Kundenrezension

10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ziemlich gelungen - einen Versuch ist es wert!, 25. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Emily Brontë's Sturmhöhe - Wuthering Heights (inkl. Dokumentation) (2 Disc Set) (DVD)
Die Sturmhöhe ist für mich eines der schönsten Bücher die je geschrieben wurden. Vielleicht ist es sogar mein Lieblingsbuch. Und aus genau diesem Grund bin ich bei Verfilmungen des Stoffes auch sehr vorsichtig. Nach der 1939er Version mit Laurence Olivier (schauderhaft, verstümmelt, kaum als Verfilmung des Buches anzusehen!) habe ich mich denn auch an keine mehr so recht herangetraut. Die angeblich recht gelungene Verfilmung mit Ralf Fiennes und Juliette Binoche habe ich bisher nur teilweise im Fernsehen zu Gesicht bekommen und nicht zuende verfolgen können. Habe ich seither etwas vermisst? Nein! Schöner als der Film in meinem Kopf kann wohl keine Adaption sein. Dennoch: meine geschätzte "Kollegin" Tanja Heckendorn (liebe Grüße und schönen Dank für die Empfehlung!) brachte mich auf diese Verfilmung hier - und ich bin wirklich nicht enttäuscht worden.

In einer urwüchsigen, zerklüfteten Yorkshire-Moorlandschaft trifft man hier auf genauso urwüchsige, zerklüftete Charaktere - allen voran Heathcliff (sprechender Name: Heidefelsen) und Cathy. Ersterer wurde von Cathys Vater als Findling zu seinem Landsitz Wuthering Heights gebracht, als Überraschung für die Kinder. Im Falle von Cathy gelang die Überraschung, im Falle des zweiten Kindes, Hindley, misslang sie dagegen vollkommen: Von Beginn an empfindet Hindley nichts als Feindschaft und tiefen Hass für Heathcliff, der in seinen Augen ein Zigeunerbestard ist... Doch Heathcliff ficht das nicht an, weil Cathy für ihn da ist, weil sie seine beste Freundin, seine Seelenschwester, seine überlebensgroße Liebe ist. Und je mehr die Welt ihn verachtet, desto mehr verachtet er im Gegenzug die Welt - und erschafft mit Cathy ein Paralleluniversum, in dem er sicher und glücklich ist.
Irgendwann aber verdüstert sich auch dieses Paralleluniversum: Cathy lernt den schwächlichen, doch charmaten Edgar Linton kennen und genießt seine Aufmerksamkeiten. Da zudem Heathcliff wenig herzeigbar ist und immer unansehnlicher wird (da für ihn die reale Welt ja kaum existent ist) und sich auch keiner besonderen Bildung befleißigt, wendet sich Cathy ein Stück weit von ihm ab und spielt mit dem Gedanken, Linton zu heiraten. Als Heathcliff dies mitbekommt, bricht für ihn seine Welt auseinander - und er flieht von Wuthering Heights. Als er nach Jahren wiederkehrt, ist er nicht mehr der selbe: Er ist ein herausgeputzter, stattlicher Gentleman, doch er nimmt bittere Rache an seiner und der nächsten Generation...

Überdeutlich wird in dieser Verfilmung der Wandel Heathcliffs von innerlich schön und äußerlich verwahrlost vor seinem Weggang hin zu innerlich verwahrlost und äußerlich schön nach seiner Rückkehr herausgearbeitet. Und Heathcliff-Darsteller Tom Hardy hat mich mit seiner Darstellung voll überzeugt. Überaus sanft kann er sein - und wenig später eikalt und glashart, nur um kurz darauf völlig irre zu werden und viel, viel Mitgefühl beim Zuschauer zu wecken. Dabei ist er immer ein Baum - oder besser: ein Fels von einem Kerl.
Die bezaubernde Charlotte Riley als Cathy kann da nicht ganz mithalten; vielleicht vor allem, weil sie die teils fiesen Züge der Rolle nicht so recht rüberbringt - oder sie ihr nicht ins Drehbuch geschrieben wurden. Dafür aber nimmt man ihr die tiefen Gefühle sehr wohl ab.
Leider - und das ist der größte Schwachpunkt des Films - zündet es zwischen den beiden Hauptdarstellern nie so sehr, wie man es sich für die leidenschaftlichste Liebe aller Zeiten gewünscht hätte. Es ist merkwürdig: Wann immer Cathy oder Heathcliff allein sind und den anderen vermissen oder über ihn reden, fühlt man ihre Liebe, wenn sie zusammen auf dem Schirm sind, werden die Worte ein Stück weit hohl und die Liebe ist nicht recht nachvollziehbar, oder zumindest nicht in für mich ausreichendem Maße. Erklären kann ich mir das nur mit fehlender "Chemie". Würde er auch diese noch bieten, wäre er wohl fast perfekt zu nennen.
Aber sei's drum: was bei Cathy und Heathcliff ein bisschen fehlt, bieten dafür in der zweiten Zeitebene (der nach Cathys Tod) Catherine und Hareton um so mehr: Was für ein schönes Paar, was für ein anrührendes, hoffnungsfrohes Ende geben sie dem Film! Und nicht nur das macht diese "Sturmhöhe" so sehenswert: Auch wie clever die Handlungsstränge umgearbeitet, wie gut der Bogen vom 'Früher' ins 'Jetzt' geschlagen wurde ist ein großer Pluspunkt. Der Drehbuchschreiber hat es tatsächlich geschafft, eine überraschende, ganz eigenständige, und doch überzeugende Variante der Sturmhöhe zu schreiben, die noch dazu in wunderbare Bilder gegossen wurde und nur an kleinen Schwächen krankt.

Also: nur Mut, probieren Sie es mit dieser zweiteiligen Verfilmung. Sturmhöhe-Neulingen macht sie sicher Lust auf das Buch - und Sturmhöhe-Liebhabern bietet sie eine interessante Variante an...
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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 26.05.2010 12:33:44 GMT+02:00
Lieber Daniel,

es freut mich echt total, dass mein Tipp bei Dir so gut angekommen ist. Deine liebe Erwähnung meiner Person macht mich direkt etwas verlegen, aber zum Glück kannst Du meine roten Backen nicht sehen ;-D

Ist schon irgendwie lustig, dass Du Thomas Hardys Darstellung so viele positive Seiten abgewinnen kannst, während aus meiner Sicht eher die Schwächen ins Blickfeld rückten und dabei bist Du strenger mit Charlotte Riley, die mich total überzeugt hast. Da sieht man mal wieder, dass man mit dem eigenen Geschlecht längst nicht so streng ist, wie mit dem anderen :-)
Was Du über den Wandel Heathcliffs schreibst, ist sehr interessant, aber für mich nicht ganz überzeugend. Immerhin wird die böse oder dunkle Seite Heathcliffs relativ früh angedeutet. Sobald Hindley das grausame Regiment übernimmt, begehrt Heathcliff innerlich auf und sinnt auf Rache. Als er über den Tod von Hindleys Frau frohlockt, schockiert er nicht nur Cathy, auch den Zuschauer erfasst ein plötzliches Befremden. Es scheint gefährlich zu sein, Heathcliff Gefühle entgegen zu bringen, sei es nun Hass oder Liebe. Wobei die Liebe im Laufe der Geschichte das gefährlichere Gefühl zu sein scheint, immerhin stirbt Cathy vor Hindley.
Ehrlich gesagt, hatte ich mit der Catherine der Buchvorlage auch immer ziemlich viel Mit-leid. Die Arme war mutterlos und den Männern ihrer Familie konnte sie es nie recht machen. Und dann dieser Heathcliff, der sie in ein weiteres Gefühlschaos stürzte. Wer kann es ihr verdenken, dass sie sich nach einem normalen Familienleben, wie bei den Lintons sehnte? Wobei die Linton Eltern ja in allen Verfilmungen konsequent aus dem Drehbuch gestrichen werden. Die Lösung bei dieser Verfilmung hat mir aber auch gut gefallen, obwohl mir Edward einfach viel zu kernig und vital wirkte.

Du bist bisher ausschließlich auf die Hauptdarsteller eingegangen. Wie haben Dir die Nebenfiguren gefallen? Ich habe eine Schwäche für den Darsteller von Hindley, der übrigens auch in der wundervollen Bleak-House-Serie mitspielt, aber die deutsche Synchronstimme passt leider so überhaupt nicht zu ihm. Schade. Am Besten aber bei den Nebendarstellern war -aus meiner Sicht- die Schauspielerin, welche Nelly darstellte. So eine Nelly habe ich den Catherines immer gewünscht und bei dieser Verfilmung haben die beiden sie auch bekommen :-)
Hast Du die Doku auch schon angesehen? Was hälst Du von der Theorie zur Entstehungsgeschichte von Wuthering Heights?

Liebe Grüße
Tanja

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.05.2010 14:44:45 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 26.05.2010 14:50:49 GMT+02:00
Hallo Tanja,

Du hast freilich recht, wenn Du schreibst, dass Heathcliff schon vor seinem Weggang finstere Züge hat. Wer wollte ihm das auch verdenken, bei der Behandlung, die Hindley (überaus gut getroffen!) ihm angedeihen lässt. Dennoch: auch dieser Rüpel von Heathcliff war - trotz all seiner gefährlichen Seiten - innerlich schön, weil er sich in seiner sicheren Liebe zu Cathy so selbstvergessen und genügsam zeigte. Zurückgekommen und gänzlich verlassen regierte nur noch kalter Hass in ihm. Weißt Du, was ich meine? Ich hab es freilich überspitzt gesagt...

Die Nelly fand ich auch sehr gut (sie war es auch, die meine Holde mit am tollsten fand, übrigens hat der Film sie jetzt endlich auch auf das Buch neugierig gemacht) - und Vater Earnshaw war auch sehr gut getroffen. Edgar Linton war vielleicht wirklich eine Spur zu vital, aber dennoch überzeugend. Der Darsteller (Andrew Lincoln) spielt übrigens in der Frau-in-Weiß-Verfilmung mit Tara Fitzgerald den Walter - und passt dort für mich perfekt! Einziger Minuspunkt da ist die leider wenig hübsche Laura Fairlie... Trotzdem: such mal bei du-tube nach TWIW... Aber zurück zur Sturmhöhe.

An Extras habe nur das Making of gesehen, die zweite Disc hatte ich nich mit ausgeliehen. Was denkst Du über die Chemie der Hauptdarsteller?

Einstweilen ein lieber Gruß
Daniel

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.05.2010 12:09:08 GMT+02:00
Hallo Daniel,

wahrscheinlich fehlt mir bei Heathcliff tatsächlich der Blick für die innere Schönheit ;-). Wobei diese Verfilmung wirklich für ein Höchstmaß an Verständnis für Heathcliffs Entwicklung und Beweggründe wirbt. Aber so ganz konnte ich die wahrhaft diabolische Gestalt der Buchvorlage eben nicht verdrängen, der Tom Hardy trotz seines zuweilen sehr finsteren Blickes, nicht gerecht werden kann oder will.

Überhaupt wurden einige Figuren etwas geschönt. Vater Earnshaw ist im Roman auch kein unbedingter Sympathieträger. Auf jeden Fall fehlt ihm gänzlich das Gespür für seine eigenen Kinder. Die Magd Nelly kann auch überaus kalt sein und man spürt ihre innere Distanz zu den "Herrschaften". Da sind die Filmfiguren natürlich viel sympathischer, was in diesem Fall nur positiv angemerkt werden kann.

Was das Verhältnis zwischen Cathy und Heathcliff betrifft, war ich von der Darstellung her eigentlich ganz zufrieden. Die verzweifelte Heftigkeit von Cathy war so im Gegensatz zu dem körperlich eher passiven Verhalten Heathcliffs, dessen Worte wie Schwertstiche waren und das Herz der Geliebten viel tiefer trafen, als die hilflosen Schläge von Cathy.

Danke übrigens für Deinen Tipp mit TWIW. Aber etwas entsetzt war ich darüber, dass Du diese Laura Fairlie nur wenig hübsch findest!!! Okay, Justine Wadell ist vielleicht nicht der Typ der Buchvorlage, aber ihre zarte Schönheit krönt doch eigentlich jeden Film, oder? Besonders aufgefallen ist sie mir in
Tess Of The D'Urbervilles, wahrscheinlich findest Du zu dem Film auch etwas bei du-tube ;-). Aber Andrew Lincoln passt hier als Walter echt super!

Lieber Gruß
Tanja

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.05.2010 19:54:26 GMT+02:00
Dieser Walter war wirklich ganz nach meinem Geschmack - im Gegensatz zu dem aus der deutschen Verfilmung. Sicher, Miss Waddell ist schon nicht hässlich, aber für mich nicht wirklich die ätherische Schönheit aus dem Buch. Da wäre mir die andere Tess (Gemma Arterton) deutlich näher gewesen, aber das ist ja nun wirklich Geschmackssache... ;-)

Liebe Grüße
Daniel

PS: Wie herrlich ist denn bitte dieser Inspektor Cuff aus dem Monddiamanten...!
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