Kundenrezension

11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gangsterkarriere, 26. März 2007
= Spaßfaktor:2.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Mafia (Videospiel)
Ein ausgezeichnetes Paradebeispiel dafür, wie wenig objektiv in so manch einem Fall die Videospielfachpresse über ein Game urteilt – und was mich wieder einmal an der Fairness jener Branche zweifeln lässt, um es noch sehr höflich auszudrücken – stellt „Mafia“ für die Sony Playstation 2 dar. Hintergrund: die PC-Version dieses Abenteuers war herausragend gut und zwar dermaßen begeisternd, dass es sich – zurecht – den Titel „Spiel des Jahres 2002“ einheimsen durfte. Weit über ein Jahr später wurden nun auch die (seinerzeit) gängigen Spielkonsolen beglückt und: die Enttäuschung war groß. Riesengroß sogar, wenn man ehrlich sein darf. Aber genau diese „Ehrlichkeit“ zweifle ich bei so manch einer „Quelle“ an. Es gibt mehrere Gründe, die in der Summe so schwerwiegend sind, dass man die PS2-Fassung nur mit Müh und Not und dann auch noch mit Wohlwollen als empfehlenswert bezeichnen kann. Letztlich habe ich mich dazu durchringen können, da Spielidee und Atmosphäre grundsätzlich suchtfördernd sind. Doch die Patzer sind mitunter gewaltig, traurig aber wahr.

Die Handlung spielt in den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts, also genau zu dem Zeitpunkt als Machenschaften der Gangsterorganisationen Hochkonjunktur hatten, es war im Grunde nicht nur die Blütezeit, sondern auch zugleich die Geburtsstunde der Mafia. Eine miese Wirtschaftslage und in erster Linie das Alkoholverbot (Prohibition) schufen letztlich (ungewollt natürlich) das organisierte Verbrechen. In Zeiten, in denen es fast allen Firmen richtig schlecht geht, kommen ausschließlich die kriminellen Vereinigungen in Fahrt, für diese herrscht quasi Hochkonjunktur. Im Blickpunkt des Geschehens steht ein junger Mann namens Tommy Angelo, der „selbstverständlich“ italienische Wurzeln hat. Zunächst ist er ein überaus harmloser (und dazu auch noch erfolgloser) Taxifahrer und träumt von einem besseren Leben. Eines Tages erhält er die große Chance: eher zufällig rutscht er in die Nähe des organisierten Verbrechens, dem der gute Tommy in seiner Notsituation absolut nicht abgeneigt gegenübersteht. Während eines Überfalls verhilft er zwei Gangstern zur erfolgreichen Flucht, so dass diese auf ihn überhaupt erst aufmerksam werden. Auf der Suche nach materiellem Wohlstand nimmt er die Gelegenheit wahr, ergreift sie praktisch beim Schopfe, erfüllt zunächst sehr unbedeutende Mini-Aufträge, stellt sich voll und ganz in den Dienst der Mafia und steigt nach und nach in der Gunst der mächtigen Personen. Insbesondere Don Salieri, der Boss der Mafia, mag ihn mit zunehmender Spieldauer richtig gern, um es einmal salopp auszudrücken, er nimmt ihn schließlich mehr oder weniger liebevoll unter seine Fittiche, schenkt ihm im Laufe der Zeit immer mehr Vertrauen. Welches Tommy auch keinesfalls enttäuschen möchte.

Die meiste Zeit über werden wir in „Mafia“ Zeuge eines detaillierten Rückblicks ausgehend Ende der 30er-Jahre. Schauplatz ist „natürlich“ die amerikanische Großstadt Chicagos, der Hauptumschlagplatz für die Aktivitäten der Mafia und nicht zuletzt das Zuhause von Al Capone. Hier erzählt Tommy Angelo quasi rückwirkend seinen Tätigkeitsbereich der letzten knapp fünf Jahre, um es noch höflich auszudrücken. Ein Pluspunkt dieses Actionspiels – über die genaue Bezeichnung des Genres darf man sich übrigens ruhig streiten, von mir aus auch Actionadventure oder Simulation – ist zweifelsohne die gelungene Präsentation, wobei ich mich aber in erster Linie nur (zu den Mängeln später noch mehr auf die netten Filmschnipsel beziehen, welche dem Gameplay eine wohltuende Prise Lebendigkeit einhauchen und das ganze Drumherum sehr authentisch wirken lassen.

Bemerkenswert ist auf den ersten Blick die Liebe zum Detail: betrachtet man die Straßen Chicagos, so fühlt man sich sofort an Spielfilme erinnert, welche jene Zeit beschrieben und ein sehr ähnliches Ambiente versprühten. Typische Gebäudekomplexe (Lagerhäuser, Bürokomplexe, kleine Läden) der 30er, entsprechende Autos und Straßenbahnen sorgen für das richtige Flair. Auch die Geschwindigkeit der Fahrzeuge kommt sehr realistisch rüber, so dass wir mehr durch die engen Gassen gondeln und gegebenenfalls zügig über diese holpern. Aufpassen müssen wir – speziell bei unseren ersten Touren im Dienste der Mafia – dass die örtliche Polizei nicht auf uns aufmerksam wird. Diese ist hartnäckig und greift erbarmungslos durch. Zu schnelles Fahren oder das Übersehen roter Ampeln kann bereits fatale Folgen für uns haben. Werden wir auffällig, haben wir die Chance, in Windeseile zu entkommen, allerdings ist dies regelmäßig leichter gesagt als getan: denn erstens sind jene Gesetzeshüter ordentlich auf Zack und zweitens sind die Fahreigenschaften der Vehikel nicht gerade die besten, um durch die Stadt zu rasen. Was aber auch vollkommen realistisch ist und daher völlig in Ordnung geht, versteht sich. Gelingt uns die Flucht, haben wir aber noch lange nicht Ruhe, wir haben die zweifelhafte Ehre, auf die Fahndungsliste zu kommen. Interessant hierbei: fallen wir in den nächsten Tagen und Wochen nicht erneut unangenehm auf, verschwinden wir so langsam aber sicher von eben jener Liste. Das hat was. Für Spannung ist gesorgt.

Sehr oft schleichen wir uns möglichst unbemerkt an die parkenden Wagen heran und versuchen diese zu knacken. Das Aufbrechen der Fahrzeuge will gelernt sein, was wir dann auch im engeren Freundeskreis veranschaulicht bekommen. Dies unbemerkt und möglichst schnell zu tun, ist in der Regel ziemlich schwierig und treibt uns Konsolisten doch ziemlich oft die Schweißperlen auf die Stirn. Des Weiteren stehen Sabotageaktionen feindlicher Banden bzw. Konkurrenten auf dem Programm und natürlich will auch sehr regelmäßig das Schutzgeld eingetrieben werden. Um für noch mehr Abwechslung zu sorgen, gibt es ab und an eine sehr heikle Mission, die aus der Übergabe heißer Ware – natürlich primär Alkohol – besteht und bei denen nicht selten etwas schief geht. Dann heißt es, einen möglichst kühlen Kopf zu bewahren und trotz der urplötzlich eingetretenen Hektik die richtigen Entscheidungen zu treffen bzw. Maßnahmen einzuleiten. In der Regel kommt es zum Kampf, innerhalb weniger Sekunden finden wir eine äußerst bleihaltige Luft vor: wer hier nicht schleunigst in Deckung geht, wird nicht mehr besonders viele (virtuelle) Atemzüge nehmen, schätze ich.

Immer wieder gibt es Schusswechsel mit rivalisierenden Bandenmitgliedern, schließlich will jede kriminelle Organisation ein möglichst großes Stück vom Kuchen, welcher durch die Einführung der Prohibition entstanden ist. In Deckung gehen, auf den richtigen Moment warten, möglichst genau zielen und abdrücken: so soll es gehen. Sowohl im Nah- als auch im Fernkampf sind wir aktiv, so dass wir nur allzu gerne auf Pistole, Schrotflinte, aber auch auf so nette Utensilien wie Baseballschläger oder Schlagring zurückgreifen. Rasante Fahreinlagen, vorsichtiges Aufbrechen von Fahrzeugen und actiongeladene Schießereien bestimmen somit unseren Alltag. Waren wir erfolgreich, verstecken wir uns zunächst in dem von unserem großen Mentor gewährten Unterschlupf, parken auf dem Hinterhof die geklauten Autos, satten unserem Kollegen, seines Zeichens ein wahrer Waffenexperte immer wieder sehr gerne einen Besuch ab und erstatten beim Salieri-Clan Bericht. Von dem wir neue Aufträge erhalten, die uns in der Story dann auch weiter voranbringen. Schade allerdings: trotz der vielen Missionen ist der Spielverlauf größtenteils sehr linear, viele Möglichkeiten abseits des Haupthandlungsstranges haben wir leider nicht.

Leider ist „Mafia“ für die PS2 ein reines Soloabenteuer, so dass mehreren Gleichgesinnten nichts anderes übrig bleibt, als das Joypad von Auftrag zu Auftrag weiterzureichen, möchte man trotzdem gemeinsam spielen. Nur ein sehr kleines Trostpflaster sind die abseits des Storymodus existierenden Modi wie „Freie Fahrt“ und „Rennmodus“. Dort dürfen wir mit den in der Story freigespielten Fahrzeugen durch die Pampa heizen, Taxifahrer spielen, Autos knacken und zerschrotten sowie Mitglieder konkurrierender Gangsterbanden aufs Korn nehmen. In Letztgenanntem Modus pesen wir mit unterschiedlichen Oldtimern um die Wette, bevor wir uns auf die zwölf Strecken wagen, ist ein Training und sogar eine echte Qualifikation zu bewältigen. Beides ist sicherlich ganz nette Kosmetik, verblasst aber angesichts der Defizite dieser PS2-Fassung nahezu total.

Hörte sich alles bis dato noch sehr attraktiv an, so verschlägt es einem angesichts der Mängel die Sprache. Zumindest diejenigen, welche die berühmte PC-Version kennen, trauen ihren Augen nicht: ungläubiges Erstaunen weicht mit zunehmender Spieldauer großem Entsetzen. In erster Linie enttäuscht die schwache Grafik, diese ist unterdurchschnittlich. Was für ein Schock. Weder 60-Hertz-Modus oder 16:9-Breitbildformat, einfache Hintergründe, nicht selten matschige Texturen und nicht sonderlich detailreich modellierte Figuren sorgen für eine triste Atmosphäre. Besonders in der Stadt sieht es zuweilen sehr trostlos, ja manchmal sogar richtig schäbig aus. Aufsehenerregende Spezialeffekte suchen wir jedenfalls durch die Bank weg vergebens, ebenso hübsche Fahrzeugmodelle und gelungene Animationen der Protagonisten. Im Gegenteil: die Bewegungsabläufe sehen steif aus. Schlimm: trotz der einfachen Texturen und niedrigen Auflösung kommt die Grafik trotzdem ab und an ins Stottern und Pop-Ups bzw. ein sichtbarer lahmer Aufbau sind zu erkennen. Das ist Mist. Gegen die weit über ein Jahr ältere PC-Version sieht diese jüngere PS2-Variante (unverständlicherweise) überhaupt keine Sonne. Zwar war auch bei jener die Grafik sicher nicht das stärkste Kaufargument, doch das hier auf der PS2 uns in grafischer Hinsicht Dargebotene ist mau. Sehr mau sogar. Vieles erinnert hier an ein durchschnittliches Game für die alte(!) Playstation. Womit ich Sonys alten Kasten nicht denunzieren, aber deutlich machen möchte, wie mies es um die Grafik hier bei „Mafia“ für die PS2 bestellt ist. Nicht immer aber viel zu oft. Außerdem sehr nervig: sehr lange Ladezeiten zwischendurch, das ist äußerst lästig und sollte eigentlich längst der Vergangenheit angehören.

Ein weiterer Makel ist der unausgewogene Schwierigkeitsgrad: mal fluppt es kinderleicht und wir fühlen uns unterfordert, ja sogar ein bisschen verschaukelt, dann wiederum haben wir nicht den hauch einer Chance und laufen Gefahr, angesichts sehr unfairer Schusswechsel mit den Feinden die ersten Wutanfälle zu bekommen. Schließlich nervt noch etwas Weiteres empfindlich: die Steuerung. Steuert es sich beim PC-Abenteuer mit der Maus noch flüssig, so sieht das mit dem PS2-Joypad schon wesentlich anders aus: nämlich grob und abgehackt. Eine Unterstützung für die Playstation-Maus gibt es leider nicht. Die automatische Zielerfassung ist sicherlich sehr zu begrüßen, kann diesen Schwachpunkt aber keineswegs überdecken. Sehr übel: unsere Kugeln prallen bei den Schusswechseln wie von Geisterhand von „irgendetwas“ ab, auf größere Entfernung ist ein Zielen quasi unmöglich, die Feinde hingegen treffen uns oft mit schlafwandlerischer Sicherheit, „irgendwie“ auch durch Hindernisse hindurch. Das ist sehr schlecht.

Einen kleinen Lichtblick stellt die Soundkulisse dar. Vergessen machen kann sie die derben Negativpunkte aber nicht. Sehr gute Melodien im Hintergrund, welche für eine stimmungsvolle und authentisch wirkende Spielatmosphäre sorgen und grundsätzlich mitreißen können. Gut gelungen ist auch die deutsche Sprachausgabe sowie die Tatsache, dass wir sattem Surroundklang lauschen dürfen. Sofern wir das entsprechende Equipment zu Hause haben, versteht sich. Dieser Pluspunkt kommt angesichts der ansonsten vorherrschenden Tristesse leider nicht so richtig zur Geltung. Unter dem Strich enttäuscht „Mafia“ für die Playstation 2 sehr. Über alle Maßen sogar. Wer dieses (eigentlich faszinierende) Abenteuer noch nicht kennen sollte: tut Euch diese PS2-Fassung nicht an, greift zur PC-Version! Die Nachteile sind jedenfalls gewichtig: trotz Spannungsgehalt und coolem Ambiente sinkt der Spielspaß fast ins Bodenlose: einige unfaire Passagen – speziell bei den Schusswechseln – eine grobe Steuerung und phasenweise richtig üble Grafik sorgen für Verdruss. Nein danke, Take 2, das ist nur dahingeschludert, dafür gibt es keine Entschuldigung. Schnell auch noch auf Konsolen mit einem sehr großen Namen Geld scheffeln? Nichts da. Spielspaßwertung: 55%.

PLUS --> Authentisch wirkende und dichte Atmosphäre, spannend, abwechslungsreich, umfangreich

MINUS --> Schwache Grafik, grobe Steuerung, unausgewogener Schwierigkeitsgrad, nervige Ladepausen, kein Multiplayer, zu linearer Spielverlauf, öfters unfair: nicht den Hauch einer Chance gegen die wesentlich ältere fantastische PC-Fassung
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 23.01.2011 09:59:28 GMT+01:00
hi,ich habe mir das spiel mafia für Ps2 gekauft, bis jeds habe ich es geschaft, Aber nur bis Salieris Bar , Auto Parken.
ich komme einfch nicht weiter , Meine Frage muß mann teil 2 Haben ? ( ich habe keine ahnug über PlayStation da ich nur Computer Spiele Habe ) Vielen Dank
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