fährt Wiesler nachts durch die ausgestorbene Stadt und schließt die Tür zu seiner spartanisch eingerichteten Wohnung auf, in der niemand auf seine Heimkehr wartet.

Immer wieder wartet der Film mit scheinbar unwichtigen Details auf, die verdeutlichen, wie viel Mühe investiert wurde. Man muss einfach schmunzeln wenn ein kleiner Junge zu Wiesler in den Fahrstuhl steigt und ihn fragt: „Arbeitest du wirklich bei der Stasi?“. Besonders die letzten Minuten haben es in sich. Das Ende, das die Figuren in der Gegenwart zeigt, schafft den Spagat, emotional zu sein ohne aber dabei ins kitschige abzurutschen.

Fazit:

Alle nachfolgenden Filme zum Thema Stasi wird man an Das Leben der anderen messen müssen. Wer die nötige Geduld und Muse mitbringt erhält eine vorbildliche Geschichtsstunde zur jüngeren deutschen Geschichte und wird zum Schluss hin sogar mit einem Thriller belohnt.
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