Kundenrezension

14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Genreklassiker und Messlatte für intelligente Science Fiction, 26. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Minority Report (Special Edition, 2 DVDs) (DVD)
Stellen Sie sich eine Welt vor in der keine Morde mehr geschehen. Ein Wunschtraum? Nicht so im Washington DC des Jahres 2054. Dort verhaftet nämlich eine Abteilung mit dem Namen Pre-Crime potentielle Mörder noch bevor sie ihre Tat begehen können. Ermöglicht wird ihr dies durch die sogenannten Pre-Cogs, die Pre-Cognitiven, 3 Menschen denen es möglich ist die Zukunft vorherzusagen. John Anderton (Tom Cruise) ist der Leiter dieser Abteilung und hat es geschafft die Mordrate in seiner Stadt auf null herunter zu schrauben. Aufgrund dieses Erfolgs soll Pre-Crime nun auch im ganzen Land eingeführt werden. Doch bevor dies möglich wird, soll der Regierungsbeamte Danny Witwer (Colin Farrell) noch einmal genau kontrollieren ob auch alles mit rechten Dingen zugeht. Doch in dem Moment da er beginnt sich in die Abläufe einzumischen, beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen. Plötzlich steht eine Vorhersage im Raum die besagt dass Anderton in 36 Stunden selbst einen Mord begehen wird. Ist das alles ein abgekartetes Spiel oder sind tatsächlich Geschehnisse angestoßen worden, die ihn zu dieser Tat verleiten werden? Um seine vermeintliche Unschuld zu beweisen flieht Anderton...und die Jagd auf ihn beginnt.

Eigentlich war es ja nur eine Frage der Zeit bis die beiden Hollywood Schwergewichte Steven Spielberg und Tom Cruise endlich aufeinander treffen mussten. Wenn es dann zu einem solchen "Gipfeltreffen" kommt, sind die Erwartungen natürlich dementsprechend groß. Und glücklicherweise werden wir nicht enttäuscht.

Minority Report ist futuristische Action auf absolut höchstem Niveau. Wo andere Regisseure sich im unendlichen Getümmel der CGI-Sequenzen verlieren und den eigentlichen Inhalt der Story aus den Augen verlieren, bleibt Spielberg konsequent; und zwar sowohl optisch als auch inhaltlich. Bereits die Einrichtung der Pre-Crime Zentrale schwankt angenehm zwischen technisch verspielt und funktionell nüchtern. In den "Außenaufnahmen" begegnen uns einerseits gewaltige Wolkenkratzer an denen sich eine Art Verkehrsleitsystem der Superlative in 3-Dimensionaler Richtung erstreckt, auf der anderen Seite aber auch klassische Reihenhäuser im viktorianischen Stil. Insgesamt punktet das komplette Ambiente durch eine Art "Realismus", will meinen, eine Zukunft, die man sich wirklich vorstellen könnte und wie sie uns der technische Fortschritt eines Tages tatsächlich bescheren könnte.

Der gern und oft getroffene Vergleich zu dem Genreklassiker Blade Runner kommt dabei nicht von irgendwoher. Einerseits basieren beide Werke auf Geschichten des Autors Philip K. Dick. Auf der anderen Seite erzeugen die beiden Filme eine ähnliche bedrückende und beklemmende Stimmung. Einen großen Beitrag zum Erschaffen dieser Stimmung trägt einmal mehr Starkameramann Janusz Kaminski, der mittlerweile neben Scorewriter John Williams nahezu untrennbar mit Spielberg-Produktionen verbunden ist und bereits bei A.I., Schindlers Liste uvm. die Visionen des Meisters verwirklichen durfte. Auch dieses mal ist es ihm wieder gelungen mit den ihm typischen Verfremdungsfiltern körnige Bilder auf die Leinwand zu zaubern und den ohnehin depressiv angehauchten Grundtenor noch zu verstärken.

Gerade dieser Stil ist natürlich eine Härteprüfung für die DVD Technik. Die Kompression muss alles technisch machbare herausholen um das Bild einerseits nicht zu sehr zu verfremden, andererseits einen hohen Detailgrad und speziell die Körnigkeit so darzustellen wie sie vom Regisseur gedacht sind.
Doch Fox liefert einen wirklich guten Job ab. Das Bild ist (insonfern man das aus genannten Gründen überhaupt so nennen darf) kontrast- und detailreich. Selbst in dunklen Szenen werden noch genügend Kleinigkeiten herausgestellt um auch per Beamer noch Spaß am Ergebnis zu haben. Es wird spannend sein demnächst mal die BluRay zu testen und den Vergleich zur DVD heranzuziehen.

Wo sich die DVD aber auf keinen Fall verstecken muss und sicher auch der BD (bis zu einem gewissen Punkt versteht sich) Paroli wird bieten können, ist der Ton.
Fox hat sehr lange ein wirklich vorbildliches Releaseverhalten bei DVDs an den Tag gelegt und nahezu jeder Scheibe eine DTS Spur spendiert. Leider ist das heute nicht mehr so.
Das vorliegende Produkt bringt aber noch DD und DTS Spur mit und beide machen wirklich Spaß. Die DTS Spur ist dabei nicht wirklich präziser oder großartig räumlicher, legt aber eine der bedeutendsten Eigenschaften der Technologie an den Tag: der Bass ist noch einmal eine Ecke wuchtiger und generell ist der Druck im Sound etwas besser.

Doch Spielberg ist nicht nur ein Meister seines Fachs wenn es darum geht computeranimierten Wesen und Gegenständen Leben einzuhauchen, hochwertige Bilder und tolle Soundeffects zu zaubern, sondern ist auch in der Lage die von ihm eingesetzten Schauspieler zu Höchstleistungen anzutreiben. Und das gelingt ihm zweifelsohne bei Tom Cruise. Der von ihm gespielte John Anderton schwankt ständig zwischen hochprofessionellem Cop mit absolutem Pflichtbewusstsein und von Selbstzweifeln zerfressenen, verzweifelten Vater und Ehemann. Colin Farrell der hier in seiner ersten großen Rolle auftritt, stellt einen würdigen Gegenspieler zu Cruises Charakter dar. Der übertrieben smarte, fast schon schleimige Regierungsbeamte, der scheinbar nur darauf aus ist Fehler in jedem Element eines eingespielten Teams zu finden dürfte den einen oder anderen schmerzhaft an eigene Erfahrungen im realen Arbeitsleben erinnern. Einen weiteren Höhepunkt stellt erwartungsgemäß die Darbietung von Max von Sydow dar. Die scheinbar undurchdringliche Chef von Pre-Crime Lamar Burgess ist der erhabenen Statur des Charakterdarstellers förmlich auf den Leib geschrieben und wartet ebenfalls mit der einen oder anderen Überraschung auf.

Fazit:
Gene Simmons sagte seinerzeit im Zusammenhang mit der Kiss-Reunion "We'll show everybody how the big boys do it!". Dieser Satz könnte eins zu eins für Steven Spielberg (und Tom Cruise) übernommen werden. Denn Regisseure kommen und gehen, doch ihm gelingt es immer wieder die zumeist von ihm selbst hochgesetzte Messlatte zu übertreffen und einen neuen Höhepunkt auf die Leinwand zu zaubern. Ein solcher ist auch Minority Report geworden. Alle in Zukunft erscheinenden Science Fiction Action-Thriller werden sich an diesem Meisterwerk messen lassen müssen... und es beileibe nicht einfach haben.
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