Kundenrezension

40 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "Stets wurde jemand bestraft, wenn ein Verbrechen begangen worden war, nur nicht immer der Schuldige." (S. 337 u. S. 344), 27. Oktober 2013
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Rezension bezieht sich auf: Seelen im Eis: Island-Thriller (Taschenbuch)
Yrsa Sigurðardóttir bleibt ihrem Stil treu: Zwei Handlungsstränge, die gleichwertig nebeneinander stehen, einer in der Vergangenheit und einer in der Gegenwart, wobei der Protagonist der Gegenwart den Ereignissen in der Vergangenheit auf die Spur zu kommen versucht. Dabei hat dieser Roman mit der spannenden Reihe um die Rechtsanwältin Dóra Guðmundsdóttir nichts zu tun und steht ganz für sich allein.

Der Roman beginnt mit einem Prolog, der mit "Das Ende" betitelt ist, sodass der Leser eigentlich nur darauf - auf das Ende - hinlesen muss. Leider nimmt schon dieser Prolog sehr viel vorweg.

Nach dem Unfalltod seiner Ex-Frau nimmt Óðinn, der sich bisher als Wochenendvater nicht mit Ruhm bekleckert hatte, seine 11-jährige Tochter Rún zu sich. Das bedeutet für ihn eine komplette Lebensumstellung, und auch Rún geht es nicht besonders gut, die unter dem Tod ihrer Mutter sehr leidet, mit nächtlichen Alpträumen zu kämpfen hat und schließlich von ihrem Vater entgegen dessen anfänglicher Zweifel zu einer Kinderpsychologin gebracht wird. Den Arbeitsplatz hat er seiner Tochter zuliebe gewechselt: in eine Behörde, in der er nunmehr - nach dem Tod einer Kollegin, die den Fall vorher bearbeitet hatte - die Zustände in einem Erziehungsheim in den 70er Jahren untersuchen soll, das geschlossen wurde, kurz nachdem dort zwei Jungen ums Leben gekommen waren.

Der zweite Handlungsstrang konzentriert sich genau darauf: Auf einen kurzen Zeitraum im Winter Anfang 1974 in ebendiesem Erziehungsheim, kurz nachdem die junge Aldís dort als Küchenhilfe eingestellt worden war.

Yrsa Sigurðardóttir ist die Meisterin des langsamen Spannungsaufbaus, aber hier übertreibt sie es einigermaßen: Die - eigentlich nicht existente - Beziehung zwischen Óðinn und seiner Tochter, ihr problematisches Zusammenleben, die von Óðinn nicht gemochte Arbeit in der Behörde, das alles nimmt so viel Raum ein, dass seine Ermittlungen kaum vorankommen. Die Stimmung ist eher deprimierend als düster, das betrifft auch die Handlungsebene um Aldís: Die spielt zwar im Winter, in einem abgelegenen Erziehungsheim, die Heimleiter, um die sich noch ein weiteres Geheimnis rankt, werden als Sadisten beschrieben, aber es ist insgesamt eher ungemütlich und ermüdend als geheimnisvoll. Zumal wirklich Mysteriöses nicht passiert. Die Hinweise, die schließlich für die Auflösung des Falles nötig sind, sind rar und kommen sehr spät. Allerdings kann der Leser allein schon aufgrund des gesamten Handlungsherganges einiges erahnen.

Noch besser als Geisterfjord solle dieser als "Thriller" bezeichnete Roman sein, so ist auf dem Klappentext zu lesen. Nun ja, während Geisterfjord ein wirklich furioser Gruselroman war, der die düstere und beklemmende Stimmung seines isolierten Settings zu nutzen wusste, kann man das von "Seelen im Eis" nun leider nicht behaupten. Es gruselt nicht, es langweilt sogar und ist zudem auch fürchterlich vorhersehbar.

Nun bin ich wohl Fan von Yrsas Island-Thrillern, aber dieses Mal hat sie mich leider enttäuscht. Nachdem im letzten Drittel das Tempo nach einem lahmen Mittelteil noch einmal deutlich anzieht, ist dann sogar das Ende, das mich bei Geisterfjord wirklich nach Luft schnappend zurückgelassen hat, hier einfach nur platt geraten.

"Unbedingt lesen!" steht auf einem Aufkleber auf der Vorderseite des Buches. Interessierten, die noch keinen Roman von Yrsa gelesen haben, möchte ich unbedingt ans Herz legen, nicht gerade mit diesem zu beginnen, denn sie kann es eindeutig besser. Vor allem die Reihe um die Rechtsanwältin Dóra möchte ich hier empfehlen. Aber auch wenn mir "Seelen im Eis" nun wirklich nicht besonders gefallen hat, werde ich Yrsa auf jeden Fall treu bleiben und vergebe hier - mit Yrsa-Bonus - noch drei Sterne für einen wie immer in den (personalen) Erzählperspektiven sehr konsequent ausgearbeiteten, sprachlich gut gelungenen, ansonsten aber nur leidlich spannenden Roman.

P.S. Es besteht selbstverständlich für den Leser dieser Rezension keine Verpflichtung, mit meiner Meinung übereinzustimmen!
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 17.11.2013 17:21:27 GMT+01:00
Jasmin meint:
Tolle Rezension :)
Das war mein erster Yrsa Thriller und ich fand ihn eigentlich sehr gut, besonders das Ende obwohl mir einige Fragen offen geblieben sind. Werde mich auf jeden Fall noch nach anderen Bücher von ihr umsehen.
Lg

Veröffentlicht am 25.11.2013 15:17:52 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 25.11.2013 15:18:05 GMT+01:00
Berlinerin meint:
Hallo Garnet,

kann mich deiner Rezension eins zu eins anschließen. "Es gruselt nicht, es langweilt sogar und ist zudem auch fürchterlich vorhersehbar."
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