Kundenrezension

130 von 135 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es besteht für uns keine Notwendigkeit zu verstehen, was Zen ist. (Shunryu Suzuki), 16. Januar 2008
Rezension bezieht sich auf: Zen-Geist Anfänger-Geist: Einführung in Zen-Meditation (Gebundene Ausgabe)
Wenn wir etwas lernen wollen, dann suchen wir instinktiv nach Büchern oder anderen Quellen, die uns das nötige Wissen vermitteln. Wir wollen uns die Begriffswelt des neuen Gebiets logisch erschließen. Genau so selbstverständlich ist es für uns, dass wir bewusst oder unbewusst alles bewerten und in vorgefertigte Gedankengerüste einordnen müssen. Statt die Dinge zu sehen, wie sie sind, nämlich im Fluss und in stetiger Wechselwirkung miteinander, trennen und sortieren wir sie statisch. Diese Vorgehensweise ist Teil unserer europäischen oder westlichen Denkweise und Alltagskultur. Es muss alles erst einmal durch unseren Verstand und danach in die entsprechende Schublade.

Dieses Verhalten ist paradox und von einem gewissen absurden Witz, wenn wir mit Methoden in Kontakt kommen, die aus einer völlig entgegen gesetzten Vorgehensweise entstanden sind und deren Ziel es obendrein auch noch ist, gerade den Verstand zur Ruhe zu bringen, seine Dominanz über uns zu brechen und ihm seinen wirklichen Platz in unserem Inneren zuzuweisen.

Auch dieses Buch ist auf den ersten Blick ein Versuch, etwas intellektuell zu erklären, was man nur durch die eigene Erfahrung erleben kann.

Nachdem der japanische Zen-Meister Shunryu Suzuki in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts nach San Franzisko kam und dort ein Kloster gründete, gefiel seinen amerikanischen Jüngern die Idee, seine Anweisungen und Erklärungen schriftlich für die Ewigkeit aufzubewahren. Zen-Meister schreiben gewöhnlich keine Bücher über Zen, weil sie wissen, wie absurd das ist. Aber Suzuki verstand andererseits, dass er der völlig anderen Kultur, in der er nun wirkte, Rechnung tragen musste. Deshalb sollten wir dieses zwar von Suzuki autorisierte, aber nicht von ihm geschriebene Buch anders aufnehmen als wir das von Büchern gewohnt sind. Es ist keine theoretische Abhandlung über Zen oder den Buddhismus im Allgemeinen. Es sind nur die zu Papier gebrachten Unterweisungen und Erklärungen eines Zen-Meisters für seine Schüler.

Vor dem dritten Teil des Buches steht der einfache Satz: "Wahres Verstehen ist die wirkliche Praxis selbst." Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Doch wenn wir einen solchen Satz lesen, werden wir uns bemühen ihn zu verstehen. Das werden wir mit all den Weisheiten, die in diesem kostbaren Buch enthalten sind, versuchen. Aber wie wir uns auch anstrengen, es wird uns in letzter Konsequenz nicht gelingen. Denn alle Aussagen entziehen sich in Wirklichkeit einem intellektuellen Verständnis. Wir werden sie nur verstehen, wenn wir diszipliniert üben, wenn wir sitzen und uns ohne uns anzustrengen auf unseren Atem konzentrieren. Und das täglich und immer wieder. Alles andere kommt von selbst, wenn wir dies nicht selbstbezogen machen.

Leider scheitern viele von uns an dieser Stelle, denn wir müssen hier im wahrsten Sinne des Wortes über unseren Schatten springen, weil wir etwas nicht selbstbezogen (also ohne ein Ziel oder Zweck für uns) machen sollen, damit wir von unserer Selbstbezogenheit wegkommen. Eigentlich geht das nur mit Hilfe von außen. Wenn wir keinen Zen-Meister haben und es trotzdem lernen wollen, dann ist dieses Büchlein die beste Hilfe, die ich kenne. Und so ist es wohl auch nur gedacht.

Wer hingegen glaubt, er könne mit Suzukis Hilfe intellektuell begreifen, was Zen ist, der wird entweder enttäuscht sein oder keinen Zugang finden oder glauben, er hätte den Stein der Weisen gefunden, weil er nun über Leerheit und Form oder das Nichts philosophieren kann oder aber er wird einfach nur verzückt die Augen verdrehen und denken, er sei von jetzt an etwas Besonderes.

Das Buch enthält Suzukis Unterweisungen in drei Teilen (Rechte Praxis, Rechte Haltung, Rechtes Verständnis). Im Grunde geht es in jedem Abschnitt immer wieder nur darum, wie wir üben und welche Fehler wir dabei vermeiden sollen. Alles andere kommt sowieso von selbst. Noch einmal: Dieses Buch ist nach einem Zen-Meister das Beste, was einem passieren kann, wenn man es immer wieder liest und es damit so benutzt wie es gedacht ist. Nicht als intellektuelle, sondern als praktische Hilfe.

Suzuki spricht: "Wenn ihr diese einfache Praxis jeden Tag fortsetzt, werdet ihr eine wunderbare Kraft bekommen. Bevor ihr sie erlangt habt, ist sie etwas Wunderbares, aber nachdem ihr sie erlangt habt, ist sie nichts Besonderes mehr." Und: "Wenn ihr ihr selbst werdet, wird Zen zu Zen."
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Von 1 Kunden verfolgt

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1-8 von 8 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 02.11.2011 12:57:40 GMT+01:00
J. Lippert meint:
Auf Grund Ihres wunderbaren ersten Absatzes möchte ich Ihnen eine Frage stellen: Kann der Verstand den Verstand zur Ruhe bringen?
Wenn nicht, dann wären sämtliche Praxis, Methoden und Vorgehensweisen dies zu erreichen sinnlos.
(Dieser Kommentar bezieht sich nicht auf das Buch.)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.11.2011 15:46:54 GMT+01:00
Natürlich kann der Verstand sich nicht selbst zur Ruhe bringen. Aber warum sollte dann sämtliche Praxis sinnlos sein? Sie setzen doch bei dieser Schlussfolgerung voraus, dass eine Beruhigung des Verstandes nur über ihn selbst geht. Wenn Sie sich eine gut gemachte Entspannungs-CD anhören (Atem-Techniken oder Yoga-Nidra oder anderes), dann entspannen Sie sich doch in der Regel auch. Und der Verstand ist hinterher völlig oder fast völlig ruhig. Dadurch, dass Sie den Anweisungen folgten, war er gezwungen, die Klappe zu halten. Sie waren mit anderen Dingen beschäftigt, die ihn nicht betrafen und mussten außerdem zuhören. Ihre Konzentration lag immer auf Körperfunktionen. So funktioniert das, was in diesem Buch Praxis genannt wird auch, jedenfalls vom Prinzip her, nur dass man dabei keine CD hört, sondern einfach sitzt und beobachtet. Das ist wesentlich schwerer - man gelangt damit aber auch viel tiefer. Viele westlich geprägte Menschen versuchen, dies erst einmal verstehen zu wollen. Aber gerade dieses Bestreben macht alles erst kompliziert, denn hier gibt es nichts zu verstehen. Wenn man es verstehen will und seine eigenen Bestrebungen dabei innerlich kommentiert, wird es nichts, denn dann ist der Verstand tatsächlich im Geschäft.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.11.2011 00:11:34 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 03.11.2011 00:33:29 GMT+01:00
J. Lippert meint:
Ich habe den Verstand mit dem 'Denken an sich' gleich gesetzt. Dass der Denker nicht mehr da ist, wenn das Denken aufhört und, dass es etwas gibt, das jenseits des Denkens ein Handeln hervor bringt, das man totale Wahrnehmung nennen kann, ist eine Wahrheit, die (eben auch weil sie Wahrheit ist) nicht vom Denken, also Wissen (/Verstand) verstanden werden kann. 'Verstanden' werden kann in diesem Sinne nur eine Abstraktion, die aber nichts(!) mehr mit dem zu tun hat 'was ist'. Da stimme ich Ihnen zu.
Bloß zu der Frage, die sich eventuell stellt: "Wie 'erreiche' ich das?", sie ist vom Grund her falsch, und wenn das nicht erkannt wird, kommt es zu Antworten, die (wenn auch unbewusst) wieder 'davon' wegführen.
Das Vorhaben seinen Körper zu entspannen oder irgendwelche Atemübungen durchzuführen ist tatsächlich entspannend, aber nur auf körperlicher Ebene. Jegliches Tun, auch ein bewusstes Atmen, ist das Resultat des Denkens, und bringt einen nicht weiter.
Der Effekt, der sich einstellt, ist zu vergleichen mit dem Menschen, der häufig wütend ist und es nicht versteht und sich ins Himalaja zurückzieht und feststellt, dass er nicht mehr wütend wird.
Das ganze ist nur ein davonlaufen. Kommt er zurück, ist die Wut wieder da.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.11.2011 09:43:06 GMT+01:00
Meine Erklärung mit der Entspannungs-CD hätte ich mir bei Ihnen erspart, wenn ich Ihren letzten Kommentar vorher gekannt hätte. In der Tat gibt es nichts zu erreichen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.11.2011 13:31:35 GMT+01:00
J. Lippert meint:
Deswegen frage ich mich, wenn ich den Anfang des Buches lese, warum der Zen-Meister sagt, "...diese Haltung einzunehmen ist die richtige Geisteshaltung".
Denn was nützt das dem, der in seiner Gedankenrealität gefangen ist? Das verstehe ich nicht.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.11.2011 15:41:14 GMT+01:00
Darüber kann man nur rätseln. Wir wissen ja auch nicht genau, ob er das wirklich so gesagt hat. Ist das Buch nicht von seinen Jüngern geschrieben worden? Viele von denen würden sicher gerne in den Himalaja fahren, wie Sie so schön formulierten. Ich finde die Verzückung, in die auch auf dieser Plattform immer wieder Leute verfallen, wenn sie solche Bücher rezensieren, ziemlich lustig. Vielleicht sollten wir bedenken, dass auch Zen-Meister im Westen von etwas leben wollen. Sie passen sich entsprechend an die Kultur an, in die sie nun gelangt sind. Am Beispiel des Yoga wird das wohl noch deutlicher. Im Westen wird es meist als reine "Gymnastik" geübt und seinem Wesen beraubt.

Wenn Suzuki nur einfach das Meditieren in Zen-Art praktisch gelehrt hätte, wäre er wohl verhungert. Die Leute wollen unterhalten werden. Von einem Guru erwartet man dann eben irgendwelche Weisheiten. Dass das ganze Buch ein einziges Paradoxon ist, haben die meisten Verzückten dann wohl auch nicht bemerkt. Ich erwische mich übrigens auch immer, wenn ich solche Bücher rezensiere, bei eigentlich paradoxen Formulierungen. Aber wie soll man etwas in Begriffe fassen, das sich Begriffen entzieht?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.11.2011 16:02:52 GMT+01:00
J. Lippert meint:
Gute Frage, man kann nur in Begriffen fassen, dass es etwas gibt, das Gedanken nicht fassen können. Man kann nur darauf hinweisen, was es nicht ist. Und dieses Sehen dessen was ist, ist es auch schon.. Vielen hilft es da anzusetzen, dass die Trennung in Denker und Denkenden schon eine Illusion ist, die das Denken in sich hervorruft. Und schon rutscht man in den Alptraum ohne bemerkt zu haben eingeschlafen zu sein.
Kennen Sie Krishnamurti?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.11.2011 17:15:38 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.11.2011 17:16:20 GMT+01:00
Ja, ich habe sein Buch "Einbruch in die Freiheit" gelesen und auch rezensiert. Ist ja eigentlich nicht sein Buch, sondern ein ähnlicher Fall, wie das Werk von Suzuki.
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