Kundenrezension

13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Buch wie eine Waffe, 17. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Der menschliche Körper (Gebundene Ausgabe)
Es ist ihr erster Militäreinsatz. Es riecht nach Abenteuern und Testosteron. An den Tod denkt niemand, schließlich kommt man in friedlicher Absicht. Doch dann entwickelt sich die Krisenintervention in Afghanistan für die italienischen Soldaten zum Alptraum. Einige von ihnen (oder Teile von ihnen) werden im Leichensack zurückkehren. In "Der menschliche Körper" beschreibt Paolo Giordano den Krieg mit so erschütternder Intensität, dass einem schlecht werden kann. Und das ist gut so!

Wer das Buch aber erstmals in die Hand nimmt, der könnte etwas missverstehen. Man kann zwar gerade noch erahnen, dass der junge Mann auf dem Cover ein Barett trägt, die innige Szene deutet aber eher auf ein Liebes- als auf ein Kriegsdrama hin. Vielleicht wollten Giordanos Verleger im In- und Ausland die Fans seines gefühlvollen Bestseller-Debüts “Die Einsamkeit der Primzahlen” nicht verschrecken. Die Frage ist, ob sie dem Zweitling mit dieser Trojanischen Pferd-Taktik wirklich einen Gefallen tun oder ob der ein oder andere Leser angesichts falscher Erwartungen nicht enttäuscht sein wird.

Die fiktive Handlung beschreibt die Erlebnisse des dritten Zuges der Kompanie Charlie, die im Distrikt Gulistan der Provinz Farah stationiert ist. Nervös flackert die personale Erzählperspektive dabei zwischen den Truppenmitgliedern hin und her. Gerade am Anfang ist das verwirrend. Wenn man aber erst einmal durchgestiegen ist, wer hier wer ist, entwickelt gerade diese komplexe Vielstimmigkeit eine unaufhaltsame Wucht. Es gibt Hauptfiguren, Nebencharaktere, gesichtslose Statisten, die nicht mehr als ein Name bleiben. Zusammen bilden sie einen kollektiven Körper, der schwitzt, rülpst, verdaut. “Unter ihnen herrscht vollkommene Freiheit, eine fast obszöne Freiheit, für sie alle ist der Körper der anderen nicht weniger vertraut als der eigene.” Und doch bleibt jeder über diese dinghafte Verbundenheit der Leiber hinaus allein und auf sich gestellt.

Wer Stanley Kubricks “Full Metal Jacket” gesehen hat, kennt das Gefühl: Man weiß, es ist großes Kino, aber man will den Film trotzdem kein zweites Mal sehen, weil er einen fertig macht. Auch Giordano gelingt es, den Leser etwas spüren zu lassen, was sich wie Hohlspitzgeschosse in den Eingeweiden anfühlt. Mein Unbehagen rührte vor allem daher, dass es keine wirklichen Sympathieträger im Roman gibt. Giordanos Soldaten muss man erst lernen zu lieben, denn sie sind Großkotze, Feiglinge, Verräter – weil sie jung sind, formbar, unerfahren. Das macht sie so unglaublich nahbar und authentisch. Der Krieg hat schon immer das Beste und das Schlechteste im Menschen hervorgebracht. Dieses Buch ist eine Waffe, die Wunden schlägt.
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Von 1 Kunden verfolgt

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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 19.01.2014 19:08:18 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 19.01.2014 19:52:26 GMT+01:00
Sabaga meint:
Hallo deep read,
Du hast recht, beim Streifen durch Buchhandlungen, hätte ich dieses nicht näher betrachtet, nehme ich an, das Cover vermittelt einen dieser suspekten Bestseller. Da ich den Autoren noch nicht kenne, hätte ich mich auch am Namen nicht festhängen können.

Deine Rezi aber leistet beste Aufklärungsarbeit, nicht zuletzt sehr schön geschrieben und mit Parallelen, "Full Metal Jacket", die mir das Spezifische noch näher vermitteln können. Nur Dein Schlusswort gefällt mir weniger, dass Krieg schon immer das Beste im Menschen hervorgebracht hätte. Ich weiß, ich habe Dich jetzt nur halb zitiert. Trotzdem gefällt mir die Deinige Rezension von den wenigen die zur Zeit vorhanden sind, am besten, wirkt auf mich so, als bringe sie das Buch am nähesten an den potentiellen Leser heran.

Erstaunt habe ich mich aber gefragt, wie haben es Du, wie auch einige andere, geschafft, am 17. Januar bereits ein Buch zu rezensieren, was erst am 17.1. erschien? Diese Frage ist kein Misstrauensantrag, tatsächlich nur Neugierde.

Mit freundlichem Gruß
Sabaga

P.S.
Habe schon eine Antwort gefunden, d.h. eher, ich kann`s mit denken. Lese auch am liebsten im Bett, Tiffany- Lampen habe ich nicht, liebe ich aber, wegen des schönen diffusen und warmen Lichtes, Earl Grey trinke ich jetzt schon, zu lila Haaren fehlte mir der Mut. Und das Bibliothekszimmer muss eine Leiter haben, mit der man drumrumfahren kann an den wandhohen Regalen. Aber das ist wohl selbstverständich.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 30.01.2014 20:59:36 GMT+01:00
deep read meint:
Hallo Sabaga,

herzlichen Dank für dein konstruktives und aufschlussreiches Feedback! Mir fällt jetzt auch auf, dass die Formulierung mit dem "Besten und Schlechtesten im Menschen" wirklich etwas unglücklich gewählt ist. Eigentlich habe ich daran gedacht, dass es auch Menschen gibt, die im Krieg über sich hinauswachsen, sich für andere aufopfern. Aber das kann man natürlich auch sehr schnell missverstehen. Danke also für deinen Hinweis!
Wie du ja bereits herausgefunden hast, bin ich freie Journalistin und erhalte daher öfter auch mal Rezensionsexemplare vor dem Verkaufsstart. Das beeinflusst aber in keinster Weise mein Urteil, schließlich gehört Unabhängigkeit zu meinem Berufsethos. Das hast du ja auch an meinen kritischen Tönen wegen der Buchgestaltung gemerkt - und du bist der beste Beweis dafür, dass das Cover auch Leser abschrecken kann.
Herzlichst, deep read
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