44 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ein Appell zur richtigen Zeit, 1. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Genug (Gebundene Ausgabe)
Die wichtigste Ursache für den dramatischen Absturz der globalen Finanzökonomie lässt sich auf einen der unangenehmsten Charakterzüge des Menschen zurückführen: seine Gier nach mehr, nach mehr als er für die Deckung seiner Bedürfnisse überhaupt nötig hat, ohne Rücksicht auf die verfügbaren Ressourcen. Doch nicht allein die Finanzwirtschaft hat über ihre Verhältnisse gelebt. In seinem Buch "Genug - Wie Sie der Welt des Überflusses entkommen" konstatiert der britische Journalist John Naish, dass sich die Verheißung, die industrielle Überflussproduktion würde einem idealistischen Zeitalter den Weg ebnen, nicht erfüllt habe. Stattdessen bescheinigt er der westlichen Zivilisation, in eine irrsinnige Wohlstands- und Wegwerfgesellschaft abgeglitten zu sein, die Überflüssiges im Überfluss produziert und dabei unsere menschlichen und ökologischen Ressourcen verheizt. Die verzehrende Jagd nach immer mehr Information, Essen, Sachen, Arbeit, Auswahl, Glück und Wachstum läuft auf eine Flucht vor der schwierigen Frage nach dem Sinn des Lebens hinaus. Dieser eskapistischen Maßlosigkeit hält Naish seinen doppeldeutigen Appell "Genug" entgegen; "Genug" einerseits in dem Sinne dass wir diesen Zuständen endlich ein Ende bereiten müssen, andererseits dass wir - ohne in das andere Extrem der Askese zu verfallen - nun in einem angemessenen Maß zu einer neuen Balance unserer Bedürfnisse finden müssen. Naish lässt den Leser auf dem Weg dahin nicht allein, sondern schließt an jedes Kapitel einen Katalog von praktischen Vorschlägen, anhand deren das Bewusstsein für die Fallstricke des Materialismus geschärft wird. Darüber hinaus ist das Buch flott geschrieben, gewürzt mit einer Prise des trocknen englischen Humors und zudem garniert um zahlreiche unterhaltsame Fallbeispiele auch aus Naishs eigenen Leben, welches er nach diesen vorgestellten Grundsätzen ausgerichtet hat. Die metaphysische Tiefenlotung dieser anspruchsvollen Thematik ist nicht die Sache des Pragmatikers Naish, der lieber rational auf der Grundlage der Evolutionspsychologie, der Neurowissenschaft und des gesunden Menschenverstands argumentiert. Dabei ist seine Materialismus-Kritik weder originell noch neu. Aber sie kommt zum richtigen Zeitpunkt, da in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise auch nach einer neuen Orientierung gefragt wird. Und so ist zu hoffen, dass sein Leitfaden zum Impulsgeber einer neuen Kultur der Nachhaltigkeit werden könnte. Naish gehört zu der Sorte Mensch, von der man im wahrsten Sinn des Wortes nie "genug" bekommen kann.
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Genug 3431037623
John Naish
Bastei Lübbe
Genug
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Ein Appell zur richtigen Zeit
Die wichtigste Ursache für den dramatischen Absturz der globalen Finanzökonomie lässt sich auf einen der unangenehmsten Charakterzüge des Menschen zurückführen: seine Gier nach mehr, nach mehr als er für die Deckung seiner Bedürfnisse überhaupt nötig hat, ohne Rücksicht auf die verfügbaren Ressourcen.
Doch nicht allein die Finanzwirtschaft hat über ihre Verhältnisse gelebt. In seinem Buch "Genug - Wie Sie der Welt des Überflusses entkommen" konstatiert der britische Journalist John Naish, dass sich die Verheißung, die industrielle Überflussproduktion würde einem idealistischen Zeitalter den Weg ebnen, nicht erfüllt habe. Stattdessen bescheinigt er der westlichen Zivilisation, in eine irrsinnige Wohlstands- und Wegwerfgesellschaft abgeglitten zu sein, die Überflüssiges im Überfluss produziert und dabei unsere menschlichen und ökologischen Ressourcen verheizt. Die verzehrende Jagd nach immer mehr Information, Essen, Sachen, Arbeit, Auswahl, Glück und Wachstum läuft auf eine Flucht vor der schwierigen Frage nach dem Sinn des Lebens hinaus.
Dieser eskapistischen Maßlosigkeit hält Naish seinen doppeldeutigen Appell "Genug" entgegen; "Genug" einerseits in dem Sinne dass wir diesen Zuständen endlich ein Ende bereiten müssen, andererseits dass wir - ohne in das andere Extrem der Askese zu verfallen - nun in einem angemessenen Maß zu einer neuen Balance unserer Bedürfnisse finden müssen. Naish lässt den Leser auf dem Weg dahin nicht allein, sondern schließt an jedes Kapitel einen Katalog von praktischen Vorschlägen, anhand deren das Bewusstsein für die Fallstricke des Materialismus geschärft wird. Darüber hinaus ist das Buch flott geschrieben, gewürzt mit einer Prise des trocknen englischen Humors und zudem garniert um zahlreiche unterhaltsame Fallbeispiele auch aus Naishs eigenen Leben, welches er nach diesen vorgestellten Grundsätzen ausgerichtet hat.
Die metaphysische Tiefenlotung dieser anspruchsvollen Thematik ist nicht die Sache des Pragmatikers Naish, der lieber rational auf der Grundlage der Evolutionspsychologie, der Neurowissenschaft und des gesunden Menschenverstands argumentiert. Dabei ist seine Materialismus-Kritik weder originell noch neu. Aber sie kommt zum richtigen Zeitpunkt, da in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise auch nach einer neuen Orientierung gefragt wird. Und so ist zu hoffen, dass sein Leitfaden zum Impulsgeber einer neuen Kultur der Nachhaltigkeit werden könnte. Naish gehört zu der Sorte Mensch, von der man im wahrsten Sinn des Wortes nie "genug" bekommen kann.
peacelines "peacelines"
1. Januar 2009
- Insgesamt:
5

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