Kundenrezension

608 von 699 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine berührende Geschichte, ein heikles Thema, 20. April 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Ein ganzes halbes Jahr (Broschiert)
Inhalt:

Louisa Clark ist mehr als geschockt als sie quasi über Nacht ihren Job verliert. Nicht nur wegen des Geldes, was sie und ihre Eltern zweifelsfrei dringend benötigen, sondern auch weil sie ihn gern gemacht hat. Sie mochte es in einem Cafe zu stehen, mit Leuten zu reden und Wünsche zuerfüllen. Und wenn es auch nur kleine waren, nach Tee und Gebäck. Und sie mag den Ort in dem sie lebt. Eine Kleinstadt die nicht viel zu bieten hat, außer einer Burg die eher Touristen als Einheimische begeistert.
Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass das Jobcenter ihr auch nicht viel bieten kann. Nicht mehr als eine Stelle als Pole-Dancerin oder in einer Hühnerfabrik. Letzteres probiert sie sogar aus, mit Alpträumen als Folge.
Mit ein paar Umwegen und einigen Überredungskünsten landet Louisa schließlich im Haushalt der Traynors. Ihre Aufgabe besteht darin den Sohn der "Hausherrin" zu betreuen, oder vielmehr zu beobachten. Will Traynor. Will ist Tetraplegiker. Er kann sich nicht bewegen, während er bei vollem Verstand ist. An den Rollstuhl gefesselt müssen andere alles für ihn übernehmen. Zunächst versteht Louisa, Lou...ihre Aufgabe nicht. Denn die pflegerischen Notwenigkeiten werden vom medizinisch geschulten Nathan übernommen. Und Will scheint eindeutig kein Interesse an ihr, oder ihrer Gesellschaft zu haben. Im Gegenteil, er ist ziemlich unausstehlich und es dauert eine ganze Weile bis die beiden sich halbwegs aneinander gewöhnt haben.
Eher durch Zufall erfährt Louisa schließlich weshalb sie wirklich da ist. Sie ist nicht Beschäftigung für einen Behinderten, sondern der Babysitter eines Suizidgefährdeten. Denn Will hat eine Entscheidung getroffen, die ihn...wenn Lou es nicht verhindern kann...am Ende in die Schweiz führen wird. In ein Land, in dem ärztlich unterstützter Suizid legal ist. Und wie alle um Will herum, beginnt sie zu überlegen wie sie ihn umstimmen kann. Sie versucht sein Leben besser zu machen, ihm lebenswerte Augenblicke zu bescheren und ihn nicht nur an das Leben, sondern auch an sich zu binden. Denn innerhalb ihrer 6 Monate Dienstzeit...innerhalb eines ganzen halben Jahres....kommen die beiden sich so nah, physisch wie psychisch, dass Louisa sogar ihre 7jährige Beziehung beendet in dem Gedanken an ein Leben mit Will. Detailliert informiert sie sich über Möglichkeiten und Wege, Wünsche und Ziele, Gefühle und Gedanken....über alles was eine Tetraplegie anders oder schwieriger macht, einzig mit dem Ziel Will umzustimmen. Und als sie ihm schließlich ihre Liebe gesteht und ihm die Zukunft schildert wie sie sie sieht, mit all den Dingen die sie für ihn und für sich tun will, bittet er sie um etwas das ihre ganze Welt auf den Kopf stellen wird.

Meinung:

Als ich das Buch gekauft habe wusste ich nur zwei Dinge darüber. Das es ein Spiegelbestseller ist und was der Klappentext sagt. Ich wusste nicht auf was ich mich einlasse.
Ich fing an zulesen und war ziemlich schnell enttäuscht, weil es sich im ersten Augenblick anfühlte wie "Zwei ziemlich beste Freunde" und ich dachte der einzige Unterschied wird sein, dass diese Freunde sich am Ende lieben werden. Weit gefehlt... Es ging um viel mehr als Freundschaft oder Liebe, um etwas weitaus wichtigeres. Es geht um das Leben. Um den freien Willen. Um Entscheidungen und das Sterben. Um das was die Menschen ausmacht und die Dinge die der Geist will und der Körper einem verwehrt. Es geht um Zwischenmenschlichkeiten die tiefer gehen als Ozeane und um eine die Bitte die für den einen das Größte und für den anderen das Schrecklichste bedeuten.
Dieses Buch zwingt einen sich damit auseinander zusetzen was Leben ist. Und was unser eigenes, ganz persönliches Leben ausmacht. Auf was wären wir bereit zu verzichten und wo ist unsere Grenze zwischen lebenswert und nicht auszuhalten. was würde uns brechen? Und wenn wir an die denken die wir lieben, oder die uns lieben.... Wären sie genug zu bleiben, wenn uns sonst nichts bleibt?
Das Thema mit dem Moyes sich befasst ist schwere Kost und polarisiert mit Sicherheit. Aber sie hat es nicht als eine einzige Provokation verpackt. Sie bietet jeder Meinung Raum. Sie beschreibt Will's Wunsch und gleichzeitig die Gedanken all jener die damit leben müssten, wenn er es wirklich tun würde. Aber es findet zum Beispiel auch seine Mutter Gehör, die nicht will das ihr Sohn stirbt und aber dennoch nur das Beste für ihn will. Und muss nicht jeder selbst entscheiden was am besten für ihn ist? Moyes lässt nichts außer Acht und schreibt sogar Gedanken die man sich selbst verbieten würde. Denn einen Behinderten, vollkommen auf Pflege angewiesenen Sohn Zuhause zu haben, stellt Familien vor Herausforderungen und schränkt Leben ein. Nicht nur dem Behinderten selbst werden Freiheiten genommen, jeder opfert etwas... Aber darf man darüber nachdenken, dass diese Opfer nach einem Suizid nicht mehr nötig wären?
Ich möchte nichts dazu sagen wie die Geschichte ausgeht. Aber ich möchte sagen wie dieses Buch für mich geendet hat. Ich habe die letzte Seite zugeklappt und danach ganz still auf meinem Bett gelegen. Ich habe versucht mich nicht zubewegen. Ich wollte Will sein. Gefühlt habe ich es zehn Minuten getan. Tatsächlich waren es 3 Minuten. Wäre ich Will, mir käme ein ganzes halbes Jahr wie ein ganzes halbes Leben vor. Ob ich seine Gedanken deshalb verstehe? Das ist mein eigenes Geheimnis. Aber es lohnt sich, sich mit diesem Buch auseinander zu setzen weil es eine Auseinandersetzung mit seinem eigenen Leben ist.
Von mir gibt es trotzdem nur 3 Sterne, denn auch wenn es berührt....dieses Thema geht uns eigentlich alle an. Und es in eine Lovestory zu packen und in einem Einband zu verstecken der vermutlich zu 90% Frauen anspricht...das geht nicht. Und eigentlich geht es auch nicht, die Brisanz des Inhaltes mit keinem Wort auf dem Klappentextes zu vermerken. Denn Sterbehilfe ist nunmal kein Thema mit dem sich jeder auseinander setzen will. Und es ist kein Thema was man in einem Buch mit dieser Aufschrift und diesem Cover vermutet. Die Entscheidung sich damit und somit mit seinen eigenen Vorstellungen zum Leben auseinanderzusetzen sollte jedem selbst überlassen sein.
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Kommentare

Von 8 Kunden verfolgt

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21-30 von 40 Diskussionsbeiträgen
Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.11.2013 11:15:20 GMT+01:00
Ste meint:
Ich freu mich wenn ihnen sowohl die Rezension wie auch das Buch gefallen hat!
Und ich hoffe sie haben inzwischen "entspannende" Lektüre gefunden.

Veröffentlicht am 08.11.2013 13:00:36 GMT+01:00
B. Bauer meint:
Vielen Dank für Ihre Rezension, die mir sehr gut gefällt und aufgrund derer ich das Buch lesen werde. Nicht zuletzt durch Ihre - auch inhaltlichen - Beschreibungen. Für mich sind diese kein Spoiler; ich weiß nun, worauf ich mich einlasse, wenn ich es lese und für mich ist das gut. Denn ich werde das Buch dann lesen, wenn ich weiß, dass ich damit umgehen kann und nicht, wenn ich eine leichte Entspannungslektüre brauche.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.11.2013 13:44:44 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 27.11.2013 18:05:49 GMT+01:00
Koreander meint:
Sie sprechen mir aus der Seele!!! Außerdem finde ich, es schadet nicht, wenn man auf diese Weise mit dem Thema in Berührung kommt. Man kann ja das Buch weglegen, sobald Clark erfährt, was Will vorhat.
@ Ste
Natürlich bedeutet "Inhalt" das eben Inhalt angegeben wird. Da Sie aber offensichtlich nicht zum ersten Mal eine Rezension geschriebe haben, könnte man von Ihnen erwarten, dass Sie dabei nicht soviel verraten, dass die Spannung weg ist oder diese Stellen mit "Achtung Spoiler" kennzeichnen.
Bei soviel Lob, wie Sie es bekommen haben, könnten Sie diese Kritik wirklich einmal wegstecken, ohne sich immer wieder zu verteidigen.
Täglich werden wir - egal ob in den Nachrichten oder zur "Unterhaltung" - mit Gewalt, Mord und Totschlag konfrontiert. Würde es uns wirklich in Depressionen stürzen, wenn uns das Thema Sterbehilfe in einem Roman begegnet? Und ist nicht das zweite Thema mindestens so wichtig, wie das offensichtliche, nämlich LEBE! Mache etwas aus deinem Leben! Probiere dich aus. Verkrieche dich nicht in eine lauwarme Sicherheit, in der du zwar nicht glücklich aber auch nicht verzweifelt bist!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.11.2013 13:45:58 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 27.11.2013 18:06:19 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.11.2013 18:03:11 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 27.11.2013 18:06:42 GMT+01:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.11.2013 18:26:51 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 20.12.2013 18:45:45 GMT+01:00
Ste meint:
Ich danke ihnen für ihren Kommentar und halte mich mit einem eigenen darauf zurück um nicht Gefahr zu laufen bei ihnen wieder den Eindruck zu hinterlassen ich wolle mich verteidigen.

Ich hoffe sie beherzigen die Zweite Botschaft und haben eine gute Zeit. Ich wünsche ihnen schöne Tage. Und weiterhin gutes Lesevergnügen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.11.2013 18:41:58 GMT+01:00
Koreander meint:
Danke ebenfalls.

Veröffentlicht am 08.12.2013 12:06:01 GMT+01:00
Danke für die Rezension.
Ich wollte das Buch nicht kaufen, da ich den Eindruck hatte es handle sich um ein "Frauenbuch" etc.
Nun habe ich es bestellt und bin gespannt.

Veröffentlicht am 20.12.2013 18:39:27 GMT+01:00
margibeere meint:
Ich finde die Rezension sehr ausführlich, aufschlussreich und nachdenklich stimmend. Vielen Dank. Es würde mich interessieren, ob sie von einer Frau oder, trotz des Frauen ansprechenden Covers, von einem Mann stammt. Wollte das Buch eigentlich meiner Tochter schenken, denke aber, dass sie für dieses Thema, das, wie der Rezension zu entnehmen, leider nicht schon aus dem Klappentext hervorgeht, zu sensibel ist.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.12.2013 18:45:06 GMT+01:00
Ste meint:
Liebe margibeere, danke für ihre Rückmeldung. Die Rezension stammt aus meiner und damit aus Frauenhand :)
Allerdings liegt mein gewöhnlicher Lesekreis abseits der sogenannten "Frauenromane".
Ob das Buch etwas für ihre Tochtee ist vermag ich nicht zu sagen. Aber wenn sie zweifeln ist ein anderes vielleicht besser.
Ich wünsche ihnen schöne Feiertage :)

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